Hausmittel bei Herzstolpern

Fabian Peters
Ein normaler und regelmäßiger Herzschlag wird von uns nicht wahrgenommen. Unregelmäßige Herzschläge, auch Herzstolpern oder Extrasystolen bzw. Extraschläge genannt, machen sich jedoch als unangenehmes, flatterndes Gefühl bemerkbar. Herzstolpern muss allerdings nicht gleich etwas Schlimmes bedeuten. Tritt das Stolpern nur hin und wieder auf, so ist dies meist harmlos. Hier können Hausmittel gute Dienste leisten. Kommen diese Unregelmäßigkeiten jedoch häufiger vor, so ist der Gang zum Arzt zwingend erforderlich. Versichert Ihnen ihr Arzt nach gründlicher Untersuchung keine organischen Ursachen für die Extrastyolen, so müssen Sie sich auch nicht sorgen. Diese Art von Beschwerden ist nämlich eine weit verbreitete Symptomatik, die vor allem bei Stress verstärkt auftreten kann.


Herzstolpern – Entstehung und Ursachen

Das Herz eines Gesunden schlägt 60 bis 80 Mal pro Minute. Im Schlaf und bei Entspannung schlägt es langsamer, bei Anstrengung oder Aufregung wird es schneller. Dabei wird der Takt vom Herzen selbst vorgegeben. Der Herzschlag selbst wird dann durch einen elektrischen Impuls des Sinusknoten ausgelöst. Kommt es bei der Weiterleitung oder Entstehung dieses Impulses zu Problemen, so fällt der Herzschlag unregelmäßig aus. Bei leichten Unregelmäßigkeiten fällt diese Herzrhythmusstörung gar nicht auf.

Kardiogramm
Herzstolpern ist oft unkritischer Natur, kann jedoch auch im Zusammenhang mit ernsthaften Erkrankungen stehen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Bei gesunden Menschen kann Herzstolpern aufgrund verschiedener Ursachen auftreten. Dazu gehören Panikattacken, Angst, Innere Unruhe, Kaffee, Nikotin, Alkohol, chronische Müdigkeit, Stress, Verdauungsstörungen, Magnesiummangel und starke emotionale Erregung. Sogar ein Blähbauch oder ein starker Infekt mit Fieber kann dafür verantwortlich sein. Ebenso können Medikamente wie Antidepressiva, Kortison oder Digitalis ein solches Flattern auslösen. Selbst Eisenmangel kann Auslöser dieser unangenehmen Beschwerden sein.

Einfache Hausmittel und Tipps

Bei plötzlich auftretendem, unkritischem Herzstolpern kann mit etwas kaltem Wasser – das direkt ins Gesicht gespritzt wird – wieder der normale, regelmäßige Herzschlag herbeigeführt werden. Viele Betroffene husten schon instinktiv, wenn Extrasystolen auftreten. Dies ist eine gute, hilfreiche Methode, um dem Spuk schnell eine Ende zu bereiten.

Kaffee, Alkohol und Nikotin sind mögliche Auslöser für das unangenehme Herzflattern, eine weitere Form der Herzrhythmusstörung. Wer immer wieder unter diesen Beschwerden leidet, sollte solche Stimulanzien also unbedingt reduzieren oder gänzlich vermeiden.

Ein schnelles und uraltes Hausmittel ist das sogenannte Valsalva-Manöver. Diese Methode wenden Taucher an, um ein Barotrauma zu vermeiden. Ebenso wird es häufig auf Flugreisen angewandt, um einen Druckausgleich zu schaffen. Gewöhnlich möchte man damit den Ohrendruck auf ein angenehmes, schmerzloses Niveau angleichen. Dabei werden Mund und Nase zugehalten und es wird versucht, gegen den Druck auszuatmen. Hierdurch steigt der Blutdruck leicht an, was das Herz wieder in einen normalen Rhythmus bringen soll.

Bei dem Valsalva-Manöver wird die Nase zugehalten, die Lippen bleiben geschlossen und durch Versuch des Ausatmens entsteht von innen ein Druck auf den Ohren. Diese Methode kann nicht nur dem Druckausgleich dienen (zum Beispiel beim Tauchen), sondern ist oftmals auch gegen Herzstolpern hilfreich. (Bild: Anatoliy Karlyuk/fotolia.com)

Herzstolpern durch Stress

Jeder Mensch verarbeitet Stress anders. Die Einen leiden an Kopfschmerzen, Übelkeit oder Durchfall. Andere wiederum verspüren zu diesen Symptomen noch zusätzliche Herzschläge. Bei Stress bedingtem Stolpern des Herzens ist unbedingt Ruhe angesagt. Bewusstes tiefes Atmen – am besten an der frischen Luft – kann unmittelbar helfen. Grundsätzlich muss an der sogenannten Stresstoleranz gearbeitet werden. Das bedeutet, dass die Betroffenen lernen müssen, mit Stress umzugehen.

Beim Stressabbau helfen verschiedene Entspannungsmethoden wie Tai Chi, Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Yoga, geführte Meditationen und Ausdauersport. Regelmäßiges Fahrradfahren, Joggen oder Walken machen den Kopf frei und sorgen dafür, dass die Widerstandskraft gegen Stress erhöht wird.

Hilfreich ist auch eine To-do-Liste, die Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Wichtiges sollte von Unwichtigem getrennt, Arbeiten sollten eventuell delegiert und regelmäßige Pausen eingehalten werden. Jede/r Betroffene sollte sich fragen, ob sie/er noch selbstbestimmt oder schon fremdbestimmt handelt. Mehrmals am Tag sich selbst nur fünf Minuten zu gönnen – das kann jeder schaffen. Ganz bewusst den Vögeln zu lauschen, sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren oder jeden einzelnen Schluck Tee zu genießen – dies sind nur einige Beispiele für eine kurze Entspannungspause.

Stolperndes Herz durch Blähungen

Massive Blähungen können das Herz belasten und zu Herzstolpern führen. Herzbeschwerden, die durch diese Gasansammlung entstehen, werden Roemheld-Syndrom genannt. Durch die Gasansammlung im Bauchraum wird das Zwerchfell nach oben gedrückt , was das Herz ins Stolpern bringen kann. Dabei können zusätzlich Symptome wie Engegefühl und Übelkeit auftreten. Deshalb sind Nahrungsmittel wie Rohkost, Kohlarten, Hülsenfrüchte und andere blähende Speisen im Zweifelsfall zu meiden. Zuckerhaltiges ist ebenso vom Speiseplan zu verbannen.

Blhbauch
Auch Blähungen können Herzstolpern verursachen. (Bild: photophonie/fotolia.com)

Hilfreich ist folgendes Hausmittel: Eine Teemischung, die am besten nach jeder Mahlzeit getrunken wird. Sie besteht aus Anis, Fenchel, Kümmel und Koriander, auch bekannt unter „Vier-Winde-Tee“. Alle vier Zutaten werden in der Apotheke oder einem guten Kräuterhaus angeboten. Sie werden zu gleichen Teilen gemischt und die Saaten etwas angestoßen, damit die ätherischen Öle ihre Wirkung entfalten können. Ein Teelöffel der Mischung wird mit einem Viertel Liter kochendem Wasser aufgegossen und muss circa acht bis zehn Minuten ziehen. Dieser wohlschmeckende Tee wird nach dem Essen in kleinen Schlucken getrunken.

Das Herz stolpert nach dem Essen

Große, üppige Mahlzeiten belasten den Verdauungstrakt. Für die nötige Verdauungsleistung ist dann eine vermehrte Blutmenge nötig, die dem Herzen fehlen könnte, so dass sich daraus eventuell ein unregelmäßiger Herzschlag entwickelt. Besser sind hier kleinere und vor allem fettarme, leichte Mahlzeiten.

Bitterstoffe

Ein anderes hilfreiches Hausmittel gegen Herzstolpern sind auch Bitterstoffe. Diese kurbeln nach dem Verzehr die Fettverdauung und den Gallefluss an. Bei Neigung zu Blähungen sind daher bitterreiche Gemüse- beziehungsweise Salatsorten wie zum Beispiel Rucola, Radicchio, Endivie und Chicorée zu empfehlen. Am wirkungsvollsten ist es, wenn die Bitterstoffe zu Beginn einer Hauptmahlzeit genossen werden. Wem dies zu zeitaufwendig ist, der greift zu einem Gläschen Artischocken- und oder Löwenzahnsaft, welches nach den Mahlzeiten getrunken wird. Diese Heilpflanzensäfte sind in Reformhäusern oder Bioläden erhältlich.

Magnesiummangel

Magnesiummangel kann Herzstolpern auslösen. Der Mangel an dem lebenswichtigen Mineralstoff lässt sich häufig durch eine ausgewogene, magnesiumreiche Kost beseitigen. Ist der Magnesiummangel jedoch recht massiv, werden ausgewählte Nahrungsergänzungen verordnet. Diese sollten jedoch nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.

Hier abgebildete Sämerein, Nüsse und Gemüse sind neben Bananen ein hervorragender Magnesiumlieferant. Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung benötigen wir 300 bis 400 mg des Mineralstoffes pro Tag. (Bild: aamulya/fotolia.com)

Magnesium ist vor allem enthalten in Bananen, Amaranth, Kakao, Sesam, Quinoa, Sonnenblumen- und Kürbiskernen. Ebenso ist der regelmäßige Verzehr von Hülsenfrüchten zu empfehlen. Vorsicht allerdings: Gut kauen, da sonst Blähungen auftreten könnten, die ihrerseits unter Umständen zu Herzstolpern führen. Die Hülsenfrüchte werden daher zudem am besten mit Gewürzen verfeinert, die blähungswidrig wirken. Dazu gehören zum Beispiel Kümmel, Koriander, Ingwer und Kurkuma.

Ätherische Öle

Ätherische Öle, richtig ausgesucht und angewandt, sind einfache Hausmittel gegen Herzstolpern. Zu den wichtigsten Vertretern gehört das Lavendelöl. Dies hat eine beruhigende und entspannende Wirkung und kann ganz einfach, in der Handtasche verstaut, jeder Zeit zum Einsatz kommen. Bei Bedarf wird daran gerochen oder es werden ein, zwei Tropfen davon sanft im Schläfenbereich einmassiert. Wer den Geruch des Lavendels gar nicht mag, kann als Alternative zu Melisse oder Rosengeranie greifen. Bei der Anwendung ätherischer Öle ist unbedingt auf Reinheit und Qualität zu achten. Sollten allergische Reaktionen auftreten, ist die Behandlung sofort abzubrechen.

Schüßler Salze

Bei auftretendem Herzstolpern helfen die Schüßler Salze Nr. 7 Magnesium phosphoricum und Nr. 5 Kalium phosphoricum. Die Nr. 7 wird am besten als „heiße Sieben“ verabreicht. Dafür werden die Tabletten in einer Tasse mit aufgekochtem heißem Wasser vermischt (mit Plastik- oder Holzlöffel umgerührt) und anschließend schluckweise getrunken. Die Nr. 5 kann zusätzlich noch über den Tag gelutscht werden. Kalium phosphoricum ist ein Salz, dass einerseits stärkend ist und bei Erschöpfungszuständen seine Wirkung zeigt. Anderseits werden Seele und Geist entspannt, was wiederum dem gestressten Herzen zu Gute kommt.

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Sport stärkt die Herzfunktion und wirkt dem Herzstolpern entgegen. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Bewegung

Um gesund zu bleiben, ist Bewegung für jeden wichtig. Dies muss nicht ein spezielles Sportprogramm sein. Bewegung sollte Spaß machen und vor allem dem Allgemeinzustand angepasst sein. Oft genügen schon regelmäßige und flotte Spaziergänge, um den Körper wieder etwas fit zu machen und dabei das Herz zu stärken. Um gegen Stolpern des Herzens anzukämpfen, ist ein Ausdauertraining sehr empfehlenswert. Dazu gehören Walken, Fahrradfahren, Joggen und Schwimmen. Wichtig dabei ist, immer auf den eigenen Körper zu hören. Wer noch niemals Sport getrieben hat, sollte sich vorher einem Check-up in der Arztpraxis unterziehen. Das Training wird nur langsam gesteigert und bei Unwohlsein sofort abgebrochen.

Teerezepte

Bei dem Einsatz von Hausmitteln dürfen Teerezepte nicht fehlen. So kann der oben erwähnte Lavendel, auch innerlich als Tee verabreicht werden, um das Stolpern zu vertreiben. Aus einem Teelöffel voll getrockneter Blüten und einem viertel Liter kochendem Wasser wird ein Tee zubereitet, der circa sieben Minuten ziehen sollte. Mit etwas Honig verfeinert, bringt der frisch zubereitete Tee Entspannung für das außer Takt geratene Herz.

Melisse und Hopfen sind ebenfalls Kräuter, die einem stolpernden Herzen helfen können. Die Zubereitung entspricht der des Lavendeltees. Der Hopfentee ist eine etwas bittere Teevariante. Dieser kann aber jeder Zeit mit Lavendel, Melisse oder Roiboos gemischt werden, was den Geschmack etwas attraktiver macht. Für die Teemischung werden die drei Heilkräuter zu gleichen Teilen verwendet. Besonders in den Wechseljahren kann auch ein Tee aus Echtem Herzgespann helfen.

Fußreflexzonenmassage und Bachblütentherapie

Auch die Fußreflexzonenmassage kann hier ein hilfreiches Hausmittel sein. Diese Massage können Sie an sich auch selbst durchführen oder sich von einem lieben Menschen helfen lassen. Es ist kein ausgebildeter Therapeut erforderlich. Besonders wohltuend ist hierbei eine Massage der Zonen von Herz und Milz, setzen oder legen Sie sich dazu entspannt hin.

Die Bachblüten werden bei unterschiedlichen Beschwerden angewandt und insbesondere die sogenannten „Rescue-Tropfen“ gelten als hilfreich bei Herzstolpern. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Neben einer Fußmassage kann auch die Bachblütentheraphie zur Anwendung kommen. Die „Rescue-Tropfen“ sind die richtigen Bachblüten bei Herzbeschwerden und Herzstolpern. Davon einfach vier Tropfen in ein Glas geben – Wasser dazu schütten und anschließend langsam trinken. Ebenso helfen können die Bachblütentropfen Nummer drei, sechs und 26.

Heilpflanzen und Homoöpathie

Wird das Herzflattern durch Stress oder innere Unruhezustände ausgelöst, so können bestimmte Heilpflanzen helfen. Besonders Passionsblumenkraut und Melisse, aber auch Hopfen und Lavendel sind als Teeaufguss zur Abmilderung der Symptome geeignet. Wie auch Johanniskraut und Baldrian sind sie zudem als Pflanzenextrakt erhältlich. In der Homöopathie werden die Heilpflanzen Frühlings-Adonisröschen, Fingerhut (Digitalis purpura) und Blauer Eisenhut eingesetzt. Auch Pottasche (Kalium carbonicum) findet als Globuli Anwendung. Diese Arnzeien dürfen allerdings nur bei einem sonst gesunden Herz eingenommen werden. Lassen Sie ihr Herz also unbedingt untersuchen, bevor sie eine Einnahme in Erwägung ziehen.

Vorsicht

Wie in den vorangegangenen Zeilen erwähnt, können Herz-Rhythmus-Störungen durchaus auch bei gesunden Menschen auftreten und sind mit den verschiedensten Hausmitteln gut in den Griff zu bekommen. Tritt dieses unangenehme Gefühl allerdings häufig auf und ist eventuell noch verbunden mit anderen Symptomen, wie zum Beispiel Schmerzen, Todesangst, Schwindel oder kaltem Schweiß, so sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Eine Herzerkrankung kann den Herzrhythmusstörungen zu Grunde liegen und dies sollte unbedingt abgeklärt werden. (sw, dp; aktualisiert am 09.08.2018)