Dunkler Urin: Was die Urinfarbe aussagt

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Nina Reese
Was die Farbe des Urins über die Gesundheit aussagen kann
Dunkler Urin kann in ganz unterschiedlichen Facetten auftreten und von gelblich-braun über dunkel-orange und rötlich-braun bis hin zu tiefbraun bzw. schwarz eingefärbt sein. Für die unterschiedlichen Farbtöne und Intensitäten kommen verschiedene Ursachen in Betracht. In einigen Fällen lässt sich die veränderte Farbe ganz einfach erklären, indem beispielsweise ein Flüssigkeitsmangel vorliegt, in dessen Folge der Harn in stark konzentrierter Form auftritt und daher braun gefärbt ist.

Die Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel einige Antibiotika oder Mittel gegen die Tropenkrankheit Malaria kommen als „harmlose“ Ursache in Betracht. Auf der anderen Seite kann dunkler Urin aber auch beispielsweise mit einer Erkrankung der Leber (zum Beispiel Hepatitis, Leberzirrhose), der Stoffwechselstörung Porphyrie oder einem Morbus Meulengracht in Verbindung stehen sowie durch eine Gelbsucht z.B. infolge eines Gallensteins ausgelöst worden sein. In diesem Fall kann beispielsweise der Gallenfarbstoff Bilirubin aufgrund des Verschlusses des Gallenganges nicht mehr über den Darm ausgeschieden werden, sondern wird in der Folge vermehrt über Urin abgegeben, wodurch dieser typischerweise eine dunkel, bier-braune Farbe annimmt. Entsprechend der verschiedenen möglichen Ursachen, sollte bei dunkel gefärbtem Harn in jedem Fall umgehend ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden – vor allem dann, wenn die Verfärbung nach entsprechender Flüssigkeitszufuhr weiterhin anhält.

Inhaltsverzeichnis

Definition Urin
Ursachen für dunkel gefärbten Harn
Flüssigkeitsmangel
Porphyrie
Ikterus / Gelbsucht
Morbus Meulengracht
Weitere Ursachen
Behandlung
Naturheilkunde bei dunkelm Urin

Definition Urin

Urin – auch Harn genannt – ist ein flüssiges Ausscheidungsprodukt, welches in den Nieren im Zuge eines komplizierten Filtrations- und Resorptionsvorgangs (Diurese) aus dem Blutplasma entsteht. Anschließend gelangt der Urin durch die Harnleiter (Ureter) in die Blase, von wo aus er schließlich über die Harnröhre abgegeben („Miktion“ oder auch „Wasserlassen“) wird. Das Wasserlassen dient dabei zum einen der Regulation des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, aber auch der Beseitigung von Stoffwechselabbauprodukten (zum Beispiel Harnstoff, Harnsäure) sowie Überresten von Medikamenten und Giftstoffen, die gemeinsam mit dem Urin aus dem Körper geschwemmt werden.

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Der Harn besteht hauptsächlich aus Wasser (95 Prozent), Elektrolyten und Harnstoff, hinzu kommen in unterschiedlichen Anteilen Vitamine, organische Säuren wie zum Beispiel Zitronensäure, Kreatinin, Harnsäure, Farbstoffe sowie ein sehr kleiner Anteil Proteine. Normalerweise ist Urin klar und leicht gelblich bzw. bernsteinfarben, wobei die Farbe durch im Urin vorkommende Stoffwechselprodukte (Urochrome) entsteht. Dementsprechend entscheidet auch das Aufkommen der Urochrome über die Ausprägung der Gelbfärbung, die von einem intensiven gelb (hypotoner Urin) bis zu farblos bzw. durchsichtig ganz unterschiedlich ausfallen kann. Der „Duft“ von frischem Urin ist normalerweise neutral, durch die anschließende bakterielle Zersetzung ausgeschiedener Substanzen kommt es jedoch recht schnell zu dem typischen stechenden, ammoniak-artigen Geruch.

Urin gilt generell als wichtiger Anhaltspunkt für verschiedene Erkrankungen, indem beispielsweise Blut im Urin auf eine Nierenbeckenentzündung oder einen Niereninfarkt und eine größere Menge „Harnzucker“ auf Diabetes mellitus hinweisen kann. Neben dem kann auch die Farbe bei der Bestimmung von Krankheiten wichtige Erkenntnisse liefern, denn eine Dunkel- bzw. Gelbfärbung deutet beispielsweise zumeist auf eine kranke Leber hin.

Weitere Hilfestellung kann zudem der Geruch bieten – ein übel riechender, stinkender Urin kann beispielsweise ein deutliches Zeichen für eine Stoffwechselstörung oder bestimmte Blasen-Tumore sein. Der Geruch kann allerdings auch durch die Ernährung beeinflusst werden, wie es nach dem Verzehr von Spargel typisch ist. Dieser teilweise penetrante, kohl-artige Geruch entsteht aufgrund eines Enzyms, welches die im Spargel enthaltene Asparaginsäure in schwefelhaltige Stoffe umwandelt – dies passiert jedoch nicht bei allen Menschen, denn nur etwa jeder Zweite produziert dieses Enzym überhaupt.

Ursachen für dunkel gefärbten Harn

Ein vorübergehend dunkler Urin ist in vielen Fällen kein Grund zur Sorge und hat häufig „harmlose“ Ursachen wie zum Beispiel die Einnahme bestimmter Medikamente bzw. Wirkstoffe (zum Beispiel Levodopa, Methocarbamol, Methyldopa oder Metronidazol) oder den Verzehr von Lebensmitteln bzw. Getränken wie Kaffee, die den Harn bräunlich bis schwarz verfärben können. Dennoch sollte hier immer vorsorglich ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden – insbesondere dann, wenn der Urin trüb ist – denn eine Dunkelfärbung kann ebenso auf ernstere Erkrankungen wie eine Leberzirrhose oder die Stoffwechselstörung Porphyrie hindeuten.

Flüssigkeitsmangel

Eine häufige, relativ „harmlose“ Ursache für verfärbten Harn ist ein Mangel an Flüssigkeit, denn der Körper besteht zu fast 70 Prozent aus Wasser und benötigt dementsprechend viel davon, um richtig zu funktionieren. Dies ist zum einen wichtig, um die aufgenommenen Nährstoffe zur Verwertung in die einzelnen Zellen zu transportieren, zum anderen ist Wasser notwendig, um Stoffwechselabbauprodukte aus dem Körper zu schwemmen – was in erster Linie über die Niere passiert.

Darüber hinaus braucht der Körper Flüssigkeit, um die Körpertemperatur zu regulieren, denn dieses sorgt in gewissem Maße für eine konstante Temperatur im Körper – auch bei stark schwankenden Umgebungstemperaturen. Besteht ein Mangel, zeigt der Körper normalerweise recht deutlich über das Durstgefühl, dass „Nachschub“ gebraucht wird. Dies ist meist bei einem Verlust des Wasseranteils im Körper von circa 0,5 %, der Fall, bei einem Verlust von circa 10 % kommt es zudem zu einem Trockenheitsgefühl im Mund sowie zu Sprechstörungen.

Neben dem Gefühl von Durst sendet der Körper noch weitere Alarmzeichen – häufig sind hier plötzlich auftretende Kopfschmerzen, die dadurch entstehen, dass das Blut durch den Flüssigkeitsmangel verdickt und nicht mehr ausreichend Sauerstoff ins Gehirn weiterleiten kann. Da das Gehirn zum größten Teil aus Wasser besteht, kann es bei einer Minderversorgung zudem schnell zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie zu innerer Unruhe, Nervosität und Müdigkeit kommen, in vielen Fällen tritt auch Schwindel auf. Auch die Haut gerät in Mitleidenschaft, denn ist der Wasseranteil im Körper zu niedrig, werden die übrig gebliebenen Ressourcen zunächst den Organen zur Verfügung gestellt, denn diese benötigen das Wasser besonders dringend, allem voran die Leber, der Darm, das Herz und das Gehirn. In der Folge leidet die Haut unter „Entzugserscheinungen“ und wird trocken, schuppig und juckt, auch rissige und spröde Lippen sind ein häufiges Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel.

Neben dem leidet aber auch das Verdauungssystem, denn infolge unzureichender Flüssigkeit sinkt das Stuhlvolumen und es kommt zu hartem Stuhlgang, welcher sich oft nur schwer und mühsam ausscheiden lässt. Im Zuge dessen haben Betroffene häufig das Gefühl, dass der Darm nie vollständig entleert ist, hinzu kommen weitere Symptome wie Blähungen, Übelkeitoder Bauchschmerzen, die sich bis hin zu Krämpfen entwickeln können.

Dunkler Urin kann hier ein weiteres Signal sein, denn wird zu wenig getrunken, erfolgt keine Verdünnung des Harns, wodurch dieser nicht in der „normalen“ hellgelben, sondern in konzentrierter, dunkel gefärbter Form ausgeschieden wird. Dies ist in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge und reguliert sich relativ schnell, wenn entsprechend für Nachschub gesorgt wird – bleibt der Urin allerdings trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr dunkel, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache hierfür abzuklären.

Porphyrie

Eine weitere Ursache für dunkel-gefärbten Harn kann eine sogenannte „Porphyrie“ sein, wobei es sich um eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen handelt, die durch einen gestörten Aufbau des roten Blutfarbstoffs Häm, dem eisenhaltigen Bestandteil des Hämoglobins, gekennzeichnet sind. Das Häm, welches als Bestandteil des Hämoglobins für die Sauerstoff-Bindung und die rote Farbe des Blutes verantwortlich ist, wird in acht Schritten gebildet,wobei für jeden Schritt ein bestimmtes Enzym benötigt wird. Besteht eine Porphyrie, ist eines dieser Enzyme in seiner Funktion beeinträchtigt, sodass die Biosynthese des Häms nicht bis zum Ende durchlaufen werden kann. In der Folge sammeln sich immer mehr Stoffwechselprodukte ( Porphyrine) im Körper an – welche genau, hängt dabei davon ab, welches Enzym defekt ist, teilweise können auch mehrere Enzyme betroffen sein. Ursache einer Porphyrie ist in den meisten Fällen ein vererbter Gendefekt, wodurch sich die Erkrankung in diesem Fall oft schon im Kindesalter zeigt.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass diese ein Leben lang asymptomatisch verläuft oder zunächst unentdeckt bleibt und erst im späteren Leben durch Auslöser wie bestimmte Medikamente (zum Beispiel Sulfonamide, Beruhigungsmittel), die Antibabypille, Rauchen, Stress, übermäßigen Alkoholkonsum oder erhöhtem Hunger im Rahmen von Diäten oder Fastenkuren typische Krankheitszeichen hervorgerufen werden. Darüber hinaus kann die Erkrankung in selteneren Fällen aber auch ohne genetischen Zusammenhang (sekundäre Porphyrie) im Verlauf des Lebens erworben werden, zum Beispiel infolge einer Vergiftung mit Blei oder bestimmten Pflanzenschutzmitteln oder auch einer Störung des Bilirubintransports (zum Beispiel Rotor-Syndrom).

Es bestehen verschiedene Formen der Porphyrie (z.B. die hereditäre Koproporphyrie oder die erythropoetische Protoporphyrie), die entsprechend der jeweiligen Symptomatik in „akute“ und „kutane“ Porphyrien unterteilt werden – allerdings kann es auch zu Überschneidungen bei den Krankheitsanzeichen kommen. Typisch für die akute Form ist das plötzliche Auftreten massiver Bauchschmerzen, die oft tagelang anhalten und von Übelkeit und Erbrechen, Rückenschmerzen, Armschmerzen, Beinschmerzen, Verstopfung, neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen oder Nervenschmerzen aber auch von Bluthochdruck und psychiatrischen Symptomen wie depressiven Verstimmungen, Antriebslosigkeit oder einer Psychose begleitet werden können.

Für die kutanen bzw. hautbezogenen Porphyrien ist hingegen vor allem eine starke, sehr schmerzhafte Lichtempfindlichkeit der Haut charakteristisch, wodurch es beim Kontakt mit Sonnenlicht schnell zu starkem Juckreiz, Bläschen auf der Haut und später zu Narben kommt. Abhängig von der Porphyrieform kann es hier zu gravierenden Schädigungen an Haut und Gewebe oder sogar zum Verlust von Körperteilen wie Nase, Lippen oder Fingerteilen kommen – hinzu können eine starke Hautpigmentierung, vermehrte Körperbehaarung (Hypertrichose) oder eine Einlagerung der Porphyrine in die Zähne (Erythrodontie, „Blutzähne“) kommen, zudem kann die Leber durch Einlagerungen des Porphyrins bis hin zur einer Leberzirrhose geschädigt werden.

Da die defekten Stoffwechselprodukte des roten Blutfarbstoffes über die Nieren ausgeschieden werden, kann es darüber hinaus bei beiden Formen der Erkrankung dazu kommen, dass der Urin dunkel gefärbt ist bzw. nach längerem Stehen lassen nachdunkelt.

Ikterus / Gelbsucht

Ist der Urin braun oder sogar dunkelbraun gefärbt, kommt auch ein Ikterus in Betracht, welcher umgangssprachlich als „Gelbsucht“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und der Lederhaut der Augen (Sklera), die jedoch keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom verschiedener Krankheiten darstellt. Verantwortlich für die Gelbfärbung ist der gelb-bräunliche Gallenfarbstoff „Bilirubin“, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, welcher im Zuge verschiedenen Erkrankungen der Leber, der Gallenwege und des Bluts in zu hoher Konzentration im Blut vorliegt.

Bei einem Ikterus wird meist eine Erkrankung der Leber vermutet, dennoch kann er vielfältige Ursachen haben und teilweise die Leber auch gar nicht betreffen. Da die Leber jedoch eine zentrale Rolle im Bilirubin-Stoffwechsel inne hat, wird medizinisch zwischen drei Arten der Gelbsucht unterschieden – je nach dem, wo diese besteht. Bei einem „prähepatischen“ (oder auch „Hämolytischen“) Ikterus zeigt sich demnach eine Störung „vor“ (Zusammensetzung von lateinisch prä = vor und Hepar = Leber) der Leber, indem sich durch einen vorzeitigen bzw. vermehrten Zerfall roter Blutkörperchen (Hämolyse) verstärkt Bilirubin im Blut sammelt, die Leber den Abbau des Farbstoffs aber nicht mehr leisten kann. In der Folge lagert sich dieses im Gewebe ab und es entsteht die typische Gelbfärbung von Haut und Augen.

Ursache eines prähepatischen Ikterus sind in den meisten Fällen Bluterkrankungen (wie zum Beispiel die „Kugelzellenanämie“), aber auch verschiedene immunbedingte Erkrankungen kommen in Betracht, ebenso wie beispielsweise Malaria oder Vergiftungen. Bei dieser Form der Gelbsucht kann es des Weiteren zu Fieber, Mattigkeit oder Übelkeit kommen, Stuhl und Urin bleiben im Normalfall „normal“ dunkel bzw. hell, in extremen Fällen kann der Harn aber auch eine rot-braune Farbe annehmen.

Die zweite Form des Ikterus wird als „hepatischer Ikterus“ bezeichnet, bei der das Bilirubin von den Leberzellen nicht mehr bzw. nur noch in eingeschränkter Form aufgenommen wird. Die Ursachen sind hier direkt in der Leber zu finden, in vielen Fällen liegt eine Hepatitis (Leberentzündung) vor, die unter anderem durch Viren (z.B. Hepatitis B), Medikamente (z.B. Paracetamol, bestimmte Antibiotika), verschiedene Pilzgifte oder giftige Chemikalien ausgelöst werden kann, auch eine Schwangerschaft oder das sogenannte „Epstein-Barr-Virus“ kommen in Betracht.

Zumeist ist jedoch ein starker, übermäßiger Konsum von Alkohol verantwortlich für die Leberentzündung, die sich in schweren Fällen bis hin zu einer Leberzirrhose oder sogar zu einem Leberkrebs entwickeln kann. Bei dieser Form zeigen sich neben der gelben Haut und den gelben Augen Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Bauchschmerzen. Der Stuhl ist dabei im Regelfall normal bzw. etwas heller gefärbt, der Urin hingegen wird etwas dunkler.

Bei der dritten Form, dem „posthepatischen Ikterus“ (oder auch „Cholestatischer Ikterus“), handelt es sich hingegen um eine Störung, die erst auftritt, nachdem das Bilirubin die Leber passiert hat (post-hepatisch = „nach“ der Leber). Die Ursache ist hier eine Blockade des Gallenabflusses (Cholestase), wodurch das in der Galle befindliche Bilirubin nicht in den Darm gelangen kann, sich stattdessen im Blut staut und zu der typischen Gelbfärbung führt. Durch die vermehrte Gallensäure kommt es bei dieser Variante der Gelbsucht häufig zu einem starken, ständigen Juckreiz, weiteres Anzeichen ist ein heller Stuhlgang, der fast weiß werden kann. Dieser entsteht, da das Bilirubin nicht mehr im Darm ankommt und folglich auch die Abbauprodukte (Sterkobilinogen) ausbleiben, die sonst für die „normale“ hell- bis dunkelbraune Färbung des Stuhls sorgen. Während dieser also immer heller wird, verfärbt sich der Urin hingegen dunkelbraun („bierbraun“), denn da der Abfluss des gelbbraunen Gallenfarbstoffs über die Galle gestört ist, sammelt sich dieser zunächst im Blut und wird schließlich über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden.

Ursache für den blockierten Gallenabfluss ist häufig ein Gallenstein, aber auch Tumore (z.B. bei Gallenblasenkrebs oder Leberkrebs) sowie eine Verklebung infolge einer OP oder Entzündung kommen sind denkbar. Gallensteine müssen nicht unbedingt Beschwerden hervorrufen, daher werden sie oft nur zufällig, zum Beispiel im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung oder Röntgenuntersuchung entdeckt. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen kommt es jedoch zu Symptomen wie Beschwerden im Oberbauch in Form von einem Druck- bzw. Völlegefühl, häufigem Aufstoßen und Blähungen – häufig besonders nach fetthaltigem Essen. In schwereren Fällen können die Steine aber auch größere Probleme bereiten, indem es zu heftigen, kolikartigen Schmerzen im rechten Mittel- und Oberbauch kommt, die teilweise bis in den Rücken oder den rechten Schulterbereich ausstrahlen können. Wird der Gallengang blockiert, kann es darüber hinaus auch zu Entzündungen der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse kommen, die mit starken Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost einhergehen können.

Morbus Meulengracht

Neben dem kann auch die Stoffwechselstörung Morbus Meulengracht (auch Gilbert-Syndrom) die Ursache für dunklen Urin sein, welche circa 5 % der Bevölkerung betrifft. Der Morbus Meulengracht gehört zu den so genannten „Familiären-Hyperbilirubinämiesyndromen“, die durch eine Störung des Bilirubin-Stoffwechsels gekennzeichnet sind. Ursache ist ein angeborener Enzymdefekt, durch den die Aktivität des Enzyms UDP-Glucuronyltransferase nur noch etwa 30% des „Normalwerts“ erreicht. Aufgrund dessen kann das gelbbraune Bilirubin nicht ausreichend umgebaut und ausgeschieden werden, wodurch es in den meisten Fällen zu einer leicht erhöhten Konzentration des Gallenfarbstoffs im Blut kommt.

Da diese Stoffwechselstörung nicht zu Leberschäden führt, wird sie normalerweise auch nicht als „Krankheit“ im engen Sinne betrachtet – kann aber dennoch zu unangenehmen Symptomen führen und eine Unverträglichkeit bestimmter Medikamente (zum Beispiel bei östrogenhaltigen Hormonen, Buprenorphin, Paracetamol oder Flavonoiden) zur Folge haben.

In vielen Fällen verläuft der Morbus Meulengracht weitgehend asymptomatisch, sobald der Bilirubin-Wert ansteigt, kommt es jedoch häufig zu den typischen Anzeichen einer Gelbsucht, wie gelben Augen, gelber Haut und dunkel gefärbtem Urin. Diese fällt normalerweise relativ leicht aus, verstärkt sich aber insbesondere im Zusammenhang mit Infektionen, Alkoholkonsum, Stress oder längerem Fasten und wird in diesen Fällen oft von Unwohlsein, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Durchfall und einem unangenehmen Gefühl im Bereich der Leber begleitet.

Weitere Ursachen

Eine weitere mögliche Ursache ist eine sogenannte „Melanurie“. Diese tritt im Zusammenhang mit einem malignen Melanom bzw. schwarzem Hautkrebs auf, womit ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen (Melanozyten) gemeint ist, welcher zu einer frühen Metastasenstreuung über Lymph- und Blutbahnen neigt und dementsprechend die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit darstellt. Bei dieser Erkrankung enthält der Urin den Körperfarbstoff Melanogen, welcher an der Luft zu Melanin oxidiert und dadurch den Harn tiefbraun oder sogar schwarz färbt.

Teststreifen können Hintergrunderkrankungen aufspüren. Bild: jarun011 - fotolia
Teststreifen können Hintergrunderkrankungen aufspüren. Bild: jarun011 – fotolia

Auch bei einer so genannten „Alkaptonurie“ kann ein dunkel-brauner oder schwarzer Urin auftreten. Hierbei handelt es sich um eine sehr seltene, erblich bedingte krankhafte Veränderung des Tyrosinstoffwechsels, welche durch einen Defekt bzw. Mangel des Enzyms Homogentisinsäure-Dioxigenase hervorgerufen wird. In der Folge kommt es zu einer Anstauung des Abbauprodukts Homogentisinsäure, welche zu einer Braunverfärbung im Bindegewebe der Haut und in den Gelenkknorpeln (Ochronose) führt, hinzu kommen gicht-ähnliche Gelenkentzündungen, dunkle Flecken in der Lederhaut des Auges sowie ein erhöhtes Risiko für Nierensteine und Schädigungen der Herzklappen oder Aorta. Da die bei der Alkaptonurie vermehrt anfallende Homogentisinsäure in alkalischen Flüssigkeiten und an der Luft einen dunkelbraunen-schwarzen Farbstoff bildet, tritt eine Dunkelfärbung des Urins nur dann auf, wenn er länger steht oder alkalisch ist – zum Beispiel nach kohlehydratreicher Kost.

Auch wenn es bislang keine Behandlungsmethode gibt, durch welche die Krankheit vollständig geheilt werden kann, bestehen dennoch einige therapeutische Möglichkeiten wie zum Beispiel die Reduzierung der Bildung der Farbstoffbildung durch hohe Dosen Ascorbinsäure (Vitamin C) in Verbindung mit einer möglichst phenylalanin-tyrosin armen Kost (wenig Fleisch, Wurst, Fisch, Käse, Eier und milchhaltige Süßigkeiten).

In ebenso seltenen Fällen kommt auch das sogenannte „Schwarzwasserfieber“ (englisch „blackwater fever“) in Betracht. Hierbei handelt es sich um eine Komplikation der Malaria, häufig ausgelöst durch die Einnahme der Wirkstoffe Chinin oder Antipyrin. Bei dieser Erkrankung kommt es durch einen akuten Zerfall von roten Blutkörperchen (Hämolyse) dazu, dass der Blutfarbstoff (Hämoglobin) mit dem Urin ausgeschieden wird (Hämoglobinurie). Dementsprechend ist das typische Symptom ein tief dunkler bis schwarz-rot gefärbter Urin, hinzu kommen starke Erschöpfung, galliges, teilweise unstillbares Erbrechen, Kopfschmerzen, Angstzustände und Gelbsucht sowie die Degeneration von Nieren, Leber und Herz. Da die Sterblichkeit bei Schwarzwasserfieber relativ hoch ist, ist hier vor allem eine schnelle ärztliche Versorgung wichtig, wird erfolgt hingegen keine intensiv-medizinische Behandlung, tritt meist innerhalb kurzer Zeit durch das Versagen der Nieren der Tod ein.

Behandlung

Therapie bei Flüssigkeitsmangel
Ist ein Flüssigkeitsmangel die Ursache für dunklen Urin, besteht die wichtigste Maßnahme darin, erst einmal entsprechend Wasser, ungesüßten Tee oder auch Saftschorle zu trinken, um die Balance wieder herzustellen.

Tritt im Zuge des Mangels harter Stuhlgang bzw. Verstopfung auf, so sollte parallel zum Trinken auf ausreichend Bewegung und eine sehr ballaststoffreiche Kost (zum Beispiel mit Vollkornprodukten, Linsen, Bohnen, Obst und Gemüse) geachtet werden, um die Darmtätigkeit anzuregen bzw. zu normalisieren. Hilft dies nicht, kann harter Stuhlgang auch medikamentös behandelt werden – hier kommt in der Regel der Wirkstoff „Lactulose“ als Abführmittel zum Einsatz, der den Stuhl wieder weicher werden lässt und damit für eine vereinfachte Darmentleerung sorgt. Dabei kommt es jedoch häufig zu Nebenwirkungen wie Blähungen, zudem ist diese Form der Therapie zum Beispiel für Menschen mit einer angeborenen Unverträglichkeit gegenüber Galaktose nicht geeignet. Dementsprechend ist von einer Selbstmedikation mit Abführmitteln dringend abzuraten, stattdessen sollte eine Behandlung mit Laktulose nur unter medizinischer Aufsicht stattfinden.

Treten in Folge eines Flüssigkeitsmangels zudem Konzentrationsschwierigkeiten, starke Müdigkeit oder Schwindel auf, kann parallel zum Trinken der Verzehr einer Banane wahre Wunder wirken, denn diese bringt dem Körper durch eine optimale Zusammensetzung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Kohlenhydraten und Eiweiß schnell neue Energie. Auch Nüsse eignen sich wunderbar als Nervennahrung, denn diese enthalten eine hohe Menge Spurenelemente (wie zum Beispiel Eisen, Zink und Schwefel), Mineralstoffe und B-Vitamine sowie Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und pflanzliches Eiweiß, wodurch das Gehirn mit Energie versorgt und die Konzentrations- bzw. Leistungsfähigkeit besonders stark gefördert wird.

Grundsätzlich sollte nicht gewartet werden, bis der Körper mit dem Signal „Durst“ anzeigt, dass Flüssigkeit fehlt, da zu diesem Zeitpunkt bereits ein gewisses Defizit besteht. Stattdessen empfiehlt es sich, über den Tag verteilt immer wieder zu trinken, damit der Körper durchweg gut versorgt, gesund und leistungsfähig bleibt. Wer dennoch häufig einfach vergisst zu trinken, kann sich selbst unterstützen, indem er beispielsweise per Wecker daran erinnert wird, jede Stunde ein Glas Wasser zu trinken, wodurch Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und einer unregelmäßigen Verdauung sinnvoll vorgebeugt werden kann. Gerade für ältere Menschen ist es sehr wichtig, an regelmäßiges Trinken zu denken, da das Durstgefühl mit zunehmendem Alter abnimmt und es somit schnell zu einem Flüssigkeitsmangel kommen kann.

Behandlung bei Porphyrie
Ist der dunkle Urin auf eine Porphyrie zurückzuführen, hängt die Therapie davon ab, welche Form der Erkrankung vorliegt. Da diese in den meisten Fällen genetisch bedingt ist, kann hier auch keine vollständige Heilung erfolgen – stattdessen steht die Therapie der jeweiligen Symptome im Vordergrund. Im Falle einer akuten Porphyrie empfiehlt es sich, auf Alkohol und Rauchen sowie auf Hungern infolge unregelmäßigen Essens konsequent zu verzichten, um das Risiko für einen Schub zu minimieren. Müssen Medikamente eingenommen werden oder steht ein Wechsel der Medikation an, sollte zudem ein Experte für Porphyrie zu Rate gezogen werden, um die Einnahme von möglicherweise schub-auslösenden Medikamenten (wie zum Beispiel Barbiturate, Diazepam, Phenytoin oder Theophyllin) zu vermeiden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einen akuten Schub mit hohen Kohlenhydratmengen oder Hämin per Infusion zu behandeln.

Da auch bei der kutanen Porphyrie keine ursächliche Therapie besteht, wird hier normalerweise versucht, die Porphyrine im Körper zu reduzieren, um dadurch die Krankheitsanzeichen lindern zu können. Da bei dieser Krankheitsform eine massive Empfindlichkeit gegenüber (Sonnen-)Licht besteht, sollte dieses so weit wie möglich vermieden werden, eben so wie leberschädigende Stoffe (Alkohol, Medikamente etc.).

Behandlung bei Gelbsucht
Im Falle einer Gelbsucht erfolgt die Behandlung zunächst entsprechend der Grunderkrankung. Kann beispielsweise die Gallenflüssigkeit aufgrund von Barrieren nicht abfließen, werden die Gallengänge im Rahmen einer endoskopischen Operation von Gallensteinen oder Tumoren befreit. Anschließend werden kleine Röhrchen aus Kunststoff oder Metall (Stents) in den Gallengang eingesetzt, um diesen weit zu halten und den Abfluss der gestauten Galle zu gewährleisten. Liegt eine Hepatitis vor, kommen wiederum verschiedene therapeutische Maßnahmen in Frage: So stehen bei einer akuten virusbedingten Hepatitis vor allem Bettruhe und Alkoholverbot im Vordergrund, bei einer chronischen Hepatitis B hingegen werden häufig antivirale Substanzen wie Lamivudin und Tenofovir eingesetzt. Eine chronische Hepatitis C wird im Allgemeinen mit einer Kombination von pegyliertem Interferon-alpha (PEG-IFN) und Ribavirin therapiert.

Neben diesen Maßnahmen sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen einer Leberentzündung auf jeglichen Alkohol verzichten und sich informieren, welche Medikamente schädliche Wirkungen auf die Leber haben könnten. Zusätzlich sollte verstärkt auf eine ausgewogene Ernährung und bei einer akuten Entzündung auf ausreichend Ruhe geachtet werden, bei einer Infektion mit dem Virustyp B oder C ist es außerdem wichtig, Familienangehörige und Sexualpartner zu informieren, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Therapie bei Morbus Meulengracht
Für diese Stoffwechselstörung besteht keine Therapie, da das defekte Enzym UDP-Glucuronyltransferase weder reparierbar ist noch ausgeglichen werden kann. Dies stellt aber normalerweise kein Problem dar, denn die „Erkrankung“ verursacht in den meisten Fällen keine bzw. nur sehr leichte Beschwerden und schränkt die Lebenserwartung des Betroffenen in keinster Weise ein. Dementsprechend besteht die einzige Möglichkeit darin, die eigenen Lebensgewohnheiten soweit anzupassen, dass der Morbus Meulengracht keine großen Probleme bereitet. Hierzu zählt insbesondere die Vermeidung von Alkohol, Rauchen, Stress, langem Hungern bzw. Fasten und unregelmäßigem Schlafen, aber auch ein möglichst guter Schutz vor Infektionen, denn auch eine solche kann zu einem Anstieg des Bilirubins führen.

Naturheilkunde bei dunkelm Urin

Um einer Dunkelfärbung auf natürlichem Wege vorzubeugen, sollte zunächst generell darauf geachtet werden, jederzeit ausreichend zu trinken, denn im Falle eines Mangels an Flüssigkeit ist der Harn nicht verdünnt, sondern stark konzentriert und dadurch dunkler als normal. Dies kann auch durch starkes Schwitzen (zum Beispiel beim Sport) begünstigt werden, darum ist es auch hier besonders wichtig, den Flüssigkeitshaushalt des Körpers schnell wieder „aufzufüllen“.

Ebenso kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung der Leber vorliegen – daher ist eine ärztliche Abklärung bzw. Betreuung bei auffällig dunklem Urin in jedem Fall notwendig. Parallel bietet jedoch der Bereich der Naturheilkunde ebenfalls diverse Möglichkeiten, um die Gesundheit des größten Organs im menschlichen Körper zu stärken und dadurch Beschwerden und Symptomen wie der Dunkelfärbung des Urins vorzubeugen. So gilt beispielsweise der Löwenzahn als wahre „Wunderpflanze“ für die Lebergesundheit, da er eine choleretische Wirkung hat, indem er die Galleproduktion in der Leber anregt, die Ausscheidung einer dünnflüssigen Gallenflüssigkeit herbeiführt und damit den Fettstoffwechsel verbessert. Aus diesem Grund wird das Kraut sehr gerne als Heilpflanze bei Gelbsucht, Gallensteinen oder Leberzirrhose eingesetzt – wobei dies natürlich nur in Abstimmung mit einem erfahrenen Heilpraktiker oder Arzt geschehen darf, um weitere gesundheitliche Schädigungen zu vermeiden.

Löwenzahn kommt dabei häufig als Tee oder Presssaft aus Frischpflanzen zum Einsatz, neben dem können die Blätter aber auch in Form von Gemüse, Suppe oder Smoothies genossen werden. In Hinblick auf den bevorstehenden Sommer ist auch ein Löwenzahnsalat eine leckere und äußerst gesunde Alternative zu anderen Blattsalaten, denn Löwenzahn enthält neben seinen leberstärkenden Inhaltsstoffen beispielsweise etwa neun Mal so viel Vitamin C wie Kopfsalat. Hierfür werden für vier Personen etwa 400gr Löwenzahn gewaschen, trocken geschleudert und in Streifen geschnitten auf Tellern angerichtet.

Im nächsten Schritt wird eine Lauchzwiebel geputzt und in feine Ringe geschnitten sowie etwa 12 schwarze Oliven halbiert und anschließend beides zu dem Löwenzahn gegeben. Verfeinert wird der Salat schließlich mit 200gr Schafskäse in kleinen Würfeln, einem Esslöffel Pinienkernen sowie bei Bedarf klein gehacktem Knoblauch. Für das Dressing werden schließlich 4 EL Olivenöl mit 3 EL mildem Kräuteressig, einem Esslöffel Senf, Salz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle gut vermengt und kurz vor dem Servieren über den Salat gegeben.

Ebenfalls sehr sinnvoll für die Lebergesundheit ist aus naturheilkundlicher Perspektive eine regelmäßige Entgiftung, um für den Körper belastende angesammelte Giftstoffe abzuführen bzw. zu verstoffwechseln. Wer seine Leber entgiften möchte, kann dabei auf unterschiedliche Maßnahmen wie zum Beispiel Glaubersalz zurückgreifen. Dabei handelt es sich um Natriumsulfat (Natrium sulfuricum), welches an zwei aufeinander folgenden Tagen zusammen mit Grapefruitsaft und Olivenöl eingenommen wird und auf diesem Wege als natürliches Abführmittel wirkt. Diese Form der Kur sollte jedoch aufgrund teilweise starken Erbrechens und massivem Durchfall zum einen nur nach Absprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker und zum anderen im besten Falle am Wochenende durchgeführt werden, damit sich der Körper am nächsten Tag ausreichend erholen kann.

Sanfter kann die Gesundheit der Leber mit Schüssler-Salzen unterstützt werden. In Frage kommen hier vor allem das Schüssler Salz Nr.6 (Kalium sulfuricum), welches die Leber und damit die Entgiftung anregt und den Fettstoffwechsel ankurbelt sowie das Salz Nr. 10, welches ebenfalls anregend wirkt und auf diese Weise die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper unterstützt. Auch hier sollte vor einer Einnahme jedoch immer mit dem Arzt oder Heilpraktiker Rücksprache gehalten werden, um die ideale Dosierung und Potenz abzustimmen. (nr)

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Bild: Stefanie Leistner / pixelio.de