Löwenzahnwurzel – Pusteblume (Taraxacum officinalis)

Er zählt zu den beliebtesten Wildblumen überhaupt und ist sowohl aus wilden Blumenwiesen wie auch heimischen Gärten kaum wegzudenken. Die Rede ist vom Echten Löwenzahn (Taraxacum officinalis), dessen gelb leuchtende Blüten schon jedes Kind zweifelsfrei identifizieren kann. Sie werden, ebenso wie die Löwenzahnblätter, gerne in der Wildkräuterküche verwendet. Weniger bekannt ist heutzutage dagegen die Heilwirkung des Löwenzahns.

Insbesondere die Löwenzahnwurzel (Radix taraxaci) steckt hier voller interessanter Wirkstoffe, die gerade für die Behandlung von Verdauungsstörungen und Harnwegserkrankungen äußerst interessant sind. Diesbezüglich war der Löwenzahn in der traditionellen Volksheilkunde einst ein relativ wichtiges Hausmittel. Sogar gegen Krebs setzten es zum Beispiel Chinesen und Araber ein, neuere Studien wecken Hoffnung, dass dieses Potenzial wissenschaftlich belegt werden könnte. Um das alte Wissen und die Heilkraft von Taraxacum officinalis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hier ein kleiner Spezialbeitrag zur berühmtesten Wiesenblume der Welt.

Steckbrief zum Löwenzahn:

  • Wissenschaftlicher Name: Taraxacum officinalis
  • Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Volkstümliche Namen: Augenwurz, Bärenzahn, Bayerischer Enzian, Bettpisser, Butterblume, Eierkraut, Feldblume, Franzosensalat, Gelbe Wegwarte, Hahnenspeck, Hundeblume, Kettenblume, Krötenblume, Kuhblume, Kuhlattich, Laternenblume, Löwenzahl, Maiblume, Milchblume, Melkdistel, Pfaffenkopf, Pfaffenröhrlein, Pferdeblume, Pissblume, Pusteblume, Röhrlblume, Saublume, Schäfchenblume, Sommerdorn, Sonnenwurzel, wilde Zichorie
  • Herkunft: Asien, Europa
  • Anwendungsgebiete:
    • Atemwegserkrankungen
    • Gelenkbeschwerden
    • Harnwegserkrankungen
    • Hautleiden
    • Stoffwechselbeschwerden
    • Verdauungsstörungen
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzelstock

Pflanzenportrait: Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Der Löwenzahn sorgt bei Laien immer wieder für Verwechslungen. Denn neben der Löwenzahngattung Taraxacum, zu der auch der Echte Löwenzahn gehört, werden auch die Arten der Gattung Leontodon als Löwenzähne bezeichnet. Deren Gattungsname ist zu allem Überfluss auch noch die eigentliche lateinische Variante des Begriffs Löwenzahn. Zudem gehören beide Blumengattungen zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und sehen sich dank ihrer leuchtend gelben Blüten sowie ihren auffälligen Fiederblätter auf den ersten Blick auch ungemein ähnlich.

Selbst die für Löwenzähne typischen Samenstände, deren haarige und durch Wind leicht davongetragene Flugschirme den Blumen den Beinamen Pusteblumen einbrachte, ist den beiden Löwenzahngattungen gemeinsam. Allerdings, und das ist bereits ein signifikanter Unterschied, wird nur die Gattung Taraxacum auch heilpflanzlich genutzt. Ebenso fallen einem bei genauem Hinsehen auch entscheidende Abweichungen in der Blütenform auf.

Während Taraxacum mit seinen großen, gefüllten Zungenblüten nämlich an eine gelbe Puderquaste erinnert, sind die Blütenblätter bei Leontodon deutlich spärlicher an der Zahl und die Blüte ist insgesamt kleiner. Man fühlt sich hier ein wenig an eine gelbe Wegwarte erinnert, was unglücklicherweise abermals Verwirrung stiftet, denn auch dieser Beiname ist für Taraxacum gebräuchlich. Definitiv unterscheiden lassen sich beide Löwenzahngattungen allerdings anhand ihrer Stängel.

Leontodon-Arten weisen hier gemeinhin einen sehr dünnen, mitunter auch verzweigten Blütenstängel auf. Bei Taraxacum dagegen findet man den kräftigen, dicken Stängelbau vor, dessen Hohlraum den für Echte Löwenzähne typischen weißen Milchsaft enthält. Diverse Beinamen beider Varianten des Löwenzahns laden auch diesbezüglich zu Verwechslungen ein, wird Leontodon oftmals doch auch als Milchkraut, Taraxacum dagegen als Milchblume bezeichnet.

Löwenzahnpflanze mit Wurzel
Für die Naturheilkunde ist fast insbesondere die Wurzel des Echten Löwenzahns von Bedeutung (Bild: sattva/stock.adobe.com).

Beim Sammeln von Löwenzahn zu Heilzwecken ist also ein geschultes Auge gefragt. Auch ist es wichtig, die Blumen nicht einfach abzuzupfen, steckt die wahre Heilkraft der Pflanze doch in der Löwenzahnwurzel (Radix taraxaci). Zwar werden auch die Blüten und Blätter häufig genutzt, etwa für Löwenzahnsalat oder Löwenzahnbrot – beides schmeckt im Übrigen sehr vorzüglich – für die Naturheilkunde sind jedoch fast ausschließlich die hochwirksamen Inhaltsstoffe der Wurzeln von Taraxacum officinalis von Bedeutung.

Anwendung findet die Löwenzahnwurzel schon seit dem Altertum. Darauf weisen diverse Volksnamen hin, die sich direkt aus der heilpflanzlichen Wirkung der Wurzel ableiten. Als Pissblume ist Löwenzahn beispielsweise wegen seiner harntreibenden Wirkung bekannt. Sie wird zur Behandlung von Harnwegserkrankungen wie Nierensteinen oder Harnwegsinfekten genutzt. Auch in der Behandlung von Stoffwechselbeschwerden wie etwa Gicht ist der harntreibende Effekt der Löwenzahnwurzel eine gute Hilfe.

Insgesamt wirkt die Wurzel des Löwenzahns ausleitend, reinigend und sekretfördernd, was neben Beschwerden, die einer Entwässerung des Körpersystems bedürfen, auch bei einer gestörten Verdauung sowie verschleimten Atemwegen und verschiedenen Frauenleiden nützlich ist. In Bezug auf letztere sei erwähnt, dass Löwenzahn ein altes Frauenheilkraut ist, worauf Beinamen wie Milchblume hinweisen. Die sekretfördernde Art der Blume kann stillenden Müttern nämlich bei Milchverhalt helfen. Landwirte füttern ihre Milchkühe deshalb noch bis heute auch mit Löwenzahn, um deren Milchproduktion zu steigern. Auch bei Zyklusstörungen, die mit einer gehemmten Regelblutung einhergehen, ist der Effekt von Nutzen. Alles in allem gehören zu den Anwendungsgebieten der Löwenzahnwurzel:

Löwenzahnwurzeln
Die Heilkraft der Löwenzahnwurzel beruht auf den Inhaltsstoffen wie zum Beispiel den Bitterstoffen. (Bild: Pamela D Mcadams/stock.adobe.com)

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Heilkraft der Löwenzahnwurzel wird oftmals einzig und allein den darin enthaltenen Bitterstoffen zugeschrieben. Dabei enthält Radix taraxaci noch eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe, die ebenfalls an der Heilwirkung der Kräuterwurzel mitwirken. Vor allem gesunde Vitamine und Mineralstoffe enthält die Wurzel des Löwenzahns diesbezüglich sehr zahlreich. Sie bilden einige der wichtigsten Wirkungsmechanismen von Radix taraxaci und sind auch ganz ohne bestehenden Krankheitshintergrund eine gute Unterstützung für die körperliche Gesundheit. Insgesamt lassen sich in der Löwenzahnwurzel folgende Inhaltsstoffe finden:

  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Schleimstoffe,
  • Vitamine und Mineralstoffe.

Bitterstoffe

Mit den Bitterstoffen enthält die Löwenzahnwurzel ein paar der wichtigsten pflanzlichen Wirkstoffe überhaupt. Sie sind in erster Linie für die gute Eignung der Pflanzenwurzel im Bereich der Verdauungsstörungen verantwortlich, denn Bitterstoffe wirken

  • antibiotisch,
  • appetitanregend,
  • durchblutungsfördernd (v.a. im Bereich des Magen-Darm-Trakts),
  • entblähend,
  • entkrampfend,
  • entzündungshemmend
  • und sekret- und verdauungsfördernd.

Die sekretfördernde Wirkung umfasst dabei neben Magensaft und Verdauungsenzymen des Darms auch das Gallensekret und verschiedene Leberenzyme. Insgesamt ist die Löwenzahnwurzel hier der Artischocke sowie dem Hopfen in ihrem Bitterstoffgehalt sehr ähnlich. Zwei Kräuter, die wie die Löwenzahnwurzel selbst zu den sogenannten Leberkräutern gehören, weil sie gezielt gegen Erkrankungen der Leber wie zum Beispiel Leberschwäche oder einem gestörten Gallenfluss vorgehen.

Auch bei gestörter Milchbildung, Harnverhalt und einer zu schwachen Regelblutung können die sekretfördernden Eigenschaften der Bitterstoffe helfen. Zudem wirken die Pflanzenstoffe durch ihre Sekretstimulation auch harntreibend, was zur Behandlung von Harnwegserkrankungen und Stoffwechselkrankheiten wie Gicht sehr wichtig ist.

Im Bereich der Verdauungsprobleme können Bitterstoffe weiterhin im Falle entzündlicher Erkrankungen dienlich sein. Bestes Beispiel sind hier Magen-Darm-Entzündungen. Ebenso bietet sich ein Tee der aufgrund ihres Bitterstoffgehalts stark entzündungshemmenden Löwenzahnwurzel als unterstützende Behandlungsmaßnahme bei Blasenentzündungen an. Die drei wichtigsten Bitterstoffkomponenten in Radix taraxaci sind

  • Euresmolide,
  • Germacronoide
  • und Taraxacin.
Löwenzahnwurzel Übersichtsgrafik mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung.
Das im Löwenzahn enthaltene Carotinoid führt zur Gelbfärbung der Blüte und hat zudem antioxidative, gefäßschützende, gelenkschützende und zellschützende Wirkung. (Bild: Madeleine Steinbach/stock.adobe.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Flavonoide

Pflanzenfarbstoffe, die sogenannten Flavonoide, sind gemeinhin ebenfalls für ihre medizinisch wertvolle Wirkung bekannt. Sie erhielten ihren Namen, der sich vom lateinischen Wort flavus für ‚gelb‘ ableitet, nicht ganz zufällig, denn die ersten jemals entdeckten pflanzlichen Farbstoffe waren in der Tat gelb.

Auch der Löwenzahn enthält, wie es an seiner wohlbekannten Blütenfarbe unschwer zu erkennen ist, gelbe Farbstoffe. Diese lagern bis zur Blütezeit hauptsächlich in der Wurzel der Pflanze und werden durch die nicht minder berühmten Carotinoide gestellt. Den Namen wie unschwer zu erkennen von der Karotte geerbt, färbt dieses Flavonoid je nach Konzentration entweder gelb, gelborange oder rötlich. Dabei kommen Carotinoide im Übrigen nicht nur in Pflanzen und Pflanzenfrüchten wie Bananen, Karotten, Tomaten oder eben dem Löwenzahn vor. Auch im Chitinpanzer von Insekten wie dem Marienkäfer oder dem Gefieder von Vögeln wie dem Flamingo oder der Kohlmeise sorgen Carotinoide für entsprechende Farbspiele.

Nun haben Carotinoide aber nicht nur einen färbenden Aspekt. Darüber hinaus fungieren sie im Körper auch als Vorstufe für Vitamin A, das von Menschen nicht selbst hergestellt werden kann und deshalb gezielt über die Nahrung aufgenommen werden muss. Sowohl Vitamin A als auch Carotinoide wirken dabei

  • antioxidativ,
  • gefäßschützend,
  • gelenkschützend,
  • und zellschützend.

Vor allem Augen-, Gehirn-, Haut- und Leberzellen, Gewebearten, die von Natur aus eine relativ hohe Konzentration an Carotinoiden aufweisen, profitieren von diesem Inhaltsstoff der Löwenzahnwurzel. In diesem Zusammenhang kann man davon ausgehen, dass Beinamen wie Augenwurz für Radix taraxaci nicht ohne Grund entstanden, sondern auf eine Anwendung bei konkreten Erkrankungen der carotinoid-haltigen Sehzellen des Auges (z.B. durch den Grauen Star) herrühren. Der zellschützende Effekt von Carotinoiden leitet sich dabei maßgeblich von dessen Funktion als Antioxidant ab. Durch das Einfangen freier Radikaler werden hier Gewebe, Gefäße, Gelenke, Muskeln und Nerven gereinigt, was neben Augen-, Leber- und Hauterkrankungen zum Beispiel auch rheumatischen Beschwerden und Gefäßkrankheiten wie Arteriosklerose entgegenwirkt.

Gerbstoffe

Mit Blick auf Haut- und Gefäßerkrankungen spielen auch pflanzliche Gerbstoffe, die sogenannten Tannine, in der Löwenzahnwurzel eine entscheidende Rolle. Primär sind diese für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt, die abermals in der Therapie von Entzündungskrankheiten des Verdauungstraktes sowie der Harnwege zum Tragen kommt. Allerdings ist für diesen antientzündlichen Effekt eine sehr spezielle Eigenschaft der Tannine verantwortlich. Die Rede ist von dem zusammenziehenden (adstringierenden) Effekt dieser pflanzlichen Gerbstoffe. Er sorgt für eine Oberflächenverdichtung von Hautgewebe und Gefäßen, wodurch einerseits Entzündungskeime schwerer eindringen können. Andererseits verengen sich durch die Adstringenz auch die Blutgefäße, was Blutungen stillt und den Austritt von Entzündungssekreten hemmt.

Eine weitere Eigenart der adstringierenden Tannine ist es, das Gewebe zu entwässern. Ein Vorgang, der beim Gerben in der Lederverarbeitung nicht nur zur Desinfizierung von Tierhäuten, sondern gemeinsam mit dem Einsalzen der Häute auch für deren Aushärtung sorgt. Beim Menschen kommt es durch die entwässernde Wirkung von Gerbstoffen neben einer stopfenden Wirkung wie sie etwa bei Durchfall nützlich ist auch zu einer vermehrten Ausleitung von Schadstoffen und Schlacken. Insbesondere Rückstände von Schwermetall und Alkaloiden lassen sich mit Hilfe von Gerbstoffen gezielt aus dem Organismus lösen, was selbst bei schweren Metallvergiftungen hilft. Und auch bei Steinleiden (z.B. Gallen- oder Nierensteinen) kann der auflösende und gleichzeitig entwässernde Wirkmechanismus von Gerbstoffen unterstützend helfen.

Schleimstoffe

Einen äußerst beruhigenden Effekt üben die Schleimstoffe der Löwenzahnwurzel aus. Sie gehören zu den Mehrfachzuckern (Polysacchariden) und kommen auch im menschlichen Körper vor, wo sie die Grundbausteine von Sekreten wie dem Speichel, Magensaft oder den Schleimhäuten stellen. Dementsprechend kann eine gezielte Zufuhr von Schleimstoffen über die Nahrung die Bildung besagter Körpersekrete positiv unterstützen.

Mehr noch, tragen pflanzliche Schleimstoffe zu einer gezielten Beruhigung von Entzündungsherden bei, was vor allem bei Magen-Darm-Entzündungen und Harnwegsentzündungen offenkundig wird. In beiden Organabschnitten werden Entzündungen in erster Linie durch eine Zersetzung der schützenden Schleimhautschicht hervorgerufen, welche den Magen, Darm und die Harnwege von innen auskleidet. Schleimstoffe tragen in solch einem Fall zur Wiederherstellung und Regeneration der angegriffenen Schleimhautstellen bei, was die Entzündung nach und nach reduziert.

Ebenfalls zu erwähnen ist die Wirkung der Schleimstoffe auf den Blutzucker. Da sie im Gegensatz zu vielen anderen Zuckervarianten den Blutzucker nicht anheben, sind sie selbst für Diabetiker kein Problem. Ferner sind Schleimstoffe dafür bekannt, Giftstoffe aufzusaugen, was abermals dem entgiftenden und entschlackenden Potential der Löwenzahnwurzel zugute kommt.

Löwenzahn mit Wurzel
Die Löwenzahnwurzeln enthalten viele Vitamine, die zur Heilwirkung der Pflanze beitragen. (Bild: Madeleine Steinbach/stock.adobe.com)

Vitamine und Mineralien

Wenn es um Heilkräuter geht, wird sehr häufig die Wirkung von spezifischen medikamentösen Wirkstoffen in den Vordergrund gestellt. Dabei wird nur allzu gerne vergessen, dass auch “gewöhnliche” Nährstoffe ein heilsames Potential besitzen. Bei der Löwenzahnwurzel wird das ein ums andere Mal deutlich. Allein die in der Wurzel enthaltenen Vitamine tragen hier in nicht geringem Maße zur Heilwirkung der Kräuterwurzel bei. Schon allein das Vitamin A, das neben den als Vitamin-A-Vorstufe geltenden Carotinoiden in Radix taraxaci enthalten ist, wirkt

  • blutbildend,
  • haut- und schleimhautstärkend,
  • immunstärkend,
  • knochenstärkend,
  • nervenstärkend,
  • stoffwechselanregend
  • und zellschützend

und unterstützt so eine Reihe der bekannten Gesundheitswirkungen der Löwenzahnwurzel. Ähnlich sieht es auch bei Vitamin B und Vitamin C aus, wobei letzteres zusätzlich auch einen cholesterinsenkenden und muskelstärkenden Effekt besitzt.

Besonders wertvoll ist darüber hinaus das Vorkommen an Vitamin D in Radix taraxaci. Wie Vitamin A kann dieses vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden und muss dem Organismus deshalb entweder über Sonnenlicht oder den Verzehr Vitamin-D-haltiger Milchprodukte, Fisch- und Fleischsorten in ausreichender Menge zugeführt werden. Gerade für Vegetarier und Veganer sind rar gesäte pflanzliche Vitamin-D-Quellen diesbezüglich von besonderer Wichtigkeit.

Unerlässlich ist Vitamin D für die Gesundheit aus mehreren Gründen. So spielt es unter anderem für den Hormonhaushalt eine entscheidende Rolle. Sowohl die Synthese von Geschlechtshormonen wie dem weiblichen Östrogen, als auch von Hormonen wie das Glückshormon Serotonin kommen ohne dieses Vitamin nicht aus. Menschen mit Vitamin-D-Mangel drohen deshalb nicht nur depressive Verstimmungen und Gemütsschwankungen, sondern langfristig auch ernsthafte Fruchtbarkeitsprobleme.

Es wird an dieser Stelle ersichtlich, das Vitamin D entscheidend zur Eignung der Löwenzahnwurzel als Frauenheilkraut beiträgt. Für die Nierenzellen ist Vitamin D ebenfalls sehr wichtig, da es hier die Stoffaufnahme und damit die Filterungsfunktion der Nieren mitgestaltet.

Zusätzlich zu den aufgezeigten Vitaminen enthält die Löwenzahnwurzel auch einige Mineralstoffe und Spurenelemente. Drei sind es an der Zahl, die hier zu nennen wären – Eisen, Kalium und Zink.

Mit Eisen ist hier erneut ein Inhaltsstoff gegeben, der insbesondere für Frauen sehr wichtig ist. Das Mineral wird im Körper nämlich zur Blutbildung benötigt und muss insbesondere während der Menstruation vermehrt aufgenommen werden, um den zyklusbedingten Blutverlust auszugleichen. In den Wechseljahren können die Regelblutungen zudem vorübergehend an Intensität zunehmen, weshalb auch hier ein erhöhter Eisenbedarf herrscht. Die ein oder andere Tasse Tee aus Löwenzahnwurzel ist für Frauen in der Menopause deshalb mehr als empfehlenswert.

Das Kalium in der Löwenzahnwurzel ist ebenfalls am körpereigenen Blutleitungsgeschehen beteiligt. So nimmt es zum Beispiel Einfluss auf die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und stärkt die Gefäßfunktionen. Es reguliert im Organismus die Ausschüttung von Hormonen, das Stoffwechselgeschehen und den Säure-Basen-Haushalt.

Speziell in den Nieren sorgt Kalium außerdem dafür, dass Kalzium als für den Körper wertvoller Mineralstoff in Gewebeschichten und Körperabschnitte mit hohem Kalziumbedarf überführt wird, also so gut wie möglich zurück in den Stoffwechsel überführt wird, anstatt ausgeschieden zu werden. Hierzu zählen insbesondere die Knochen, weshalb eine gute Kaliumversorgung nachweislich vor Erkrankungen wie Osteoporose – insbesondere auch postmenopausaler Osteoporose – schützt. Ansonsten wirkt Kalium auf die Nieren harntreibend und ist damit der generellen Funktion von Löwenzahnwurzel als pflanzliches Diuretikum zuträglich.

Abgerundet wird die Gesundheitsfunktion der Mineralien von Löwenzahnwurzel auf Blut, Stoffwechsel und Hormone durch das mineralische Spurenelement Zink. Diesem kommen zusätzlich auch wichtige Eigenschaften im Bereich der Haut-, Nagel- und Haargesundheit zu, was die Heilwirkung von Radix taraxaci bei Hautleiden und Haarausfall erklärt. Nicht zuletzt stärkt Zink auch das Immunsystem, sodass Infektions- und Erkältungskrankheiten ebenfalls von einer gezielten Zufuhr profitieren.

Anwendung und Dosierung

Die Sammelzeit für Löwenzahnwurzel liegt im Frühling vor bzw. im frühen Herbst nach der Blüte. Dazwischen können jederzeit auch frische Blüten und Blätter des Löwenzahns gesammelt werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die gesammelten Kräuter nur von schadstofffreien Wiesen stammen, auf denen keine Insektizide, Pestizide oder künstlichen Düngemittel eingesetzt wurden.

Achtung: Es sei darauf hingewiesen, dass der Milchsaft aus den Stängeln des Echten Löwenzahns braune Flecken auf der Kleidung hinterlässt, die kaum mehr auszuwaschen sind. Tragen Sie beim Sammeln daher lieber keine guten Kleidungsstücke!

Standardmäßig wird Löwenzahnwurzel als Tee oder Tinktur zubereitet. Es gibt allerdings auch einige leckere Rezepte, die neben der Wurzel des Löwenzahns auch dessen Blattkräuter und Blüten beinhalten. Diese sind von der Wirkstoffkonzentration her zwar nicht ganz so gehaltvoll, geben dafür aber einen interessanten Geschmack und sind vielseitiger zu verwenden. Wohl bekannt ist hier zum Beispiel der Löwenzahnsalat. Zudem kann man mit den Blüten und Blättern des Löwenzahns auch leckere Smoothies, Pesto-Rezepte und sogar Brot herstellen. Nachstehend möchten wir aber gezielt einige Rezepturen für die Löwenzahnwurzel vorstellen.

Löwenzahnwurzeltee
Löwenzahnwurzeltee wird zur Behandlung von Harnwegserkrankungen, Verdauungs-, Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden verwendet. (Bild: Hetizia/stock.adobe.com)

Löwenzahntee

Zur inneren Anwendung von Löwenzahnwurzel ist ein Tee am besten geeignet. Er kann zum Beispiel bei Harnwegserkrankungen, Verdauungs-, Menstruations- oder Wechseljahrbeschwerden genutzt werden. Für die Dosierung von Löwenzahntee gilt hier:

  • Zwei Teelöffel geschnittene Löwenzahnwurzel kommen auf
  • 250 Milliliter kochendes Wasser.

Nach einer Ziehzeit von zehn Minuten werden die Wurzelkräuter dann abgesiebt und der Tee kann getrunken werden. Nehmen Sie den Tee am besten eine halbe Stunde vor dem Essen zu sich. Pro Tag sollten maximal drei bis vier Tassen des Löwenzahntees eingenommen werden, um es mit der Entwässerung des Körpers nicht zu übertreiben.

Verdauungstee mit Löwenzahnwurzel:
Diese Teemischung ist speziell bei Verdauungsbeschwerden empfohlen, kann aber auch als harntreibender Nieren- und Blasentee bei Blasenentzündung und anderen Harnwegserkrankungen genutzt werden. Die Zutaten:

  • 30 Gramm Löwenzahnwurzel,
  • 20 Gramm Meisterwurz,
  • 20 Gramm Odermenning,
  • 20 Gramm Schafgarbe,
  • 15 Gramm Ehrenpreis,
  • 15 Gramm Ringelblumenblüten
  • und 15 Gramm Walnussblätter.

Mischen Sie die Teekräuter zusammen und entnehmen Sie der Kräutermischung anschließend zwei Teelöffel pro Tasse. Übergießen Sie die Kräuter wie gewohnt mit 250 Milliliter kochendem Wasser und lassen Sie das ganze 10 Minuten lang abgedeckt ziehen, ehe Sie die Kräuter absieben und den Tee warm zu sich nehmen. Täglich sind so bis zu drei Zubereitungen möglich. Nach spätestens sechs Wochen Anwendungszeit für eine umfangreiche Darmsanierung oder Stärkung von Verdauungs- und Harntrakt sollte dann eine einwöchige Pause eingelegt werden, um dem Körper Zeit zur Stabilisierung zu geben.

Gallentee mit Löwenzahnwurzel:
Um die sekretfördernden Eigenschaften der Löwenzahnwurzel bei Gallen- oder auch Leberbeschwerden zu nutzen, empfiehlt sich eine Kombination mit Kurkumawurzel. Wie die Löwenzahnwurzel gilt diese als gallefördernd und hat auch auf die Magensaftproduktion eine anregende Wirkung. Wer möchte, kann den Geschmack des Tees zusätzlich mit einem dritten, aromatischen aber leichten Heilkraut aufwerten. Unser Rezeptvorschlag:

  • 30 Gramm Löwenzahn (Wurzelkraut),
  • 30 Gramm Pfefferminze (Blätter)
  • und 15 Gramm Kurkuma (Wurzelkraut).

Entnehmen Sie dieser Kräutermischung zwei Teelöffel und übergießen Sie die Kräuter mit 250 Milliliter Wasser. Die Ziehzeit beträgt abermals 10 Minuten. Nach dem Absieben der Kräuter können von einem solchen Tee zwei bis drei Tassen täglich genossen werden.

Löwenzahn -Tinkturflaschen
Löwenzahntinktur kann zur äußerlichen Wundbehandlung genutzt werden aber auch zur Stärkung von Darm, Leber und Niere. (Bild: Maryna Osadcha/stock.adobe.com)

Löwenzahntinktur

Eine Tinktur aus Löwenzahnwurzel lässt sich einerseits ebenfalls zur Stärkung von Darm, Leber oder Niere anwenden. Andererseits kann sie auch äußerlich angewendet werden, etwa bei Hautproblemen oder zur Wundbehandlung. Der Alkohol in der Tinktur trägt dann zusätzlich zur Desinfektion der problematischen Hautstellen bei. Für die Herstellung einer solchen Löwenzahntinktur benötigen Sie:

  • 20 Gramm Löwenzahnwurzel,
  • 100 Milliliter Alkohol (z.B. Vodka oder Branntwein),
  • ein Marmeladenglas
  • und ein dunkles Fläschchen.

1. Schritt: Füllen Sie die Kräuter in ein kleines Marmeladenglas und übergießen Sie das Ganze mit dem Alkohol. Für größere Mengen der Tinktur kann das Glas auch einfach randvoll mit Löwenzahnwurzel gefüllt und das Ganze dann mit so viel Alkohol übergossen werden, bis die Wurzelkräuter vollständig damit bedeckt sind.

2. Schritt: Verschließen Sie das Marmeladenglas gut und stellen Sie es für 10 Tage an einen warmen Ort, zum Beispiel auf die Fensterbank. Schütteln Sie den Tinkturenansatz regelmäßig, damit sich die extrahierten Wirkstoffe gut im Alkohol verteilen.

3. Schritt: Nach der Reifezeit werden die Kräuter abgefiltert und die Löwenzahntinktur zur weiteren Aufbewahrung in ein dunkles Fläschchen (z.B. gut gereinigtes Hustensaftfläschchen) gegeben. Bei konkreten Beschwerden nehmen Sie von dieser Tinktur zwei bis drei Esslöffel pro Tag bzw. jeweils 15 Tropfen vor dem Essen zu sich. Erkrankte oder verletzte Hautstellen tupfen Sie unter Zuhilfenahme eines Wattebauschs oder Wattepads einfach mit der Tinktur ab.

Löwenzahnsalbe
Löwenzahnsalbe wird zur Behandlung von Hautbeschwerden und in der Frauenheilkunde verwendet. (Bild: Creativfamily/stock.adobe.com)

Löwenzahnsalbe

Aus der Urtinktur der Löwenzahnwurzel lassen sich auch weitere heilpflanzliche Naturprodukte herstellen. Die Löwenzahnsalbe ist hier ein gutes Beispiel. Sie ist insbesondere bei Hautbeschwerden sehr hilfreich. Zudem wird sie in der Frauenheilkunde zum Einreiben der Brust bei gutartigen Veränderungen des Brustdrüsengewebes, etwa durch wechseljahrbedingte Östrogenschwankungen oder schwangerschaftsbedingte hormonelle Veränderungen, empfohlen. Als Zutaten benötigen Sie:

  • 100 Milliliter Ringelblumenöl,
  • 8 Milliliter Löwenzahntinktur,
  • 5 Milliliter Braunwurztinktur,
  • 8 Tropfen Rosenöl,
  • 5 Tropfen Lavendelöl,
  • 5 Tropfen Geranienöl,
  • 25 Gramm Wollwachs
  • und 20 Gramm Bienenwachs.

1. Schritt: Erhitzen Sie im Wasserbad zunächst alle fetthaltigen Komponenten, also die Kräuteröle und das Wachs. Sobald alles geschmolzen ist, werden die Komponenten gut miteinander verrührt, bis sich eine homogene Masse ergeben hat.

2. Schritt: Nehmen Sie die Masse nun aus dem Wasserbad und geben Sie unter stetigem Rühren die Löwenzahnwurzel sowie die Braunwurztinktur hinzu. Sie können hier tatsächlich solange rühren, bis sich die Salbe etwas abgekühlt hat und spürbar fester geworden ist.

3. Schritt: Füllen Sie die abgekühlte, aber noch ausreichend warme und zähflüssige Masse nun in einen Salbentiegel. Hier sollte die Salbe nun unabgedeckt vollständig abkühlen. Sobald dies geschehen ist, können Sie den Tiegel verschließen. Er sollte fortan kühl gelagert werden.

Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz

Früher war es in ärmeren Haushalten üblich, die “gelbe Wegwarte” ganz wie die echte Wegwarte als Kaffeeersatz zu nutzen. Dazu werden die geschnittenen Wurzelstücke zunächst geröstet und dann gemahlen. Das Pulver kann dann wie gewöhnliches Kaffeepulver verwendet werden.

Löwenzahn Kaffeetasse
Früher wurde aus gerösteten und gemahlenen Löwenzahnwurzeln ein Ersatz für Kaffee hergestellt. (Bild: Creativfamily/stock.adobe.com)

Löwenzahnessig

Blätter und Blüten des Löwenzahns werden bekanntlich gerne für Salate verwendet. Im Salatdressing lässt sich darüber hinaus auch Essig aus der Löwenzahnwurzel verarbeiten! Die Herstellung eines Löwenzahnessigs ist dabei ganz unkompliziert. Nehmen Sie einfach etwas frische oder getrocknete Löwenzahnwurzeln zur Hand und füllen Sie ein Einmachglas randvoll mit diesen auf.

Übergießen Sie das Ganze nun mit Apfelessig und lassen Sie das fest verschlossene Einmachglas für 14 Tage ziehen. Wie bei einer Tinktur muss das Glas täglich gut geschüttelt werden. Nach der Reifezeit filtern Sie dann die Wurzelkräuter ab und geben den Essig in ein geeignetes Gefäß zur Aufbewahrung. Im Kühlschrank gelagert hält sich der Löwenzahnessig ungefähr ein Jahr.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

  • Bei Überempfindlichkeiten kann es nach der Einnahme von Löwenzahnwurzel zu Bauchschmerzen oder Durchfall kommen. Auch sollten Allergiker mit einer Allergie gegen Pflanzenpollen oder Korbblütler hier Vorsicht walten lassen und Präparate der Löwenzahnwurzel im Zweifelsfall lieber nicht anwenden.
  • Ebenfalls von einer Anwendung absehen sollten Menschen mit bestehender Niereninsuffizienz, da der harntreibende Effekt der Radix taraxaci hier eine zusätzliche Belastung für die Nieren darstellen könnte. Ebenso wird Patienten mit Magengeschwüren, Gastritis oder Reizdarmsyndrom von der Einnahme der gastrointestinal hochaktiven Löwenzahnwurzel abgeraten. Selbes gilt für Menschen mit Gallenwegs- oder Darmverschluss. Hier kann die sekret- und verdauungsfördernde Wirkung der Löwenzahnwurzel nicht viel ausrichten, sondern die Beschwerden durch zusätzliches Stauungsmaterial eher verschlimmern.
  • Mit Blick auf die Dosierungsrichtlinien von Löwenzahnwurzel ist es wichtig, diese gewissenhaft einzuhalten. Wer zu viel der Wurzelkräuter zu sich nimmt, läuft nämlich Gefahr, eine bedrohliche Entwässerung des Körpers und damit eine Dehydrierung bzw. Austrocknung zu riskieren. Zu spaßen ist mit dem harntreibenden Effekt also nicht. Wer sich aber an die Anwendungskriterien hält, der findet in der Löwenzahnwurzel ein sehr wertvolles Heilkraut, das vielseitig eingesetzt werden kann und definitiv einen festen Platz in der Hausapotheke verdient hat.

(ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Hiller, Karl; Melzig, Matthias: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Band L bis Z, Spektrum, 2000
  • M. González-Castejón, F. Visioli, A. Rodriguez-Casado: Diverse biological activities of dandelion, in: Nutr Rev. 2012 Sep;70(9):534-47, doi: 10.1111/j.1753-4887.2012.00509.x. Epub 2012 Aug 17, PubMed
  • Schilcher, Heinz; Kammerer, Susanne; Wegener, Tankred: Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2010
  • L. Cai,D. Wan, F. Yi, L. Luan: Purification, Preliminary Characterization and Hepatoprotective Effects of Polysaccharides from Dandelion Root, in: Molecules, 22(9). pii: E1409. doi: 10.3390/molecules22091409, 2017 Aug 25, PubMed
  • S. C. Sigstedt et al.: Evaluation of aqueous extracts of Taraxacum officinale on growth and invasion of breast and prostate cancer cells, in: Int J Oncol.;32(5):1085-90, 2008 May, PubMed

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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