Alraune – Geschichte, Wirkung und Gefahren

Die Alraune – eine magische Hexenpflanze, ein wichtiger Bestandteil der Hexen- und Flugsalben neben Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel. Eine Pflanze mit viel Historie und einem mystischen und zauberhaften Hintergrund.

Steckbrief zur Alraune

  • Wissenschaftlicher Name: Mandragora officinarum
  • Pflanzenfamilie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
  • Volkstümliche Namen: Drachenpuppen, Galgenmännchen, Erdmännchen, Alraunmännchen, Hexenkraut, Springwurz, Zauberwurzel, Unhold-Wurzel, Wurzelknecht, Dollwurz, Alruneken
  • Vorkommen: Mittelmeerraum, Orient
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzeln
  • Inhaltsstoffe: Alkaloide, vor allem Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin, Cuscohygrin, Apoatropin
  • Anwendungsgebiete:
Alraune mit violetten Blüten auf einer Wiese.
Alle Teile der Alraune sind sehr giftig. Daher kommt die Pflanze heute nur noch hochverdünnt im Bereich der Homöopathie zum Einsatz. (Bild: kbel/stock.adobe.com)

Alraune – Heilwirkung

Aufgrund ihrer Giftigkeit wird die Alraune in der Regel nur in homöopathischer Verdünnung angewandt, und zwar bei Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Leber-Galle-Störungen (mehr dazu unter „Homöopathie“). In der anthroposophischen Medizin hat die Mandragora ebenso ihren Platz. Potenzierte Auszüge kommen dort bei rheumatischen Beschwerden zum Einsatz.

Die Volksheilkunde setzte die Alraune ein bei

Auch fand die Pflanze lange Anwendung als Schmerzmittel und als Narkotikum. Heute wird die Alraune in der Phytotherapie kaum mehr genutzt, außer – in sehr seltenen Fällen – äußerlich als Umschlag oder Pflaster bei rheumatischen Schmerzen oder als Abkochung bei Hauterkrankungen.

Pflanzenbeschreibung

Die Alraune ist eine mehrjährige Pflanze und hat ihre Heimat im Mittelmeerraum, in frostfreien Gebieten. Sie besitzt eine dicke Wurzel, die bis zu 60 Zentimeter lang werden kann. Diese Wurzel ist häufig längs gespalten, sodass ihre Form an ein Männlein mit Beinen und Körper erinnert. Der Wurzel entspringt eine bodennahe Rosette mit eiförmigen Blättern. Diese sind an den Rändern gezähnt und noppig gewellt. Sie bevorzugt Sandböden in Sonne und Halbschatten.

Im Frühjahr blüht die Alraune. Sie zeigt dann bläulich-violette Blüten, die direkt der Rosette entspringen. Betrachtet man die Blüten etwas genauer, so erinnern sie an die des blauen Enzians, wobei hier absolut keine Verwandtschaft besteht.

Später entwickeln sich aus den Blüten goldfarbene Beeren-Früchte. Sie erinnern optisch an kleine Äpfel. Dies geschieht zum Zeitpunkt, wenn das Laub der Pflanze schon vollständig verschwunden ist. So sehen die Äpfel wie kleine Falläpfel aus. Jedoch lassen sich diese nicht so leicht aufheben, da sie mit einem Stängel im Zentrum der Alraune festgewachsen sind. Sind die Früchte reif, sind sie gelb bis gelb-orange und ungiftig. Der Geschmack soll an Tomaten erinnern. Um zu vermeiden, eventuell unreife, giftige Früchte zu erwischen, werden diese am besten generell nicht verzehrt.

Im Gegensatz zur Mandragora officinarum, die – wie erwähnt – im Frühjahr blüht, existiert die sogenannte Herbst-Alraune (Mandragora autumnalis). Diese blüht, wie der Name verrät, im Herbst. Die Blühzeit ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Alraune-Arten.

Ein Mann sitzt zusammengesunken auf dem Fußboden vor einem beigen Sofa und hält sich die Hand an den Bauch.
Wird Alraune unsachgemäß verwendet, können schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsveränderungen auftreten. (Bild: Elnur/stock.adobe.com)

Die Inhaltsstoffe Scopolamin und Hyoscyamin in der Alraune erhöhen die Frequenz des Herzschlages, führen zur Erschlaffung der glatten Muskulatur, zur Sekretionshemmung und zur Pupillenerweiterung. Hinzu kommt, dass das Scopolamin eine zentral beruhigende und einschläfernde Wirkung besitzt, was in höheren Dosen zu einem halluzinogenen Effekt führt.

Früher wurde die Alraune medizinisch als Schmerzmittel oder auch zur Betäubung bei Operationen verwendet. Außerdem zur Behandlung von nervösen Beschwerden. Heute wird sie, außer in der Homöopathie, kaum noch medizinisch oder volksmedizinisch genutzt. An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich bei der Homöopathie um eine alternativmedizinische Behandlungsmethode handelt, für die es bisher keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gibt.

Homöopathie

Für die homöopathische Anwendung dient als Ausgangsstoff die getrocknete Wurzel der Alraune. Im Allgemeinen ist sie kein häufig angewandtes Homöopathikum. Sie wirkt vor allem auf das zentrale Nervensystem und die Gefäßmuskulatur. Ebenso wird sie angewandt bei Erkrankungen des Verdauungssystems, bei Depressionen und Herzbeschwerden, vor allem, wenn diese aufgrund von Blähungen entstehen (Roemheld-Syndrom). Weitere Anwendungsgebiete sind Blasenkrämpfe, Schlaflosigkeit, Schüttellähmung und Rheuma.

Der typische „Alraune-Patient“ beziehungsweise die typische „Alraune-Patientin“ ist frostig, reagiert überempfindlich auf Gerüche und Geräusche. Er oder sie verträgt weder Fett noch Süßes, noch Alkohol und entspannt sich gerne mit Hilfe von Nikotin oder anderen Drogen. Eigene Wünsche werden aus Angst vor Zurückweisung unterdrückt.

Alraune in der Geschichte

Die Alraune gehört zu den ältesten Heilpflanzen. Sie wird sogar in der Bibel erwähnt, und zwar im Alten Testament. Die alten Ägypter wendeten sie in verschiedenen Rezepten an. Sie brauten Liebestränke und setzten sie bei Schlafstörungen und als Schmerzmittel ein.

Das Nachtschattengewächs war ein Heilmittel bei Unfruchtbarkeit und galt als Aphrodisiakum. Eine Sage erzählt, dass derjenige, der die Wurzel der Pflanze ausgräbt, von deren schlimmen Schreien getötet oder aber davon verrückt wird. Deshalb gab es verschiedene Rituale und Vorsichtsmaßnahmen. Zum Beispiel sollte die Alraunwurzel nicht von einem Menschen, sondern von einem schwarzen Hund aus dem Boden geholt werden.

Des Weiteren war die Mandragora eine Grabbeigabe in den Pyramiden, und auf dem Gewand des Tut-Ench-Amuns waren Alraunenfrüchte abgebildet.

Der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast (371-287 v. Chr.) berichtete von der Heilwirkung der Alraune. Die Blätter der Pflanze, mit der Nahrung zugeführt, sollten die Wundheilung unterstützen und die Wurzel (geraspelt und in Essig gelegt) sei bei Gicht, Schlaflosigkeit und als Liebestrank das Mittel der Wahl. Der griechische Arzt Dioskurides (ca. 40–90 n. Chr.) beschrieb die Mandragora als Anästhetikum in der Wundmedizin und in der Chirurgie.

Hexenkraut und Zauberpflanze

Alraune ist eine der bedeutendsten und sagenumwobensten magischen Zauberpflanzen. Sie wird oft auch als „Hexenkraut“ beschrieben. Heute ist sie immer noch in dementsprechenden Kreisen ein Bestandteil magischer Rituale. Neben anderen Pflanzen war sie ein wichtiger Inhaltsstoff von Hexen- und Flugsalben. Auch in halluzinogenen Hexenmitteln war sie enthalten. Immer wieder berichteten Menschen von einem Leuchten, das von den Früchten der Pflanze ausging.

Die Wurzel diente als Glücksbringer. Als Talisman um den Hals getragen, sollte sie dem Besitzer oder der Besitzerin Geld, Ruhm und Ehre bringen sowie Krankheiten fernhalten. Aus der Wurzel wurden kleine Figuren geschnitzt und als Puppen gekleidet.

Illustration einer Alraune-Wurzel mit kurzem Info-Text über die Entstehung der Zauberpflanzen-Legende.
Die Wurzel der Alraune diente unter anderem als Glücksbringer und sollte vor Krankheiten schützen. (Bild: foxyliam/stock.adobe.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Eine weitere Sage erzählt, dass die Alraunenwurzel in hochwertige Stoffe eingepackt und in einem mit Seide gefütterten Kästchen aufbewahrt wurde. Starb der Besitzer dieses kleinen „Schatzes“, bekam der Sohn das Amulett, der zum Austausch ein Stück Brot in den Sarg seines Vaters legen musste.

Da die Alraunenwurzel so etwas Besonderes und Mystisches an sich hatte, verkauften sie Gaukler und Scharlatane zu einem hohen Preis. Leider entstand daraus auch der Handel mit „falschen“ Alraunenwurzeln, mit Imitaten. Eine wahre Alraunensucht machte sich breit. Daraufhin erließ Herzog Maximilian von Bayern ein Verbot, Alraunenwurzeln auszugraben, um mit ihr Zauberei und Hexerei zu betreiben.

Gedicht über die Alraune

„Die klügsten Waldgeister sind die Alräunchen,
Langbärtige Männlein mit kurzen Beinchen,
Ein fingerlanges Greisengeschlecht,
Woher sie stammen, man weiß es nicht recht.“

(Heinrich Heine)

Dieses Gedicht beschreibt das Wesen der Mandragora recht gut. So gleicht die Form der Wurzel einem Männlein. Des Weiteren besitzt sie die Eigenschaft, die grünen, runzlig wirkenden Blätter nur für kurze Zeit an der Erdoberfläche zu zeigen. Die Wurzel verströmt einen süßlich narkotischen Duft und die Früchte der Alraune haben einen schwefligen Geruch.

Alraune – Nebenwirkungen

Hier muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass die Alraune hochgiftig ist. Wird die Wurzel in konzentrierter Form und von unkundiger Hand angewandt, kann dies zu Herzrasen, Fieber, massiver Nervosität, Übelkeit, Brechreiz, Halluzinationen und massivem Durchfall führen, bis hin zu Atemlähmung mit letalem Ausgang.

Zusammenfassung

Die Alraune hat wesentlich mehr über ihr Dasein als magische Hexen- und Zauberpflanze zu erzählen als über ihre Anwendung als Heilkraut. Sie ist hochgiftig und wird heute nahezu ausschließlich verdünnt in der Homöopathie angewandt. Aber auch hier ist sie nur ein „kleines“ Mittel. (sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Müller-Ebeling, Claudia; Rätsch, Christian: Zauberpflanze Alraune: Die Magische Mandragora: Aphrodisiakum - Liebesapfel - Galgenmännlein (Nachtschattengewächse - eine interessante Pflanzenfamilie), Nachtschatten Verlag, 2015
  • Jahn, Angelika: Die Unsterblichkeit des künstlichen Menschen in der Literatur, (Masterarbeit), Diplomica Verlag GmbH, 2014
  • Madejsky, Margret; Rippe, Olaf: Heilmittel der Sonne, AT Verlag, 2013
  • Chevallier, Andrew: Das Grosse Lexikon der Heilpflanzen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2017
  • Schmersahl, Peter: Alraune – Heilpflanze und sagenhafte Zauberpflanze. Die Alraune im Spiegel der bildenen Kunst, in: Deutsche Apothekerzeitung, 33/2007: 48, August 2007

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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