Benommenheit: Ursachen, Krankheiten und Selbsthilfe

Dr. Utz Anhalt
Benommenheit: das sind die Ursachen
Wer sich benommen fühlt, empfindet wie unter Drogen. Alles um ihn herum ist “wie in Watte gepackt” oder wie in der Phase zwischen Wachsein und Einschlafen. Die Betroffenen nehmen diesen Zustand meist als unangenehm wahr.

Eine quantitative Bewusstseinsstörung

Benommenheit ist die leichteste quantitative Bewusstseinsstörung, also eine Störung, die sich auf das Ausmaß an Wachheit bezieht. Schwerere quantitative Bewusstseinsstörungen sind Somnolenz, Sopor und Koma. Qualitative Bewusstseinsstörungen sind hingegen eine eingeengtes oder ein verschobenes Bewusstsein.

„Benommenheit“ bezeichnet eine Form der Bewusstseinsstörung, bei welcher der Betroffene geistig klar bleibt. (Bild: Bits and Splits/fotolia.com)

Geistige Klarheit mit Einschränkungen

Im Unterschied zu schwereren Bewusstseinsstörungen bleibt bei Benommenheit die geistige Klarheit erhalten; die Betroffenen nehmen ihre Umwelt also bewusst wahr, doch sie denken und handeln langsamer. Sie brauchen länger, um Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, ihre Reaktionen laufen verzögert ab.

Trotz geistiger Klarheit mindert sich indessen ihre Urteilsfähigkeit und ihr Orientierungssinn. Sie haben Probleme, Worte zu bilden. Hinzu kommen oft Erschöpfung, Schwindel, Druck auf dem Kopf und das Gefühl “Karussell zu fahren”.

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Ursachen

Benommenheit ist keine Krankheit, sondern ein relativ unspezifisches Symptom, das viele Ursachen haben kann. Dazu gehören Medikamente, die das Bewusstsein dämpfen, der Konsum von Alkohol und anderen Substanzen, Schlafmangel, Probleme mit dem Stoffwechsel, infektiöse Krankheiten oder ein Schädel-Hirn-Trauma.

Zu wenig Flüssigkeit und Schlaf

Eine erst einmal harmlose Ursache ist ein Mangel an Flüssigkeit. Hier kommen als Begleitsymptome Müdigkeit und Kopfschmerzen. Sie können diese Form der Benommenheit vermeiden, indem Sie darauf achten, genug zu trinken. Insgesamt sollten das ungefähr zwei Liter Wasser pro Tag sein.

Schlafmangel: Zu wenig Schlaf verursacht Müdigkeit, aber auch ein benommenes Gefühl.

Schlafmangel führt dazu, dass wir uns abgeschlagen fühlen und mit Konzentrationsproblemen kämpfen. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Alkohol und Drogen

Alkohol: Jeder, der schon einmal zuviel getrunken hat, kennt Benommenheit im Zustand der Betrunkenheit. Gesichter verschwimmen, der Magen rumort, der Orientierungssinn lässt nach. Bei hohen Promillewerten gehen die Symptome allerdings darüber hinaus: Wer einen Filmriss erleidet, Dinge zwei- oder dreifach sieht und keine Kontrolle mehr über seine Handlungen hat, der ist nicht nur benommen – denn Benommenheit zeichnet sich dadurch aus, dass die geistige Klarheit erhalten bleibt.

Wer hingegen angetrunken ist und noch merkt, dass ihm das Reden schwer fällt (lallen), und er Probleme hat, gerade zu gehen, der ist durch den Alkohol benommen. Benommen fühlen wir uns indessen nicht nur während des Rausches, sondern auch beim “Kater”, mit dem wir am nächsten Morgen aufwachen. Hier kehrt die geistige Klarheit gerade wieder, doch zu den Symptomen zählen Erschöpfung, eine mangelnde Urteilsfähigkeit und verzögertes Denken wie Handeln.

Andere Substanzen, die zu Benommenheit führen sind Cannabis, alle Morphine wie Opium oder Heroin, Extasy, so genannte “KO-Tropfen”, “Angel Dust” und verschiedene Narkotika.

Niedriger Blutdruck / Blutarmut / Eisenmangel

Niedriger Blutdruck kann der Auslöser für die Beschwerden. Hier ist das Begleitsymptom Schwindel. Für niedrigen Blutdruck wiederum gibt es viele Gründe – von Blutarmut bis zu Jod- oder Eisenmangel.

Ein Jodmangel führt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die den Energiestoffwechsel des Körpers „auf Eis legt“. Ein Eisenmangel bedingt, dass das Blut nicht genug Sauerstoff aufnehmen kann, was zu Durchblutungsstörungen führt. Jod als Spurenelement braucht der Körper, um die Hormone der Schilddrüse zu bilden. Die wiederum sind notwendig für die Knochenbildung, die Entwicklung des Gehirns und den Energiestoffwechsel. Bis zu 80% von allem Jod, das wir aufnehmen, verarbeitet die Hormondrüse.

Über die Nahrung gelangt das Jod in den Magen-Darm-Trakt, und von da mit dem Blut in die Schilddrüse. Dort werden die Hormone gebildet, die Schilddrüse speichert sie und gibt sie in den notwendigen Dosen in das Blut ab. Die beiden Hormone der endokrinen Drüse sind zum größten Teil an Eiweiße gebunden, lediglich 1 % bleibt frei und wirkt als freies T 3 und freies T 4 auf den Stoffwechsel ein.

Eisen ist notwendig, um den Sauerstoff in das Blut und die roten Blutzellen zu führen. Ein Mangel an roten Blutkörperchen heißt deswegen auch Blutarmut aus Eisenmangel. Durch die Unterversorgung mindert sich das Hämoglobin, und das führt zum Ausfall lebenswichtiger Organe und die blockierte Sauerstoffzufuhr endet im Absterben der Zellen. Blutarmut aus Eisenmangel entsteht, wenn wir zu wenig Eisen mit den Nahrung einführen.

Typische Symptome sind extreme Müdigkeit und Erschöpfung. Das liegt daran, dass der Körper ohne den Mineralstoff keinen Sauerstoff in die Zellen transportieren kann, und ohne den Sauerstoff fehlt die Energie. Eisenreiche Nahrungsmittel sind Eier, Fleisch, Mandeln, Avocados und grüne Gemüse. Eisen, das sich in Brot, Milch und Getreideprodukten befindet, kann der Körper nicht hinreichend absorbieren.

Durch eisenreiche Nahrungsmittel wie z.B. Nüsse, grünes Gemüse und Eier, kann einer Unterversorgung vorgebeugt werden. (Bild: bit24/fotolia.com)

Der Köper verliert Eisen beim Urinieren, Schwitzen und dem Abstoßen alter Hautzellen. Bluten führt zu einem weiteren Verlust des Spurenelements, und deshalb brauchen Frauen wegen ihrer monatlichen Periode mehr Eisen als Männer. Ein Mangel beeinträchtigt den gesamten Körper. Die Störungen am zentralen Nervensystem zeigen sich als Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und Depressionen. Die Probleme im Herz-Kreislauf und Herz-Lungen-System können sich in Form von Herzklopfen, Herzenge, Atemnot, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit zeigen.

Der gestörte Stoffwechsel meldet sich als fehlender Appetit bis hin zu einer nicht psychisch bedingten Anorexie und als Muskelschwund. Die Schäden an Haut, Haaren und Nägeln führen zu Gesichtsblässe, eingerissenen Mundwinkeln, brüchigen Nägeln und rückgebildeten Schleimhäuten.

Auslöser für eine Blutarmut können auch Störungen der Niere, Erkrankungen des Knochenmarks, Sickerblutungen im Magen, Malaria, Leukämie, Tumore, Lymphome oder Herzbeschwerden sein.

Infektionserkrankungen

Manche Infektionskrankheiten gehen typischerweise mit Benommenheit einher. Dazu gehören die „echte“ Grippe, ein grippaler Infekt, Borreliose Ursachen oder das Epstein-Barr Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber). Das benommene Gefühl hält oft noch Wochen an, nachdem die eigentliche Erkrankung vorüber ist.

Bei Erkältungen und grippalen Infekten treten ein benommenes Gefühl und Schwäche als erste Symptome auf. Hinzu kommt ein Jucken in Nase und Rachen, Kopfschmerzen, Frösteln, dann Heiserkeit, Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Gliederschmerzen und Fieber. Die Abgeschlagenheit nimmt im Verlauf der Krankheit zu.

Beim Pfeifferschen Drüsenfieber kommt eine Lymphknotenschwellung im Hals und Nacken dazu, außerdem Fieber und Halsweh. Typisch für eine Nasennebenhöhlenentzündung sind Beschwerden wie ein Druckgefühl in Nase und Stirn, chronischer Schnupfen und Kopfschmerzen, Heiserkeit und Husten.

Ein grippaler Infekt kündigt sich oft durch Abgeschlagenheit und ein Gefühl der Benommenheit an. (Bild: drubig-photo/fotolia.com)

Benommenheit durch Medikamente

Folgende Arzneimittel kommen als Auslöser in Betracht:

1) Antihistaminika wirken im zentralen Nervensystem und können deshalb Benommenheit auslösen.

2) Niedrigpotente Antipsychotika können die Beschwerden verursachen, da ihr Zweck darin besteht, unkontrollierte Gefühlsausbrüche einzudämmen.

3) Blutdrucksenker

4) Antidepressiva lösen oft ein benommenes Gefühl aus.

Psychische Störungen

Ausgesprochen häufig ist Benommenheit bei psychischen Störungen. Bei Traumatisierungen und dem Borderline-Syndrom geht diese oft über in Dissoziationen und andere schwere Formen des Bewusstseinsverlustes. Bei Depressionen gehört ein Benommenheitsgefühl zum regulären Krankheitsbild. Stress ist ebenfalls ein klassischer Auslöser.

Depression tritt als Komorbidität von anderen schweren Erkrankungen auf, zum Beispiel bei Diabetes, Krebs, Herzbeschwerden und Parkinson, die wiederum alle eine Quelle für Benommenheit darstellen. Depressionen verschlimmern diese Zustände, und diese Zustände verstärken die Depressionen – diese Spirale kann unmittelbar das Leben der Betroffenen bedrohen. Auch Medikationen für die entsprechenden Krankheiten können Depressionen als Nebeneffekt auslösen.

Weitere mögliche Ursachen von Benommenheit

1) Verschleiß oder Verspannungen der Halswirbelsäule

2) Schilddrüsenunterfunktion

3) Bluthochdruck bzw. Blutdruckschwankungen

4) Über- wie Unterzuckerung können beide Benommenheit auslösen, zum Beispiel bei Diabetes mellitus

5) Diverse Kopfverletzungen, durch Schläge, Stöße, Tritte oder Stürze, zum Beispiel bei Gehirnerschütterung oder Hirnblutung

6) Herz- und Lungenerkrankungen sowie Nieren- und Leberschäden. Besonders bei einer Herzschwäche tritt das Symptom auf, verbunden mit einem allgemeinen Schwächegefühl.

7) Bei einem Schlaganfall kann eine leichte Form der Bewusstseinsstörung ein Begleitsymptom sein, neben den Hauptsymptomen wie Lähmungen, Seh- und Sprachstörungen.

8) Eine Hirnhautentzündung geht mit dem Gefühl „in Watte gepackt zu sein“ einher, hinzu kommen Kopfschmerzen, Fieber und Nackenverspannungen.

9) Bei einem Hirntumor kommt es gelegentlich zu Benommenheit, weil die Ausdehnung des Karzinoms den Hirndruck steigert.

Was tun? – Selbsthilfe bei Benommenheit

Bei einer Basiserkrankung muss der Arzt die Ursache der Krankheit angehen. Da Benommenheit jedoch ein Symptom ist, können Sie dieses oft durch einfache Maßnahmen lindern – weitgehend unabhängig von den Auslösern.

1) Trinken Sie ein großes Glas Wasser.

2) Halten Sie ihre Unterarme unter kaltes Wasser, den Kopf unter den kalten Wasserhahn oder duschen Sie abwechselnd heiß und kalt. Das kurbelt den Kreislauf an.

3) Gehen Sie an der frischen Luft spazieren. Bewegung und Sauerstoff hilft gegen das Gefühl von „Watte im Kopf“.

4) Legen Sie sich eine kurze Weile hin. Ein Nickerchen sollte aber nicht mehr als 30 Minuten betragen.

Zur Anregung des Kreislaufes kann es hilfreich sein, die Unterarme für einige Sekunden in kaltes Wasser einzutauchen. (Bild: the_builder/fotolia.com)

Hausmittel gegen Bluthochdruck

Bei hohem Blutdruck (Hypertonie) helfen Knoblauch, Zwiebeln und Bärlauch, außerdem Liebstöckel, Basilikum, Spinat, Fenchel, Blumenkohl, weiße Bohnen und Aprikosen. Kräutertees gegen Hypertonie enthalten Weißdornblüten, Misteln, Schachtelhalm, Baldrian, Lavendel, Passionsblume und Olivenblätter.

Pürierter Knoblauch und Zitrone mit Wasser in einem Schnapsglas kann den Blutdruck auf natürliche Weise senken. Armbäder in lauwarmem Wasser und kaltem Guss danach helfen ebenso wie Yoga. Honig, Apfelessig in Wasser und Schwarzkümmelöl als Nahrungsergänzung sind weitere bewährte Hausmittel gegen Bluthochdruck. Gleiches gilt für ätherische Öle, die in einer Aromalampe vernebelt werden. Besonders gut geeignet sind Melisse, Ylang-Ylang oder Muskatellersalbei.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Zum Arzt gehen sollten Sie, wenn die Beschwerden chronisch werden und keines der Hausmittel eine Besserung bewirkt. Treten folgende weiteren Begleitsymptome auf, gilt es keine Zeit zu verlieren und so schnell wie möglich einen Mediziner aufzusuchen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Hohes Fieber
  • Steifer Nacken
  • Plötzliche Kopfschmerzen, die stark stechen oder brennen
  • Ständige Schläfrigkeit, auch tagsüber
  • Lähmungen, Gefühle der Taubheit, Beschwerden beim Sprechen und Gehen
  • Wesensveränderungen, hohe Reizbarkeit, Antriebslosigkeit / Lethargie, passive Aggressivität
  • Krämpfe

(Dr. Utz Anhalt)

Literatur
Kretz, Schäffer: Anästhesie Notfallmedizin Schmerztherapie, Springer 2008
Striebel: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin für Studium und Ausbildung, Schattauer 2013

Referenzen
http://www.fatigatio.de/
http://www.cfs.virtuga.com/fragen2.htm
http://www.uniklinikum-saarland.de/einrichtungen/kliniken_institute/anaesthesiologie/patienteninfo/anaesthesie/geschichte_der_anaesthesie/
http://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-a/aether/
http://www.nhs.uk/Conditions/vitamins-minerals/Pages/vitamins-minerals.aspx
http://divinehealthfromtheinsideout.com/2012/05/the-role-of-minerals-in-the-body/
http://www.home-remedies-for-you.com/vitamins/b-complex-vitamins.html
http://www.medicalnewstoday.com/articles/219853.php
http://umm.edu/health/medical/altmed/supplement/vitamin-b9-folic-acid
http://www.dummies.com/health/nutrition/how-your-body-uses-vitamin-c/
http://www.vitamin-mineral-info.com/vitamin-d-calciferol-benefits-signs-of-deficiency.php