Zecken-Risiko in Süddeutschland sehr hoch

Fabian Peters

Erster süddeutscher Zeckenkongress: Risiko von Zecken in Süddeutschland am höchsten

19.03.2012

Diese Woche findet in Stuttgart der erste süddeutsche Zeckenkongress statt. Gerade rechtzeitig zum Beginn der diesjährigen Zecken-Saison können sich Interessierte auf dem Kongress über sämtliche Fragen zu den blutsaugenden Spinnentieren, den von ihnen übertragenen Erkrankungen und den möglichen Schutzmaßnahmen informieren.

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Unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim wird am 21. und 22. März im Stuttgarter Schloss der erste süddeutsche Zeckenkongress ausgerichtet. Aus gutem Grund widmet sich die Veranstaltung ausdrücklich dem süddeutschen Raum, da hier die gesundheitlichen Risiken durch einen Zeckenbiss besonders hoch sind. Wie die Professorin von der Universität Hohenheim erklärte, bleibt der Südwesten weiterhin das Risikogebiet Nummer eins in Deutschland. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegen von den 137 ausgewiesenen Risikogebiet, in den Zecken die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können, 120 in Baden-Württemberg und Bayern.

Zeckenbisse im Süden Deutschlands häufiger als im Norden
In Bezug auf die gesundheitlichen Risiken nach einem Zeckenbiss besteht innerhalb Deutschlands laut Aussage von Prof. Dr. Ute Mackenstedt ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. So traten „von den mehr als 400 FSME-Fällen im Jahr 2011 über 85 Prozent in Süddeutschland auf“, betonte die wissenschaftliche Leiterin des ersten süddeutschen Zeckenkongresses. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis zählt neben der Borreliose zu den wesentlichen Gesundheitsgefahren eines Zeckenbisses. Während eine Borreliose-Infektion jedoch bei frühzeitiger Diagnose meist relativ gut mit Antibiotika behandelt werden kann, ist die durch Viren bedingte FSME in der Regel nur begleitend therapierbar.

Insgesamt sind die gesundheitlichen Folgen der FSME sehr viel schwerwiegender als bei Borreliose und zudem deutlich schwerer zu behandeln, erläuterte die Expertin. Im Anfangsstadium der FSME leiden die Betroffenen oft an grippeähnlichen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, chronischer Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach dieser ersten Phase mit zahlreichen Symptomen folgt meist ein beschwerdefreier Zeitraum von bis zu zwei Wochen, wodurch oftmals der Eindruck entsteht, die Erkrankung sei bereits überstanden. Es folgt jedoch eine zweite Krankheitsphase, in deren Verlauf neben den ursprünglichen Symptomen weitere erhebliche gesundheitliche Beschwerden, wie Beeinträchtigungen des neuronalen Systems, motorische Störungen, Schwindel, Sprachstörungen, Gefühlsstörungen etc. auftreten können. Auch Lähmungen, Atemprobleme und Bewusstseinsstörungen sind in dieser zweiten Phase der FSME durchaus keine Seltenheit. Anders als bei den Borreliose-Infektionen besteht bei FSME jedoch die Möglichkeit sich mit einer vorbeugenden Impfung vor einer Erkrankung zu schützen.

Deutliche Zunahme von Zecken
Insgesamt hat die „Anzahl und Verbreitung der Zecken“ in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, so die Einschätzung der Leiterin des ersten süddeutschen Zeckenkongresses. Baden-Württemberg und Bayern sind dabei in besonderer Weise betroffen. Allerdings ist auch hier nicht in allen Regionen die Gefahr der FSME nach einem Zeckenbiss gegeben. Denn innerhalb der Bundesländer hänge es von der Landschaftsform ab, wie verbreitet der „Gemeine Holzbock“ (95 Prozent der Zecken sind dieser Gattung zuzuordnen) sei. Während in den angelegten Parks das Risiko eines Zeckenbisses eher gering ausfalle, ist in den schattigen Waldstücken oder auf Wildwiesen häufiger mit den kleinen Blutsaugern zu rechnen, erklärte Prof. Dr. Ute Mackenstedt. Die Expertin verwies darauf, dass die Aktivität der Zecken nun bis zum Juni vorerst zunehmen werde, bis die Parasiten anschließend in den besonders heißen und trockenen Sommermonaten ein wenig seltener zustechen. Eine weiter Hochphase der Zecken-Aktivität sei anschließend im Herbst zu erwarten.

Einfache Schutzmaßnahmen minimieren das Risiko
Als Schutzmaßnahme gegen Zeckenbisse ist laut Aussage der Leiterin des ersten süddeutschen "Zeckenkongresses" körperbedeckende Kleidung mit engen Bündchen an Socken, Hosenbeinen und Ärmeln zu empfehlen. Auch könnten sich Spaziergänger, die Socken über die Hose zu ziehen, um den winzigen Blutsaugern den Zugang zur freien Haut zu erschweren. Im Anschluss an einen Aufenthalt im Freien beziehungsweise einen Ausflug in die Natur, sollte der ganze Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden, so Prof. Dr. Ute Mackenstedt weiter. Wird dabei eine anheftende Zecke entdeckt, ist diese möglichst schnell zu entfernen, da innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Biss nur wenige Erreger übertragen werden können. Zum Entfernen der Tiere bietet sich einen Pinzette oder eine sogenannte Zeckenzange an. Mit den vielfach angewandten vermeintlichen Hausmitteln sei hier jedoch nicht die gewünschte Wirkung zu erzielen, so die Expertin weiter. „Es hält sich hartnäckig das Gerücht, man solle sie mit Klebstoff oder Öl ersticken. Alles bitte nicht!", betonte Prof. Dr. Mackenstedt. Denn auf diese Weise werde nur das Risiko einer Infektion erhöht, da die Tiere ihren Mageninhalt in die Einstichwunde entleeren und so vermehrt Bakterien und Viren in die menschlichen Organismus gelangen.

Grundsätzlich ist „Borreliose sehr viel weiter verbreitet als FSME“, so die Aussage von Prof. Dr. Ute Mackenstedt. Rund ein Drittel der kleinen Blutsauger trage die Borreliose-Erreger in sich. Nach einem Zeckenbiss sei daher ein Borreliose-Test dringend zu empfehlen, da die Borreliose bei frühzeitiger Diagnose durchaus erfolgversprechend behandelt werden kann. Die FSME auslösenden Viren sind zwar in deutliche weniger Zecken nachzuweisen, doch das gesundheitliche Risiko sollte auch hier nicht unterschätzt werden. Selbst Patienten, die eine FSME-Impfung erhalten haben, rät die Expertin, spätestens zwei bis vier Wochen nach einem Zeckenbiss einen Arzt aufzusuchen, um eine möglicherweise vorliegende FSME überprüfen zu lassen. (fp)