Kniebeugen oder Joggen bei Panikattacken

Sebastian

Körperliche Bewegung kann dabei helfen Panikattacke zu stoppen

08.09.2012

Als probates Mittel bei Panikattacken haben sich Kniebeugen erwiesen. Körperliche Aktivitäten können dabei helfen, die Angstattacke zu überwinden, wie Prof. Borwin Bandelow von der Uniklinik Göttingen Betroffenen rät.

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Nicht wenige Menschen verspüren Ängste, die das Leben zum Teil stark einschränken. Bei panischen Reaktionen gerät der Organismus in eine körperliche und psychische Alarmreaktion („fight or flight“). Der Körper scheint verrückt zu spielen, Menschenmassen im Kaufhaus, die bevorstehende Fahrt mit dem Fahrstuhl oder auch die Angst vor einem nahenden Herzinfarkt im Verlauf einer Herzneurose können bei Angstpatienten zu einer regelrechten Panikattacke führen. Die Betroffenen leiden dann meist unter Herzrasen, Schwindel, Schwitzen, Angstgedanken, Zittern, Thoraxschmerzen, Derealisationsgefühle und Luftnot. Um die Attacke zu beenden, reiche es oft nicht aus, sich selbst zu beruhigen. Nicht selten finden sich Patienten in der Notaufnahme wieder.

Körperliche Aktivität kann Organismus beruhigen
Relativ erfolgreich ist die körperliche Aktivität. Wer kann, sollte in einer solchen Situation "joggen gehen, Treppen laufen oder Kniebeugen unternehmen", sagt Prof. Dr. Borwin Bandelow, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität in Göttingen.

Durch die körperliche Bewegung passen die Symptome, die vom Patienten zuvor als gefährlich und lebensbedrohend eingestuft wurden, wieder zu den Vorgängen des Körpers. Das wiederum kann Betroffene, die gerade eine Panikattacke erleben, beruhigen, wie der Psychiater erklärt.

Kein bewusstes Ein- und Ausatmen
Viele Therapeuten raten Angstpatienten zum bewussten Ein- und Ausatmen. Diese Methode sollte nach Ansicht des Experten eher nicht angewandt werden, da „dadurch die Konzentration ganz auf die Reaktionen des Körpers gelenkt wird, und das steigert die Panik nur weiter". Während der Panikattacke sollten sich Betroffene kognitiv bewusst machen, dass die Attacke „nach 30 bis 120 Minuten wieder vorbei ist“ und keine gesundheitlichen Folgen bestehen bleiben. „Wer das schafft, kann sich damit bereits beruhigen“, erklärt der Psychiater.

Eine Panikattacke kann jeden Menschen treffen. Oft treten diese in Verbindung mit Agoraphobien, Stress, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Krankheitsängsten auf. Ereignen sich die Panikattacken mehrmals im Jahr, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. In der Regel lassen sich die Ursachen und Symptome im Rahmen der Verhaltens- oder Psychotherapie gut behandeln. Bevor eine Therapie begonnen wird, sollten aber organische Ursachen wie beispielsweise Herz-Kreislaufleiden oder Schilddrüsenüberfunktion ärztliche abgeklärt werden. (sb)