Neuralgie: Nervenschmerzen

nervenschmerzen
Susanne Waschke

Der Begriff Neuralgie steht für sogenannte Schmerzsyndrome, die sich in der Regel auf das Ausbreitungsgebiet eines Nervs beschränken. Jedoch können auch mehrere Nerven gleichzeitig betroffen sein. Bei einer Neuralgie entstehen wiederkehrende unerträgliche, einschießende, stechende Schmerzen, die einen Betroffenen nahezu in den Wahnsinn treiben können. Hinzu kommen Taubheitsgefühle und Berührungsempfindlichkeit.

Schmerzcharakter

Typisch für eine Neuralgie, auch Nervenschmerzen genannt, sind die plötzlich einsetzenden, einschießenden, bohrenden Schmerzen und/oder brennende Dauerschmerzen. Zusätzlich ist das betroffene Gebiet berührungsempfindlich. Missempfindungen, wie ein Kribbeln in den Gliedern, ein Taubheitsgefühl in den Beinen oder ein Einschlafen der Hände, sind ebenso möglich. Der Nervenschmerz wird in dem erkrankten Gebiet wahrgenommen. Dieser kann so plötzlich auftreten, dass der Patient zusammenzuckt oder gar vor Schmerz aufschreit.

Nerven
Nervenschmerzen können theoretisch entlang sämtlicher Nervenbahen des Körpers auftreten. Bild: miket/fotolia.com

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig. Meist liegt eine Reizung des Nervs zugrunde. Aber auch Druck, Verdrängungen oder Entzündungen können zu Nervenschmerzen führen. Ein entzündlicher Prozess, der sich direkt neben dem Nerv abspielt, zum Beispiel eine Zahnwurzeleiterung, ist ebenfalls als möglicher Auslöser einer Neuralgie zu nennen.

Ein Tumor, der auf den Nerv drückt, eine Schwellung, oder die Bandscheibe, die dem Nerv in seinem Verlauf behindert, all dies sind potentielle Ursachen für Nervenschmerzen. Weitere Auslöser sind sogenannte Engpasssyndrome. Dies sind physiologisch enge Stellen im Körper, an denen relativ häufig ein Nerv eingeklemmt wird. Sie befinden sich unter anderem im Ellenbogen, am Handgelenk oder im Leistenkanal. Des Weiteren können Vergiftungen, Stress und seelische Belastungen zu Nervenschmerzen führen.

Erkrankungen als Ursache

Nahezu jeder Nerv, der geschädigt ist, kann Nervenschmerzen auslösen. Einige häufige Erkrankungen, die Nervenschmerzen nach sich ziehen, werden im Anschluss näher betrachtet.

Eine dieser Erkrankungen ist die Gürtelrose, der in manchen Fällen eine sogenannte Postzoster-Neuralgie folgen kann. Die Betroffenen haben die akute Phase einer Gürtelrose (virale Erkrankung, ausgelöst durch den Varizella-Zoster-Virus) bereits durchlebt. Nach einmal durchgemachten Windpocken legt sich der Virus im Körper „schlafen“ und kann bei nachlassender Immunität wieder zum Leben erweckt werden. Im Rahmen einer Gürtelrose zeigt sich bei den Patienten ein schmerzhafter Juckender Hautausschlag, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie als Komplikation im weiteren Verlauf die Postzoster-Neuralgie. Vor allem ältere Patienten leiden vermehrt unter den Nervenschmerzen. Dabei entstehen einschießende, brennende, teilweise unerträgliche Schmerzen im erkrankten Gebiet. Diese Neuralgie kann jahrelang bestehen.

Auch im Zusammenhang mit einer Borreliose sind neuralgische Symptome möglich. Durch einen Zeckenbiss kann das Bakterium Borrelia burgdorferi übertragen werden. Dies löst nach einer Inkubationszeit von Tagen bis Wochen eine Infektion aus, die sich in der Haut, den Lymphknoten, im Herz, den Gelenken und auch im Nervensystem bemerkbar macht. Gerade bei der Spätform der Borreliose können neuralgische Beschwerden wie brennen, stechen und kribbeln in nahezu jedem Körperteil und vor allem nachts auftreten.

Eine seltene Ursache für heftige, einschießende Schmerzen ist die Pudendus-Neuralgie. Dabei sind Damm-, Genital- und Analregion betroffen. Ursache für diese Neuralgie sind mechanische oder entzündliche Schädigungen des Nervs. Auch kann diese Erkrankung sekundär, im Rahmen einer Gürtelrose, auftreten. Patienten, die an Diabetes leiden, können ebenso davon betroffen sein.

Die Trigeminusneuralgie hat ihren Namen von dem Nerv, der dabei geschädigt wird, nämlich dem Trigeminusnerv. Dies ist der fünfte Hirnnerv, bestehend aus drei Ästen, die Stirn, Oberkiefer und Unterkiefer versorgen. Die Trigeminusneuralgie entsteht durch Kompression der Trigeminuswurzel bei Tumoren oder Entzündungen. Sie betrifft meist Personen, die älter als 50 Jahre sind, oder Patienten, die bereits an neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose leiden. Die Betroffenen ereilen blitzartige Schmerzattacken, die zwar nur kurz dauern, jedoch äußerst unangenehm sind und alle paar Minuten auftreten können. Die Schmerzen werden durch Kauen, Sprechen oder durch leichte Berührung ausgelöst und sind in den meisten Fällen einseitig, wobei am häufigsten der zweite und dritte Ast des Trigeminusnervs betroffen sind. Aufgrund der unerträglichen Schmerzen vermeiden viele Betroffene die Nahrungsaufnahme und verlieren deshalb an Gewicht.

Bei einer Ischialgie führt die Reizung des Ischiasnervs zu neuralgischen Schmerzen, ausgelöst durch verschiedene Ursachen. Zum Beispiel kann bei einem Bandscheibenvorfall im unteren Bereich der Wirbelsäule durch Druck des Gallertkerns der Bandscheibe der Ischiasnerv eingeklemmt und eine entsprechende Neuralgie ausgelöst werden. Aber auch Tumoren, Schwellungen oder Metastasen können den Nervus Ischiadicus komprimieren und Ischiasschmerzen bedingen. Wenn die Wirbel zerstört sind, kann dies ebenfalls zu einer Quetschung des Ischiasnervs führen. Zudem besteht während des Geburtsvorgangs die Gefahr für die Mutter hier eine Neuralgie zu entwickeln. Der Kopf des Ungeborenen befindet sich bei der Geburt in der Nähe des Ischiasnervs und durch die Kompression kann der Nerv erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Behandlung

Für die Behandlung existieren verschiedenen Verfahren und Medikamente. Jedoch ist die Therapie von Nervenschmerzen nicht immer ganz einfach.

Gerade die Trigeminusneuralgie stellt eine Herausforderung für den behandelnden Therapeuten dar. Anfangs werden häufig Antiepileptika verabreicht. Dies sind Medikamente, die normalerweise zur Therapie von Epilepsie eingesetzt werden, jedoch auch bei der Neuralgie positive Wirkung zeigen. Verschiedene Wirkstoffe sind auf dem Markt, die je nach Verträglichkeit, verwendet werden. Des Weiteren gehören Muskelrelaxantien zu den Arzneimitteln, die in der Behandlung der Trigeminusneuralgie ihren Platz haben. Die Medikamente können jedoch zu den vielfältigsten Nebenwirkungen führen. Da die genannten Arzneimittel Auswirkungen auf das Blutbild haben können, sollte dies während der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.

Bewährt hat sich bei der Behandlung auch die Anwendung einer Lokalanästhesie. Die betroffenen Nerven werden durch das injizierte Lokalanästhetikum an den Austrittsstellen blockiert. Bleiben alle medikamentösen Therapieversuche erfolglos bedarf es in seltenen Fällen einer Operation. Dabei wird zum Beispiel mit Hilfe einer Hitzeläsion der betroffene Nerv geschädigt beziehungsweise verödet.

Bei einer durch Ischiasreizung  ist die Ursache zu behandeln, das heißt der Grund für die Kompression zu beseitigen. Ist der Auslöser ein Bandscheibenvorfall, so wird dieser meist konservativ mit Schmerzmitteln und geeigneter Physiotherapie behandelt. Gehen Schwellung und auch die Entzündung zurück, wird der irritierte Nerv entlastet und die Neuralgie kling ab.

Die Therapie einer Postzoster-Neuralgie ist zum Teil mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Auch hier werden, wie bei der Trigeminusneuralgie Antiepileptika eingesetzt. Ebenso gehören bestimmte Antidepressiva, die ebenfalls bei Schmerzen wirksam sind, zum Behandlungsschema. Sie werden auch in Kombination mit Neuroleptika verabreicht. Zur perkutanen Anwendung kommen Acetylsalicylsäure und Capsaicin in Betracht. Die therapeutische Lokalanästhesie wird bei der Behandlung der Postzoster-Neuralgie unterschiedlich diskutiert.

Tritt im Rahmen einer Borreliose eine Neuralgie auf, so werden ebenso die bereits bei den anderen Neuralgieformen erwähnten Antiepileptika eingesetzt. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist ein Dauerkatheter in Form eines dünnen Schlauches, über den in einem Zeitraum von zehn bis vierzehn Tagen, ein Lokalanästhetikum direkt an den Nerv abgegeben wird.

Naturheilkundliche Behandlung

Selbstverständlich gehört die Behandlung einer Neuralgie in die Hände eines erfahrenen Arztes. Jedoch kann diese durch den Einsatz naturheilkundlicher Verfahren durchaus unterstützt und die Heilungsaussicht damit verbessert werden.

Die Baunscheidttherapie ist hierbei eine häufig angewandte Methode. Im Rahmen der Behandlung wird die Haut im Bereich des betroffenen Gebietes leicht angeritzt. Durch das anschließend aufgetragene Baunscheidtieröl wird die Haut besser durchblutet und die Abwehr in Gang gesetzt. Das Quaddeln mit ausgewählten anthroposophischen Infektionslösungen bringt Erleichterung. Da Nerven auf die Zufuhr von B-Vitaminen angewiesen sind, hat sich das Injizieren eines Vitamin-B-Komplexes bewährt. Aber auch die orale Applikation ist eine Möglichkeit, für die überreizten Nerven etwas Gutes zu tun.

Des Weiteren kann Johanniskraut, sowohl innerlich als Kapsel, als auch äußerlich als Öl angewandt, den Heilungsprozess unterstützen. Komplexpräparate oder auch Einzelmittel aus der Homöopathie kommen ebenfalls bei Neuralgien zum Einsatz. Zum Beispiel wird Cantharis, die Spanische Fliege, bei brennenden Schmerzen angewandt. Cedron, ein Bittereschengewächs, ist das Mittel der Wahl bei Neuralgien. Cyclamen, das Alpenveilchen, und Verbascum, die Königskerze, werden beide für die Behandlung einer Trigeminusneuralgie herangezogen.

Gegen die Neuralgie beziehungsweise die neuralgischen Schmerzen können auch Schüssler Salze eingesetzt werden.Häufiger angewandt werden hier zum Beispiel das Schüssler Salz Nr.2 (Calcium phosophoricum), Nr.3 (Ferrum phosphoricum), Nr.5 (Kalium phosphoricum), Nr.7 (Magnesium phosphoricum) und Nr. 11 (Silicea).

Generell gilt, dass Patienten, die unter Nervenschmerzen leiden meist sehr sensibel und stressanfällig sind. Meditationen, Yoga, Autogenes Training oder andere Entspannungstechniken tragen deshalb unter Umständen deutliche zur Besserung bei. (sw)

Advertising