Glaubersalz – Wirkung und Anwendung

Glaubersalz ist ein Abführmittel mit einer sehr starken Wirkung. Es kommt bei Verstopfung (Obstipation) zum Einsatz oder wird zur vollständigen Entleerung des Darmes vor einem chirurgischen Eingriff, einer medizinischen Untersuchung, wie zum Beispiel einer Darmspiegelung, oder zu Beginn einer Heilfastenkur benutzt.

Glaubersalz schmeckt sehr bitter. Die chemische Bezeichnung ist Natriumsulfat-Decahydrat (Na2SO4·10H2O). Die abführende Wirkung, mit deren Beginn meistens circa dreißig bis neunzig Minuten nach Einnahme zu rechnen ist, beruht auf dem Prinzip der Osmose. Glaubersalz hält osmotisch Wasser im Darm zurück beziehungsweise zieht Flüssigkeit aus der Umgebung des Darms und erhöht so den Flüssigkeitsanteil des Stuhls. Durch das erhöhte Volumen wird eine schnelle Entleerung des Darms ausgelöst.

Glaubersalz ist ein bewährtes Abführmittel. (Bild: ingwio/fotolia.com)

Hinweis: Von einer längeren und/oder häufigeren Einnahme von Glaubersalz ist unbedingt abzuraten, da dies zur Bildung von Ödemen (Wassereinlagerungen) oder zu einem erhöhten Bluthochdruck (Hypertonie) führen kann.

Allgemeiner Hinweis zu Abführmitteln: Abführmittel sollten immer nur zur kurzfristigen Beseitigung von Verstopfung benutzt werden, da sie zu einer Gewöhnung führen können und die Einnahme mit einigen Nebenwirkungen verbunden sein kann. Bei längerfristiger Verstopfung ist in jedem Fall die Konsultation einer Ärztin oder eines Arztes notwendig.

Kurzübersicht

Alle wichtigen Informationen zu Glaubersalz und zu Alternativen finden Sie in unserer Kurzübersicht.

  • Wirkung: Glaubersalz bindet durch die erhöhte Salzkonzentration größere Mengen Flüssigkeit im Darm, was zu einer beträchtlichen Erhöhung des Stuhlvolumens führt und eine durchfallartige Entleerung des Darms zur Folge hat.
  • Anwendung: Darmreinigung vor einer Darmspiegelung oder einem chirurgischen Eingriff, kurzzeitige Beseitigung hartnäckiger Verstopfung, Darmentleerung vor einer Fastenkur
  • Gegenanzeigen: Darmverschluss, Überempfindlichkeit gegen Natrium-Sulfat-Decahydrat, entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Schwangere und Kinder unter sechs Jahren dürfen Glaubersalz nicht einnehmen.
  • Nebenwirkungen/Wechselwirkungen: Erhöhter Kaliumverlust mit Empfindlichkeit gegenüber herzwirksamen Glykosiden, Einschränkung oder Verlust der Wirksamkeit von Medikamenten, Verlust von Wasser und Mineralien, Ödembildung (Wassereinlagerungen)
  • Zubereitung: 20 bis 30 Gramm Glaubersalz in circa 500 Milliliter Wasser auflösen, eventuell mit etwas Saft mischen, um bitteren Geschmack abzumildern; zubereitete Menge wird auf einmal getrunken.
  • Alternativen: Einlauf, Flohsamenschalen, Hennesblätter, Sauerkrautsaft, Pflaumensaft
  • Natriumsulfuricum: Gebrauch in der Naturheilkunde: Hömopathie, Schüßler-Salze

Geschichtlicher Rückblick

Der Name Glaubersalz geht auf den Arzt und Apotheker Johann R. Glauber (1604-1670) zurück, der aus Natriumchlorid und Schwefelsäure dieses Mittel entwickelt hat, welches er als „Sal mirabilis“ bezeichnete. Natriumsulfat kann aus natürlichen Mineralien hergestellt werden, fällt aber auch häufig als Nebenprodukt in der chemischen Industrie an. In Waschmitteln vorkommend, dient es als Füllmittel und wird ebenfalls in der Glas-, Textil-und Farbindustrie eingesetzt. Aber auch in Heilquellen, wie zum Beispiel der Ferdinandsquelle im tschechischen Kurort Marienbad, ist Glaubersalz enthalten.

Wie das Glaubersalz wirkt

Glaubersalz arbeitet nach Wirkungsweise der Osmose. Dies bedeutet, dass Wasser aus dem Blut dem Darm wieder zurückgegeben und diesem nicht, wie bei einem normalen Verdauungsvorgang üblich, entzogen wird. Das geschieht durch die hohe Salzkonzentration, die sich durch das Glaubersalz im Darm befindet. Sie bindet das Wasser im Darm, wodurch das Volumen vergrößert wird, was den Darm dazu veranlasst, sich zu bewegen und schneller zu entleeren, und zwar durchfallartig.

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Gegen eine Verstopfung kann Glaubersalz äußerst hilfreich sein. (Bild: Eskymaks/fotolia.de)

Anwendung

In der Medizin wird Glaubersalz für die Darmreinigung vor einer Darmspiegelung benutzt. Auch vor einem chirurgischen Eingriff ist dieses Salz in den dafür verordneten Mitteln enthalten. Zur kurzzeitigen Beseitigung hartnäckiger Verstopfung wird Glaubersalz ebenfalls verwendet und ist aufgrund seiner Gründlichkeit auch zur Darmentleerung vor einer Fastenkur sehr beliebt.

Wer Glaubersalz nicht anwenden sollte

Glaubersalz darf nicht bei Darmverschluss oder einer Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Natriumsulfat-Decahydrat angewendet werden. Außerdem darf es bei Kindern unter sechs Jahren nicht angewendet werden.

Glaubersalz sollte nicht angewandt werden bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen, bei Bluthochdruck (Hypertonie), einer Herzinsuffizienz sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes. In der Schwangerschaft sollte es ebenfalls nicht angewandt werden, da es die erhöhte Neigung zu Wassereinlagerungen (Ödemen) verstärken kann.

Glaubersalz ist generell nicht für eine regelmäßige Anwendung geeignet, da es zu einer Darmträgheit führen kann und einen erhöhten Kaliumverlust im Körper zur Folge hat.

Nebenwirkungen/Wechselwirkungen

Der Geschmack des Glaubersalzes ist sehr bitter und für viele Menschen als unangenehm zu bezeichnen. Bei einigen Personen kann schon der Versuch, das mit Wasser angemischte Glaubersalz zu trinken, zum Erbrechen führen. Hier kann eine Mischung mit ein wenig Fruchtsaft Abhilfe schaffen, ohne dass die Wirkung beeinflusst wird.

Die Wirkung von Medikamenten kann durch die Benutzung des Abführmittels teilweise stark beeinflusst werden. Daher sollte die Einnahme von Glaubersalz vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden. Der erhöhte Kaliumverlust kann beispielsweise zu einer stärkeren Empfindlichkeit gegenüber herzwirksamen Glykosiden führen.

Besonders zu beachten ist auch, dass die Einnahme von Medikamenten in ausreichendem Abstand zur Einnahme des Glaubersalzes erfolgen sollte, da diese durch die abführende Wirkung ganz einfach herausgespült werden, bevor der Wirkstoff freigesetzt werden kann.

Bei häufigerer Anwendung kann es zu Wasser- und Mineralienverlusten kommen. Die Menge an Natrium im Körper steigt durch eine vermehrte Anwendung von Glaubersalz an, was zur Entwicklung von Wassereinlagerungen (Ödemen) führen kann.

Zubereitung

Für eine schnelle Darmentleerung werden 20 bis 30 Gramm Glaubersalz (circa ein bis zwei Esslöffel) in 500 Milliliter Wasser gelöst getrunken. Die genaue Menge varriert je nach Körpergewicht. Um den bitteren Geschmack etwas zu mildern, kann dem Getränk etwas Zitronen- oder Orangensaft zugesetzt werden. Der Glaubersalz-Trunk wird auf einmal getrunken und kann zusätzlich noch mit einem weiteren Glas Wasser hinuntergespült werden.

Im Normalfall tritt die Wirkung nach einer halben bis einer Stunde ein. Diese kann aber auch bis zu drei oder mehr Stunden auf sich warten lassen. Außerdem kann die abführende Wirkung in Schüben über einen unbestimmten Zeitraum nach der Einnahme auftreten. Wenn Glaubersalz eingenommen wurde, sollte am besten in den nächsten Stunden eine Toilette in unmittelbarer Nähe sein und das Haus besser nicht verlassen werden.

Frau sitzt auf der Toilette
Nach der Einnahme des Glaubersalzes sollte man sich unbedingt in der Nähe einer Toilette aufhalten. (Bild: Med Photo Studio/fotolia.com)

Natürlich kann es auch sein, dass das Glaubersalz gar keine oder nur eine schwache Wirkung zeigt. Hier kann nochmal eine Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angezeigt sein und gegebenenfalls eine Anpassung der Dosierung vorgenommen oder zu einem geeigneteren Abführmittel gegriffen werden.

Alternativen zu Glaubersalz

Einlauf

Zu den Alternativen des Glaubersalzes gehört beispielsweise der Einlauf. Ein Einlauf besteht aus einem Behälter, in den lauwarmes Wasser eingefüllt wird, einem Schlauch und einem mit einem Hahn versehenen Endstück, welches in den Anus eingeführt wird. Der Behälter wird etwas erhöht aufgehängt, sodass das Wasser mit Hilfe der Schwerkraft durch den Anus in den Darm einfließen kann. So wird durch die große Menge Flüssigkeit eine schnelle Entleerung des Darms provoziert. Der wesentliche Unterschied zu Glaubersalz ist jedoch, dass der Einlauf nur einen Teil des Darmes erreicht.

Zu beachten sind auch hier bestimmte Gegenanzeigen: Erbrechen oder Bauchschmerzen unklarer Ursache, akute Erkrankungen des Bauchraums wie zum Beispiel Entzündungen des Bauchfells oder Darmverschluss, Frühschwangerschaft oder bei drohender Fehlgeburt, nach Operationen am Dickdarm oder bei Blutungen im Verdauungstrakt. Selbstverständlich ist bei diesen Krankheitsbildern die Konsultation einer Ärztin oder eines Arztes in jedem Fall unerlässlich!

Flohsamenschalen

Bei Verstopfung können auch Flohsamenschalen sehr hilfreich sein. Diese werden in Wasser eingerührt und mit ausreichend Flüssigkeit getrunken. Die Flohsamenschalen quellen aufgrund enthaltener Schleimstoffe im Darm stark auf, sie können das Zweihundertfache ihres Eigengewichts an Wasser binden.

Das so erhöhte Stuhlvolumen regt die Verdauung besonders gut an. Zudem ist in den Samen viel Öl enthalten, welches im Darm als Gleitmittel funktioniert und einen schnellen Weitertransport des Stuhls bewirkt und so die abführende Wirkung der Flohsamenschalen unterstützt. Die Wirkung kann relativ schnell eintreten, es kann aber auch bis zu ein paar Tagen dauern, bis ein spürbarer Effekt eintritt.

Die Nebenwirkungen nach der Einnahme von Flohsamenschalen beschränken sich in der Regel auf häufig schnell vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und Krämpfe.

Auch bei einem Naturheilmittel wie Flohsamenschalen gibt es ein paar Hinweise, die sie unbedingt beachten sollten! Wichtig ist bei der Einnahme von Indischen Flohsamen, ausreichend viel zu trinken, denn nur so können sie ihre Wirkung optimal entfalten. Es wird empfohlen, ein bis zwei Gläser Wasser direkt nach der Anwendung zu trinken und über den Tag verteilt insgesamt mindestens 1,5 Liter in Form von Wasser, Tees oder verdünnten Fruchtsäften. Nur so quellen die Schleimstoffe ausreichend auf; zudem können sie, wenn nicht genug Flüssigkeit vorhanden ist, im schlimmsten Fall mit der Darmwand verkleben, was zu einem Darmverschluss führen kann.

Außerdem können Flohsamen die Aufnahme von anderen Arzneimitteln über den Darm behindern. Nehmen Sie Ihre Medikamente daher nicht direkt zusammen mit den Flohsamenschalen ein.

Hatten Sie bereits einmal einen Darmverschluss, leiden Sie an Verengungen der Speiseröhre, des Magens oder Darmes oder liegt eine akute Entzündung im Magen-Darm-Bereich vor, dann dürfen Sie dieses pflanzliche Abführmittel nicht verwenden. Auch wenn Sie aufgrund bestimmter Herz- oder Nierenkrankheiten nicht übermäßig viel trinken dürfen, sollten Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen, ob Sie Flohsamen anwenden dürfen. Manche Menschen reagieren auf indische Flohsamen allergisch.

Sennesblätter (Cassia angustifolia)

Sennesblätter (Cassia angustifolia) werden in der Naturheilkunde bei länger bestehender Verstopfung zur Darmentleerung angewandt. Als wirksame Bestandteile sind hier die sogenannten Anthranoide enthalten. Im Dickdarm werden diese von Bakterien aufgespalten. So bewirken sie in ihrer aktiven Form, dass weniger Wasser und Salze durch die Darmschleimhaut vom Körper aufgenommen werden. Stattdessen verbleiben diese vermehrt im Dickdarm und sorgen so durch eine Erhöhung des Stuhlvolumens und Aufweichung des Stuhls für eine schnellere Entleerung des Darms.

Auch hier kann es zu unangenehmen Krämpfen im Magen-Darm-Bereich kommen. Außerdem kann sich der Urin gelblich bis rotbraun verfärben. Gegenanzeigen sind auch hier Darmverschluss sowie entzündliche Darmkrankheiten. Bei zu häufiger Einnahme kann es auch hier zu Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes kommen. Sennesblätter sind nicht für Schwangere, stillende Mütter und Kinder unter zehn Jahren geeignet.

Sauerkrauftsaft oder Trockenpflaumensaft

Etwas sanftere Methoden sind das Trinken von Sauerkrautsaft oder Trockenpflaumensaft morgens auf nüchternen Magen. Dies hat nicht solche massiven Entleerungen zur Folge, wie sie bei Glaubersalz zu beobachten sind, aber dafür sind diese Methoden etwas schonender und können ihren Zweck auch erfüllen.

Verantwortlich für den verdauungsfördernden Effekt von Sauerkrautsaft sollen die aktiven Milchsäurebakterien sein; beim Trockenpflaumensaft sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Zuckeralkohol Sorbit als mitverantwortlich für den abführenden Effekt.

Natrium sulfuricum: Gebrauch in der Naturheilkunde

Natrium sulfuricum, auch Natriumsulfat genannt, Bestandteil des Glaubersalzes, kommt auch in der Naturheilkunde zur Anwendung. So ist dies in der klassischen Homöopathie zum Beispiel als Mittel bei akuten Darmentzündungen, Durchfall, Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und Schmerzen in den Gelenken bekannt.

In dem Bereich der Schüßler-Salz-Therapie wird das Schüßler-Salz Nummer 10 (Natrium sulfuricum) zum Beispiel zur Ausscheidung von „Schlacken“ und Giften, Anregung des Stoffwechsels, gegen Durchfälle und Lebererkrankungen angewandt. (dk, sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
David Kunert, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Anagnostou, Sabine: "Qui bene purgat, bene curat!" From ancient purgatives to modern laxatives; in: Pharmazie in unserer Zeit, Vol. 37, Issue 2, Seite 121-129, 2008, Wiley Online Library
  • Lever, Ellen: Systematic review: the effect of prunes on gastrointestinal function; in: Alimentary Pharmacology and Therapeutics, Vol. 40, Issue 7, Seite 750-758, 2014, Wiley Online Library
  • Lützner, H.: Wie neugeboren durch Fasten. Gräfe und Unzer Verlag, München, 5. Auflage, 2004
  • Erdoğan, Aşkın et al.: "Randomised clinical trial: mixed soluble/insoluble fibre vs. psyllium for chronic constipation", in: Alimentary Pharmacology and Therapeutics, Volume 44 Issue 1, 2016, Wiley Online Library
  • Ramkumar, Davendra; Rao, Satish: "Efficacy and safety of traditional medical therapies for chronic constipation: systematic review", in: American Journal of Gastroenterology, 100(4), 2005, rima.org
  • Melzig, Matthias F.: "Phytopharmaka als Laxanzien. Abführmittel auf pflanzlicher Basis", in: Pharmazie in unserer Zeit, Volume 37 Issue 2, 2008, Wiley Online Library

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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