Scheidenpilzinfektion Ursachen, Anzeichen und Behandlung

scheidenpilzinfektion
Susanne Waschke

Die meisten Frauen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Scheidenpilzinfektion (Vaginalmykose). Diese wird, wie der Name schon sagt, von Pilzen verursacht. Die natürliche Scheidenflora, die die Aufgabe hat, Erreger abzuwehren, ist bei einer Vaginalmykose gestört. Dabei entsteht eine Entzündung der Scheidenschleimhaut und des äußeren Genitalbereiches. Unterschiedliche Ursachen können hierfür verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Candida albicans – ein „normaler Mitbewohner“
Scheidenflora: Schutz gegen Erreger
Ursachen
Symptome einer Pilzinfektion in der Scheide
Verlauf der Erkrankung
Diagnose
Therapie einer Vaginalmykose
Präventivmaßnahmen
Naturheilkunde
Mitbehandlung des Partners
Scheidenpilzinfektion während Schwangerschaft
Wann der Gang zum Arzt nötig ist

Candida albicans – ein „normaler Mitbewohner“

Der Haupterreger ist der Hefepilz Candida albicans. Dieser ist in jedem menschlichen Körper vorhanden. Er gehört zur ganz normalen Besiedelung von Haut und Schleimhaut. Ist jedoch das Gleichgewicht der Schleimhautbarriere gestört, kann sich der Pilz munter vermehren und pathogen werden, das heißt, Krankheiten verursachen. Dazu gehört auch die Scheidenpilzinfektion.

Ist die Immunabwehr intakt, kommt es nicht zu einer krankhaften Vermehrung der Pilze. Ist jedoch das Immunsystem geschwächt, kann dies zu einer Pilzinfektion führen. Dies ist keine bedrohliche Erkrankung, kann aber mitunter ziemlich lästig sein.

Intimgeruch, wenn der Intiembereich bel riecht
Eine Scheidenpilzinfektion ist oft mit äußerst unangenehmen Beschwerden verbunden. Bild: www.fotolia.com © SENTELLO

Scheidenflora: Schutz gegen Erreger

Die Scheide ist absolut nicht keimfrei, sondern mit einer hohen Anzahl von Bakterien besiedelt. Dies wird als Scheidenflora bezeichnet und bildet einen Schutz gegen eindringende Erreger. Circa 100 Millionen Keime pro Milliliter leben im Scheidensekret. Die ansässigen Bakterien bestehen vor allem aus Milchsäurebakterien, sogenannte Lactobazillen. Diese fühlen sich im Scheidenmilieu äußerst wohl und gedeihen dort auch sehr gut. Diese „guten“ Bakterien produzieren Stoffe, die anderen Keimen den Nährboden entziehen und sie so am Wachstum hindern. In der Scheidenflora leben circa fünf bis acht verschiedene Milchsäurebakterien-Stämme. Dies variiert jedoch von Frau zu Frau. Daraus ergibt sich auch die unterschiedliche Anfälligkeit für Scheideninfektionen.

In der Vagina herrscht ein ph-Wert unter 4,5, was äußerst sauer ist. Dies bedeutet für die meisten Keime eine äußerst schlechte Umgebung. So stellt die Scheidenflora mit ihrer großen Anzahl an Lactobazillen einen Schutz vor Krankheitserregern, wie Bakterien, Pilze und Protozoen dar.

Ursachen

Hormone haben einen großen Einfluss auf das Scheidenmilieu. So ist die Zusammensetzung der Scheidenflora den ganz normalen monatlichen Hormonschwankungen der Frau unterworfen. Während einer Schwangerschaft kann der Scheiden-ph-Wert ansteigen, was regelmäßig kontrolliert werden muss, um im Falle einer Infektion, schnell reagieren zu können. Weitere Hormonstörungen, wie sie zum Beispiel in der Menopause vorkommen oder durch Schilddrüsenerkrankungen hervorgerufen werden, haben mitunter Auswirkungen auf die Schleimhaut in der Scheide.

Die Einnahme von Antibiotika kann unter Umständen zu einer Veränderung der natürlichen Abwehr im Genitalbereich führen. Das Antibiotikum kann dabei die guten Lacotbazillen zerstören und deshalb anderen Keimen die Möglichkeit zur Vermehrung bieten. Auch Kortikoide und Chemotherapeutika zerstören in manchen Fällen das gesunde Gleichgewicht. Zudem können die Einnahme der Pille und eine übertriebene Intimhygiene das Scheidenmilieu ungünstig beeinflussen. Gemeinsam benutzte Handtücher und der Besuch eines öffentlichen Schwimmbades führen unter Umständen ebenfalls zu einer Pilzinfektion führen. Des Weiteren haben Grunderkrankungen, wie Diabetes mellitus und AIDS einen negativen Einfluss auf die Zusammensetzung des Scheidenmilieus. Stress, psychische Probleme, die meist ein geschwächtes Immunsystem nach sich ziehen, sind ebenso als Ursachen zu nennen.

Symptome

Hauptsymptome bei einer Pilzinfektion sind Brennen, vaginaler Ausfluss und juckende Scheide. Häufig ist der Scheideneingang gerötet und geschwollen. Der Ausfluss besitzt eine weiße bis gelbliche Farbe, ist von cremiger oder bröckliger Konsistenz (Quark ähnlich) und riecht etwas nach Hefe. Am Unangenehmsten empfinden die betroffenen Frauen den massiven Juckreiz, der meist kurz vor der Periode noch schlimmer wird. Die Scheidenpilzinfektion kann unter Umständen auch auf angrenzende Hautpartien übergehen. So bildet sich bei schweren Verläufen gelegentlich ein Juckender Hautausschlag mit Eiterbläschen und ekzemartigen Läsionen auf der Innenseite der Oberschenkel. Auch können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Verlauf der Erkrankung

Meistens heilt eine Pilzinfektion an der Scheide vollkommen komplikationslos aus. Treten jedoch die Vaginalmykosen häufiger auf, sollte unbedingt nach den Ursachen geforscht werden. Als chronisch rezidivierend wird eine Erkrankung bezeichnet, wenn sie viermal oder häufiger pro Jahr auftritt. Bei der Behandlung des chronischen Scheidenpilzes wird in der Schulmedizin gerne zu einem oralen Antimykotikum gegriffen. Zusätzlich ist eventuell eine Untersuchung des Partners angeraten.

Diagnose

Eine Infektion wird beim Gynäkologen durch Anamnese, körperliche Untersuchung und mikroskopische Analyse des Scheidensekrets diagnostiziert. In manchen Fällen ist eine Pilzkultur nötig, bei der der Scheidenabsstrich auf einem besonderen Nährboden aufgebracht wird, auf dem dann die Pilze wachsen können, und einige Zeit später eine genauere Diagnose gestellt werden kann.

Therapie einer Vaginalmykose

Der Scheidenpilz wird meist lokal behandelt. Dies geschieht in Form von Zäpfchen, Scheidentabletten oder Cremes, welche ein Antimykotikum (Mittel gegen Pilze) enthalten. Die Anwendung dauert, je nach Präparat, meist zwischen drei und sieben Tagen. In manchen Fällen werden orale Antimykotika verordnet. Gerade dann, wenn die Betroffene unter häufig wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen leidet. Jedoch ist nicht immer eine orale Anti-Pilz-Therapie möglich, vor allem nicht in Schwangerschaft und Stillzeit.

Heilt die Pilzinfektion nicht komplikationslos aus und tritt die Vaginalmykose häufiger auf, müssen weitere Ursachen und eventuelle Grunderkrankungen ermittelt und entsprechend behandelt werden. Eine Partnerbehandlung wird meist erst dann empfohlen, wenn die Betroffene unter wiederkehrenden Infektionen leidet. Generell ist jedoch, solange therapiert wird, die Verwendung eines Kondoms zu empfehlen, damit sich der Partner nicht anstecken kann.

Immer mehr Ärzte verordnen nach der Anti Pilz Therapie Milchsäurebakterien, damit sich die Scheidenflora schnell wieder erholen kann und ihre Abwehrfunktion wieder hergestellt wird.

Präventivmaßnahmen

Auf jeden Fall sollte keine übertriebene Intimhygiene durchgeführt werden. Klares Wasser oder ph-neutrale Waschmittel reichen völlig aus. Die Unterwäsche sollte täglich, insbesondere bei vermehrtem Schwitzen häufiger, gewechselt werden, da ein feuchtes Klima das Entstehen von Pilzen erleichtern kann. Anstatt synthetischer, eng anliegender Slips, sollten Baumwollmaterialien bevorzugt werden. Binden oder Slipeinlagen, die eine Kunststoffbeschichtung haben, begünstigen ein feuchtes Milieu, das möglichst zu vermeiden ist. Beim Toilettengang ist auf ein Wischen von vorne nach hinten zu achten, damit keine Darmbakterien in den Scheidenbereich verschleppt werden können.

Da sich der Pilz Candida albicans gerne von Zucker ernährt, wird geraten, den Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Weißmehlprodukten einzuschränken.

Naturheilkunde bei Scheidenpilzinfektionen

Bei der Behandlung gilt in der Naturheilkunde ein ganzheitlicher Ansatz. Demzufolge wird eine Besiedelung des Darmes mit dem Pilz Candida albicans als Ursache für, vor allem wiederkehrende, Vaginalmykosen gesehen. Diese Denkweise ist immer noch umstritten. Jedoch berichten immer wieder Betroffene darüber, dass erst durch eine Darmsanierung den wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen langfristig ein Ende bereitet werden konnte.

Eine Darmsanierung kann zuhause oder in einer Heilpraktiker-Praxis unternommen werden. Bild: Kzenon-fotolia
Eine Darmsanierung kann zuhause oder in einer Heilpraktiker-Praxis unternommen werden. Bild: Kzenon-fotolia

Um dem Pilz zu Leibe zu rücken werden verschiedenste Methoden angewandt. Naturheilkundlich versierte Therapeuten setzen Präparate ein, die Kamille und Myrrhe enthalten, um den lästigen Pilz aus dem Darm zu vertreiben. Auch Darmsanierungen, bei denen mit Hilfe von Kräuterauszügen der Darm gereinigt und anschließend mit physiologischen Darmbakterien wieder aufgebaut werden, gehören in das Behandlungsspektrum der Naturheilpraxis. Im Mittelpunkt steht hier die Vertreibung des Candida albicans aus dem Darm, da dieser für das wiederholte Auftreten von Scheidenpilzinfektionen verantwortlich gemacht wird.

Des Weiteren verordnen naturheilkundlich versierte Therapeuten oftmals eine bestimmte Diät, die nahezu zuckerfrei sein und auf jegliche Weißmehlprodukte verzichten sollte. In der Naturheilkunde wird zur Behandlung der Scheidenpilzinfektion außerdem Granatapfelsaft empfohlen, dessen Polyphenole sich positiv auf die Darmschleimhaut auswirken und damit Bakterien und Pilze bekämpfen können. Ebenso soll der Verzehr von Knoblauch, Meerrettich und Kresse eine antimykotische Wirkung haben. Auch Kolloidales Silber wird häufig in der Naturheilpraxis gegen Vaginalmykosen verordnet. Ihm wird eine antivirale, antibakterielle und antimykotische Wirkung nachgesagt. Für die lokale Anwendung im Bereich der Scheide hält die Naturheilkunde Zäpfchen und Salben bereit. Sitzbäder mit Kamille und/oder Ringelblumen runden die ganzheitliche Behandlung ab.

Da Scheidenpilzinfektionen häufig auf Grund eines geschwächten Immunsystems, entstehen gilt diesem ein großes Augenmerk. Verfahren, die das Immunsystem stärken finden, daher häufig Anwendung. Hier können Eigenbluttherapien und der Einsatz von imunstimulierenden Pflanzen, wie zum Beispiel Echinacea oder Propolis Abhilfe schaffen. Eine basische Kost, die wenig Zucker und süßes Obst, jedoch viel Gemüse und vollwertigen Zutaten umfasst, ist die Basis, um sich vor wiederkehrenden Infektionen zu schützen. Stress, der häufig dafür verantwortlich ist, das Immunsystem in die Knie zu zwingen, soll durch geeignete Entspannungsübungen und regelmäßige Ruhephasen in Schach gehalten werden.

Mitbehandlung des Partners

Früher wurde der Partner routinemäßig mit behandelt. Dies ist heute nicht mehr der Fall, da festgestellt wurde, dass sich die Heilungschancen durch die Partnerbehandlung nicht eindeutig verbessert haben.

Scheidenpilzinfektion während Schwangerschaft

Tritt während einer Schwangerschaft oder Stillzeit eine Pilzinfektionn in der Scheide auf, so sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Die Apotheke hält zwar frei verkäufliche Präparate gegen Vaginalmykosen bereit, doch sollten sich Schwangere und Stillende nicht selbst behandeln, sondern unbedingt einen Gynäkologen aufsuchen. Eine Behandlung ist absolut nötig, vor allem, um das Neugeborene vor einer Infektion während der Geburt zu schützen. Der Arzt wählt Therapeutika aus, die während Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich sind. Stillenden wird empfohlen, nach Anwendung der Lokaltherapeutika im Intimbereich, sich gründlich die Hände zu reinigen, damit das Baby nicht mit dem Anti Pilzmittel in Kontakt kommt.

Wann der Gang zum Arzt nötig ist

Mit Hilfe eines Schnelltests aus der Apotheke kann mittlerweile jede Frau selbst feststellen, ob sie an einer Infektion der Scheide leidet. Der Test verspricht eine Trefferquote von 80 Prozent. Im Anschluss daran hält die Apotheke frei verkäufliche Anti-Pilzmittel bereit. Doch ist die Selbstbehandlung nicht immer zu empfehlen. Klingen die Symptome nicht innerhalb von Tagen ab, kommen Schmerzen und/oder Fieber hinzu, oder wiederholen sich die Beschwerden immer häufiger, lässt sich der Gang zum Gynäkologen nicht mehr aufschieben. (sw)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de