Antibiotika-Gel gegen Borreliose

Fabian Peters

Neuartige Borreliose-Therapie getestet

18.09.2011

Borreliose ist neben der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine der gesundheitlich besonders bedrohlichen Folgen von Zeckenbissen. Forscher haben nun eine neue Methode untersucht, mit der Borreliose deutlich effizienter behandelt werden kann als bisher: Flüssiges Antibiotika-Gel.

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Normalerweise wird die Infektionskrankheit Lyme-Borreliose nach einer entsprechenden Diagnose mit Hilfe einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie behandelt. Kann durch die Medikation kein Behandlungserfolg erzielt werden, droht die Infektionskrankheit in ein chronisches Stadium überzugehen. Außerdem kann die Antibiotika-Therapie selber erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Daher suchen Forscher seit einiger Zeit nach Methoden, die die Effizienz der Behandlung verbessern und gleichzeitig das Nebenwirkungsrisiko reduzieren. Wissenschaftler um den Veterinär-Bakteriologen Professor Reinhard Straubinger von der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun ein neues Gel aus dem Antibiotikum Azithromycin entwickelt und in ersten Versuchen erfolgreich getestet.

Drohende Nebenwirkungen bisheriger Antibiotika-Therapie
Die durch Zecken übertragene Infektionskrankheit Borreliose kann relativ schnell in ein chronisches Krankheitsstadium übergehen, bei dem die Erreger sich massiv im Körper vermehren zahlreiche weitere Organe befallen und schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen. Die typischen Symptomen einer chronischen Borreliose sind laut Aussage der Experten zum Beispiel wechselnde Gelenkschmerzen, Sehstörungen, Störungen des Tastsinns und Herzproblemen. Darüber hinaus sind auch Rückenmark-Erkrankungen, Nervenentzündungen und weitere neuronale Störungen mögliche Folgen einer Borreliose-Infektion. Hat die Erkrankung ein chronisches Stadium erreicht, ist eine therapeutische Behandlung äußerst schwierig und nur selten von Erfolg gekrönt. Umso wichtiger ist daher eine frühzeitige Diagnose. Allerdings sind die Symptome im Anfangsstadium der Erkrankung oftmals relativ unspezifisch. Lediglich der sich ausweitende rötlich Hautausschlag im Umfeld der Einstichwunde gilt als eines der leicht zu erkennenden Borreliose-Merkmale. Dieser ist jedoch nicht bei allen Betroffenen zu verzeichnen und die weiteren grippeähnlichen Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen wecken oftmals keinen Verdacht auf eine Borreliose-Infektion.

Als Ursache der Borreliose gelten das Bakterium Borrelia burgdorferi und verwandte Bakterienarten, die von den Zecken während des Saugvorgangs in den menschlichen Organismus abgegeben werden. Da nach Einschätzung der Experten in Westeuropa zwischen 30 und 50 Prozent der Zecken die krankmachenden Bakterien in sich tragen, ist das Risiko einer Infektion nach einem Zeckenbiss nicht zu unterschätzen. Liegt der Verdacht auf eine Borreliose-Infektion vor, werden die Patienten in der Regel einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie unterzogen, wobei der Wirkstoff häufig auch intravenös verabreicht wird. Damit steigt das Risiko von Nebenwirkungen, so die Aussage der Münchener Forscher um Professor Reinhard Straubinger. Darüber hinaus muss die Behandlung bei Verdacht auf eine Borreliose-Infektion oftmals ohne direkten Nachweise der Erreger eingeleitet werden, da sich die Bakterien unmittelbar nach dem Zeckenbiss meist noch nicht anhand einer Blutuntersuchung nachweisen lassen.

Wesentliche Vorteile der neuen Borreliose-Therapie
Das von den Münchener Forschern entwickelte Verfahren basiert auf einem flüssigen Antibiotikum-Gel, das mit Hilfe eines Pflasters unmittelbar auf der Einstichwunde angebracht werden. In Tierversuchen konnten Professor Reinhard Straubinger und Kollegen belegen, dass die Pflaster mit dem flüssigen Antibiotika-Gel eine Infektion mit Borrelien quasi im Keim ersticken. Ihre Untersuchungen seien bereits soweit fortgeschritten, dass im nächsten Schritt die neuartige Borreliose-Therapie an infizierten Menschen in einer Phase-III-Studie getestet werden soll, erklärten die Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Bei unserem Ansatz wird das Antibiotikum über ein transparentes, selbst klebendes Pflaster direkt auf die Stichstelle aufgebracht“ und da „nur sehr wenig Antibiotikum enthalten ist, bleibt die Wirkung lokal begrenzt,“ erläuterte Prof. Straubinger. Aufgrund der begrenzten Wirkstoffmenge und -reichweite treten kaum Nebenwirkungen auf, unterstrich der Münchener Forscher die Vorteile der neuen Borreliose-Therapie. (fp)