Neuralgie (Nervenschmerzen) – Symptome, Ursachen, Therapie

Susanne Waschke

Was sind Nervenschmerzen?

Der Begriff Neuralgie steht für Schmerzen, die sich in der Regel auf das Ausbreitungsgebiet eines Nervs beschränken. Es können jedoch auch mehrere Nerven gleichzeitig betroffen sein. Bei einer Neuralgie entstehen wiederkehrende unerträgliche, stechende Schmerzen, die Betroffene nahezu in den Wahnsinn treiben können. Da die Schmerzen direkt von den Nerven ausgelöst werden und von diesen ausstrahlen, werden sie von Betroffenen als besonders intensiv wahrgenommen und unterscheiden sich von allen anderen Schmerzarten. Hier ein kurzer Überblick über Nervenschmerzen:

  • Definition: Neuralgie bezeichnet Schmerzen, die direkt von den Nerven ausgehen. Normalerweise werden die Nerven als Schmerzleitung genutzt. Bei Nervenschmerzen ist aber das Schmerzsystem selbst betroffen.
  • Häufigkeit: Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 300.000 Menschen unter Neuralgie.
  • Symptome: Typisch sind plötzlich einsetzende bohrende Schmerzen und/oder brennende Dauerschmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Die Schmerzen werden dabei in der betroffenen Körperregion wahrgenommen oder strahlen von dieser aus.
  • Ursachen: Die Ursachen der Nervenschmerzen können vielfältiger Natur sein. Zum einen können bestimmte Erkrankungen wie beispielsweise Gürtelrose oder Borreliose eine Neuralgie auslösen. Zum anderen können Nervenschmerzen auch Folge von Operationen, Bandscheibenvorfällen, Tumoren, Vergiftungen oder auch psychischem Stress sein.
  • Behandlung: Die Therapie hängt von der Ursache der Neuralgie ab. Oft kommen Medikamente wie Antiepileptika, Muskelrelaxantien und lokale Betäubungen zum Einsatz. In manchen Fällen ist auch eine Operation vonnöten. Naturheilkundliche Verfahren können den Heilungsprozess unterstützen.

Symptome

Da bei einer Neuralgie die Nerven selber betroffen sind, unterscheiden sich die Schmerzen grundsätzlich von allen anderen Schmerzarten wie Tumor-, Kopf-, oder Rückenschmerzen. Der Nervenschmerz wird in der erkrankten Körperregion wahrgenommen. Dieser kann so plötzlich auftreten, dass der Patient zusammenzuckt oder gar vor Schmerz aufschreit. Typisch für eine Neuralgie sind:

Nervenschmerzen können theoretisch entlang sämtlicher Nervenbahen des Körpers auftreten. (Bild: Sagittaria/fotolia.com)

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig. Meist liegt eine Reizung des Nervs zugrunde. Aber auch Druck, Verdrängungen oder Entzündungen können zu Nervenschmerzen führen. Ein entzündlicher Prozess, der sich direkt neben dem Nerv abspielt, zum Beispiel eine Zahnwurzeleiterung, ist ebenfalls als möglicher Auslöser einer Neuralgie zu nennen.

Weitere mögliche Ursachen

Ein Tumor, der auf den Nerv drückt, eine Schwellung, oder die Bandscheibe, die dem Nerv in seinem Verlauf behindert, all dies sind potentielle Ursachen für Nervenschmerzen. Weitere Auslöser sind sogenannte Engpasssyndrome. Dies sind physiologisch enge Stellen im Körper, an denen relativ häufig ein Nerv eingeklemmt wird. Sie befinden sich unter anderem im Ellenbogen, am Handgelenk oder im Leistenkanal. Des Weiteren können Vergiftungen, Stress und seelische Belastungen zu Nervenschmerzen führen.

Erkrankungen als Ursache

Nahezu jeder Nerv, der geschädigt ist, kann Nervenschmerzen auslösen. Einige häufige Erkrankungen, die Nervenschmerzen nach sich ziehen, werden im Anschluss näher betrachtet.

Nahezu jeder geschädigte Nerv kann eine Neuralgie auslösen. (Bild: staras/fotolia.com)

Borreliose als Auslöser

Im Zusammenhang mit einer Borreliose sind neuralgische Symptome möglich. Durch einen Zeckenbiss kann das Bakterium Borrelia burgdorferi übertragen werden. Dies löst nach einer Inkubationszeit von Tagen bis Wochen eine Infektion aus, die sich in der Haut, den Lymphknoten, im Herz, den Gelenken und auch im Nervensystem bemerkbar macht. Gerade bei der Spätform der Borreliose können neuralgische Beschwerden wie brennen, stechen und kribbeln in nahezu jedem Körperteil und vor allem nachts auftreten.

Gürtelrose als Auslöser

Die Gürtelrose ist eine weitere dieser Erkrankungen, der in manchen Fällen eine sogenannte Postzoster-Neuralgie folgen kann. Die Betroffenen haben die akute Phase einer Gürtelrose (virale Erkrankung, ausgelöst durch den Varizella-Zoster-Virus) bereits durchlebt. Nach einmal durchgemachten Windpocken verbleiben die Viren im Körper und können bei nachlassender Immunität wieder aktiv werden.

Im Rahmen einer Gürtelrose zeigen sich bei den Patienten ein schmerzhafter juckender Hautausschlag, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Als Komplikation kann es im weiteren Verlauf zu der Postzoster-Neuralgie kommen. Vor allem ältere Patienten leiden vermehrt unter den Nervenschmerzen. Dabei entstehen einschießende, brennende, teilweise unerträgliche Schmerzen im erkrankten Gebiet. Diese Form der Neuralgie kann jahrelang bestehen bleiben.

Verschiedene Erkrankungen wie Gürtelrose oder Borreliose können Auslöser für Nervenschmerzen sein. (Bild: SecondSide/fotolia.com)

Pudendus-Neuralgie

Eine seltene Ursache für heftige, einschießende Schmerzen ist die Pudendus-Neuralgie. Dabei sind Damm-, Genital- und Analregion betroffen. Ursache für diese Neuralgie sind mechanische oder entzündliche Schädigungen des Nervs. Auch kann diese Erkrankung sekundär, im Rahmen einer Gürtelrose, auftreten. Patienten, die an Diabetes leiden, können ebenso davon betroffen sein.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie hat ihren Namen von dem Nerv, der dabei geschädigt wird, nämlich dem Trigeminusnerv. Dies ist der fünfte Hirnnerv, bestehend aus drei Ästen, die Stirn, Oberkiefer und Unterkiefer versorgen. Die Trigeminusneuralgie entsteht durch Kompression der Trigeminuswurzel bei Tumoren oder Entzündungen. Sie betrifft meist Personen, die älter als 50 Jahre sind, oder Patienten, die bereits an neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Multiplen Sklerose leiden.

Die Betroffenen ereilen blitzartige Schmerzattacken, die zwar nur kurz dauern, jedoch äußerst unangenehm sind und alle paar Minuten auftreten können. Die Schmerzen werden durch Kauen, Sprechen oder durch leichte Berührung ausgelöst und sind in den meisten Fällen einseitig, wobei am häufigsten der zweite und dritte Ast des Trigeminusnervs betroffen sind. Aufgrund der unerträglichen Schmerzen vermeiden viele Betroffene die Nahrungsaufnahme und verlieren deshalb an Gewicht.

Eingeklemmter Ischiasnerv

Bei einer Ischialgie führt die Reizung des Ischiasnervs zu neuralgischen Schmerzen, ausgelöst durch verschiedene Ursachen. Zum Beispiel kann bei einem Bandscheibenvorfall im unteren Bereich der Wirbelsäule durch Druck des Gallertkerns der Bandscheibe der Ischiasnerv eingeklemmt und eine entsprechende Neuralgie ausgelöst werden. Aber auch Tumoren, Schwellungen oder Metastasen können den Nervus Ischiadicus komprimieren und Ischiasschmerzen bedingen.

Ein Bandscheibenvorfall kann eine Neuralgie auslösen. (Bild: marga/fotolia.com)

Wenn die Wirbel zerstört sind, kann dies ebenfalls zu einer Quetschung des Ischiasnervs führen. Zudem besteht während des Geburtsvorgangs die Gefahr für die Mutter, hier eine Neuralgie zu entwickeln. Der Kopf des Ungeborenen befindet sich bei der Geburt in der Nähe des Ischiasnervs und durch die Kompression kann der Nerv erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Behandlung

Für die Behandlung existieren verschiedenen Verfahren und Medikamente. Jedoch ist die Therapie von Nervenschmerzen nicht immer ganz einfach. Die Art der Therapie hängt dabei von den Ursachen der Nervenschmerzen ab.

Therapie der Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie stellt eine Herausforderung für den behandelnden Therapeuten dar. Anfangs werden häufig Antiepileptika verabreicht. Dies sind Medikamente, die normalerweise zur Therapie von Epilepsie eingesetzt werden, jedoch auch bei der Neuralgie positive Wirkung zeigen. Verschiedene Wirkstoffe sind auf dem Markt, die je nach Verträglichkeit, verwendet werden.

Des Weiteren gehören Muskelrelaxantien zu den Arzneimitteln, die in der Behandlung der Trigeminusneuralgie ihren Platz haben. Die Medikamente können jedoch zu den vielfältigsten Nebenwirkungen führen. Da die genannten Arzneimittel Auswirkungen auf das Blutbild haben können, sollte dies während der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.

Bewährt hat sich bei der Behandlung auch die Anwendung einer Lokalanästhesie. Die betroffenen Nerven werden durch das injizierte Lokalanästhetikum an den Austrittsstellen blockiert. Bleiben alle medikamentösen Therapieversuche erfolglos bedarf es in seltenen Fällen einer Operation. Dabei wird zum Beispiel mit Hilfe einer Hitzeläsion der betroffene Nerv geschädigt beziehungsweise verödet.

Therapie der Ischialgie

Bei einer durch Ischiasreizung ausgelösten Neuralgie ist die Ursache zu behandeln, also der Grund für die Kompression. Ist der Auslöser ein Bandscheibenvorfall, so wird dieser meist konservativ mit Schmerzmitteln und geeigneter Physiotherapie behandelt. Gehen Schwellung und auch die Entzündung zurück, wird der irritierte Nerv entlastet und die Neuralgie klingt ab.

Eine Neuralgie infolge eines Bandscheibenvorfalls wird meist konservativ mit Schmerzmitteln und geeigneter Physiotherapie behandelt. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Therapie der Postzoster-Neuralgie

Die Therapie einer Postzoster-Neuralgie ist zum Teil mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Auch hier werden, wie bei der Trigeminusneuralgie, Antiepileptika eingesetzt. Ebenso gehören bestimmte Antidepressiva, die ebenfalls bei Schmerzen wirksam sind, zum Behandlungsschema. Sie werden auch in Kombination mit Neuroleptika verabreicht. Zur äußeren Anwendung kommen Acetylsalicylsäure und Capsaicin in Betracht. Die therapeutische Lokalanästhesie wird bei der Behandlung der Postzoster-Neuralgie unterschiedlich diskutiert.

Therapie der durch Borreliose bedingten-Neuralgie

Tritt im Rahmen einer Borreliose eine Neuralgie auf, so werden ebenso die bereits bei den anderen Neuralgieformen erwähnten Antiepileptika eingesetzt. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist ein Dauerkatheter in Form eines dünnen Schlauches, über den in einem Zeitraum von zehn bis vierzehn Tagen, ein Lokalanästhetikum direkt an den Nerv abgegeben wird.

Naturheilkundliche Behandlung

Selbstverständlich gehört die Behandlung einer Neuralgie in die Hände eines erfahrenen Arztes. Jedoch kann diese durch den Einsatz naturheilkundlicher Verfahren durchaus unterstützt und die Heilungsaussicht damit verbessert werden.

Baunscheidttherapie

Die Baunscheidttherapie ist hierbei eine häufig angewandte Methode. Im Rahmen der Behandlung wird die Haut im Bereich des betroffenen Gebietes leicht angeritzt. Durch das anschließend aufgetragene Baunscheidtieröl wird die Haut besser durchblutet und die Abwehr in Gang gesetzt. Das Quaddeln mit ausgewählten anthroposophischen Infektionslösungen bringt Erleichterung. Da Nerven auf die Zufuhr von B-Vitaminen angewiesen sind, hat sich das Injizieren eines Vitamin-B-Komplexes bewährt. Aber auch die orale Applikation ist eine Möglichkeit, für die überreizten Nerven etwas Gutes zu tun.

Johanniskraut in Form von Kapseln oder als Öl hat sich zur naturheilkundlichen Behandlung von Nervenschmerzen bewärt. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Homöopathie bei Neuralgie

Johanniskraut kann, sowohl innerlich als Kapsel als auch äußerlich als Öl angewandt, den Heilungsprozess unterstützen. Komplexpräparate oder auch Einzelmittel aus der Homöopathie kommen ebenfalls bei Neuralgien zum Einsatz. Zum Beispiel:

  • Cantharis, die Spanische Fliege: Bei brennenden Schmerzen.
  • Cedron, ein Bittereschengewächs: Zur Behandlung von Neuralgien und Kopfschmerzen.
  • Cyclamen, das Alpenveilchen: Bei depressiven Verstimmungen und Trigeminusneuralgie.
  • Verbascum, die Königskerze: Bei Nervenschmerzen, Trigeminusneuralgie, aber auch bei Ohren- oder Zahnschmerzen sowie bei Rheuma.

Schüßler Salze

Gegen die Neuralgie beziehungsweise die neuralgischen Schmerzen können auch Schüßler Salze eingesetzt werden. Häufiger angewandt werden hier zum Beispiel Schüßler Salz:

  • Nr.2 (Calcium phosophoricum),
  • Nr.3 (Ferrum phosphoricum),
  • Nr.5 (Kalium phosphoricum),
  • Nr.7 (Magnesium phosphoricum),
  • Nr. 11 (Silicea).

Anti-Stress-Therapien

Generell gilt, dass Patienten, die unter Nervenschmerzen leiden, meist sehr sensibel und stressanfällig sind. Meditationen, Yoga, Autogenes Training oder andere Entspannungstechniken können deshalb zur Besserung beitragen.

Cannabis

Seit der Legalisierung von Cannabis zur medikamentösen Behandlung von Schmerzpatienten steht diese neue Methode ebenfalls zur Verfügung. Denn Cannabis mindert Nervenschmerzen, was eine Anwendung im Rahmen der Neuralgie-Behandlung besondere Vorteile bietet. (sw, aktualisiert am 17.April 2018 vb)