Spitzwegerich – Anwendungen, Wirkungen und Herstellung

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eines der am häufigsten eingesetzten Medizinkräuter Europas. Den Namen trägt er nicht von ungefähr, da er vielerorts am Wegesrand wächst. 2014 wurde er wegen seiner vielfältigen Wirkungen zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Steckbrief zum Spitzwegerich

  • Wissenschaftlicher Name: Plantago lanceolata
  • Volksnamen: Adlerblatt, Adlerkraut, Spießkraut, Siebenrippe, Ripplichrut, Schlangenzunge, Lungenblatt, Schafzunge, Lämmerzunge, Lügenblatt, Heilwegerich und viele mehr
  • Pflanzenfamilie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
  • Verbreitung: In Europa an Standorten mit nährstoffreichen Böden
  • Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Knospen, Wurzeln und Samen
  • Inhaltsstoffe (Auswahl): Gerbstoffe, Germanium, Kieselsäure, Kalium, Zink, Vitamin B und C
  • Anwendungsgebiete:

Medizingeschichte

Spitzwegerich ist als Heilpflanze seit der Antike überliefert. Die antiken Griechen kochten ihn zum Beispiel in Wasser und Wein und tranken diesen gegen fiebrige Erkrankungen und Lungenleiden. Die mittelalterliche Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen setzte das Heilkraut gegen Gicht ein.

Wegerich, sowohl Breit- wie Spitzwegerich, waren im Mittelalter Arznei gegen Blasen- und Nierenleiden, Epilepsie und Tuberkulose. Äußerlich aufgetragen dienten sie als Medizin gegen Warzen, Verbrennungen und schlecht heilende Wunden.

Spitzwegerich – Inhaltsstoffe

Spitzwegerich enthält viele bioaktive Stoffe, darunter

  • Gerbstoffe,
  • Aucubin,
  • Catalpol,
  • Germanium,
  • Kieselsäure,
  • Kalium,
  • Zink,
  • Schleimstoffe,
  • Zirkon
  • sowie die Vitamine B und C.

Die Schleim- und Gerbstoffe wirken antibakteriell und lösen Schleim bei zähflüssigem Husten. Iridoide, wie Aucubin und Catapol, machen circa drei Prozent der biochemischen Stoffe aus. Darüber hinaus hemmen sie Entzündungen und wirken antibiotisch, sowohl gegen Mikroorganismen als auch gegen Pilze.

Das enthaltene Aucubin mildert Reize, hemmt Entzündungen und wirkt ebenfalls antibiotisch. Auf der Haut wirkt es abschwellend und lindert Juckreiz. Catalpol wirkt ähnlich und hat zudem positive Effekte auf die Funktionen der Leber.

Polysaccharide

Die Heilpflanze bietet bis zu sechs Prozent Polysaccharide. Diese Zuckermoleküle aus Galacturonsäure und Galactose wirken als Schleim- und Nährstoffe. Sie speichern Energie, stärken die Gefäßwände und stabilisieren den Stoffwechsel.

Flavonoide, Gerbstoffe und ätherische Öle

Das Wegerichgewächs enthält Flavonoide, die Entzündungen hemmen und antioxidativ wirken. Gerbstoffe in der Pflanze wirken adstringierend, das heißt sie ziehen Gefäße zusammen. Deshalb sind Kräuter mit solchen Stoffen wichtig, um sowohl die innerliche wie äußerliche Wundheilung zu beschleunigen. Außerdem enthält der Wundwegerich auch noch ätherische Öle, die pathogene Mikroben abwehren und so Krankheiten verhindern.

Wirkungen

Spitzwegerich hat eine lange Medizingeschichte in der Therapie von Lungenerkrankungen, weshalb er auch als Lungenkraut bekannt ist. Nachgewiesen festigt die enthaltene Kieselsäure das Lungengewebe und durch die Schleimstoffe werden die Schleimhäute entlastet, was wiederum das Abhusten bei bronchialen Infekten erleichtert.

Zusammengefasst wirkt die auch als Heilwegerich bekannte Heilpflanze abschwellend, antiseptisch und antibakteriell:

  • Sie fördert den Auswurf,
  • stillt blutende Wunden,
  • desinfiziert,
  • hemmt Entzündungen,
  • treibt den Harn,
  • mildert Reize,
  • schützt Schleimhäute,
  • zieht Gewebe zusammen,
  • beschleunigt die Wundheilung
  • und lindert Insektenstiche, Schwellungen, Prellungen, Zerrungen sowie Verstauchungen.

Sie hilft bei Husten, Bronchitis und Lungenentzündung sowie bei einer Mund- oder Rachenentzündung. Die Arzneipflanze senkt Fieber, mindert Sonnenbrand und kann positive Effekte bei Muskelerkrankungen haben. Ihre bioaktiven Stoffe beugen im Wechselspiel Erkrankungen vor, die durch Mikroben ausgelöst werden.

Bei Wanderinnen und Wanderern ist der Spitzwegerich als „Erste-Hilfe-Pflanze“ für kleine Hautverletzungen, Blutergüsse, Prellungen, Zerrungen, Insektenstiche und Sonnenbrand bekannt. Hierfür werden die frischen Blätter zerkaut und auf die betroffene Stelle gelegt.

Versierte Wanderinnen und Wanderer legen sich gegen Blasen die Blätter in die Schuhe und reiben sich wundgelaufene Stellen mit dem gepressten Saft ein. Die Kieselsäure wirkt blutstillend und zieht die Wunde zusammen, zugleich wird diese desinfiziert. Das hilft gut bei kleineren Unfällen, wenn zum Beispiel das Knie oder der Ellenbogen aufgeschürft ist.

Bei Insektenstichen mildert eine Auflage aus Spitzwegerich den Juckreiz, mindert die Schwellung und verhindert, dass sich der Stich entzündet.

Studienlage

Wissenschaftler aus Santiago de Compostela belegten 2006 in einer in-vitro-Studie, dass Spitzwegerich Entzündungen hemmt. Japanische Forscher erkannten in einer anderen Studie mit Mäusen lindernde Effekte von Spitzwegerich bei einer Dickdarmentzündung.

Wissenschaftler aus Münster erbrachten weiterhin den Nachweis bei Meerschweinchen, dass Spitzwegerichextrakt Krämpfe löste und spasmischen Husten linderte. Spitzwegerichpräparate sind in der Europäischen Union durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA, englisch European Medicines Agency) als Husten- und Erkältungsmittel anerkannt.

Spitzwegerich auf einer Wiese
Spitzwegerich wächst vor allem an Wegesrändern und auf natürlichen Wiesen. (Bild: AnnaReinert/stock.adobe.com)

Anwendungen

Die frischen Samen der Pflanze, mit viel Wasser getrunken, sind wirksam bei Verstopfungen. Der frische, aus Schnittstellen der Pflanze gepresste Saft hilft gegurgelt bei entzündeten Mandeln oder Entzündungen im Rachen. Sie können ihn auch auf Augenentzündungen auftragen. Dafür pressen Sie ihn direkt auf die entzündeten Stellen.

Spitzwegerich Hustensaft

Spitzwegerich ist vor allem ein Mittel gegen Bronchitis, Erkältungserkrankungen und zähen Husten. Deswegen findet sich die Heilpflanze in diversen Hustentees, Hustenbonbons und Hustensäften.

Spitzwegerich Tee

Die häufigste Anwendung, ob fertig aus der Apotheke, dem Naturkostladen oder selbst hergestellt, ist Spitzwegerichtee. Dieser sollte circa 15 Minuten ziehen, um seine volle Wirkung zu entfalten. Bei Lungenerkrankungen, verschleimten Atemwegen und bronchialem Husten wird der Tee getrunken und im Falle einer Mund- oder Rachenentzündung damit gegurgelt.

Bei grippalen Infekten ergänzen sich Wilde Malve, Alantwurzel und Spitzwegerich in ihren Wirkungen, wobei eine Teemischung zur Hälfte aus dem Wegerich bestehen sollte. Abgekühlt ist der Tee ein gutes Gesichtswasser gegen Pickel, Mitesser und unreine Haut.

Spitzwegerich Sirup

In Apotheken können Sie Spitzwegerich in Form von Dragees, Tabletten, Sirup und Frisch- oder Presssaft kaufen.

Falls Sie den Sirup selbst herstellen möchten, nehmen Sie mehrere Handvoll Pflanzenblätter, Zucker, Wasser und Zitronensaft. Kochen Sie die gesäuberten Blätter mit 100 Gramm Zucker in einem Liter Wasser auf und stampfen Sie sie dabei mit einem Löffel, damit der Saft austritt. Der Sud färbt sich dann in ein moosiges Grün.

Nach circa zehn Minuten Kochzeit stellen Sie die Platte aus und lassen auf der noch heißen Platte den Sud verdampfen, bis die Flüssigkeit ungefähr die Hälfte beträgt. Jetzt sieben Sie den Sirup ab und geben ein wenig Zitronensaft hinzu. Um den Spitzwegerichsirup geschmacklich bekömmlicher zu machen, können Sie noch etwas Honig (am besten Waldhonig) hinzugeben.

Spitzwegerichsaft

Der frisch aus der Pflanze gepresste Saft hilft innerlich eingenommen gegen Darm- und Magenentzündungen und gegen Verdauungsprobleme. Äußerlich wirkt er gegen Hautentzündungen und ist ein bewährtes Hausmittel bei Akne.

Spitzwegerich Salbe

Um einen Balsam gegen Insektenstiche herzustellen, erhitzen sie 100 Milliliter Pflanzenöl mit zehn Gramm klein geschnittenen Spitzwegerichblättern. Das Gemisch kochen Sie 20 Minuten, dann seihen Sie es ab und geben in die noch heiße Masse zehn Gramm Bienenwachs. Den Balsam füllen Sie in Döschen oder Gläser, lassen ihn erkalten und verschließen die Gefäße mit Deckeln.

Nebenwirkungen

Es sind keine Nebenwirkungen von Spitzwegerich bekannt. Lediglich bei allergischen Reaktionen auf Wegerichgewächse sollten Sie das Heilkraut vermeiden.

Spitzwegerich kaufen

Spitzwegerich als ganze Pflanze lässt sich im Gartenmarkt nur selten erwerben. Dafür ist das Kraut draußen viel zu häufig. Online ist es bei manchen Händlerinnen und Händlern günstig zu erwerben. In Kräuterhandlungen, Teegeschäften, in Apotheken und manchen Supermärkten lassen sich indessen getrocknete Blätter kaufen, die für Tee verwendet werden können.

Spitzwegerich in der Küche

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Spitzwegerichs lassen sich auch als Nahrungsmittel nutzen. Er schmeckt ein wenig nach Pilzen und dieser leicht würzige Geschmack entfaltet sich vorzüglich in einem Wildkräuter-Salat, zum Beispiel mit Sauerampfer, Löwenzahn, Giersch und Kerbel.

Klein geschnitten passen die Blätter gut zu Omeletts, Kräuterquark, Frischkäse und Joghurt. Auch in einem Pesto mit Öl lässt er sich verarbeiten, zum Beispiel zusammen mit Petersilie und Basilikum.

In Smoothies harmoniert er mit Früchten wie Banane und Apfel, aber auch mit Gemüse wie Grünkohl, Feldsalat oder Spinat. Da der Wegerich sehr geschmacksintensiv ist, sollte er in einem Smoothie nur sparsam eingesetzt werden.

Verwechslung mit Breitwegerich

Der Spitzwegerich lässt sich mit dem nahe verwandten Breitwegerich verwechseln. Wie der Name sagt, sind jedoch die Blätter des Breitwegerichs breit und eiförmig, die des Spitzwegerichs hingegen schmal und lanzenförmig. Gefährlich wäre eine Verwechslung nicht, die bioaktiven Stoffe überschneiden sich, auch der Breitwegerich ist eine Heilpflanze, der Spitzwegerich indessen stärker in der Wirkung. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Fleer, H.; Verspohl, E.J.: Antispasmodic activity of an extract from Plantago lanceolata L. and some isolated compounds. In: Phytomedicine, 2007, 14, S. 409-415 , ScienceDirect
  • Miraj, S.: A review study of pharmacological properties of Plantago major L. In: Der Pharma Chemica, 2016, 8(17), S. 21-25., Der Pharma Chemica
  • Murai M.; Tamayama, Y. et al.: Phenylethanoids in the herb of Plantago lanceolata and inhibitory effect on arachidonic acid-induced mouse ear edema. In: Planta Medica, Oktober 1995, 61(5), S.479-480., PubMed
  • Vigo, E.; Cepeda, A. et al.: In-vitro anti-inflammatory activity of Pinus sylvestris and Plantago lanceolata extracts: effect on inducible NOS, COX-1, COX-2 and their products in J774A.1 murine macrophages. In: Journal of Pharmacy and Pharmacology, März 2005, 57(3), S.383-391., PubMed

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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