Ölmassage – Varianten und Anwendungen

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Massagen mit Öl: Anwendungsgebiete und Arten

Bei Verspannungen, Muskelkater aber auch bei Stressbelastung und seelischem Ungleichgewicht wird immer wieder eine wohltuende Massage empfohlen. Dabei ist die Vielfalt an unterschiedlichen Massagetechniken unwahrscheinlich groß. Vor allem die Ölmassage kennt hier mehr Variationen, als es zunächst den Anschein hat. Von medizinischen Massage-Kuren des Ayurveda über Entspannungsmassagen bis hin zu Erotikmassagen gibt es zahlreiche Unterschiede. Wir haben die Welt der Ölmassagen deshalb einmal genauer für Sie unter die Lupe genommen.


Wie läuft eine Ölmassage ab?

Neben den Trockenmassagen gehören Ölmassagen zu den wichtigsten Massagevarianten zur Verbesserung des Wohlbefindens. Dabei wird unter Verwendung von Massageölen und durch bestimmte Techniken Druck auf verschiedene Körperpunkte ausgeübt, um diese zu stimulieren. Diese Druckstimulation kann sich auf die Haut, Gelenke, Muskeln oder Nerven beziehen. Bei bestimmten Massagetechniken, etwa der ayurvedischen oder Thai-Massage, stehen darüber hinaus auch die energetischen Punkte des Körpers im Fokus der Massage.

Eine Massage kann aus verschiedenen Gründen hilfreich sein – bei Verspannungen oder einfach zur Steigerung des Wohlbefindens. Ebenso breit gefächert sind die möglichen Techniken innerhalb einer Ölmassage. (Bild: Racle Fotodesign/fotolia.com)

Die Hilfsmittel, die für eine Ölmassage benötigt werden, können, ebenso wie die verschiedenen Formen der Massagetechnik selbst, stark variieren. Zum Beispiel gibt es spezielle Massageliegen, die je nach Art der Ölmassage deren Durchführung erleichtern. Auch Hilfsmittel wie Massagebälle oder -bürsten werden in Abhängigkeit von der jeweiligen Massageform eingesetzt. Und selbst das Öl kann in seiner Konsistenz und Temperatur sehr unterschiedlich zum Einsatz kommen. Werden allerdings sehr große Mengen an Öl verwendet, so ist grundsätzlich ein ölabweisender Vliesbezug für die Massageliege vonnöten, um bleibende Ölflecken an Textilien zu vermeiden.

Ölmassage – Sinn und Zweck der Massagetechnik

Gründe, deretwegen Menschen eine Ölmassage durchführen lassen, gibt es viele. Oft liegen konkrete Gesundheitsbeschwerden vor, welche den Gelenkapparat oder die Muskulatur betreffen. Gerade im Bereich der Physiotherapie ist die Ölmassage darum ein wichtiger Bestandteil zur Remobilisierung beispielsweise bei Unfallpatienten mit Knochenbrüchen oder Personen mit Gelenk- und Muskelschäden.

Auch in der Sportmedizin wird auf Ölmassagen gesetzt, wobei diese hier sowohl präventiv zur Minimierung des Verletzungsrisikos als auch therapeutisch zur Behandlung bestehender Sportverletzungen zur Anwendung kommen. Immer öfter wählen Patienten diese Massagetechnik aber auch aufgrund weniger greifbarer Beschwerden wie etwa psychischer oder nervlicher Belastungszustände und anhaltender Schmerzsymptome. Das Spektrum an möglichen Gründen für eine Ölmassage ist deshalb sehr breit gefächert und umfasst:

  • Gefäßerkrankungen (z.B. Durchblutungsstörungen, Krampfadern oder Thrombosen),
  • Hautprobleme (z.B. Hautausschlag, Rosazea oder trockene Haut),
  • Knochen- und Gelenkbeschwerden (z.B. Arthrose, Gelenkschmerzen, Morbus Paget, Osteoporose oder Rückenschmerzen),
  • Muskelbeschwerden (z.B. Muskelkater, Muskelschmerzen, Muskelschwund oder Verspannungen),
  • Nervenleiden und psychische Beschwerden (z.B. Burnout, Depression, Hexenschuss, innere Anspannung oder Nervenentzündung
  • und sonstige Beweggründe (z.B. Schlackeneinlagerung, Stoffwechselstörungen oder sexualtherapeutische Gründe).

Wichtig: Wenngleich es auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, sich bei Atemwegserkrankungen wie Grippe mit atemwegsbefreienden Kräuterölen wie Pfefferminze, Eukalyptus und Co. massieren zu lassen, ist hiervon doch eher abzuraten. Hinter derartigen Krankheiten stehen handfeste Infektionen, die das Immunsystem ohnehin schon schwächen. Ein Gang zur Massage sowie das Massageprozedere an sich können den Körper hier zusätzlich erschöpfen und den Krankheitsverlauf dadurch unnötig in die Länge ziehen.

Neben naheliegenden Gründen für eine Ölmassage wie Muskelkater oder Hexenschuss können auch Faktoren wie Burnout oder Stoffwechselstörungen eine solche Behandlung rechtfertigen. (Bild: PORNCHAI SODA/fotolia.com)

Varianten der Ölmassage

Die Ölmassage ist in vielen Kulturen weltweit fester Bestandteil der Volksheilkunde. Ein sehr hoher medizinischer Stellenwert kommt ihr jedoch im asiatischen Kulturkreis zu. Hier ist die Massage mit Öl eng mit der Überzeugung ganzheitlicher Heilpraktiken zur Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens sowie der Prävention von Krankheiten verwoben. Einige der wichtigsten Techniken aus diesem Bereich haben wir gemeinsam mit weiteren Massageansätzen nachstehend für sie aufgeführt.

Abhyanga

Das Wort Abhyanga entstammt dem Sanskrit und bedeutet übersetzt so viel wie „Einölung“, „Salbung“ oder „Massage“. Im westlichen Wellnessbereich ist diese Art der Ölmassage auch als „Die große Einölung“ bekannt, da hier besonders viel Öl verwendet wird. Dieses wird vor der Massage zunächst erwärmt und dann mit gleichmäßigen Streichbewegungen auf den Körper aufgetragen. Traditionellerweise sind hierfür zwei Masseure gleichzeitig am Werk, wobei die westliche Abwandlung der Abhyanga-Massage häufig auf den zweiten Masseur verzichtet. Eine Massage-Sitzung dauert bei dieser Variante für gewöhnlich zwischen einer und anderthalb Stunden. Beendet wird die Massage schließlich durch das Auftragen von natürlichen Pulvern (z.B. Kalmuspulver), um die verbliebenen Ölrückstände aufzusaugen und den Körper so zu trocknen.

Ablauf und Prinzip:
Ihren Ursprung hat Abhyanga in Indien und Sri Lanka, wobei die ayurvedische Lehre die Grundlage der Technik bildet. Genauer gesagt stehen die sogenannten Doshas im Fokus der Betrachtung. Sie bilden die drei Aspekte der menschlichen Konstitution und sind mit drei energetischen Disziplinen zu Vergleichen:

  • Vata: Das Luft- bzw. Wind-Dosha steht für Veränderung, Leichtigkeit sowie fortwährendes In-Bewegung-Sein. Es regelt nach Auffassung des Ayurveda alle physischen und psychischen Bewegungsabläufe.
  • Pitta: Das Feuer- und Wasser-Dosha ist im Körper für biochemische Prozesse und damit den Stoffwechsel verantwortlich. Es symbolisiert Struktur, systematische Abläufe und Präzision.
  • Kapha: Das Wasser- und Erd-Dosha repräsentiert alle festen Körperbestandteile, wie zum Beispiel Knochen oder Zähne. Es steht für Ruhe, Gelassenheit, Stärke und Ausdauer.

Geraten diese Disziplinen aus dem Gleichgewicht, so erhöht dies das Krankheitspotential. Die Abhyanga soll hier regulierend und harmonisierend in das Zusammenspiel der Doshas eingreifen.

Die Abhyanga-Massage wird auch „große Einölung“ genannt, da hier besonders viel Öl zum Einsatz kommt. Im Fokus stehen dabei die sogenannten „Doshas“, welche die individuelle Konstitution bestimmen. (Bild: STUDIO GRAND OUEST/fotolia.com)

Erstmals Erwähnung fand diese Ölmassage bereits im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung und zwar im Großen Buch der Ayurveda Heilkunde „Ashtanga Hridaya (अष्टांग हृदय) – Das achtfache Herz“. Der Verfasser Vagbhata war seiner Zeit ein bedeutender indischer Arzt und beschrieb Abhyanga als präventive Massage-Kur zur Vorbeugung gegen

Ein besonderer Fokus solle bei der Abhyanga-Massage auf dem Einölen von Kopf, Ohren und Füßen liegen.

„Die Abhyanga sollte täglich ausgeführt werden. Sie vertreibt Alter, Anspannung und Ansammlungen von Vata. Sie schenkt gute Sehfähigkeit, Ernährung für den Körper, langes Leben, guten Schlaf, gute und gesunde Haut. Sie sollte besonders ausgeführt werden am Kopf, den Ohren und Füßen. Sie sollte vermieden werden von Personen, die an Ansammlungen von Kapha leiden, oder die gerade einer Reinigungstherapie unterzogen werden oder die an Verdauungsstörung leiden.“

– Vagbhata‘s Ashtanga Hridaya; Kapitel: Sustrasthana, Dravadravya Vijnaniya –

Die Wirkung dieser ayurvedischen Massagetechnik lässt sich in hohem Maße auf den Gebrauch großer, warmer Ölmengen zurückführen. Die Erwärmung sorgt für eine Lockerung und Entspannung des Haut-, Muskel- und Sehnengewebes, was Verspannungen löst und Muskelschmerzen beseitigt. Außerdem steigert der Umstand, von warmem Öl umhüllt zu sein, das Geborgenheitsgefühl des Patienten, was psychische bzw. seelische Spannungen abbaut. Für eine intensivere Wirkung an bestimmten Körperstellen existieren zudem zahlreiche Untervarianten der Abhyanga:

  • Mukabhyanga (Gesichtsmassage) – gegen Empfindungsstörungen und Liebeskummer,
  • Padabhyanga (Fußmassage) – zur Behandlung von Erschöpfung
  • und Udarabhyanga (Bauchmassage) – bei Funktionsstörungen der Bauchorgane.

Verwendete Öle:
Die Auswahl der Massageöle ist bei Abhyanga streng geregelt. Es kommen hier ausschließlich pflanzliche Basisöle zum Einsatz, die in Abhängigkeit von der therapeutischen Prioritätensetzung nach ihrer Wirkungsweise ausgewählt werden. Alternativ zum Öl können Kräutertees zum Einsatz kommen, wobei auch hier auf die Kardinalkräuter nach Vagbhata zurückgegriffen wird. Die wichtigsten Pflanzenöle in der Abhyanga sind:

  • Sesamöl,
  • Senföl,
  • Kokosöl
  • und Rizinusöl.

Zu Sesam- und Rizinusöl im Speziellen schrieb Vaghbata:

„Das Öl von Sesam hat die Eigenschaft, tief in das Gewebe einzudringen und sich im ganzen Körper schnell zu verbreiten. Es macht Erkrankungen der Haut, ist schlecht für die Augen, ist fähig auch in die kleinsten Poren einzudringen, ist heiß, vermehrt Kapha nicht. Es macht dünne Personen dick und dicke Personen dünn. Es ist verstopfend, tötet Würmer. Richtig zubereitet heilt es alle Erkrankungen.“

„Rizinusöl ist bitter, scharf und süß im Geschmack, laxativ, schwer zu verdauen. Es heilt Vergrößerung der Hoden (hernia), Tumore im Bauch, Krankheiten die durch Vata oder Kapha verursacht werden, Vergrößerung des Bauches, wiederkehrende Fieber, Schmerz und Schwellungen an Abdomen, Genitalien, Bauch und Rücken. Es hat die Fähigkeit tief einzudringen, ist heiß in der Wirkung und schlecht im Geruch.“

Rizinusöl ist eines der wichtigsten Öle in der Abhyanga-Massage. Das farblose bis gelbe Extrakt wird aus den Samen des tropischen Wunderbaums gewonnen. (Bild: Swapan/fotolia.com)

Achtung: Nicht angewendet werden sollte die Abhyanga bei Menschen, die zu viel Kapha in sich vereinen. Sehr geeignet ist diese Ölmassage dagegen bei Personen mit hohem Vata-Anteil.

Thailändische Ölmassage

Mit aromatischen Ölen geht es auch in der Thai-Ölmassage zu. Die traditionelle Thaimassage sieht für gewöhnlich nicht den Einsatz von Öl vor, weshalb bei der Auswahl des Angebots in hiesigen Massage-Studios sehr sorgfältig darauf geachtet werden muss, die richtige Massage zu wählen. Grundsätzlich beruht aber auch die Thailändische Ölmassage auf den Massagetechniken der herkömmlichen Thaimassage. Sie werden in diesem speziellen Fall mit der Verwendung aromatischer Kräuteröle kombiniert, was das entspannende Massageerlebnis noch intensivieren soll.

Ablauf und Prinzip:
Die Massagetechniken der Thai-Massage sind eng mit dem ayurvedischen Yoga verwoben. Neben klassischen Druckpunkt-Massagegriffen stehen deshalb auch bestimmte Körperfiguren im Fokus der Massagebehandlung. Sie sollen den Energiefluss anregen, das Gewebe dehnen und die Gelenke stärken. Der Masseur setzt hierfür oftmals den gesamten eigenen Körper ein, während er sitzend oder stehend auf dem Patienten verweilt und dessen Gliedmaßen dehnt, streckt oder anwinkelt. Üblich ist es, den Körper des Patienten durch eigenen Körpereinsatz in meditatives Schaukeln zu bringen. Insgesamt steht dem Thai-Masseur eine Palette aus über 77 verschiedenen Techniken zur Verfügung, die über einen Zeitraum von eineinhalb bis drei Stunden auf den zu Massierenden angewendet werden. Essenzielle Yoga-Figuren sind hierbei unter anderem:

  • die Brücke,
  • der Fisch,
  • die Kobra,
  • der Pflug
  • und die Zange.

Ebenfalls hinzu kommen Elemente aus der Akupressur, der Reflexzonenmassage, dem Shiatsu und dem Stretching. Gemeinsam sollen diese Massagebestandteile die sogenannten Sen-Linien durch Druck- und Dehnungsverhältnisse stimulieren. Besagte Linien gelten als die zehn Hauptenergielinien des Körpers, welche auf die rhythmischen Massagegriffe in besonderem Maße ansprechen. Insgesamt soll diese Art der Massage verschiedene Gesundheitsbereiche verbessern. Einige davon sind mentaler Natur, andere wiederum sind physisch motiviert. Im Vordergrund stehen beispielsweise:

  • Ausgeglichenheit durch Meditation,
  • Entspannung der Nerven,
  • Belebung der Sinne durch Kräuteraromen im Massageöl,
  • Behandlung von Verstimmungen oder Depressionen,
  • Stressabbau,
  • Stärkung des Immunsystems,
  • Entschlackung des Bindegewebes,
  • Aufhebung von Energieblockaden,
  • Krankheitsprävention,
  • Dehnung von Muskeln und Sehnen
  • und Gelenkmobilisierung.
Neben klassischen Druckpunkt-Massagegriffen werden bei der thailändischen Ölmassage z. B. Gliedmaßen durch den Masseur gestreckt und gedehnt. (Bild: Jeanette Dietl/fotolia.com)

Für den Patienten ist es während der Thai-Ölmassage wichtig, seinen Körper vollständig zu entspannen und metaphorisch gesprochen zum formbaren Lehmklumpen in den Händen des Masseurs zu werden. Hierdurch wird nicht nur gewährleistet, dass der Körper die auf ihn angewendeten Yoga-Figuren ohne Verletzungen durchlaufen kann. Ebenso trägt die passive „Erschlaffung“ des Körpers zur Entspannung bei und erlaubt ein ungehindertes Fließen der Energien. Diese besondere Herangehensweise ist auch eine gute Übung für den Alltag, in dem stressreiche Situationen Körper und Geist gerne zu einem Zustand der Anspannung provozieren, obwohl Gelassenheit deutlich sinnvoller wäre. An dieser Stelle passt ein berühmtes Zitat von Bruce Lee sehr gut:

„Empty your mind, be formless, shapeless like water.“
(„Leere deinen Geist, sei formlos wie Wasser“)

Verwendete Öle:
Aromatisch wird die Wirkung der Thai-Ölmassage durch Kräuteröle aus bestimmten Duftkräutern unterstützt. Sie sollen das positive, sinnliche Erleben während der Massage befördern und gemäß einer Aromatherapie für zusätzliche Heilungsprozesse sorgen. Dabei haben die jeweiligen Öle noch einmal eine individuelle Spezialwirkung bei verschiedenen Gesundheitsbeschwerden. Nachstehend hierzu eine kleine Übersicht zu gängigen Ölvarianten:

  • Bergamotte – beruhigt bei Angstzuständen, Depressionen und innerer Unruhe,
  • Ingwer – lindert Gelenkbeschwerden, Kältegefühle sowie Schwellungen,
  • Kamille, Lavendel und Rose – werden bei bestehenden Hautproblemen wie z.B. Hautirritationen, Mischhaut oder trockener Haut angewandt,
  • Lemongrass – wird bei Bindegewebsschwächen oder als Anti-Aging-Öl eingesetzt,
  • Rosmarin und Lavendel – kommen bei Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen, Migräne oder Rheuma zum Einsatz
  • und Ylang Ylang – spendet der Haut Feuchtigkeit und kann deshalb ebenfalls bei trockener Haut eingesetzt werden.

Lomi Lomi Nui

Diese Variante der Ölmassage stammt aus Hawaii und lässt sich mit „einzigartiges starkes Kneten“ übersetzen. Wie der Name schon sagt, wird das Massageöl hier kräftig in das Gewebe eingeknetet. Dabei kommen oftmals nicht nur die Hände, sondern auch der Unterarm bzw. die Ellenbogen des Masseurs zum Einsatz. Die Behandlung dauert im Durchschnitt zwei Stunden und soll neben dem Körper auch Geist und Seele in Einklang bringen.

Ablauf und Prinzip:
Lomi Lomi Nui entstammt der alten hawaiianischen Religion Huna. Sie stellt eine eigenständige, polynesische Philosophielehre dar, welche darauf basiert, das Individuum, wie auch die Welt an sich, durch Sinneserfahrungen und Erlebnisse zu heilen, die sich gut anfühlen. Diese Sinneseindrücke haben nach Huna einen direkten Einfluss auf das Selbst eines Menschen, welches sich aus drei Teilen zusammensetzt:

  • Lono – Die Seele und das Zentrum des Selbst. Lono ist für die Willensbildung und das Urteilsvermögen verantwortlich und nimmt daher die Rolle des rationalen Verstandes ein.
  • Ku – Dieser Teil des Selbst kann als Un- oder Unterbewusstsein verstanden werden. Unbewusste Abläufe, wie die Einordnung und Verwaltung von Erinnerungen, aber auch die Entstehung von Emotionen, führen Huna auf das Ku zurück.
  • Kane – Der dritte Teil des Selbst kann auch als Sphäre des Ahnengeistes verstanden werden, welcher die Verbindung des Selbst zum Jenseits und der spirituellen Welt darstellt.
Bei der Lomi Lomi Nui Massage werden Unterarme und Ellenbogen eingesetzt, um das Massageöl kräftig in das Gewebe einzukneten. (Bild: Dron/fotolia.com)

Für die Gesundheit dieses Selbst und somit auch des Körpers ist nach Huna die Befolgung von sieben Prinzipien wichtig:

  • Ike: Die Welt ist das, wofür Du sie hältst.
  • Kala: Es gibt keine Grenzen.
  • Makia: Die Energie fließt dahin, wo die Aufmerksamkeit ist.
  • Manawa: Jetzt ist der Augenblick der Macht.
  • Aloha: Lieben heißt glücklich sein mit.
  • Mana: Alle Macht kommt von innen.
  • Pono: Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit.

„Alles, was Wirkung zeigt und Dinge verbessert, ist PONO (in Ordnung und richtig).“

– einer von 7 Grundsätzen der Huna-Philosophie –

Aus diesen Prinzipien geht hervor, dass der körpereigene Energiefluss, das Mana, vor allem durch die Selbstwahrnehmung gestaltet und gelenkt wird. Positive Wahrnehmungen führen deshalb direkt zu einer Verbesserung der Gesundheit. Ziel der Lomi Lomi Nui Massage ist es in diesem Zusammenhang nun, Mana-Blockaden zu lösen, die durch negative Wahrnehmungseinflüsse entstanden sind und auf diese Weise auch blockadebedingte Gesundheitsbeschwerden durch die hochmeditative Reinigungsmassage zu beheben. Zu diesem Zweck wird die Massage üblicherweise von hawaiianischer Musik, Volksgesängen und meditativen Gebeten begleitet, die zusätzlich zur Massage positiv beruhigend und spannungslösend auf den Patienten einwirken sollen. Ähnlich wie Abhyanga kann die Lomi-Massage ebenfalls von zwei Masseuren gleichzeitig durchgeführt werden.

Einst war die Lomi-Massage ein wichtiges Familienritual, um Angehörige auf einen Neuanfang oder Beginn eines neuen Lebensabschnittes vorzubereiten. Lomi Lomi Nui stellte deshalb einen festen Bestandteil von Initiationsriten, Vermählungen, Priesterweihen und ähnlichen einschneidenden Wendepunkten im Leben eines Menschen dar, die das Loslassen der Vergangenheit erforderten. Ausgeführt wurde die Massage seinerzeit von einem Schamanen, dem sogenannten Kahuna. Und bis heute sind es die alten, schamanischen Prinzipien der hawaiianischen Kultur, welche den Ablauf der Massage bestimmen. Es gilt, negative Einflüsse aus der Vergangenheit und damit verbundene An- und Verspannungen durch das rituelle Kneten auszutreiben und so das Wohlbefinden und die Gesundheit des Patienten wiederherzustellen, damit dieser ohne Vorbelastung ausgeglichen und gestärkt in die Zukunft schreiten kann.

Begonnen wird die Massage bei Lomi Lomi Nui im Rückenbereich, welcher gemäß dem hawaiianischen Schamanismus als Sitz der Zukunft angesehen wird. Die Vergangenheit wird nach Überzeugung im Rücken verarbeitet, indem hier vergangenheitsbezogene Ängste, Sorgen und Traumata abgebaut werden. Die Lomi-Massage soll diesen Prozess unterstützen und bei der Ausleitung der Negativaspekte helfen. Vom Rücken arbeitet sich der Masseur dann langsam zur Körpervorderseite vor, welche als Sitz der Vergangenheit gilt. Insbesondere in der Bauchregion soll der Quell der Erinnerungen und Gefühle laut hawaiianischem Schamanismus ruhen. Demzufolge manifestieren sich hier auch Traumata, schmerzhafte Erfahrungen und die Erinnerungen an zugefügte Verletzungen. Trotz knetendem Charakter wird in diesem Bereich sehr sanft und mit fließenden Bewegungen vorgegangen, um die Empfindungen des Patienten behutsam zu harmonisieren. Die negativen Einflüsse werden dann über Arme, Hände und Finger sowie Beine, Füße und Zehen ausgestrichen und dabei auch gleich die Gelenke gelockert. Nacken, Hals, Kopf und Gesicht werden ebenfalls mitmassiert.

Verwendetes Öl:
Das Massageöl für die Lomi Lomi Nui Massage wird aus der in Hawaii heimischen Kukuinuss (Aleurites moluccanus) gewonnen. Diese wird unter anderem als traditionelle Ölquelle für Öllampen und Festbeleuchtungen genutzt. Die Kerne der Nuss können dank ihres hohen Ölgehalts sogar in Rohform angezündet und als Leuchtmittel verwendet werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Kukuinuss Beinamen wie Lichtnuss oder Kerzennuss trägt.

Bei dieser Massageart wird das Öl aus den Samen des Kukuinussbaumes verwendet. Es enthält viel Vitamin A und E und soll auch das Bindegewebe stärken. (Bild: joanna wnuk/fotolia.com)

Wenngleich Aleurites moluccanus roh giftig ist, so bildet ihr süßlich-nussig schmeckendes Öl dennoch ein beliebtes Gewürz in der hawaiianischen wie auch der südostasiatischen Traditionsküche. Besonders wertvoll ist Kukuinuss zudem in der hawaiianischen Volksheilkunde. Hier wird ihr Öl zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Dermatitis, Neurodermitis oder Schuppenflechte verwendet. Ferner wird der süßliche Geschmack der Nuss als besonders angenehm empfunden und ist deshalb ideal für aromatisch-meditative Behandlungszwecke wie die Lomi-Massage geeignet.

Erotik-Massage (Tantra-Massage)
Die erotische Ölmassage ist eine Besonderheit im Massagebereich, die bei vielen die Vorstellung von illegalen Massage-Sex-Studios aufkommen lässt. Tatsächlich steht der Orgasmus oder gar der Geschlechtsverkehr aber nicht im Fokus der Erotikmassage. Vielmehr hat auch diese Form der Ölmassage ihren Ursprung in den fernöstlichen Traditionen und verfolgt, wenn denn tatsächlich nach traditioneller Herangehensweise ausgeführt, ein gesundheitsorientiertes Ziel. Im Vordergrund steht hierbei der Erhalt einer gesunden Sexualität bzw. eines gesunden Verhältnisses dazu. Insbesondere Paare, bei denen sexuelle Verklemmtheit oder sexuelle Verspannungen während des Geschlechtsakts ein Problem darstellen, entdecken diese Form der Massage häufig für sich. Auch Partner, die ihrem Liebesleben neuen Schwung geben möchten, und sogar Singles, die ein gesundes Sexualverhältnis zu ihrem eigenen Körper anstreben, nehmen die Erotikmassage immer wieder in Anspruch.

Ablauf und Prinzip:
Die Techniken der Erotikmassage entstammen fast ausnahmslos der Tantra-Lehre. Diese wiederum ist ein philosophisches Element des Hinduismus und beschäftigt sich überwiegend mit schamanistischen und spirituellen Riten zur Einswerdung mit dem großen Ganzen. Hierzu müssen Geist und Materie in Einklang gebracht werden, was insbesondere auch im Bereich der Sexualität eine wichtige Rolle spielt.

Im Bereich der erotischen Ölmassagen gibt es zahlreiche Unterformen, die sowohl Ganzkörpermassagen wie die Body-to-Body Massage, als auch Massagen beinhalten, die sich gezielt auf die erogenen Zonen beziehen. Da diese bei jedem Menschen anders gelagert sind, können neben der Brust bzw. den Brustwarzen und den Geschlechtsorganen auch der Nacken, Hals oder die Ohrläppchen zu massierende Körperteile in einer Erotikmassage sein. Zu Hilfe genommen werden können außerdem verschiedene Massageutensilien, so etwa Massagekugeln, Massageroller oder Federn, welche das sensitive Empfinden steigern sollen.

  • Body-to-Body Massage: Wie der Name schon sagt, wird für die Body-to-Body Massage der Körper des Masseurs genutzt. Das Öl wird demzufolge zunächst auf den eigenen Körper aufgetragen und dann auf dem Körper des Gegenübers verteilt. Leider oft für erotische Kurzfilmchen zweckentfremdet, bei denen es in der Tat heiß hergeht, soll diese Massageform eigentlich der Entwicklung einer positiven Einstellung zum Körperkontakt mit dem Partner dienen. Ein besonders hohes Maß an Erotik schwingt hier selbstverständlich zwangsläufig mit. Es muss im Zuge der Massage aber nicht auch zwangsläufig zum Geschlechtsverkehr kommen.
  • Lingam Massage: Das Wort Lingam entstammt dem Sanskrit und ist hier das symbolische Zeichen des Hindu-Gottes Shiva. Es verkörpert außerdem das männliche Geschlechtsorgan, womit sich die Lingam Massage auf den Penis des Mannes konzentriert. Ziel ist dabei im Übrigen nicht die Ejakulation, sondern vielmehr das Hinauszögern eben dieser sowie mitunter auch die Behandlung von männlichen Potenzstörungen. Diese können zum Beispiel durch Nervenverletzungen am Penis (z.B. durch eine schief gelaufene Beschneidung) entstehen und so die Empfindungsfähigkeit im Bereich des Penis beeinträchtigen. Wird hier mit Öl massiert, führt dies häufig zu einer besseren Empfindungsfähigkeit und mehr Sensitivität.
  • Yoni Massage: Als Gegenstück zur Lingam Massage konzentriert sich die Yoni Massage auf das weibliche Geschlechtsorgan. Sie hat ebenfalls therapeutische Wirkung und kann Frauen, die Probleme damit haben, einen Orgasmus zu erlangen, helfen. Auch eine gewisse Verklemmtheit oder Scheu im Umgang mit der eigenen Sexualität lässt sich durch die Yoni Massage erfolgreich abbauen. Darüber hinaus hilft diese Massage Frauen dabei, die Lage ihres G-Punktes zu ermitteln und diesen zu stimulieren.
  • Brustmassage: Die Brust, insbesondere die weibliche, ist neben den Geschlechtsorganen eine der wichtigsten erogenen Zonen. Sie spielt deshalb auch in der erotischen Ölmassage eine wichtige Rolle. Beim Massieren muss diesbezüglich sehr sanft und behutsam vorgegangen werden, da gerade Frauen die Berührung an ihrer Brust unterschiedlich empfinden. Ein zu fester Druck kann hier schnell unangenehm werden. Das Ausloten zwischen angenehm und unangenehm steht diesbezüglich übrigens stellvertretend für alle Varianten der Erotikmassage und beschreibt einen wichtigen Schritt zur partnerschaftlichen oder auch der eigenen Erforschung der Sexualbedürfnisse innerhalb des Massageprinzips.
Die erotische Ölmassage hat ihren Ursprung in den fernöstlichen Traditionen, ihre Techniken stammen zumeist aus der Tantra-Lehre. (Bild: Couperfield/fotolia.com)

Verwendete Öle:
Die für eine Erotikmassage verwendeten Öle sollten, vor allem wenn im Intimbereich eingesetzt, Naturöle ohne reizende Wirkung auf Haut und Schleimhäute sein. Es gibt inzwischen spezielle Massageöle für diesen Zweck, die nicht selten Auszüge aphrodisierender Kräuter enthalten, so zum Beispiel:

  • Jasmin,
  • Lavendel,
  • Moschus,
  • Patchouli,
  • Rose,
  • Safran,
  • Sandelholz,
  • Vanille,
  • Ylang Ylang
  • und Zimt.

Schwedische Massage (Klassische Massage)

Die Schwedische Massage ist, ohne dass es die meisten realisieren, wenn sie den Namen zum ersten Mal lesen, der Klassiker unter den Massagetechniken. Die altbewährte Mischung aus Kneten, Streichen und Kreisbewegungen machte diese Ölmassage zur meist praktiziertesten ihrer Art. Sie kann als Teil- oder Ganzkörpermassage durchgeführt werden und ist zumeist auf 30 Minuten beschränkt.

Ablauf und Prinzip:
Im Gegensatz zu den Asiatischen bzw. polynesischen Massagetechniken wird bei der Schwedischen Massage normalerweise nicht ganz so viel Öl verwendet. Auch ist das Konzept dahinter weniger spirituell. Ziel ist es, durch bestimmte Massagegriffe Verhärtungen und Verspannungen im Gewebe aufzulösen. Demzufolge ist die Massageform insbesondere bei

  • Bauarbeitern,
  • Bürokräften,
  • Computerfachkräften,
  • Handwerkern,
  • Lagerarbeitern,
  • Mechanikern
  • und natürlich Sportlern sehr gefragt.

Darüber hinaus wird der Schwedischen Massage auch nachgesagt, bei Organbeschwerden wie Verdauungsproblemen, Durchblutungsstörungen oder Nervenbeschwerden gute Arbeit zu leisten. Zu den klassischen Massagegriffen gehören dabei:

  • Effleurage – Begonnen und beendet wird die Schwedenmassage diesbezüglich immer mit einer ausdauernden Streichbewegung, der sogenannten Effleurage, welche den Körper anfänglich und abschließend tief entspannen soll. Das Streichen mit der flachen Hand verläuft parallel zu den Muskelfasern in Herzrichtung und dient zumindest zu Beginn auch dem Verteilen des Massageöls.
  • Petrissage – Nach der Effleurage erfolgt zumeist das Kneten bzw. die Walkung mit den Händen oder Fingern, auch Petrissage genannt. Angestrebt ist nun ein Verschieben der Muskeln gegeneinander, was die Durchblutung anregen und Verspannungen lösen soll.
  • Friktion – Die auch als Friktion bekannte Reibung unterstützt bei der Schwedischen Massage den durchblutungsfördernden Effekt und trägt zur Auflösung von Verhärtungen und Verspannungen bei. Sie wird nur mit den Handballen oder Fingerspitzen ausgeführt.
  • Tapotement – Ebenfalls während der Schwedischen Massage zum Einsatz kommt die sogenannte Klopfung. Dahinter verbergen sich kurze, sanfte Schlagbewegungen mit der Handkante oder der flachen Hand. Eine weitere Technik zur Anregung der Durchblutung sowie zur Korrektur des Muskeltonus.
  • Vibration – Der fünfte und letzte Massagegriff der Schwedenmassage sind auflockernde Erschütterungen, die vom Masseur mit den Fingerspitzen oder Händen ausgeübt werden, um ein Muskelzittern zu erwirken. Dieses kann bis in die inneren Organe vordringen, wo es dann Gewebe- und Organkrämpfe löst.
Die klassischste Massagevariante ist die schwedische Massage. Einer der Griffe ist das Tapotement, das Klopfen mit der Hand. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Verwendete Öle:
Die Auswahl der Öle ist bei der Schwedischen Massage nicht ganz so streng geregelt wie bei den fernöstlichen Massagevarianten. Wer es gerne authentisch mag, der wählt „skandinavische“ Aromadüfte wie

  • Fichte,
  • Moschus
  • oder Tanne.

Grundsätzlich können aber auch alle anderen Massageöle genutzt werden.

Gegenindikationen

Massagen sind, wenn richtig ausgeführt, in aller Regel frei von Nebenwirkungen. Menschen mit bestehenden Gelenk- und Nervenerkrankungen, Knochen- oder Muskelschäden sollten eine geplante Massage jedoch vorab mit ihrem behandelnden Arzt abklären, um Verletzungen oder Schmerzen zu vermeiden. (ma)