Akupressur – Punkte und korrekte Anwendung

Susanne Waschke
Akupressur bedeutet wörtlich übersetzt „Punkte drücken“ (lat. acus = Punkt, Nadel Bogen; pressus = Druck). Dies ist eine uralte Heilmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dabei werden bestimmte Punkte, sogenannte Akupunkturpunkte nicht genadelt, wie dies in der Akupunktur üblich ist, sonder gedrückt beziehungsweise massiert. Die Punkte liegen auf Energiebahnen, den Meridianen.

Akupressur kann überall ganz ohne Hilfsmittel durchgeführt werden. Jedoch ist unbedingt davon abzuraten, einfach irgendwelche Punkte in irgendeiner Reihenfolge zu drücken und zu massieren. Um sich ein wenig in die Materie einzuarbeiten, ist ein Kurs, der von einem kompetenten Therapeuten geleitet wird, zu empfehlen. Aber auch hier sind Grenzen anzuerkennen und die therapeutische Akupressur sollte der Fachfrau oder dem Fachmann überlassen bleiben.

Auch wenn die Akupressur durchaus in Selbstanwendung als Hausmittel gegen verschiedene Beschwerden helfen kann, sollte die therapuetische Anwendung entsprechend ausgebildeten Fachräften überlassen bleiben oder zumindest unter deren Anleitung erfolgen. (Bild: Trepalio/fotolia.com)

Wirkungsweise

Durch das Drücken und Massieren der Akupunkturpunkte werden Blockaden gelöst und die Energie kann wieder fließen. Die Akupressur zuhause ersetzt in keinster Weise eine fachliche therapeutische Anwendung, kann jedoch durchaus als Hausmittel dienen und zum Beispiel Übelkeit lindern oder bei leichtem Schwindel helfen.

Meridiane

Die Akupunkturpunkte, die auch bei der Akupressur verwendet werden, liegen auf den sogenannten Meridianen. Dies sind Energiekanäle, in denen das Qi (ausgesprochen: Tschi), die Lebensenergie fließt. Diese kann blockiert sein, was nach dem Ansatz der TCM zu Beschwerden und Krankheiten führt. Durch die Behandlung der richtigen Punkte kann diese Blockade aufgelöst werden. Bekannt ist dies vor allem aus der Akupunktur.

Mehr zum Thema:

Auf den zwölf Hauptmeridianen und den zwei weiteren Meridianen, dem ren mai und dem du mai, liegen circa 400 Akupunkturpunkte. Jedem der 12 Hauptmeridiane ist ein Organ zugeordnet, was sich im Name widerspiegelt, zum Beispiel Dickdarmmeridian, Milzmeridian, Dünndarmmeridian usw.. Um diese zu kennen, muss ein langes ausführliches Studium absolviert werden. In der Akupressur ist die Anzahl der Punkte auf einige wenige, äußerst wirksame, reduziert. Dies reicht völlig aus, um sich zuhause und im Alltag helfen zu können.

Die Moxa-Therapie ist eine weitere Behandlungsform, für die Meridiane und die dazu gehörigen Energiepunkte die Basis darstellen. Dabei wird mit Wärme versucht, den Energiefluss wieder in Bewegung zu bringen. Eine andere Therapieform, die sich die Energiebahnen zu Nutze macht und ebenfalls Akupunkturpunkte gebraucht, ist die Tuina Massage. Diese ebenfalls aus der TCM stammende Behandlungsform wendet bestimmte Techniken an, um die blockierten Energien wieder zum Fließen zu bringen.

Bei der Akupressur werden bestimmte Punkte auf den sogenannten Meridianen durch Druck stimuliert. (Bild: Peter Hermes Furian/fotolia.com)

Kontraindikation

In folgenden Fällen sollte eine Akupressur niemals durchgeführt werden: In der Schwangerschaft, direkt auf Hautveränderungen wie zum Beispiel Pilzinfektionen oder Eiterungen, bei Herz-Kreislauferkrankungen und bei Infektionskrankheiten. Nicht angewendet werden darf die Akupressur zudem bei Entzündungen und im Bereich von Krampfadern.

Wie „gedrückt“ beziehungsweise massiert wird

Bei der Akupressur wird mit der Fingerkuppe von Daumen, Zeigefinger oder Mittelfinger massiert. Aber auch Drücken, Kneten Schieben und Kneifen gehören dazu. Die Akupressur sollte keine unangenehmen Schmerzen verursachen, jedoch darf ein Druckgefühl oder ein sogenannter „Wohlfühlschmerz“ dabei entstehen. Manchmal entwickelt sich ein angenehmes Wärmegefühl, das als absolut positiv zu werten ist.
Die Massage eines Punktes nimmt circa dreißig Sekunden bis maximal zwei Minuten in Anspruch, wobei drei bis vier Punkte nacheinander behandelt werden können und dies über den Tag verteilt drei- bis viermal.

Wann Akupressur angewandt wird

Leichte Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen sind die Einsatzbereiche der Akupressur. Beispiel dafür sind: leichte Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Konzentrationsstörungen, Nacken- und Schulterschmerzen, Erkältungen, Nervosität, Schlafstörungen, innere Unruhe, Übelkeit, Menstruationsstörungen und Verstopfung. Aber auch präventiv hat die Punktmassage ihre Daseinsberechtigung. Sie kann zum Beispiel zur Stärkung des Immunsystems angewendet werden.

Wichtige Regeln

Eine Akupressur sollten niemals direkt nach dem Essen, nach Alkoholgenuss und bei großer Müdigkeit stattfinden. Zeit und Ruhe sind wichtig – eine Massage unter Zeitdruck ist kontraindiziert.Die Akupressur sollte in entspannter Atmosphäre in einem frisch gelüfteten Raum stattfinden. Die Hände sind warm, die Fingernägel nicht zu lang. Konzentration auf das Tun ist wichtig. Aufkommende Gedanken werden am besten beiseite geschoben. Die Punkte werden immer auf beiden Körperseiten massiert (mit Ausnahme der Punkte auf der Symmetrieachse des Körpers). Jeder Punkt wird dreißig Sekunden bis maximal zwei Minuten lang bearbeitet. Bei Unwohlsein wird die Behandlung sofort abgebrochen.

In manchen Fällen stellt sich die gewünschte Reaktion nicht unmittelbar ein. Dies kann bis zu einer halben Stunde dauern. Nicht Jede/r reagiert auf die Akupressur gleich. Die Einen verspüren sofort und unmittelbar Erleichterung, bei Anderen wiederum dauert dies etwas länger. Auch kann es passieren, dass die Akupressur gar nicht wirkt. Manchmal muss ein Punkt öfter bearbeitet werden.

Bei Babys und kleinen Kindern sollte die Akupressur nur mit äußerster Vorsicht angewandt werden. (Bild: lisalucia/fotolia.com)

Bei kleineren Kindern sollte unbedingt der Druck ganz sanft sein und die Massage eines einzelnen Punktes dreißig Sekunden nicht überschreiten. Die Reaktion auf die Akupressur muss bei Kindern genau beobachtet und eventuell die Massage abgebrochen werden. Das zu behandelnde Kind sollte in der Lage sein, sich bei Unwohlsein mitzuteilen.

Auffinden des „richtigen“ Behandlungspunktes

Beim Auffinden des Behandlungspunktes für die Akupressur ist Spürsinn und ein Maß an Fingerspitzengefühl nötig. Der Bereich, in dem sich der Punkt befindet, wird abgetastet. Manchen Menschen fällt dies leichter, wenn sie dabei die Augen schließen. So ist die Konzentration ganz auf das Fühlen gerichtet. Die richtige Stelle unterscheidet sich von dem umliegenden Gewebe durch eine Einbuchtung oder eine Gewebeveränderung. Hinzu kommt, dass der Druck einen kleinen Schmerz auslöst.

Wer gewohnt ist, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, wird auch hier schnell den passenden Behandlungspunkt finden. Auf dem Markt sind selbstverständlich auch Geräte erhältlich, die Akupunkturpunkte finden können. Diese suchen nach Hautwiderständen. Jedoch sollte die Suche nicht an ein Gerät abgegeben werden. Der Mensch ist durchaus in der Lage, mit Hilfe seiner eigenen Intuition, die zu behandelnde Stelle zu finden. Wenn nicht, ist dies auch nicht so schlimm. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass die Akupressur gar nicht hilft. Dann einfach nochmal versuchen – Übung macht den Meister.

Ein paar Beispiele – Punkte für die Akupressur

Di 4 (Dickdarm 4), ein Meisterpunkt bei Schmerzen aller Art, zur Stärkung des Immunsystem und bei Verstopfung. Der Daumen wird ganz an die Hand gepresst. Dabei bildet sich ein kleiner Muskelberg in Richtung Handgelenk – dort, an der höchsten Stelle befindet sich der Punkt.
Bei jeden Zahnarztbesuch – eine tolle Hilfe. Je nach Empfinden, wird der Punkt ein bis zwei Minuten lang massiert. Dieser Punkt darf niemals in der Schwangerschaft massiert werden.

Pe 6, (Pericard 6), sehr hilfreich bei Übelkeit, bei Reiseübelkeit und bei Schwangerschaftsübelkeit ( dieser Punkt kann auch in der Schwangerschaft gedrückt werden). Der Punkt befindet sich drei fingerbreit von der Handwurzel entfernt, auf dem Innenarm, zwischen den beiden Sehnen. Der Punkt wird gedrückt oder leicht kreisend massiert – circa eine Minute lang. Bei Übelkeit und Schwindel im Flugzeug ist dies sehr hilfreich.

Einige Akupressurpunkte wie zum Beispiel der Pe 6 sind durchaus gut für eine Selbstanwendung geeignet. (Bild: fpic/fotolia.com)

Du 26 befindet sich auf dem Du-Meridian. Dieser beginnt in der Mitte zwischen der Spitze des Steißbeins und des Anus, verläuft dann über die Mitte des Rückens, über den Kopf hinweg und endet im Gesicht zwischen Nase und Oberlippe. Dieser Endpunkt ist der Du 26, der bei leichtem Schwindel massiert werden kann. Junge Mädchen in der Pubertät neigen zu Schwindel, wenn sie lange stehen müssen. Hier kann die Akupressur gute Dienste leisten.

Ni 1 (Niere 1) fördert Schlaf und Appetit. Dieser Punkt befindet sich auf der Fußsohle und ist ein sogenannter Gesundheitspunkt. Er liegt zwischen erster und zweiter Zehe, in der Vertiefung zwischen den beiden Fußballen auf Höhe der Grenze zwischen erstem und zweitem Drittel der Fußsohle ( dabei werden die Zehen nicht mit eingerechnet)

Le 3 (Leber 3) beruhigt, vor allem bei Ärger, und hilft bei Kopfschmerzen. Er liegt auf dem Fußrücken zwischen der Großzehe und der zweiten Zehe, in einer Mulde, kurz vor dem Punkt, an dem sich erster und zweiter Mittelfußknochen begegnen.

Zusammenfassung

Die Akupressur wird überall als einfache Heilmethode beschrieben, die jeder anwenden kann. Jedoch ist hier auch Gewissenhaftigkeit und Vorsicht wichtig. Nicht jeder Punkt ist für Jede/n geeignet. Ein Erlernen der Methode, ein Kennenlernen der wichtigsten und am einfachsten zu findenden Punkte ist Voraussetzung für die Anwendung.
Auch kann ein Heilpraktiker in seiner Praxis dem Patienten oder der Patientin geeignete Akupunkturpunkte zeigen, die zuhause mit Hilfe der Akupressur behandelt werden können. Bücher zu diesem Thema sind in Hülle und Fülle vorhanden. Jedoch ersetzt ein Buch nicht das Erlernen am Menschen mit Hilfe einer Fachperson. Das Auffinden und die Art des Massierens, Drückens, Streichens oder Knetens wird geübt. Dies kann ein Buch nicht ersetzen. (sw)