Reizblase: Wenn die Blase „Druck“ macht

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Reizblase (Zystalgie) – Wenn die Blase „Druck“ macht
Es sind vor allem zwei Symptome, die den Begriff der Reizblase beschreiben, die auch „überaktive“ Blase genannt wird: Ein ständiger Harndrang mit nur geringen Mengen Urin (Pollakisurie), zu dem sich später unwillkürliches Abgehen von Harn, besonders bei körperlicher Anstrengung, gesellt (Stressinkontinenz). Seltener kommen Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen (Strangurie) sowie andauerndes diffuses Schmerzempfinden im Unterbauch dazu. So sehr die Symptomatik einer Blasenentzündung auch ähnelt, es lassen sich im Urin weder Bakterien noch andere Zeichen einer Infektion nachweisen. Auch zeigen Röntgenaufnahmen keine organischen Veränderungen. Man unterscheidet die primäre Reizblase ohne greifbaren organischen Hintergrund von der sekundär entstandenen.

Die primäre Reizblase als vegetative Regulationsstörung
Mehrere Millionen Deutsche leiden unter einer überaktiven Blase, zu ca. 80% sind Frauen davon betroffen. Die primäre Reizblase ist als Symptom einer Regulationsstörung des vegetativen Nervensystems zu verstehen und nimmt als solches bei körperlicher Abkühlung (allgemein oder bei kalten Füßen), nach dem Verzehr kalter Getränke, nach Geschlechtsverkehr und bei psychischer Erregung zu. Vor allem bei Frauen finden sich zusätzlich Kreislaufstörungen, Müdigkeit, Sexualstörungen, Migräne oder Magen-Darm-Beschwerden.

Frau trägt eine Seniorenwindel wegen Problemen mit Inkontinenz
Eine Reizblase kann mit Inkontinenz einhergehen und für die Betroffenen daher äußerst unangenehm werden. (Bild: tibanna79/fotolia.com)

Als seelische Aspekte der Entstehung werden in der Psychosomatik u.a. der sexuell geprägte Konflikt der älter werdenden Frau (bzw. des Paares) diskutiert sowie unter-drückte Wut, die als Reizblase einen spürbaren Aus-Druck findet. Die Reizblase bedeutet eine große soziale Belastung bis hin zur Ausgrenzung der Betroffenen, da der ständige Harndrang die Freude an Aktivitäten (Theater-, Kinobesuche, Spaziergänge) nimmt und zudem die Schwierigkeiten, v.a. die Inkontinenz, als peinlich empfunden werden. „Vorbeugend“ wird die Trinkmenge drastisch reduziert, was wiederum das Fassungsvermögen der Harnblase noch verkleinert.

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Die sekundäre Reizblase entsteht im Rahmen verschiedener organischer Störungen
Die sekundäre Form der Reizblase kann vielfältig verursacht sein, z.B. durch wiederkehrende Infektionen der Blase oder Harnröhre, hormonell durch Östrogenmangel in der Menopause, im Zuge neurologischer Erkrankungen wie M.Parkinson, Multipler Sklerose, Schlaganfall oder durch Fremdkörper in der Blase. Eine Verengung des Blasenausganges, verursacht etwa durch Prostatavergrößerung bei Männern bzw. Harnröhrenverengung bei Frauen fördert die Bildung von Blasensteinen, die ihrerseits zur Reizblase führen können. Auch Tumore in der Blase oder im kleinen Becken, zurückliegende Bestrahlungen oder Medikamentennebenwirkungen kommen in Frage. Die interstitielle Zystitis, eine Entzündung der Blasenwand unklarer Ursache, führt zu einer Verkleinerung des Fassungsvermögens und damit ebenfalls zum typischen Beschwerdebild der Reizblase.

Naturgemäße Maßnahmen in der Behandlung der „echten“ Reizblase
Naturärzte und Heilpraktikerinnen verfügen über ein großes Arsenal an Behandlungsmöglichkeiten, da es sich bei der Zystalgie um eine vegetativ-funktionelle Störung handelt, welche in der Regel gut auf naturheilkundliche Maßnahmen anspricht, insbesondere, wenn psychologisch-beratende Elemente integriert sind. Deshalb sollen folgende Möglichkeiten nur beispielhaft aufgeführt sein:

Als erste allgemeine Maßnahmen soll die abendliche Trinkmenge auf ein Minimum reduziert werden, ca. zwei Stunden vor dem Schlafengehen ist jede Flüssigkeitszufuhr zu vermeiden. Auf Getränke, die harntreibend wirken (Kaffee, Alkohol, diuretische Tees) sollte komplett verzichtet werden. Insgesamt ist auf einen geregelten Tages- und Arbeitsablauf geachtet werden, Methoden zum angemessenen Stressabbau sollten erlernt werden. Regelmäßiges Beckenboden, ergänzt durch ein „Toilettentraining“ bei dem zu festgelegten Zeiten Wasser gelassen wird, kann insbesondere Harndrang und Harninkontinenz vermindern bzw. beheben.

In der Naturheilpraxis wird die Neuraltherapie eingesetzt, wobei ein Lokalanästhetikum (meist Procain) direkt eine Entspannung der Blasenmuskulatur herbeiführt. Eine Behandlung mit Ohrakupunktur, bei der vegetative, psychotrophe und organbezogene Punkte einbezogen werden, wirkt ebenfalls entspannend auf den gesamten Organismus und die Muskulatur der Blase.

Homöopathisch wird häufig ein Komplexmittel aus „Winterlieb“ (Chimaphila umbellata), „Amerikanische Espe“ (Populus tremuloides) und „Zwergsägepalme“ (Serona repens), wenn nicht eine homöopathische Konstitutionsbehandlung erfolgt. In der Phytotherapie werden Heilkräuter eingesetzt, die psychovegetativ, wirksam sind, die stärkend auf das Blasengewebe wirken, den Stoffwechsel verbessern und krampflösend sind. Zum Einsatz kommen häufig Johanniskraut, Lavendelblüten, Sägepalmenfrüchte, Goldrutenkraut, Schachtelhalmkraut, Schafgarbenkraut u.a. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin, 28.02.2010)

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Bild1: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de