Ozontherapie – Anwendung und Wirkung

Jedem ist der Begriff „Ozon“ bekannt, meistens im Zusammenhang mit der Ozonschicht, einem Bereich der Erdatmosphäre, der uns vor ultravioletter Bestrahlung schützen soll. Ozon wird jedoch auch anderweitig genutzt, und zwar als Therapeutikum in der Ozontherapie. Es handelt sich dabei um ein alternatives Therapieverfahren, das vor allem in Naturheilpraxen angewandt wird.


Ozon: Definition

Ozon ist ein farbloses Gas und besteht aus der energiereichen Form des Sauerstoffs (O2), nämlich aus drei Sauerstoffatomen (O3). In der Natur stellt Ozon eine Schutzbarriere in der Erdatmosphäre dar. Die Ozonmoleküle haben außerdem eine desinfizierende Wirkung und werden deshalb zur Entkeimung von Schwimmbädern und zur Trinkwasseraufbereitung verwendet.

Für die Ozontherapie wird medizinisches Ozon genutzt, das aus reinem Sauerstoff hergestellt wird. Dies wirkt bakterizid, viruzid, fungizid, entzündungshemmend und immunstimulierend. Vor allem bei schlecht heilenden Wunden, wie zum Beispiel einem Raucherbein (offenes Bein, Ulcus cruris) kommt die Wirkung des Ozons zur Geltung. Des Weiteren verbessert dies die Gewebeversorgung mit Sauerstoff und die Fließeigenschaften des Blutes.

Die Ozontherapie gehört zu alternativen Therapieverfahren und nutzt die desinfizierenden Eigenschaften der Ozonmoleküle. (Bild: Paula Becattini/fotolia.com)

Grundlagen und technische Entwicklung

Im Jahre 1840 entdeckte der deutsche Physiker Christian Friedrich Schönbein (1799 – 1868) ein Gas, das er wegen dessen starken Geruchs Ozon nannte (griech. ozein = riechen). Er hat die Eigenschaften und Nachweisverfahren des Ozons untersucht. 1857 wurde die Siemens-Röhre erfunden, mit der die industrielle Herstellung von Ozon ermöglicht wurde.

Aufgrund der Erkenntnis, dass Ozon in wässrigem Milieu stark oxidierend wirkt, wurden damit die ersten Versuche zur Trinkwasserentkeimung unternommen. In der Medizin war die Ozontherapie anfangs nur in Form äußerlicher Anwendung zur Behandlung von offenen Wunden und Weichteilinfektionen üblich. Circa 100 Jahre nach Erfindung der „Ozonröhre“ entwickelte der Physiker Dr. Joachim Hänsler ein Gerät, mit dem es möglich wurde, aus medizinischem Sauerstoff eine exakt definierte Menge an Ozon herzustellen, den sogenannten Ozongenerator. Medizinisches Ozon darf heute nur aus reinem, medizinischen Sauerstoff hergestellt werden.

Hauptanwendungsgebiete

Die Ozontherapie wird vor allem angewandt bei

Auch die Gynäkologie profitiert von der Ozontherapie, zum Beispiel bei Behandlung von Papillomaviren oder Herpes genitalis.

Anwendungsformen

Eine Ozontherapie kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Die Anwendungsformen richten sich vor allen nach der vorliegenden Erkrankung. So sind zum Beispiel direkte Injektionen mit einer kleinen Menge an medizinischem Ozon

  • subkutan (unter die Haut),
  • intravenös (in die Vene)
  • oder auch intramuskulär (in den Muskel) möglich.

Nach der vorgenommen Injektion wird die Stelle ein wenig massiert, damit sich das Ozon verteilen kann.

Bei der Eigenbluttherapie werden kleine Mengen Blut aus der Vene entnommen, mit einem Ozon-Sauerstoff-Gemisch angereichert und wieder reinjiziert. (Bild: pixelstore/fotolia.com)

Eine weitere Anwendungsform ist die „kleine Eigenbluttherapie“. Hierbei werden ein bis fünf Milliliter aus der Vene entnommen, mit einem Ozon-Sauerstoff-Gemisch versetzt und gleich wieder intramuskulär oder subkutan reinjiziert. Diese Art wird vor allem bei

  • Asthma,
  • Schmerzen
  • und Allergien angewandt.

Bei der „großen Eigenbluttherapie“ werden 50 bis 100 Milliliter aus der Armvene entnommen, mit Ozon-Sauerstoff-Gemisch angereichert und dann per Infusion dem Patienten zurückgegeben. Die „große Eigenbluttherapie“ hat ihre Einsatzbereiche bei

Die Ozontherapie kann auch äußerlich angewandt werden, zum Beispiel bei Wundheilungsstörungen und Ekzemen. Das Mittel der Wahl ist hier die Beutelbegasung. Die betroffene Stelle wird mit einem luftdichten Kunststoffbeutel abgedeckt und anschließend Ozon in den Beutel geblasen.

Bei der rektalen Ozon-Anwendung wird dem Patienten mithilfe einer Klistierspritze oder mit einem, speziell für diese Anwendung hergestellten Übertragungsbeutel das Ozon-Sauerstoff-Gemisch innerhalb von einer bis drei Minuten in den Enddarm eingebracht. Diese Behandlungsmethode kommt vor allem bei entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) zum Einsatz.

Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, wie zum Beispiel einer Arthritis, wird Ozon intraartikulär (in das Gelenk) appliziert. Im Bereich der Gynäkologie ist die Verabreichung von Ozon vaginal möglich.

Ozontherapie als äußere Anwendung kann bei Ekzemenbehandlung helfen. (Bild: miamariam /fotolia.com)

Einige Anwendungsbeispiele

In den folgenden Zeilen werden Ihnen einige, bekannte Anwendungsbeispiele der Ozontherapie dargestellt. Dies sind

Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems

Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, in der Fachsprache Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises genannt, gehören zu den vielen Indikationen für eine Ozontherapie. Hierbei wird dies nicht als alleinige Behandlungsform, sondern zusätzlich zu weiteren Therapien, wie zum Beispiel

angewandt, um die Entzündung zu hemmen und das Immunsystem zu modulieren. Erfahrungsgemäß werden die schubfreien Phasen dafür gewählt.

Kleinere Ozonmengen werden bei Muskelverspannungen in sogenannte Triggerpunkte injiziert. Häufig wird diese Maßnahme von Akupunktur oder Neuraltherapie begleitet. Eine besondere Form ist das Einbringen des Ozon-Sauerstoff-Gemisches im Rahmen von Bandscheibenvorfällen in die Bandscheibe. Dies wird in steriler Umgebung, unter Kontrolle mittels Computertomografie, vorgenommen. Dadurch soll die Entzündung vermindert, die Mikrozirkulation und die Sauerstoffzufuhr verbessert werden.

Herpes simplex, Herpes zoster

Beide Erkrankungen, sowohl Herpes simplex als auch Herpes zoster sind virale Erkrankungen. Hier kann eine Ozontherapie, neben weiteren Methoden, die Behandlung günstig beeinflussen. Durch die Eigenblutbehandlung wird die Abwehr angeregt. Bei Herpes zoster, der Gürtelrose, ist noch zusätzlich, je nach Ausbreitungsort, das Auflegen von Ozonwasser Kompressen hilfreich.

Durchblutungsstörungen arterieller Art

Wie eingangs bereits erwähnt, gehören arterielle Durchblutungsstörungen zum Hauptanwendungsbereich in der Ozontherapie. Kältegefühle in den Beinen, Schmerzen nach kurzen Gehstrecken, wie sie als Beschwerden bei der sogenannten Schaufensterkrankheit bekannt sind, werden schon seit vielen Jahren mit Ozon behandelt. Auch hier begleitet die Ozontherapie andere Behandlungsformen, wie zum Beispiel die Akupunktur.
Wichtig: Häufig wird bei Vorliegen einer arteriellen Durchblutungsstörung ein Blutverdünner eingesetzt. Ist dies der Fall, ist eine Ozontherapie kontraindiziert.

Die Durchblutung der Augen kann ebenfalls von einer Ozontherapie profitieren. Degenerative altersbedingte Veränderungen im Auge, eine sogenannte Makuladegeneration, beeinflussen das Sehvermögen. In der Universitätsklinik Siena wurde dazu eine Studie durchgeführt. Ozon-Eigenblut-Behandlungen brachten demnach Verbesserungen, die circa sechs bis acht Monate anhielten.

Regeneration, Vitalisierung

Stress, übermäßige geistige und/oder körperliche Beanspruchung – all das kann Menschen massiv belasten. Sie sind nicht mehr leistungsfähig, leiden unter Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Mit der Ozontherapie wird der Zellstoffwechsel der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) aktiviert. Dies bewirkt eine Verbesserung des Allgemeinzustandes und führt, wenn regelmäßig angewandt, zu einer Regeneration und Vitalisierung der Patienten. Auch Leistungssportler profitieren davon.

Im Alter

Die bessere Versorgung mit Sauerstoff, die oben beschriebene Aktivierung des Zellstoffwechsels und die Mobilisierung des Immunsystems wirken sich positiv auf das Alter aus. Die Durchblutung im Gehirn kann sich verbessern und auch das Gehen wird erleichtert. Ältere Patienten profitieren von der Ozontherapie.

Durch die Ozontherapie wird der Körper vitalisiert und das Immunsystem mobilisiert, was für ältere Menschen bessere Lebensqualität bedeuten kann. (Bild: aletia2011 /fotolia.com)

In der komplementären Krebsbehandlung wird die immunmodulierende Wirkung der Ozontherapie genutzt. Hierbei wird das Ozon in niedrig dosierten Mengen eingesetzt. Die Immunzellen werden durch das verabreichte Ozon angeregt und antworten mit der Ausschüttung ihrer Botenstoffe. Auch aktiviert die Ozontherapie die körpereigenen Radikalfänger und Antioxidantien. Dies ist sehr wichtig, um Zellschäden zu verhindern.

Kontraindikationen

So wie bei vielen anderen Therapien existieren auch bei der Ozontherapie einige Kontraindikationen, und zwar:

Schwangere, Kinder unter 14 Jahren und Stillende sollten von der Behandlung ausgenommen werden, da dazu nicht genügend Erfahrungen existieren.

Bei Gelenkschmerzen wird Ozon direkt in das betroffene Gelenk verabreicht. (Bild: Racle Fotodesign /fotolia.com)

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen, die unter einer Ozontherapie stattfinden können, sind ein Hämatom (blauer Fleck) oder Schmerzen an der Einstichstelle bei Injektionen.
Die Ozon-Eigenblut-Behandlungen können zu

Bei rektal zugeführtem Ozon sind Darmkrämpfe möglich. Auf jeden Fall sollten Behandelnde, die eine Ozontherapie durchführen, mit Notfallmaßnahmen vertraut sein, da in sehr seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern ) oder ein Kreislaufkollaps möglich sind.
Wichtig: Ozon sollte niemals inhaliert werden, da die Atemwege sehr empfindlich darauf reagieren.

Schlusswort

Ozon ist ein Gas, das unbedingt eine professionelle Handhabung benötigt. Eine Ozontherapie darf deshalb nur von erfahrenen Fachleuten, die dafür eine fundierte Ausbildung besitzen, durchgeführt werden. Wer sich für diese Therapie interessiert, sollte sich vorher genau informieren und sich nach geeigneten Therapeutinnen bzw. Therapeuten erkundigen. (sw)