Luftverschmutzung verursacht jährlich Millionen Fälle Typ-II-Diabetes

Wie wirkt sich die Luftverschmutzung auf Diabetes aus?

Die allgemeine Luftverschmutzung ist ein Problem, welches in vielen Ländern auf der Welt auftritt. Forscher fanden heraus, dass die zunehmende Luftverschmutzung jährlich zu vielen Todesfällen führt. Außerdem stellten die Mediziner fest, dass die Anzahl der Menschen mit Diabetes mit der Zunahme der Luftverschmutzung stetig ansteigt.


Die Wissenschaftler der Washington University in St. Louis stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Luftverschmutzung sich nicht nur auf die Lebenserwartung auswirkt, sondern auch einen starken Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Diabetes hat. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „The Lancet Planetary Health“.

Dass Luftverschmutzung eine große Gefahr für die Gesundheit darstellt, ist lange bekannt. Einer neuen Studie zufolge erhöht eine starke Feinstaubbelastung auch das Risiko für Typ-2-Diabetes. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Diabeteserkrankungen steigen

Alleine in Großbritannien verursacht die Luftverschmutzung jährlich fast 15.000 neue Fälle von Typ-2-Diabetes, erklären die Autoren der Studie. Die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes im Vereinigten Königreich hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht, von 700.000 in den 1990er Jahren auf heute 2,8 Millionen. Diese Krankheitsfälle kosten den NHS jährlich etwa 14 Milliarden Pfund.

Luftverschmutzung führt zum Ansteig von Diabetes

Die steigende Zahl der Erkrankungen wurde bisher mit ansteigender Fettleibigkeit in Verbindung gebracht, aber die Ergebnisse der neuen Studie aus den USA legen nahe, dass die Luftverschmutzung in Großbritannien für mindestens einen von zehn Fällen bei Diabetes verantwortlich sein könnte. Es stellte sich heraus, dass die Anzahl der Menschen mit Diabetes mit der Zunahme der Luftverschmutzung anstieg, selbst wenn die in der Luft enthaltenen Partikel unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für sicher gehaltenen Werte lagen.

Luftverschmutzung ist ein starker Risikofaktor für Krankheiten

Die Luftverschmutzung ist ein Hauptrisikofaktor für viele Krankheiten und sollte keinesfalls ignoriert werden, sagt Studienautor Dr. Ziyad Al-Aly von der Washington University. Im Vereinigten Königreich gab es im Jahr 2016 etwa 14.900 Fälle von Diabetes, die auf Luftverschmutzung zurückzuführen waren, fügt der Experte hinzu. Aus den aktuellen Studienergebnissen gehe eindeutig hervor, dass eine höhere Verschmutzung der Luft mit einem höheren Risiko für Diabetes verbunden ist. In großen und verschmutzten Städten, wie beispielsweise London, könnten die Auswirkungen besonders gravierend sein.

Welche Schäden kann Typ-2-Diabetes auslösen?

Typ-2-Diabetes tritt auf, wenn ein Mensch nicht genug Insulin produziert, jenes Hormon, welches den Zellen erlaubt, Glukose in das Blut aufzunehmen. Oder Typ-2-Diabetes entwickelt sich, wenn das produzierte Insulin nicht richtig funktioniert. Als Folge davon sammelt sich der Blutzucker im Körper an und die Zellen erhalten nicht die Energie, die sie eigentlich benötigen, erklären die Wissenschaftler. Im Laufe der Zeit könne Typ-2-Diabetes zu Schäden an Blutgefäßen, Nerven und inneren Organen führen und sogar Nierenerkrankungen und Blindheit auslösen. Diabetes erhöht auch das Risiko für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall, fügen die Experten hinzu.

Aufzeichnungen von 1,7 Millionen Menschen wurden ausgewertet

Für die Studie untersuchten die Forscher die Gesundheitsaufzeichnungen von 1,7 Millionen US-Veteranen, die durchschnittlich 8,5 Jahre lang medizinisch überwacht wurden. Mithilfe von Nasa-Satellitendaten und Bodenstationsmesswerten zur Überwachung der Luftverschmutzung verknüpften sie die Messwerte dann mit den Gesundheitsaufzeichnungen der Einzelpersonen, um die Qualität der Luft zu ermitteln, die diese Menschen atmeten. Mit der Auswertung der sogenannten Global Burden of Disease-Studie haben sie auch die Luftverschmutzung in 194 Ländern verglichen, um herauszufinden, ob Diabetesfälle in stärker verschmutzten Gebieten zugenommen haben.

Wie können Menschen sich vor Diabetes schützen?

Insgesamt schätzten die Forscher, dass die Umweltverschmutzung im Jahr 2016 zu 3,2 Millionen neuen Diabetesfällen weltweit beigetragen hat, was etwa 14 Prozent aller neuen Fälle darstellt. Angesichts der Anzahl der Menschen in stark verschmutzten Gebieten deutet dies darauf hin, dass selbst eine geringe Verringerung der Luftverschmutzung erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der Menschen hätte, die Typ-2-Diabetes entwickeln. Wenn Schritte unternommen werden, um die Luftqualitätsstandards zu erfüllen, wird dies einen wesentlichen Einfluss auf die kollektive Gesundheit haben. Das Risiko für Typ-2-Diabetes kann von Menschen allerdings auch durch eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und ausreichende Bewegung reduziert werden, betonen die Mediziner. (as)