Blasenentzündung (Zystitis) Harnwegsinfekt

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Häufiger Harndrang und Brennen oder sogar Schmerzen beim Urinieren sind typisch für eine Blasenentzündung. Frauen sind dabei wesentlich häufiger von einer Harnweginfektion betroffen als Männer. Mithilfe einer naturheilkundlichen Behandlung und Selbstbehandlung kann die akute Entzündung überwunden und es können Rückfälle sowie ein chronisches Leiden verhindert werden. Die Intimhygiene spielt dabei keine unbedeutende Rolle.


Blasenentzündung (Zystitis) als unkomplizierter Harnwegsinfekt

Die Zystitis ist eine aufsteigende Entzündung der unteren Harnwege, die neben der Blasenschleimhaut in der Regel auch Harnröhre (Urethritis) und Harnleiter (Ureteritis), manchmal auch die Nierenbecken betrifft. Vor allem Frauen leiden häufig unter Blasenentzündungen, vielfach entwickelt sich sogar eine chronische Zystitis. 50 bis 70 Prozent aller Frauen hatten in ihrem Leben bereits eine entsprechende Harnwegsinfektion.

Darüber hinaus gibt es die nicht-bakterielle Zystis oder auch chronische interstitielle Zystitis. Insbesondere Frauen im Alter über 40 Jahre, aber auch Schwangere sind häufiger von einer solchen chronischen Zystitis betroffen.

Häufiger Harndrang kann ein Symptom der Zystitis sein. (Bild: ruigsantos/fotolia.com)

Symptome einer Blasenentzündung

Typische Beschwerden sind häufiger Harndrang mit Schmerzen und Brennen. Ein Kennzeichen der Zystitis bilden der ständige, starke Harndrang bei Abgabe geringer Urinmengen (Pollakisurie), Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen (Dysurie) sowie krampfartige Schmerzen oberhalb des Schambeins, wenn Harndrang besteht (Blasentenesmen).

Neben den klassischen Blasensymptomen können auch

Als akutes Symptom ist auch das Auftreten von Schüttelfrost möglich. Der Urin kann zudem trüb erscheinen und durch einen veränderten Geruch auffallen. In manchen Fällen wird auch ein dumpfer oder druckartiger Flankenschmerz bzw. Lendenschmerz empfunden.

Die Beschwerden können kombiniert oder einzeln innerhalb kurzer Zeit auftreten und sich drastisch verstärken. Manchmal bleiben sie jedoch mäßig und fallen kaum weiter auf. Es kann auch zum Abgang kleiner Harnmengen beim Niesen oder Husten kommen, vor allem bei chronischer Blasenentzündung.

Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Reizblase, bei der aber keine krankhaften Veränderungen im Urin festgestellt werden können. Andersherum verläuft in vielen Fällen eine Blaseninfektion ohne spürbare Symptome und ist nur über die Urinwerte im Labor auszumachen. Eine unbehandelte Zystitis kann sekundär zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) führen.

Durch eine Urinanalyse lässt sich eine akute Blasen- und Harnwegentzündung nachweisen. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Diagnose durch Laborwerte

Zu viele rote und weiße Blutkörperchen im Urin weisen auf den Entzündungsprozess hin. Zu den spürbaren Entzündungszeichen wie Schmerz und Überwärmung wird im Labor eine Urinprobe untersucht (Sticktest), um die Diagnose einer Infektion anhand von Entzündungsparametern zu sichern. Bei einer Blasenentzündung finden sich im Urin zu viele weiße Blutkörperchen (Leukozyturie) sowie Blut im Urin (Hämaturie). Außerdem zeigen sich meist erhöhte Nitritwerte und ein alkalischer ph-Wert. In einer Urinkultur können Keime nachgewiesen werden, in über 80 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Escherichia coli, einen angestammten Bewohner unserer Darmflora. Außerdem können Trichomonaden, Pilze oder Chlamydien gefunden werden. Auch über Blut- und Lymphbahnen können Erreger in die Harnwege gelangen, etwa Streptokokken oder Staphylokokken.

Eine chronische interstitielle Zystitis kann dagegen nur mit einer Blasenspiegelung festgestellt werden.

Das Escherichia coli Bakterium, kurz E. coli, ist einer der Verursacher einer Zysttitis (Bild: fusebulb/fotolia.com)

Auslöser einer Blasenentzündung

Es gibt begünstigende Faktoren für die Entstehung einer Zystitis. Von außen gelangen zum Beispiel meist Escherichia coli Bakterien aus dem nahe gelegenen Analbereich in die Scheide und können von dort aus zur Harnblase aufsteigen. Die Tatsache, das Frauen häufiger von einer Blasenentzündung betroffen sind als Männer, liegt in einem anatomischen Unterschied begründet. Mit 2,5 bis 4 cm ist die Harnröhre von Frauen kürzer als bei Männern und damit eher geeignet, eindringenden Bakterien den Weg nach oben in die Harnblase zu ermöglichen. Außerdem neigen Frauen eher zum lange „Aufhalten“, was eine Vermehrung von Keimen an der Blasenschleimhaut begünstigt.

Weitere begünstigende Faktoren für die Entstehung einer Blasenentzündung sind

  • Unterkühlung,
  • mechanische Reizung (etwa durch enge Kleidung),
  • synthetische Unterwäsche (durch Luftundurchlässigkeit) oder
  • häufiger Geschlechtsverkehr (sog. Flitterwochenzystitis).

Außerdem kann es durch Intimdeodorants, chemisch behandelte Slipeinlagen oder Waschlotionen zu allergisch-entzündlichen Prozessen kommen.






Von der Diagnose zur Behandlung

Die Krankheit entsteht im Wechselspiel zwischen Erregern und Abwehrleistung des Körpers. Während konventionell der (meist) bakterielle Erreger von außen als Ursache der Erkrankung betrachtet wird, fokussiert sich der naturheilkundliche Blick stets auf das Wechselspiel zwischen dem krankmachenden Keim und den Abwehrleistungen des betroffenen Organismus.

Neben der Linderung der Symptome ist die Therapie deshalb immer auch auf die Stärkung oder Wiederherstellung der natürlichen Regulationsfähigkeit gerichtet, mit der ein Mensch Mikroben abwehrt und Krankheit vermeidet. Dies geschieht je nach therapeutischer Ausrichtung als Konstitutionsbehandlung nach homöopathischer Anamnese, klassisch westlich durch Irisdiagnose oder mit Puls- und Zungendiagnostik, wie sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda vorgenommen werden. Die aktuelle Abwehrlage kann beispielsweise mithilfe der Dunkelfelduntersuchung, mit Blut- und Stuhlproben im Labor ermittelt und reguliert werden.

Mögliche Entzündungsherde und Störfelder, die sogar ortsfern sein können wie z.B. die Zähne, aber dennoch durch Schwächung des Organismus an der Entstehung der Zystitis beteiligt sind, werden u.a. mit Elektoakupunktur oder Bioresonanzverfahren aufgespürt und geben Hinweise für eine umfassende Behandlung, insbesondere bei wiederholten oder chronischen Infektionen.

Im Gegensatz dazu kommt es bei einer chronischen interstitiellen Zystitis zu einer Veränderung des Blasengewebes. Gefäßverschlüsse, eine Autoimmunerkrankung, psychogene oder hormonelle Ursachen können für eine interstitielle Zystitis der Auslöser sein. Dadurch kommt es zu einer Verkleinerung der Blase (Schrumpfblase), die dann die Beschwerden auslöst, die einer akuten Blasenentzündung sehr ähnlich sind.

Konventionelle und naturheilkundliche Behandlung

Die rechtzeitige Behandlung einer Blasenentzündung ist von großer Bedeutung, damit die Infektion nicht auf Nierenbecken und Nieren übergreift und diese schädigen kann. Die konventionelle Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika, was in schweren und fortgeschrittenen Fällen sicher berechtigt ist. Ibuprofen hat sich zur Schmerzbehandlung bei einer Harnwegentzündung bewährt. Bei 70 Prozent aller Patientinnen reicht die Einnahme von Ibuprofen aus, um die Zystitis erfolgreich zu behandeln.

Bei einer interstitiellen Zystitis müssen gezielt Medikamente eingesetzt werden, die die innere Schleimhaut der Blase stärken. Dazu wird unter anderem subkutan Pentosanpolysulfat oder Heparin gespritzt. Hat sich die Blase extrem verkleinert und reagiert das Blasengewebe nicht auf die medikamentöse Behandlung, muss sie durch einen operativen Eingriff erweitert werden.

Goldrute wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Deshalb eignet sie sich besonders zur Behandlung einer Blasenentzündung (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Natürliche Heilverfahren bei Blaseninfektionen

In vielen Fällen ist die Zystitis der Fülle an Medikamenten und Behandlungsformen der Naturheilkunde sehr gut zugänglich, von denen hier nur einige wenige genannt werden können.

Allgemeine Maßnahmen, wie die Umstellung auf frische und vollwertige Kost sowie der Verzicht auf schleimhautreizende Nahrungs- und Genussmittel wie Kaffee, Tabak, Alkohol, Zitrus-, Limonadengetränke und scharfe Gewürze, bilden die Basis jeder Therapie. Ausreichend Flüssigkeitszufuhr ist notwendig, um die erkrankten Harnwegsbereiche durchzuspülen, Wasser und dünne Kräutertees sind dazu am ehesten geeignet.

Es werden vor allem Heilpflanzen mit harntreibender, antibakterieller, entzündungswidriger Wirkung verabreicht, beispielsweise

Goldrutenblätter wirken darüber hinaus krampflösend, während Eibischwurzel gereizte Schleimhäute beruhigen kann. Als pflanzliches Antibiotikum und zur Immunmodulation wird häufig zusätzlich ein Präparat aus Meerrettich und Kapuzinerkresse eingesetzt.

Die passenden Bachblüten sollten individuell nach dem aktuellen Gemütszustand ermittelt werden. Nach dem Schienenmodell von D. Krämer sind jedoch bestimmte Blüten dem Blasenmeridian zugeordnet und bei Zystitis vorzugsweise zu testen. Dazu gehören Centaury, Holly, Pine und Impatiens mit den Themen Abwehr/Abgrenzung, Wut/Gereiztheit und Schuldgefühlen/schlechtes Gewissen. Crab apple wird als Reinigungsblüte „aller Ebenen“ bei jeder Infektion empfohlen.

Nach einer durchgemachten Blaseninfektion soll frischer Preiselbeermuttersaft, täglich etwa ein Schnapsglas getrunken, einem Rückfall vorbeugen und die Blasenschleimhaut stärken.

Vorbeugende Maßnahmen

Weiterhin sind Hygieneempfehlungen zu beachten. Dazu gehören der regelmäßige Toilettengang, das meiden synthetischer Wäsche oder chemisch behandelter Toilettenartikel sowie das Abwischen nach dem Stuhlgang von vorn nach hinten, um das Eindringen von E. Coli Bakterien zu vermeiden.(jvs,fp,ok; aktualisiert am 28.05.2018)