Entsäuern- Anleitung, Nebenwirkungen, Hausmittel

Manche Naturheilkundige vertreten die Meinung, dass Säure bildende Nahrungsmittel der Gesundheit schaden. Dies gelte vor allem für Zucker, Kaffee, Fleisch, Weizenmehl und Eier. Obst und Gemüse gelten hingegen als basisch. In dieser Vorstellung haben viele Krankheiten ihren Ursprung in einer Übersäuerung des Körpers und die Therapie, die aus dieser Annahme resultiert, besteht darin, den Säuren-Basen-Haushalt wieder ins Lot zu bringen.


Die wichtigsten Fakten

  • Als Entsäuern werden Methoden bezeichnet, die einen Säureüberschuss im Körper abbauen sollen.
  • Ein gesunder Körper entsäuert sich selbst – über den Urin, den Stuhlgang, das Ausatmen und Schwitzen.
  • Eine Übersäuerung des Magens, der Nieren oder des Blutes ist ein Symptom, dem verschiedene Krankheiten zugrunde liegen können – von Diabetes mellitus bis zu einem Magengeschwür.
  • Ein gesunder Mensch muss weder regelmäßig entsäuern noch braucht er eine Säure-Basenkur. Solche Methoden sind lediglich bei einer bestehenden und krankheitsbedingten Übersäuerung dazu geeignet, den Gesundungsprozess zu unterstützen.
Körperflüssigkeiten haben unterschiedliche pH-Werte, bei der Magensäure liegt er zum Beispiel unter drei. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)

Stören Säuren den pH-Wert?

Unser Körper produziert selbst durchgehend Säuren – zum Beispiel die Magensäure. Ohne diese Säuren wäre Verdauung nicht möglich. Dabei hat der Organismus eigene Mechanismen, die den pH-Wert konstant halten. Ernährungsforscher wie Prof. Dr. Andreas Pfeiffer betonen deshalb, dass ein gesunder Körper nicht übersäuert, da er einer Übersäuerung selbst entgegensteuere. Übersäuerung wäre demnach nicht die Ursache einer Erkrankung, sondern eine Folge.

Der pH-Wert ist unterschiedlich

Die Körperflüssigkeiten sind in den meisten Körperregionen neutral oder leicht basisch, im Blut und im Speichel liegt der pH-Wert bei etwas über sieben. Im Magen beträgt der pH-Wert hingegen zwischen 1,2 und drei, der Säurepegel ist also sehr hoch. Das ist kein Zeichen mangelnder Gesundheit – im Gegenteil: Ohne diese Magensäure könnten wir kein Eiweiß verdauen. Dieser pH-Level in den Körperregionen ändert sich bei Menschen kaum, egal, ob die Nahrung mehr Säure oder mehr Basen enthält.

Die Niere reguliert den Säurehaushalt

Unsere Nieren scheiden überschüssige Säure aus, der Urin wird dann sauer. Saurer Urin zeigt aber keine Übersäuerung an, sondern beweist, dass unser Regulativ funktioniert. Die Lunge entfernt das saure Kohlendioxid aus dem Körper. Zusätzliches Entsäuern ist also notwendig, wenn Lunge oder Nieren nicht richtig funktionieren, denn in solchen Fällen kann es tatsächlich zu einer Übersäuerung kommen.

Übersäuerung des Blutes

Zu einer Übersäuerung des Blutes kommt es also nicht, weil wir zu viel Saures essen, sondern durch Erkrankungen wie Nierenschwäche oder Diabetes, das heißt, die körpereigenen Regulative fallen aus und der pH-Wert im Blut sinkt.

Symptome

Leitsymptom einer Übersäuerung ist ein hastiges und tiefes Atmen mit einem Atemgeruch, der an faulige Früchte erinnert. Hier sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, denn Erkrankungen der Lunge und Niere, die diese Symptome verursachen, sind sehr ernst. Typische Symptome von chronischer Übersäuerung sind:

Durch den steigenden Kaliumgehalt im Blut kann eine Übersäuerung auch Karies begünstigen. (Bild: New Africa/fotolia.com)

In der Folge einer länger anhaltenden Übersäuerung

  • entkalken die Knochen und werden brüchig,
  • nimmt die Herzleistung ab,
  • kommt weniger Blut in den Kreislauf,
  • steigt der Kaliumgehalt im Blut und
  • Karies befällt die Zähne.

Entsäuern bei Nierenschwäche

Bei etwa jedem dritten Menschen, der an Diabetes mellitus erkrankt ist, tritt eine Nierenschwäche und damit einhergehend eine Übersäuerung auf. Diese diabetische Nephropathie ist nicht entzündlich. Aber auch alte Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt sind, können als Folge einer Nierenschwäche übersäuern. Denn die Nierenleistung sinkt ab einem Alter von 30 Jahren pro Lebensjahrzehnt um circa zehn Prozent. So steigt das Risiko, langsam zu übersäuern. Unter den Nierenerkrankungen ist diese diabetische Nierenerkrankung sehr häufig, immerhin sind davon 34 Prozent aller neu erfassten Dialysepatienten betroffen. Wie fortgeschritten die Erkrankung ist, erkennen Ärzte vor allem am pH-Wert und der Kaliumkonzentration.

Betroffenen kann eine Entsäuerung helfen, die Auswirkungen einer Nierenschwäche auszugleichen und den Eiweißstoffwechsel, die Harnsäure und die gestörten Hormone zu stabilisieren.. Hier ist eine Basentherapie sinnvoll, allerdings nicht primär durch den Verzehr von Obst und Gemüse, sondern durch Natriumcarbonat in Form von magensaftresistenten Tabletten. Die Einnahme von Bikarbonaten verlangsamt das Fortschreiten der Nierenschwäche. Diese sollten bei einer solch schweren Erkrankung niemals ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.

Gesundes Essen

Bei einer bestehenden Nierenschwäche ist eine gesunde Ernährung maßgeblich. Wichtig sind reichlich:

  • Obst,
  • Gemüse (möglichst vielfältig, zum Beispiel mit Zwiebeln, Porree oder Brokkoli),
  • Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele
  • als auch Lein-, Raps- und Walnussöl.
Obst und Gemüse sind basisch und sollten zum Ernährungsplan bei einer Nierenschwäche gehören. (Bild: Chinnapong/fotolia.com)

Außerdem sind Vollkornprodukte gut bei einer Nierenschwäche. Zucker sollten Sie reduzieren, ebenso Fastfood und Fertiggerichte. Sie sollten zudem viel trinken und dabei darauf achten, dass die Getränke keinen oder wenig Zucker enthalten. Wenn es sich um eine Nierenentzündung handelt, sollte die Nahrung

  • Kupfer,
  • Selen,
  • Zink,
  • Omega-3-Fettsäuren
  • sowie die Vitamine A,C und E enthalten.

Basenhaltig sind zudem unbehandelte Milch, aber auch Blattsalat sowie Trockenfrüchte wie Feigen und Datteln. Kalt gepresste Öle wirken neutral.

Magenübersäuerung

Im Magen herrscht ein saures Milieu. Dies kann kritisch für die Gesundheit werden, wenn die Körperfunktionen versagen, weil erstens zu viel Magensäure produziert wird oder zweitens die sauren Abbauprodukte nicht mehr mit dem Kot abgestoßen werden. Es kommt dann zu einer Übersäuerung des Magens. Die Auslöser dafür können Vergiftungen ebenso sein wie Infektionen, Stress, Nikotin, Alkohol oder ein Übermaß an Kaffee bei einem gleichzeitigen dauerhaften Mangel an Ballaststoffen. Eine Übersäuerung des Magens ist keine eigene Erkrankung, sondern kann Symptom verschiedener Krankheiten sein, zum Beispiel einer Infektion der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori. Diese kann Geschwüre im Magen verursachen, welche sich durch Symptome wie Sodbrennen, Magenschmerzen und einen drückenden Schmerz im Bauch äußern. Die Übersäuerung lässt sich bremsen durch Protonenpumpenhemmer. Bekannte Auslöser wie Rauchen, Alkohol oder sehr fette Speisen sollten Sie vermeiden.

Im Unterschied zu einer chronischen Übersäuerung des Magens durch eine Infektion, ein Geschwür oder dauerhafte Mangelernährung, vergeht eine zeitweise Übersäuerung des Magens von selbst, ist aber ausgesprochen unangenehm. Dieser sogenannte Reizmagen gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Industriegesellschaft und fast jeder ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Ursache ist zum Beispiel wiederholtes Erbrechen, wenn Sie sich den „Magen verdorben“ haben. Hält der Brechreiz an, wenn im Magen keine Nahrung mehr vorhanden ist, produziert der Magen weiter Säure, der Säurepegel steigt, sie bekommen Sodbrennen und die besagten drückenden Schmerzen im Bauch. Jeder Atemzug tut sehr weh – selbst, wenn Sie nur die Hand auf den Bauch legen, schmerzt es. Sie wissen nicht, ob Sie liegen, sitzen oder stehen sollen.

Leider gibt es hier keine Sofortlösung. Sie können ein Glas Wasser mit einem Teelöffel Natron trinken, um den Säurestand auszugleichen und neutrale Nahrung zu sich nehmen, die den Magen beruhigt und die Säure aufnimmt. Dazu gehören Haferflocken mit Milch ebenso wie langsam gekautes Weiß-, Knäcke- und Vollkornbrot.

Um den Magen zu entsäuern hilft unter anderem auch Artischocke. (Bild: stefania57/fotolia.com)

Hausmittel

Ein Hausmittel, um den Magen zu entsäuern, ist Kartoffelsaft, frisch gepresst oder aus der Apotheke. Ist die Ursache der Übersäuerung eine verlangsamte Verdauung, helfen Bitterstoffe, die in

  • Artischocken,
  • Tausendgüldenkraut,
  • Schleifenblume,
  • Angelikawurzel
  • und in Wermut enthalten sind.

Auch Kamillenblüten fördern die Verdauung. Es gibt in der Apotheke pflanzliche Arzneimittel, die alle diese Pflanzenstoffe enthalten.

Gegen die Symptome eines übersäuerten Magens helfen Tees mit

  • Pfefferminze,
  • Kümmel,
  • Süßholz,
  • Melisse
  • und Kamillenblüten.

Um die Magensäure zu neutralisieren nehmen Sie einen Teelöffel Natron auf ein Glas Wasser.

Regelmäßig entsäuern?

Viele Naturheilmethoden empfehlen, den Körper regelmäßig zu entsäuern, zum Beispiel durch eine Basenkur oder durch Heilfasten. Diese Methoden gehen davon aus, dass der Körper Entsäuerungskuren benötigt, weil wir auf Dauer zu viel Säure zu uns nehmen. Um es deutlich zu sagen: Einem gesunden Menschen schaden solche Basenkuren zwar nicht, da sie aus gesunden Lebensmitteln bestehen; sie sind aber unnötig. Ein normal funktionierender Körper zeichnet sich dadurch aus, dass er überschüssige Säure entfernt – mit dem Urin, dem Kot, dem Atem und dem Schweiß. Kann der Körper das nicht mehr, dann kann eine säurearme Ernährung helfen, die Symptome zu lindern. Behandelt werden muss aber die Ursache. (Dr. Utz Anhalt)