Magnetfeldtherapie

Die Magnetfeldtherapie basiert auf der Annahme, dass alle Lebewesen ein elektromagnetisches Feld besitzen, das durch verschiedene Faktoren beeinflusst beziehungsweise geschwächt werden kann, wodurch gesundheitliche Probleme entstehen. Mit Hilfe verschiedener Arten von Magnetfeldtherapie soll das elektromagnetische Feld im Körper positiv beeinflusst und so die Gesundheit wieder hergestellt werden.


Es gibt verschiedene Formen der Magnetfeldtherapie: Unterschieden werden die statische und die pulsierende Therapieform. Beide sind nicht-invasiv. Daneben gibt es die invasive Magnetfeldtherapie, die auch Elektro-Osteostimulation genannt wird.

Die pulsierende Magnetfeldtherapie hat ein breites Anwendungsspektrum. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Geschichte der Magnetfeldtherapie

Es gibt Hinweise darauf, dass bereits vor rund zweitausend Jahren Heilkundige in China magnetische Steine zur Behandlung einsetzten. Auch die alten Römer und Ägypter sollen die Kraft von Magnetsteinen, Magnetstäben und Magnetschmuck genutzt haben. Der berühmte griechische Arzt Hippokrates (460-375 v. Chr.) vermutete ebenfalls, dass Magnete eine Heilkraft besitzen, und Paracelsus (1493-1541) bezog auch regelmäßig Magnete in seine Therapiearbeit mit ein.

Die Anwendungsgebiete waren breit gefächert und reichten von Depressionen über Hämorrhoiden und Entzündungen bis hin zur allgemeinen Stärkung der Gesundheit und Anregung der Selbstheilungskräfte. Laut Überlieferungen soll der Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) sogar einer blinden Pianistin mit Hilfe einer „Magnetkur“ ihr Augenlicht zurückgegeben haben.

Durch die Entdeckung der Elektrizität ergaben sich für die Anwendung der Magnete ganz neue Möglichkeiten. Die „neue“ Magnetfeldtherapie, die sich daraufhin entwickelte, hatte mit der „alten“ Magnettherapie wenig gemein. Das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert war die Zeit, in der sich viele Wissenschaftler mit den biophysikalischen und physiologischen Wirkungsmechanismen der Magnetfeldtherapie beschäftigten. Doch sind diese bis heute noch nicht vollkommen erforscht und bestätigt, obwohl mittlerweile tausende Veröffentlichungen medizinischer Studien bezüglich der Wirksamkeit bei verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden vorliegen.

Die heute überwiegend angewandten Therapieformen gehen maßgeblich auf ein Verfahren zurück, das der Chirurg Fritz Lechner und der Physiker Werner Kraus in den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts gemeinsam entwickelten. Dabei wurden erstmals pulsierende Magnetfelder eingesetzt.

Verschiedene Arten der Magnetfeldtherapie

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Arten der Magnetfeldtherapie kurz vor.

Statische Magnetfeldtherapie

Bei dieser Anwendungsart werden Magnete zum Beispiel in Armbänder, Kissen, Matratzen oder Schuhsohlen eingearbeitet. Die Magnete entfalten ihr Feld in ihrer Umgebung dauerhaft und statisch, also in immer gleichbleibender Stärke.

Darin liegt auch ein häufig angeführter Kritikpunkt an dieser Methode begründet: Die statischen Magneten seien zum Teil zu schwach und das permanente, immer gleiche Feld könne nicht an die Art der Beschwerden angepasst werden.

Anwendungsgebiete für die statische Magnetfeldtherapie sind unter anderem hormonelle Störungen oder Verdauungsprobleme.

Die statische Magnetfeldtherapie ist als Behandlungsmethode nicht wissenschaftlich anerkannt und zählt somit zu den alternativmedizinischen Verfahren. Die Kosten für die rezeptfrei erhältlichen Produkte werden normalerweise nicht von den Krankenkassen übernommen.

Schon vor vielen Jahrhunderten wurden magnetische Steine gegen gesundheitliche Beschwerden eingesetzt, unter anderem Magnetite. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)

Pulsierende Magnetfeldtherapie

Bei dieser Anwendungsform wird ein pulsierendes Magnetfeld mit Hilfe elektrischer Geräte erzeugt. Davon gibt es zum Beispiel Matten, Spulen, Stäbe oder Kissen. Der Behandler oder die Behandlerin kann dabei sowohl die Stärke des gewünschten Magnetfelds als auch die Häufigkeit (Frequenz), in der das Feld pulsiert, am Gerät einstellen. Dadurch soll es möglich sein, Stärke und Frequenz so zu wählen, dass sie bestimmte Beschwerden günstig beeinflussen. Laut Anhängerinnen und Anhängern dieser Therapieform benötigt man beispielsweise zur Behandlung von Hautproblemen eine andere Stärke und Frequenz als zur Behandlung von Gelenkschmerzen.

Die pulsierende Magnetfeldtherapie findet bei bequemer Körperhaltung im Sitzen oder Liegen statt. Der erkrankte Körperteil wird in eine sogenannte Röhre geführt, die das Magnetfeld erzeugt. Die Kleidung kann man während der Behandlung anbehalten, sofern sie kein Metall enthält. Metallische Gegenstände wie Schmuck und Uhren müssen abgenommen werden. Die Behandlungsdauer beträgt circa fünfzehn bis vierzig Minuten und die Therapie wird meist zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt. Anwendungsdauer und -häufigkeit hängen jedoch von Art und Intensität der vorhandenen Beschwerden ab. Bei Erkrankungen, die einen längeren Einsatz der Magnetfeldtherapie erfordern, besteht zum Teil auch die Möglichkeit, Heimgeräte zu verwenden.

Während der Behandlung kann es mitunter zu einer sogenannten Erstverschlimmerung kommen. Eine kurzzeitige Verschlimmerung der Symptome wird von den behandelnden Therapeutinnen und Therapeuten als gute Reaktion auf die Therapie gewertet.

Obwohl es inzwischen diverse Studien gibt, die auf eine Wirksamkeit der pulsierenden, nicht-invasiven Magnetfeldtherapie bei vielen Beschwerdebildern schließen lassen, genügen diese bislang nicht, um eine wissenschaftliche Anerkennung dieser Therapieform zu erreichen. Daher wird auch sie als alternativmedizinische Methode eingestuft. Diese wird in naturheilkundlichen Praxen am häufigsten angewendet. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür in der Regel nicht, mit Ausnahme einiger privater Krankenkassen.

Invasive Magnetfeldtherapie oder Elektro-Osteostimulation

Die invasive Magnetfeldtherapie kommt in der Schulmedizin zum Einsatz, um den Heilungsprozess bei Knochenbrüchen zu beschleunigen. Auch bei Arthrose lassen sich damit Erfolge erzielen. Diese Therapieform wird auch als Elektro-Osteostimulation bezeichnet. Dabei werden im Rahmen einer Operation Spulen implantiert. Diese werden durch eine Elektrode mit dem verletzten Knochen verbunden. Von außen kann später ein wechselndes magnetisches Feld angelegt werden, das in den Spulen Strom erzeugt und so das Wachstum der Knochenzellen anregt.

Für die invasive Magnetfeldtherapie liegen wissenschaftlich anerkannte Wirkungsnachweise vor. Die Kosten für diese Behandlungsform werden dementsprechend mindestens anteilig von den Krankenkassen übernommen.

Wirkung

Die Magnetfeldtherapie fußt auf der Tatsache, dass jedes Lebewesen beziehungsweise jede menschliche Zelle ein elektromagnetisches Feld besitzt. Es wird angenommen, dass gesundheitliche Beschwerden entstehen, wenn dieses Feld durch verschiedene Einflüsse geschwächt wird. Bei der Magnetfeldtherapie wird mit Hilfe von technischen Geräten ein schwaches Magnetfeld erzeugt, welches das elektromagnetische Feld in den Zellen positiv beeinflussen und so die Gesundheit wieder herstellen soll.

Der kleinste „lebende“ Baustein des Menschen ist die Zelle. Jeder Mensch besteht aus ungefähr einhundert Billionen Zellen. Jede einzelne von ihnen muss permanent mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Zwischen der Außen- und der Innenseite der Zellmembran herrscht elektrische Spannung, das sogenannte Membranpotential. Die Zellen kommunizieren ständig miteinander. Falsche Ernährung, Umweltbelastungen, Stress und vieles mehr können sich negativ auswirken. Dadurch können die Zellen nicht mehr richtig arbeiten. Kommen weitere Belastungen wie Rauchen, Alkohol oder Ähnliches hinzu, können Beschwerden wie zum Beispiel chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Leistungsabfall und Schlafstörungen entstehen.

Das Membranpotential der Zellen besitzt normalerweise eine Spannung von siebzig bis neunzig Millivolt. Vertreterinnen und Vertreter der Magnetfeldtherapie gehen davon aus, dass kranke Zellen ein geringeres Membranpotential aufweisen als gesunde Zellen. Durch den Einsatz des Magnetfelds sollen die Zellen mit einem Energieschub versehen und revitalisiert werden, was nach dieser Auffassung eine Linderung der Beschwerden oder gar Heilung bewirken kann. Dabei soll die Gefäßdurchblutung und damit die Sauerstoffversorgung und der Energiestoffwechsel der Zellen verbessert werden. Auch die Abwehrkräfte sollen durch die Behandlung gesteigert werden.

Durch den Einsatz magnetischer Felder sollen Vorgänge im menschlichen Körper gezielt beeinflusst werden. (Bild: alphaspirit/fotolia.com)

In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Energie eines Magneten den Stoffwechsel im menschlichen Körper dazu anregen kann, vermehrt Aminosäuren herzustellen. Diese sind lebenswichtig und nahezu an allen Vorgängen im Körper beteiligt. Außerdem fanden Forscherinnen und Forscher heraus, dass die Durchflutung des Organismus mit magnetischer Energie die Durchblutung fördert, wodurch Verspannungen gelindert werden können.

Mittlerweile konnte auch wissenschaftlich bewiesen werden, dass Knochenbrüche unter Einwirkung elektromagnetischer Felder schneller heilen, da die Knochenneubildung (Kallusbildung) angeregt und so der Heilungsprozess beschleunigt wird.

Anwendungsgebiete

Die statische Magnetfeldtherapie wird vor allem gegen hormonelle Störungen und Verdauungsstörungen angewandt.

Die invasive Magnetfeldtherapie setzen Schulmedizinerinnen und Schulmediziner vor allem zur schnelleren Heilung von Knochenbrüchen sowie bei verschiedenen Formen von Arthrose ein.

Die pulsierende Magnetfeldtherapie wird hauptsächlich in naturheilkundlichen Praxen angewendet. Sie hat ein breites Anwendungsspektrum. Dazu zählen Verspannungen, Durchblutungsstörungen, Migräne, Depressionen, Rückenschmerzen, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Nervenschmerzen, Nierenprobleme, Schlafstörungen, Tinnitus, Stoffwechselstörungen sowie die Verbesserung der Wundheilung.

Nebenwirkungen

Sowohl bei der Anwendung der pulsierenden Magnetfeldtherapie als auch der statischen Magnetfeldtherapie sind nahezu keine Nebenwirkungen bekannt. Besonders sensible Patienten können mitunter ein Wärmegefühl oder ein leichtes Kribbeln verspüren, was durch Veränderung der Intensität und/oder der Behandlungsdauer gelindert werden kann. Selten können während der Behandlung auch Herzklopfen, ein Gefühl der Unruhe oder Müdigkeit beobachtet werden.

Da für die invasive Magnetfeldtherapie eine Operation notwendig ist, um die entsprechende Technik am Knochen anzubringen, ist die Gefahr von Nebenwirkungen hier natürlich entsprechend höher. Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin informiert Sie gerne über mögliche Risiken und Nebenwirkungen.

Kontraindikationen

Für Patientinnen und Patienten mit Herzschrittmacher, Defibrillator oder magnetischen Implantaten kommt die Magnetfeldtherapie nicht in Frage. Auch für Schwangere ist die Behandlung ungeeignet. Bei Fieber, schweren Infektionskrankheiten, Angina pectoris, akuten Blutungen, Epilepsie, Schilddrüsenüberfunktion oder Herzrhythmusstörungen darf diese Therapiemethode ebenfalls nicht eingesetzt werden.

Bitte beraten Sie sich vor Behandlungsbeginn mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob eine Magnetfeldtherapie bei Ihren individuellen Beschwerden geeignet ist, welche Risiken gegebenenfalls bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können. (sw, kh)