Bartflechte

Tinea-barbae-Bartflechte
Nina Reese
Bei der so genannten „Bartflechte“ (medizinisch „Tinea barbae“) handelt es sich um eine durch Pilze hervorgerufene Hauterkrankung, die ausschließlich bei Männern auftritt. Äußerlich ist diese durch rötliche, schuppige, runde Flecken gekennzeichnet, die vor allem im Bereich der Gesichtsbehaarung auftreten, zudem kann es zu Fieber und einer Schwellung der Lymphknoten kommen. Eine Bartflechte kann normalerweise lokal mit einem Pilzmittel (Antimykotika) gut behandelt werden, heilt aber auch bei Nicht-Behandlung in vielen Fällen aus.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Symptome
Ursachen
Diagnose und Behandlung
Naturheilkunde bei Bartflechte

Definition

Die Bartflechte – auch „Bartmykose“ oder „Bart-Trichophytie“ (medizinisch „Tinea barbae“) genannt – ist eine durch spezielle Pilze (Dermatophyten) hervorgerufene Erkrankung, die meist ältere Männer, seltener auch Jungen und junge Männer betrifft. Bei den Dermatophyten (von altgriechisch „to derma“: „die Haut“ und „to phyton“: „die Pflanze“) handelt es sich um so genannte „Fadenpilze“, die eine spezifische Pilzinfektion der Haut (Dermatophytose) auslösen, da sie sich im Gegensatz zu anderen Pilzen nur von Kohlenhydraten und Keratin ernähren und dementsprechend nur keratinhaltige Körperbestandteile (Hornschicht der Haut, Haare oder Nägel) befallen. Bei den Dermatophyten werden knapp 40 Arten unterschieden, die zu den drei Gattungen „Microsporum“ (zum Beispiel Microsporum audouinii), „Trichophyton“ (zum Beispiel Trichophyton terrestre) und „Epidermophyton“ (zum Beispiel Epidermophyton floccosum) gehören.

Tinea-barbae-Bartflechte
(Bild: Ute Pelz / pixelio.de)

Symptome

Die Bartflechte äußert sich typischerweise zunächst durch runde, rötliche Flecken, die am Rand Schuppen bilden, unter Umständen nässen können und einen starken Juckreiz verursachen. In vielen Fällen verbinden sich die Flecken im weiteren Verlauf mit den Haarfollikeln am Haaransatz und bilden sich dort zu furunkelartigen Knötchen oder Pusteln aus. Erreichen die entzündeten Bereiche eine gewisse Größe oder verbinden sich mehrere solcher Knötchen, kann sich schnell auch ein Abszess bilden, wobei es sich ganz Allgemein um eine mit Flüssigkeit und Eiter gefüllte abgekapselte Körperhöhle handelt. Befindet sich die Haarwurzelentzündung in der Tiefe der Wurzeln, wird von einem „Furunkel“ gesprochen, bei dem sich durch abgestorbene Zellen und Eiter eine Art „Pfropf“ bildet, der jederzeit durch die Haut brechen und sich entleeren kann. In schwereren Fällen kann sich darüber hinaus durch die Verschmelzung mehrerer Furunkel ein so genannter „Karbunkel“ entwickeln, eine normalerweise sehr schmerzhafte Entzündung, die in den meisten Fällen chirurgisch behandelt werden muss.

Ursachen

Auslöser der Bartflechte sind Infektionen mit den Fadenpilzen „Deratophyten“, wobei es sich in den meisten Fällen um die Dermatophyt-Arten „Trichophyton mentagrophytes“ oder „Trichophyton verrucosum“ handelt, in Frage kommen aber auch andere Trichophyton- und Microsporum-Arten. Da Trichophyton mentagrophytes und Trichophyton verrucosum vorwiegend durch Nagetiere bzw. Rinder überragen werden, tritt die Bartflechte besonders häufig in ländlichen Gebieten auf, in denen Betroffene engen Kontakt mit diesen oder anderen infizierten Tieren haben. Hier kann es schon ausreichen, ein infiziertes Tier kurz mit der Hand zu berühren und sich anschließend das Kinn zu kratzen. Trotz der Bezeichnung „Bartflechte“ spielen Länge und Dichte des Bartes jedoch keine Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der Krankheit – in vielen Fällen ist sogar nicht einmal ein Bart vorhanden.

Meist ist also schon der Kontakt mit einem infizierten Tier ausreichend, um sich mit dem Erreger zu infizieren – hinzu kommt, dass die Pilze zum einen hochansteckend sind und zum anderen auch noch nach Jahren infektiös und resistent gegenüber Umwelteinflüssen auftreten. Damit der Mensch von dem Erreger infiziert werden kann, muss der Pilz jedoch die natürliche Hautflora überwinden, um die keratinhaltigen Nahrungsquellen Nägel, Hornschicht oder Haare zu erreichen. Bei der Abwehr des Erregers spielt das Immunsystem eine zentrale Rolle – dementsprechend kann eine Abwehrschwäche eine Bartflechte begünstigen. Hier kommt unter anderem die „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus in Frage, aber auch eine Durchblutungsstörung oder Immunschwäche-Krankheit. Auch so genannte „Immunsuppression-Medikamente“, die beispielsweise im Anschluss an eine Gewebs- oder Organtransplantation oder zur Behandlung von allergischem Asthma eingesetzt werden, können eine Bartflechte begünstigen, da sich diese einschränkend auf die Funktionen des Immunsystems auswirken.

Diagnose und Behandlung

Zeigen sich bei einem Mann auffällige rote Flecken im Gesicht, so sollte schnellstmöglich ein Termin bei einem Hautarzt vereinbart werden, um eine Ausbreitung bzw. Verschlimmerung einer möglichen Hautkrankheit zu verhindern. Wichtig ist hier, dem Arzt möglichst genau zu beschreiben, seit wann die Flecken bestehen und wie sich diese bisher entwickelt haben. Liegt eine Bartflechte vor, kann der Arzt normalerweise schon – wie bei anderen Hautpilzerkrankungen auch – durch die Betrachtung von Form, Aussehen und Position der Flecken erste Hinweise auf die Ursache erhalten. Für eine genaue Diagnose wird jedoch meist ein Abstrich notwendig, der im Labor auf den jeweiligen Erreger hin analysiert wird.

Liegt eine Bartflechte vor, ist es wichtig, die rötlichen Stellen nicht auf eigene Faust zu „behandeln“, stattdessen sollte unbedingt vermieden werden, zu kratzen, zu quetschen oder an kleinen Hautfetzen zu ziehen – denn dadurch steigt das Risiko, das sich die Infektion über die Finger bzw. Hände auch auf andere Körperregionen überträgt. Ein Kratzen an den juckenden Partien führt zudem in vielen Fällen dazu, dass zusätzlich eine bakterielle Infektion entsteht, auch besteht die Gefahr, dass der Pilz auf diesem Wege noch tiefer in die Haut „eingearbeitet“ wird.

Statt einer Selbsttherapie sollte demzufolge mit einem Arzt die Behandlung abgeklärt werden – normalerweise kommen hier Pilzabtötende Medikamente, so genannte „Antimykotika“ zum Einsatz , die in Form von Salben, Lotionen, Gels oder Cremes auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, die Behandlung nicht sofort zu beenden, wenn die Flecken zurückgehen, sondern diese nach Absprache mit dem Arzt noch einige Zeit fortzuführen, um den Pilz wirklich nachhaltig zu bekämpfen. Neben der medikamentösen Therapie empfiehlt es sich bei einer Bartflechte außerdem, so lange auf eine Nassrasur zu verzichten, bis die Entzündung abgeklungen ist, Trockenrasierer sollten nach jeder Rasur desinfiziert werden. Generell sollte besonders stark auf eine ausreichende Hygiene geachtet werden.

Eine Bartflechte kann prinzipiell auch ohne Antimykotika-Behandlung ausheilen – dabei besteht die Gefahr, dass sich Abszesse oder Narben bilden, hinzu kommen meist Schmerzen und ein erhöhtes Risiko für einen chronischen Verlauf der Erkrankung.

Naturheilkunde bei Bartflechte

In der naturheilkundlichen Perspektive hat bei der Behandlung einer Bartflechte zunächst die Ursachenforschung den höchste Stellenwert. Dies bedeutet, dass vor der Behandlung also genau abgeklärt werden sollte, welche Auslöser für die Hauterkrankung in Frage kommen. Betroffene von Diabetes mellitus sollten beispielsweise unbedingt einen Arzt aufsuchen, um ihre Medikation zu überprüfen, wichtig ist ebenso ein kritisches Hinterfragen der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Da die Entstehung einer Bartflechte durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt wird, gilt es darüber hinaus, dieses gegebenenfalls zu stärken – wobei hier zum Beispiel eine Darmsanierung, Eigenbluttherapie oder auch verschiedene Heilkräuter wie die Taigawurzel oder Propolis zu den bewährten alternativmedizinischen Therapieformen zählen. Zudem sollte generell darauf geachtet werden, ausreichend Vitamin C zu sich zu nehmen sowie für viel frische Luft und Bewegung zu sorgen, auch negativer Stress kann schnell zu einer Schwächung der Immunabwehr führen. Daher empfiehlt es sich in jedem Fall, bei erhöhter Anspannung durch geeignete Übungen zum Stressabbau für Ausgleich und ein inneres Gleichgewicht zu sorgen.

Für die äußerliche Behandlung einer Bartflechte eigen sich Salben bzw. Cremes mit ätherischen Ölen aus Lärche und Kiefer, die den Entzündungsschmerz lindern und die Heilung beschleunigen können.

Teebaumöl eignet sich sehr gut bei einer Bartflechte – hier sollte allerdings darauf geachtet werden, dass es sich um Öl des australischen und nicht des neuseeländischen Teebaums handelt, denn dessen Öle werden zwar häufig bei Behandlung von Verbrennungen eingesetzt, sind aber für den Einsatz bei Pilzerkrankungen ungeeignet. Das Öl des australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) hingegen gilt als wahres „Wundermittel“, da es entzündungshemmend und pilztötend wirkt und zudem die Wundheilung unterstützt, das Immunsystem stärkt und die Zellerneuerung anregt. Wird Teebaumöl bei einer Bartflechte eingesetzt, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dieses richtig zu dosieren: Normalerweise ist es das Sinnvollste, das Öl mithilfe eines Wattepads direkt auf die betroffenen Hautpartien aufzutupfen. Bei empfindlicher Haut oder einem erhöhten Allergierisiko ist jedoch Vorsicht geboten, denn Teebaumöl kann schnell zu Hautreizungen oder allergischen Reaktionen führen – daher sollte in diesem Fall das Öl immer mit Milch, Wasser oder verträglichen ätherischen Ölen stark verdünnt, nicht regelmäßig über längere Zeiträume genutzt und immer möglichst frisch verwendet werden.

Neben dem können bei einer Bartflechte weitere pflanzliche Heilmittel eingesetzt werden, gerade bei den Hausmitteln gegen Pickel und unreine Haut oder den Hausmitteln gegen Furunkel finden sich viele wirkungsvolle Ansätze. So gilt beispielsweise die echte Kamille als altbewährtes Universalmittel bei Entzündungen, welche in Form von Gesichtsdampfbädern oder Kompressen helfen kann, die Pilze abzutöten, die Haut zu reinigen und die Abheilung zu unterstützen. Der Saft der Aloe gilt als wirksames Heilmittel bei Hauterkrankungen aller Art – hier empfiehlt es sich, reinen Aloe-Saft abends dünn auf die betroffenen Hautstellen aufzutragen und über Nacht wirken zu lassen. Meist zeigen sich bereits nach einigen Tagen deutliche Verbesserungen, durch eine zusätzliche innere Anwendung kann der Effekt sogar noch verstärkt werden.

Der Bereich der Homöopathie bietet Unterstützung bei der Behandlung einer Bartflechte, gerade wenn sich entzündete Stippen, Forunkel oder Abszesse gebildet haben. Hier kommt insbesondere „Hepar sulfuris“ (Kalkschwefelleber) in Betracht, von welchem bei akuten Beschwerden 3 Mal täglich 3-5 Kügelchen in den Potenzen D6 oder D12 eingenommen werden – die genaue Dosierung sowie der Zeitraum der Anwendung sollte allerdings in jedem Fall mit einem Homöopathen oder Arzt bzw. Apotheker abgesprochen werden. Auch das homöopathische Heilmittel „Myristica sebifera“ eignet sich sehr gut bei eitrigen Prozessen, oberflächlichen Geschwüren und Abszessen, da es die Bildung von Eiter beschleunigt, die „Eiterbeule“ also schneller reifen lässt und somit dazu beiträgt, dass der Abszess schneller bricht und dann von selbst abheilen kann. In vielen Fällen kann mithilfe dieses Mittels sogar ein operativer Eingriff verhindert werden – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung als “homöopathisches Messer”. Eingenommen wird Myristica sebifera bei eitrigen Gebilden normalerweise 3 Mal täglich in Form von je zwei Kügelchen in der Potenz C4 – doch auch hier ist die Absprache mit einem Experten dringend zu empfehlen.

Neben der Homöopathie können Cremes und Salben mit Schüssler Salzen hilfreich bei der Behandlung von Hauterkrankungen sein, da die potenzierten Mineralsalze über die Haut vom Körper aufgenommen werden und so den Heilungsprozess beschleunigen können. So lindert beispielsweise das Salz Nr. 1 „Calcium fluoratum“ Hautjucken und bessert rissige Haut, in Frage kommen hier aber auch das Salz Nr. 11 „Silicea“ und das Salz Nr. 12 „Calcium sulfuricum“.

Waschungen mit Essig können helfen, den Pilz zu bekämpfen, denn Pilze vertragen das saure Essigmilieu nicht und sterben in der Folge ab. Für diese Anwendung werden vier Esslöffel Essig mit einem halben Liter Wasser gemischt, in welches dann ein Waschlappen getaucht wird, mit dem die betroffenen Stellen gründlich, aber vorsichtig gereinigt werden. (nr)

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