Neueste Forschungserkenntnisse zeigen wie Intervallfasten gegen Diabetes hilft

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Forscher: Mit Intervallfasten könnte Diabetes verhindert werden

Schon in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, wie stark sich die Ernährung auf das Risiko auswirkt, an Diabetes zu erkranken. Forschende haben nun herausgefunden, dass auch Intervallfasten dabei helfen könnte, die sogenannte Zuckerkrankheit zu verhindern.


Intervallfasten hilft nicht nur bei der Gewichtsreduktion

Gesundheitsexperten zufolge hilft Intervallfasten nicht nur beim Abnehmen, sondern soll auch bei Bluthochdruck helfen, die Stimmung verbessern und die geistige Leistungsfähigkeit steigern. Zudem ist bekannt, dass diese Form des Fastens die Empfindlichkeit für das blutzuckersenkende Hormon Insulin verbessert und vor einer Fettleber schützt. Forschende fanden nun heraus, dass bei einer Intervallfasten-Kur auch das Fett der Bauchspeicheldrüse schrumpft. In ihrer Studie zeigen sie, über welchen Mechanismus das Bauchspeicheldrüsenfett zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes beitragen könnte.

Beim Intervallfasten wird in bestimmten Zeitfenstern auf Nahrung verzichtet. Danach und davor darf normal gegessen werden. Forscher fanden nun heraus, dass solche Fastenkuren vor Diabetes schützen könnten. (Bild: lameeks/fotolia.com)

Fett der Bauchspeicheldrüse schrumpfte

Erst kürzlich berichtete ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), dass schon ein gelegentlicher Fleischverzicht vor Diabetes schützen kann.

Und nun fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) vom DIfE heraus, dass bei Mäusen, die eine Intervallfasten-Kur bekamen, auch das Fett der Bauchspeicheldrüse schrumpfte.

In ihrer im Fachblatt „Metabolism“ veröffentlichten Studie zeigen sie, über welchen Mechanismus das Bauchspeicheldrüsenfett zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes beitragen könnte.

Untersuchung an Mäusen

Wie das DIfE in einer Mitteilung schreibt, ist die Fettleber als bekannte und häufig vorkommende Krankheit gründlich erforscht.

Über die durch Übergewicht entstehende Fettansammlung in der Bauchspeicheldrüse und deren Auswirkungen auf den Ausbruch von Typ-2-Diabetes ist aber wenig bekannt.

Das Forscherteam um Professorin Annette Schürmann und Professor Tim J. Schulz vom DIfE fand nun heraus, dass übergewichtige Mäuse, die anfällig für Diabetes sind, eine hohe Ansammlung an Fettzellen in der Bauchspeicheldrüse aufwiesen.

Mäuse, die trotz eines hohen Gewichts aufgrund ihres Erbguts gegen Diabetes gefeit sind, hatten hingegen kaum Fett in der Bauchspeicheldrüse, dafür jedoch in der Leber.

„Fettansammlungen außerhalb des Fettgewebes, z.B. in Leber, Muskeln oder gar den Knochen, wirken sich negativ auf diese Organe und den gesamten Körper aus“, erklärt Schürmann, Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie am DIfE und Sprecherin des DZD.

„Welchen Einfluss Fettzellen innerhalb der Bauchspeicheldrüse haben, war bisher nicht klar“, so die Expertin.

In bestimmten Zeiten auf Nahrung verzichten

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilten die dicken, für Diabetes anfälligen Tiere, in zwei Gruppen: Die erste Gruppe durfte so viel fressen, wie sie wollte.

Die zweite Gruppe erhielt eine Intervallfasten-Kur: einen Tag bekamen die Nager unbegrenzt Futter und am nächsten Tag bekamen sie nichts.

In der Mitteilung wird erklärt, dass Intervallfasten bedeutet, in bestimmten Zeitfenstern auf Nahrung zu verzichten. Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee sind aber rund um die Uhr erlaubt.

Je nach Methode dauern die Essenspausen zwischen 16 und 24 Stunden oder es werden innerhalb einer Woche an zwei Tagen höchstens 500 bis 600 Kalorien aufgenommen.

Die bekannteste Form des Intervallfastens ist die 16:8-Methode: An acht Stunden des Tages darf gegessen werden und die übrigen 16 Stunden wird gefastet. Eine Mahlzeit – meist das Frühstück – wird dabei ausgelassen.

In der Bauchspeicheldrüse reicherten sich Fettzellen an

Nach fünf Wochen des Intervallfastens konnten die Forscherinnen und Forscher Unterschiede in den Bauchspeicheldrüsen der Mäuse sehen.

In der Gruppe eins reicherten sich Fettzellen an. Die Tiere der Gruppe zwei hatten hingegen kaum Fetteinlagerungen in der Bauchspeicheldrüse.

Um herauszufinden, wie Fettzellen die Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigen könnten, isolierte das Forscherteam erstmals Fett-Vorläuferzellen aus der Bauchspeicheldrüse von Mäusen und ließen sie zu reifen Fettzellen ausdifferenzieren.

Wurden die reifen Fettzellen anschließend zusammen mit den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse kultiviert, setzten die Beta-Zellen der „Inseln“ verstärkt Insulin frei.

Wie die Experten erläutern, sind Langerhans-Inseln inselartig eingebettete Ansammlungen hormonbildender Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Beta-Zellen stellen das blutzuckersenkende Hormon Insulin her und machen etwa 65 bis 80 Prozent der Inselzellen aus.

Bei erhöhten Blutzuckerspiegeln geben sie Insulin ins Blut ab, damit sich diese wieder normalisieren.

Vielversprechender Therapieansatz

„Wir vermuten, dass durch die erhöhte Insulinfreisetzung die Langerhans-Inseln von diabetesanfälligen Tieren schneller erschöpfen und nach einiger Zeit ihre Funktion ganz einstellen“, erläutert Schürmann.

„Auf diese Weise könnte Fett in der Bauchspeicheldrüse zur Entstehung des Typ-2-Diabetes beitragen“, so die Wissenschaftlerin.

Die aktuellen Daten lassen vermuten, dass zur Vorbeugung eines Typ-2-Diabetes nicht nur das Leberfett gesenkt werden sollte.

„Möglicherweise trägt gerade die Fettansammlung in der Bauchspeicheldrüse unter bestimmten genetischen Voraussetzungen entscheidend zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei“, sagt Schulz, Leiter der Abteilung Fettzell-Entwicklung und Ernährung.

Als vielversprechender Therapieansatz könnte zukünftig Intervallfasten zum Einsatz kommen. Die Vorteile: Es ist nicht-invasiv, lässt sich meist leicht in den Alltag integrieren und kommt ohne Medikamente aus.

Weitere interessante Artikel zu diesem Thema finden Sie hier:

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Deutsches Institut für Ernährungsforschung: Neue Spur: Mit Intervallfasten Diabetes verhindern, (Abruf: 03.07.2019), Deutsches Institut für Ernährungsforschung
  • Fachmagazin "Metabolism": Pancreatic adipocytes mediate hypersecretion of insulin in diabetes-susceptible mice, (Abruf: 03.07.2019), Metabolism