Schlaue Schnecken durch Schokolade

Fabian Peters

Flavonoide in dunkler Schokolade machen Schnecken schlau

28.09.2012

Dunkle Schokolade macht Schnecken schlauer. Zahlreiche Studien haben sich bereits mit möglichen positiven gesundheitlichen Effekten dunkler Schokolade beschäftigt. Dabei wurden vor allem den sogenannten Flavonoiden vielversprechende Wirkungen zugeschrieben. Das kanadische Forscherteam um Ken Lukowiak vom Hotchkiss Brain Institute an der Universität Calgary hat nun herausgefunden, dass Flavonoide die Funktionsfähigkeit des Gehirns bei Wasserschnecken äußerst positiv beeinflussen.

Mehr zum Thema:

Ihre Untersuchung stütze die These, dass Flavonoide auch das menschliche Gedächtnis verbessern, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“. Bei den Versuchen mit Wasserschnecken habe das zu den Flavonoiden gehörende Epicatechin, welches in Kakao, grünem Tee und Rotwein enthalten ist, eine eindeutig positive Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit gezeigt. Die Spitzhornschnecken (Lymnaea stagnalis) „erinnerten“ sich unter Einfluss des Epicatechins deutlich länger an bestimmte Konditionierungen, die die Wissenschaftler ihnen in kurzen Trainingseinheiten vermittelt hatten.

Einfluss dunkler Schokolade auf die Gedächtnisbildung?
Zwar haben zahlreiche Studien bereits Anzeichen für die positive Wirkung der Flavonoide auf das menschliche Gehirn geliefert, doch sei es fast unmöglich „herauszufinden, wie einzelne Komponente der Schokolade das menschliche Gedächtnis verbessern, da zu viele externe Faktoren die Gedächtnisbildung beeinflussen“; erklärte Ken Lukowiak. In Zusammenarbeit mit seinen Kollegen von der University of Calgary, Lee Fruson und Sarah Dalesman, widmete sich Lukowiak daher den Auswirkungen der Flavonoide auf den relativ einfach Organismus seine Lieblingstiers – der Spitzhornschnecke. Die Wasserschnecken sind dazu in der Lage, sich an simple Zusammenhänge über kurze Zeit zu erinnern und eignen sich daher laut Aussage der kanadischen Forscher sehr gut zur Erforschung grundlegender Gedächtnisprozesse.

Schnecken mit eingeschränktem Erinnerungsvermögen
Die Wissenschaftler nutzten für das Training der Schnecken eine einfache Methode. Sie senkten den Sauerstoffgehalt des Wasser, in dem sich die Tiere befanden. Darauf reagieren die Schnecken, indem sie an der Wasseroberfläche ihre Atemschläuche öffnen. Normalerweise atmen die in Teichen, Seen und Flüssen lebenden Tiere durch die Haut. Ist der Sauerstoffgehalt des Wasser jedoch zu niedrig, verlängern sie den Atemschlauch über der Wasseroberfläche, um ihre Sauerstoffversorgung zu ergänzen, schreiben Lukowiak und Kollegen. Sobald die Wasserschnecken ihren Atemschlauch öffneten, stupsten die Forscher diesen mit einem Stab an. Die Schnecken können sich dies über eine gewisse Zeit merken und öffneten daher nach entsprechenden Trainingseinheiten ihre Atemschläuche auch bei sinkendem Sauerstoffgehalt nicht. Durchschnittlich erinnern sich die Schnecken im Normalzustand nach einer halben Stunde Training rund drei Stunden lang an die Konditionierung. Danach öffneten sie wieder wie zuvor ihren Atemschlauch, berichten die Forscher.

Flavonoide verbessern das Gedächtnis
Um den Effekt des in dunkler Schokolade enthaltenen Flavonoids auf das Erinnerungsvermögen der Schnecken zu testen, versetzten die Forscher das Wasser mit einer Konzentration von 15 Milligramm Epicatechin pro Liter. Die Wasserschnecken zeigten unter der Epicatechin-Exposition ein deutlich verbessertes Gedächtnis, berichten Lukowiak und Kollegen. Sie erinnerten sich statt drei Stunden rund 24 Stunden an die Konditionierung. Erhielten die Schnecken zwei Trainingseinheiten waren sie unter Einfluss der Flavonoide sogar ganze drei Tage dazu in der Lage, sich daran zu erinnern, ihre Atemschläuche geschlossen zu halten. „Unsere Daten bestätigen die Vorstellung, dass Nahrungsquellen mit Epicatechin die kognitiven Fähigkeiten verbessern“, schreiben die kanadische Forscher.

Gute Nachrichten für Schokoladenliebhaber
Allerdings bleibt bislang unklar, auf welche Weise die Wirkstoffe der dunklen Schokolade das Gehirn beeinflussen. Hier könnte die antioxidative Wirkung der Flavonoide, die zum Schutz der Neuronen vor freien Radikalen beiträgt, eine Rolle spielen. Aber auch eine Beschleunigung der molekulare Prozesse bei der Erinnerungsbildung sei eine mögliche Erklärung, schreiben die Wissenschaftler. Fest stehe, dass die Flavonoide direkt auf die Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn wirken, so das Fazit von Lukowiak und Kollegen. Vergleichbare positive Effekte seien möglicherweise auch beim Menschen zu beobachten. Die Konzentration des Epicatechins in den Versuchen habe umgerechnet ungefähr der Menge entsprochen, die bei normalem Schokoladen- oder Weinkonsum vom Menschen aufgenommen wird.Schon ein halber Riegel dunkler Schokolade könnte demnach die kognitive Leistungsfähigkeit deutlich verbessern. „Eine gute Nachricht für alle Schokoladenliebhaber weltweit“, betonte Ken Lukowiak.

Gesundheitsfördernde Wirkung der dunklen Schokolade
Verschiedene Studien haben den Flavonoiden der dunklen Schokolade bereits eine äußerst gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen. Zuletzt hatte Forscher der Monash-Universität in Melbourne im Fachmagazin „British Medical Journal“ eine Studie veröffentlicht, der zufolge der tägliche Konsum von einer Tafel Schokolade mit einem Kakao-Anteil von 70 Prozent die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls reduziert. Die Studie basierte auf den Daten von insgesamt 2.013 Frauen und Männer, die alle an Bluthochdruck litten. Frühere Untersuchungen kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass dunkle Schokolade vor Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und einem Herzinfarkt schützt. Bei allen bisherigen Studien wurden die sekundären Pflanzenstoffe beziehungsweise die Flavonoide des Kakaos für die positiven gesundheitlichen Effekte dunkler Schokolade verantwortlich gemacht. (fp)