Selbst gelegentlicher Fleisch- und Fischverzicht schützt vor Diabetes

Fleisch wurde mariniert

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Reduzierung des Fleischverzehrs senkt Risiko für Typ-2-Diabetes

Laut einer kürzlich veröffentlichten US-amerikanischen Studie reduziert der häufige Verzehr von rotem Fleisch die Lebenserwartung deutlich. Unter anderem, weil dieser Konsum mit einem höheren Risiko für Diabetes einhergeht. Deutsche Forscher berichten nun, dass schon ein gelegentlicher Fleischverzicht vor Typ-2-Diabetes schützen könnte.


Vor Diabetes schützen

Diabetes zählt zu den großen Volkskrankheiten hierzulande. Gesundheitsexperten zufolge sind derzeit rund 7,6 Millionen Deutsche zuckerkrank. In vielen Fällen kann die Stoffwechselkrankheit mit der richtigen Ernährung gut kontrolliert werden. Die Ernährung kann aber auch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, sich vor der Krankheit zu schützen. So könnte das Risiko für Typ-2-Diabetes schon durch einen gelegentlichen Fleischverzicht reduziert werden.

Fleisch wurde mariniert
Es ist schon länger bekannt, dass häufiger Fleischverzehr das Risiko für Krankheiten wie Diabetes erhöht. Forschern zufolge könnte das Diabetes-Risiko bereits durch gelegentlichen Fleischverzicht reduziert werden. (Bild: exklusive-design/fotolia.com)

Ernährung wirkt sich auf das Diabetes-Risiko aus

In früheren wissenschaftlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, wie stark sich die Ernährung auf das Risiko auswirkt, an Diabetes zu erkranken.

So stellten US-amerikanische Forscher fest, dass sich diese Gefahr durch Walnüsse reduzieren lässt.

Und erst vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass kohlenhydratarme Kost das Diabetes-Risiko senkt.

Andererseits gibt es aber auch Lebensmittel, die die Gefahr, zuckerkrank zu werden, erhöhen. Wissenschaftler berichteten schon vor Jahren, dass der häufige Verzehr von rotem Fleisch das Diabetes-Risiko erhöht.

Gelegentlich auf Fleisch zu verzichten, könnte diese Gefahr eindämmen.

Weniger essen und länger leben

Zwar verweisen zahlreiche Studien zur positiven Wirkung des (Intervall-)Fastens darauf, dass Menschen, die weniger essen, länger und gesünder leben.

Doch neben der verminderten Kalorienaufnahme spielt auch das Verhältnis der einzelnen Nahrungsbestandteile eine wichtige Rolle, erklärt das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) in einer Mitteilung.

Forschende vom DIfE, Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, konnten nun im Tiermodell zeigen, dass allein die Reduzierung der Aminosäure Methionin Typ-2-Diabetes verhindert.

Die Studienergebnisse wurden im Fachblatt „FASEB Journal“ veröffentlicht.

Positive Auswirkung auf die Gesundheit

Bereits in früheren Untersuchungen fand das Forscherteam der Abteilung Experimentelle Diabetologie am DIfE heraus, dass Mäuse, die eiweißarmes Futter bekamen, unter anderem verbesserte Blutzuckerwerte hatten und mehr Energie verbrauchten als Tiere, die Standardfutter erhielten.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen jetzt, dass schon die Verringerung einer einzelnen Aminosäure im Futter sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.

So verbesserte eine Ernährung arm an Methionin den Zuckerstoffwechsel der Mäuse und deren Empfindlichkeit für das Hormon Insulin.

„Interessanterweise beobachteten wir die positiven Wirkungen der methioninarmen Kost, ohne den Eiweißgehalt zu verringern und unabhängig von Nahrungsaufnahme und Körperfett“, erklärt Dr. Thomas Laeger, Leiter des Projekts.

Wie die Experten erklären, ist Methionin eine schwefelhaltige, lebenswichtige Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und die deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden muss.

Wie alle Aminosäuren dient sie Eiweißen als Baustein. Methionin trägt unter anderem zur Bildung von Neurotransmittern und Hormonen bei und ist somit an vielen wichtigen Körperfunktionen beteiligt.

Obwohl auch bestimmte Nüsse, Ölsaaten und Gemüse nennenswerte Mengen der essentiellen Aminosäure enthalten, ist eine pflanzenbasierte Kost im Vergleich zu einer Ernährung mit Fleisch und Fisch in der Regel methioninarm.

Mögliche Vorteile einer vegetarischen oder veganen Ernährung

Die Daten der Studie sprechen dafür, dass der Fibroblast growth factor 21 (FGF21) die schützende Wirkung der methioninarmen Ernährung vermittelt: Wenn weniger der Aminosäure aufgenommen wird, setzt die Leber vermehrt FGF21 frei.

Vegetarische oder vegane Kost enthält im Vergleich zu fleisch- und fischhaltigen Speisen meist geringe Mengen an Methionin.

„Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Molekulare Toxikologie und des Bundesinstituts für Risikobewertung konnten wir zeigen, dass Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, verglichen mit Mischköstlern erhöhte FGF21-Spiegel im Blut haben,“ so Erstautorin Teresa Castaño-Martinez.

Schon nach vier Tagen vegetarischer Ernährung erhöhten sich die FGF21-Mengen auch im Blut der Mischköstler.

„Sollten sich die Befunde aus dem Tiermodell auf den Menschen übertragen lassen, wäre das für die Behandlung von Diabetes ein wichtiger Schritt“, so Laeger.

„Statt Kalorien zu zählen und generell auf schmackhafte eiweißreiche Lebensmittel zu verzichten, müsste nur der Methioninanteil im Essen reduziert werden. Möglicherweise reicht es bereits, wenn Betroffene hin und wieder eine vegetarische Woche einlegen und somit ihre FGF21-Spiegel in die Höhe treiben. Das könnte die Akzeptanz einer Ernährungsumstellung erheblich vereinfachen.“

Berücksichtigt werden müsse aber, dass bestimmte Gruppen, darunter beispielsweise Kinder, schwangere und stillende Frauen, einen erhöhten Bedarf an Methionin haben.

Neues Wissen zu den Entstehungsmechanismen des Typ-2-Diabetes vertiefen
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich einig, dass die Spur unbedingt weiterverfolgt werden sollte.

Wichtig wäre nun, herauszufinden, inwieweit die verminderte Methioninaufnahme tatsächlich zur Erhöhung der FGF21-Spiegel beiträgt.

Künftig möchte das Forscherteam weitere Untersuchungen mit Veganern durchführen, um zusätzliche Indizien für die mögliche Beteiligung der Aminosäure Methionin an der Entstehung von Typ-2-Diabetes aufzudecken. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.