Dill – Inhaltsstoffe, Wirkung, Verwendung und Anleitung für den eigenen Anbau

Dr. Utz Anhalt

Dillkraut – Gewürz und Heilpflanze zugleich

Dill ist eines unserer häufigsten Gewürze, und jedem aus eingelegten Gurken bekannt. Deswegen heißt dieser Doldenblütler auch Gurkenkraut. Weniger bekannt ist das Kraut als Heilpflanze. Dabei haben es deren Wirkstoffe in sich.

  • Dill enthält viele Vitamine, Mineralien und ätherisches Öl.
  • Er fördert die Verdauung und hilft bei Blähungen, wirkt leicht antibakteriell und hemmt Entzündungen.
  • Diese Wirkungen sind weniger stark als bei seinen Verwandten Kümmel, Anis und Fenchel.
  • Die Samen schmecken viel intensiver als die Blätter und eignen sich deshalb am besten für Tees.
  • Das Kraut lässt sich vielseitig in der Küche verwenden.

Inhaltsstoffe

Getrocknter Dill enthält 0,35 % ätherisches Öl, 3,3 % Kalium, 1,7 % Calcium und 0,2 % Natrium. Die Früchte haben bis zu 8 % ätherische Öle, und die sorgen für den typischen Geschmack, genauer gesagt Phellandren und Dilläther. Hinzu kommen Cumarine und Kaffeesäuren-Derivate. Das Würzkraut enthält Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B7, A, C und E.

Dill enthält jede Menge Vitamine und Mineralstoffe. (Bild: osoznaniejizni/fotolia.com)

Heilwirkung und Anwendung von Dill

Dillfrüchte regen die Verdauung an, helfen gegen Blähungen und lösen Krämpfe. Sie eignen sich also gut, um Völlegefühl zu mindern und Magen-Darm-Krämpfe zu lindern, was auch erklärt, warum Dill als Küchenkraut so beliebt ist.

Die Samen in Wasser und in Wein wirken aufgekocht gegen Bauchschmerzen und Blähungen. Dillblätter in heißem Wasser als Dampfsitzbad, lindern Krämpfe im Unterleib. Traditionell galt die Pflanze auch als Mittel bei Menstruationsproblemen, wissenschaftlich erwiesen ist, dass er das Ausschütten des weiblichen Hormons Progesteron fördert.

Historische Anwendungen

Überlieferte Anwendungen sind wissenschaftlich nicht belegt. So nutzten ihn Ärzte der Antike gegen Kopfschmerzen, gegen Verstopfung und zum Reinigen der Gebärmutter. Er sollte gegen Bauchschmerzen, Erbrechen und Blähungen helfen. Hildegard von Bingen empfahl ihn bei Lungenerkrankungen und Nasenbluten. Apotheker verkauften Dill gegen Schluckauf und Krämpfe im Unterbauch.

Die Volksmedizin nutzte Gurkenkraut weniger intensiv als verwandte Doldenblütler wie Anis, Kümmel oder Fenchel. Diese wirken ähnlich, sind aber um einiges wirksamer. Samen und Blätter des Krauts können Sie einnehmen gegen Verdauungsprobleme, fehlenden Appetit, Schlaflosigkeit und Sodbrennen.

Wer einen hohen Blutdruck hat, sollte seine Gerichte öfter mit Dillkraut verfeinern. (Bild: manulito/fotolia.com)

Die Heilpflanze senkt auch den Blutdruck, einfach, indem Sie häufiger Gerichte mit Dillkraut oder Samen zu sich nehmen.

Rezepte für Tee und Wein mit Dill

Wir nehmen Dill als Heilpflanze in Form eines Tees zu uns. In diesem befinden sich ausschließlich die Samen. Für eine große Tasse Till-Tee nehmen wir circa drei Gramm Samen. Der Tee schmeckt ähnlich wie Fencheltee, aber nicht ganz so süß.

Beim Einschlafen hilft Dillwein. Dafür erhitzen Sie ein Glas Weißwein und gießen den heißen Wein über einen Teelöffel Dillsamen. Sie lassen alles mehrere Minuten ziehen, gießen den Wein ab und trinken ihn in kleinen Schlucken.

Biologische Aspekte

Die Pflanze ist einjährig und wächst aus Samen. Sie erreicht maximal 75 cm, meist weniger, ist glatt, von hellem Grün und duftet intensiv. Die Stängel wachsen aufrecht, die Laubblätter erinnern einen fiedrigen Kreis, was an Fenchel erinnert.

Als Doldenblütler trägt sie Doppeldolden mit bis zu 50 Strahlen und einem Durchmesser bis zu 15 cm und verwachsenen Kelchblättern. Insekten und Käfer bestäuben die Blüten. Die Blüte beginnt im Mai und reicht in den August hinein, die Spaltfrüchte reifen zwischen Juli und September und verbreiten sich mit dem Wind oder haften sich fest.

Das einjährige Gurkenkraut erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 75 cm und duftet sehr aromatisch. (Bild: 1981 Rustic Studio/fotolia.com)

Eine alte Kulturpflanze

Schon die Ägypter der Antike kultivierten das Kraut aus den gleichen Gründen wie heute – als Gewürz und zum Heilen. Die Griechen wie Römer nutzten sein Aroma in der Küche. Dillkraut war damals bereits eine Kulturpflanze, der wilde Dill stammt vermutlich aus Vorderasien.

Die Bibel nennt ihn wörtlich: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und lasset dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben!“ (Matthäus 23,23)

Im Mittelalter diente er vor allem als Heilpflanze. Dilltränke nahmen die Menschen zu sich, um Verdauung zu fördern, die Früchte ersetzten das Mundwasser, Tee tranken unsere Vorfahren bei Magenbeschwerden.

Dill selbst anbauen – Anleitung und Tipps

Gurkenkraut können wir Indoor ebenso anbauen wie im Freien, in der offenen Erde wie in Töpfen. Gartendill hat kaum Ansprüche. Der Boden sollte nicht zu verdichtet sein, und er mag keine Staunässe. Bei circa 15 Grad säen Sie ihn direkt ins Freiland. Vorher lockern Sie den Boden aus. Im Frühjahr und Sommer säen Sie regelmäßig von neuem aus, dann können Sie ständig frisch ernten. Sie ziehen eine Rille im Boden und verteilen die Samen gleichmäßig.

Erreicht der Dill 15 cm, können Sie das Kraut ernten – nach Bedarf. Ab circa 30 cm sollten Sie die ganze Pflanze schneiden und lagern. Feuchte Böden mit hohem Kompostanteil sind ideal, dabei mag sie leicht sauren Boden. Im Freiland können wir die Samen ab März direkt sehen, oder aber die Samen in der Wohnung keimen lassen und später pflanzen. Er keimt im Dunklen und in der Kälte. Perfekt ist eine Phase vor dem Keimen mit Temperaturen von 5 bis 10 Grad Celsius.

Bis zum Keimen braucht er drei Wochen. Wir ernten von Ende Mai bis Oktober. Das grüne Kraut ernten wir, bevor die Blüte einsetzt. Danach ernten wir nur noch die Samen. Getrocknete Blätter und Samen lagern wir in luftdichten Gefäßen.

Die Blätter lassen sich auch in Öl einlegen oder tief frieren. In Alufolie eingewickelt im Kühlschrank hält sich Dillkraut bis zu drei Wochen, klein geschnitten und eingefroren midnestens ein Jahr. Um ihn zu trocken binden Sie ihn an der frischen Luft zu Sträußen, hängen diese kopfüber und haben so einen Vorrat, der sich Jahre hält.

Dill passt wunderbar zu Fisch wie Lachs oder Forelle. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Dill in der Küche

Dillkraut schmeckt frisch ein wenig herb. Der Geschmack der Samen ist wesentlich aufdringlicher, bitter mit mehr als einem Hauch von Kümmel. Kenner süßen deshalb Dillsamentee mit Honig.

Dill ist ein Allrounder unter den Küchenkräutern. Es passt in Kräuterbutter, Kräuterquarks, Joghurts und Salatsaucen. Als Würze macht er sich gut in Fischgerichten, zum Beispiel für Lachs und Forelle, das Kraut eignet sich auch gut für Salzkartoffeln. Blätter und Dolden gehören zu Gewürzgurken, geben aber wie das Kraut auch Zucchini und Bohnen das gewisse Etwas.

Ein Freund von Zwiebeln und Zitrone

Das beliebte Gewürzkraut harmoniert mit Zitrone, Koriander, Basilikum und Pfeffer, ebenso mit Zwiebeln, Bärlauch, Schnittlauch, Porree, Knoblauch, Senfkörnern und Petersilie.

Fisch wie Lachs, Forelle oder Zander reiben Sie mit dieser Mischung ein, geben zerstoßenen Pfeffer und Salz hinzu und lassen alles zwei Tage im Kühlschrank ziehen, bevor Sie den Fisch zubereiten.

Wichtig: Garen Sie Dill – wenn überhaupt – nur kurz mit. Das Aroma verträgt keine große Hitze und frisch schmeckt er am besten. (Dr. Utz Anhalt)