Basenkur – sinnvoll oder sinnlos?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Eine Basenkur soll dazu dienen, eine Übersäuerung im Körper auszugleichen, sowohl bei einer gestörten Balance als auch, um eine Übersäuerung gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu soll eine „basische Ernährung“ ebenso dienen wie ein „Basenbad“. Der Organismus soll „entschlackt“ und „entsäuert“ werden.


Basenkur – Die wichtigsten Fakten

  • Eine Basenkur soll das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Körper ausgleichen.
  • Verfechter von Basenkuren meinen, dass viele Menschen an abgelagerten Säuren im Körper leiden, die durch Basenbäder, basische Speisen und basische Nahrungsergänzungsmittel behandelt werden können.
  • Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass der Körper allein durch eine säurebildende Nahrung übersäuern könnte. Hingegen führt eine erhöhte Leistung des Stoffwechsels bei einem hohen Säurelevel auf Dauer eher zu anderen Problemen.
  • Reale Erkrankungen, die zu einer Übersäuerung und dann zum Beispiel zu Nierenverkalkung führen, entstehen durch Störung von Organen wie der Niere und lassen sich durch basische Kost oder Basenkuren nicht behandeln.
  • Säuren lagern sich nicht im Körper ab, sondern werden durch Ausatmen, Urin und Kot ausgeschieden sowie durch die Puffer im Blut neutralisiert.
  • Basenkuren sind generell wenig hilfreich, da der vermutete Wirkmechanismus nicht existiert. Es spricht indessen nichts gegen einen Verzehr von basenbildender Nahrung wie Obst und Gemüse, da diese generell gesund sind. Bestenfalls überflüssig sind „basenbildende Nahrungsergänzungsmittel“.
Obst und Gemüse gehören zu basenbildenden Lebensmitteln. (Bild: M.studio/fotolia.com)

Säuren und Basen in der Nahrung

Manche Lebensmittel bilden Säuren im Körper, andere Basen. Das hat mit saurem Geschmack nichts zu tun, sondern damit, in welche Stoffe die Nahrung im Körper zerteilt wird. Zieht der Körper aus dem Essen mehr saure Stoffe, handelt es sich um Säurebildner; entstehen bei der Verdauung basische Produkte, ist die Speise ein Basenbildner.

So wirken Zitrusfrüchte, obwohl sie Fruchtsäuren enthalten, letztlich basisch durch die Mineralstoffe, die sie liefern. Die Fruchtsäuren baut der Stoffwechsel ab. Tierische Eiweiße wie in Fleisch, Wurst oder Hartkäse bilden hingegen Säure. Wenn der Körper sie abbaut, entsteht Schwefelsäure.

Die Faustregel lautet: Obst und Gemüse sind meist Basenbildner und Säure bilden grundsätzlich:

  • Fleisch,
  • Fisch,
  • Wurst,
  • Eier,
  • Käse
  • Weißmehlprodukte
  • und alle Speisen mit Phosphat.

Viel Fleisch und wenig Gemüse führen also dazu, dass sich viel Säure im Körper befindet.

Ist eine Basenkur sinnvoll?

Manche Anhänger der Naturheilkunde betonen, dass einem Übermaß an Säure durch Basenbäder und basische Ernährung entgegengesteuert werden könne. Durch diese Basenkur werde der Körper „entschlackt“ und „entsäuert“. Basenfasten unterstütze jede Körperzelle dabei, die aus den Fugen geratene Balance zwischen Säuren und Basen wiederherzustellen.

Funktioniert unser Körper aber so, dass Abbaustoffe, sogenannte Schlacken und überschüssige Säure sich ansammeln und durch eine Basenkur „abgeleitet“ werden können? Nun wissen auch Heilpraktiker, die Basenkuren durchführen, in der Regel, dass der Körper kein Kohleofen ist, in dessen Rohr sich Schlacke bildet, so dass die Basenkur den Schornsteinfeger ersetzt. Sie betonen, dass es sich beim Begriff „Schlacken“ um chemische Abbauprodukte handelt und der Begriff „Schlacken“ nicht wörtlich zu verstehen sei.

Bei der Verdauung tränkt sich der Speisebrei mit bis zu sieben Litern sauren Verdauungssäften aus verschiedenen Organen. Am Ende des Verdauungsprozesses entzieht der Darm die Flüssigkeit wieder und die Abbauprodukte verlassen den Körper als Kot und Urin. Auch Schwitzen und Ausatmen sind Prozesse, bei denen der Organismus nicht verwertete Stoffe ableitet. Es gibt keinen medizinischen Grund, diese biologischen Prozesse zu stören. In einem gesunden Körper sammeln sich weder „Schlacken“ an noch Produkte des Stoffwechsels, die der Organismus nicht verwertet. Die Abbauprodukte scheidet der Körper vielmehr über Nieren und Darm aus. Für eine Basenkur, um einer Übersäuerung vorzubeugen, fehlt also jede Grundlage.

Wer hauptsächlich Obst und Gemüse auf dem Speiseplan hat, braucht keine anderen basenbildenden Maßnahmen. (Bild: sarsmis/fotolia.com)

Übersäuern durch säurelastige Ernährung?

Einen Großteil der nicht verwerteten Stoffe baut unser Körper durch Urin und Stuhlgang ab. Bei Säuren sind die biochemischen Prozesse weit komplizierter. Hier handelt es sich um Endprodukte der Verdauung, die der Körper bereits aus dem Darm aufgenommen hat. Und Säuren sind mitnichten nur schädlich, denn verschiedene Regionen des Organismus brauchen Säurekonzentrationen in verschiedener Höhe, um zu funktionieren.

In der Scheide herrscht ein saures Milieu, das Krankheitserreger abwehrt. Fällt hier der pH-Wert auf basisch, haben Infektionen leichtes Spiel. Im Magen ist Salzsäure notwendig, um Eiweiße zu zersetzen. Des Weiteren wird die basische Galle neutralisiert, ebenso wie der Saft der Bauchspeicheldrüse.

Besonders sensibel bezüglich der Übersäuerung ist das Blut. Es hat einen ständigen pH-Wert um 7,4 und bereits geringe Abweichungen führen zur sogenannten Azidiose. Eine solche Blutübersäuerung kann drastische Folgen haben. Im Hirn und Rückenmark wird die Kommunikation der Nerven gestört, was in schlimmen Fällen zu Orientierungslosigkeit und Koma führen kann. Übrigens leidet die Gesundheit ebenfalls, wenn das Blut auch nur ein wenig zu basisch wird.

Eine solche Blutübersäuerung entsteht aber nicht durch säurebildendes Essen, zumindest nicht vorrangig. Ursache sind vielmehr gestörte Funktionen von Nieren oder Atemorganen. Diese entfernen normalerweise die überschüssige Säure. Kurz gesagt: Gesunde Menschen übersäuern nicht.

Während der Laboruntersuchung lässt sich der pH-Wert der Substanzen feststellen. (Bild: Robert Przybysz/fotolia.com)

Lagert sich Säure ab?

Sind kurzfristig zu viele Säuren im Blut, gleicht die Lunge das über tiefes Ein- und Ausatmen aus. Kohlendioxid bildet gemeinsam mit Wasser Kohlensäure – ausgeatmetes Kohlendioxid heißt also weniger Kohlensäure und das heißt weniger Säure.

Die Nieren pumpen positive Wasserstoffionen, die sauer wirken, in den Urin. Dieser enthält eine tausendfach höhere Konzentration von Säure als das Blut. Die hoch konzentrierte Säure verlässt beim Urinieren unseren Körper. Sie lagert sich also nirgendwo ab, bleibt in keiner Körperzelle „hängen“ und es bedarf keiner Basenkuren, um sie zu „entsäuern“.

Ist es egal, wie viel Säure wir bilden?

Eine Ernährung, die vor allem aus säurebildenden Speisen besteht, kann auf Dauer zu Problemen führen. Diese sind nicht auf einen zu hohen Säuregehalt im Körper zurückzuführen, sondern entstehen, weil der Stoffwechsel „Schwerarbeit“ leisten muss, wenn er ein solch hohes Maß an Säure abbaut. Der Organismus übersäuert jetzt nicht, sondern der Wert des Stresshormons Cortisol steigt.

Der Einfluss der Übersäuerung des Körpers auf Osteoporose wurde wissenschaftlich widerlegt. (Bild: crevis/fotolia.com)

Wogegen soll eine Basenkur wirken und was ist dran?

Anhänger von Basenkuren vermuten, dass zahlreiche Krankheiten durch eine Übersäuerung infolge einer „säurereichen“ Ernährung entstehen. So soll sie die Knochen schwächen und chronische Krankheiten verursachen wie Osteoporose, Rücken- oder Gelenkschmerzen. Für geschwächte Knochen durch eine „säurereiche“ Ernährung gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege, ebenso fehlt der Nachweis, dass chronische Krankheiten dadurch ausgelöst werden.

Zum möglichen Einfluss der Übersäuerung auf Osteoporose im Alter liegt eine Studie vor, da in der These der basischen Ernährung vermutet wird, dass Kalzium im Körper gelöst werden müsse, um die überschüssigen Säuren zu neutralisieren, was auf Dauer zu Knochenschwäche führe. Die hier zitierte Studie widerlegt diese These.

Das Ergebnis einer anderen Studie war: Eine säurebildende Nahrung, die zum Beispiel reich an Phosphat, Protein und Getreide ist, wirkt sich nicht negativ auf die Knochen aus. Es gibt keinen Hinweis, dass eine „säurereiche“ Ernährung zum Abnehmen der Knochendichte führt. Zwar beinhaltete der Urin mit zunehmendem Säureanteil auch mehr Kalzium, dieses stammte jedoch höchstwahrscheinlich aus der Nahrung, nicht aus den Knochen und es überstieg nicht die mit der Nahrung aufgenommene Menge.

Aus vielerlei Gründen ist der Verzehr von Obst und Gemüse zwar gesund und Teil einer ausgewogenen Ernährung, „Basenförderer“ in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sind aber bestenfalls überflüssig.

Was ist dran an den „Ursachen einer Übersäuerung“?

Verfechter der basischen Ernährung meinen, dass

  • Schlafmangel,
  • Rauchen
  • und wenig Bewegung

zusätzlich zu einer Übersäuerung führen. Dann erhalte der Körper zu wenig Sauerstoff und es bilde sich Milchsäure. Rauchen ist zwar ohne Frage sehr schädlich, erhöht die Krebsgefahr und löst Zellmutationen aus, zudem schädigt es die Gefäße, doch es führt nicht dazu, dass sich Säure bildet. Das gilt in der Regel auch für einen Mangel an Bewegung. Bei Schlafmangel gilt, dass der Körper permanent dafür sorgt, dass er mit 98 Prozent Sauerstoff gesättigt wird.

Ungleichgewicht der Säfte?

Unklar ist, woher die Idee kommt, dass eine „Übersäuerung“ für viele Erkrankungen verantwortlich sei. Ein „Verdächtiger“ ist die vormoderne Lehre von den verschiedenen Körpersäften, die von der Antike bis in die Neuzeit verbreitet war. Demnach entstanden die meisten Krankheiten, weil die Körpersäfte nicht im Ausgleich waren. Diese Lehre ist lange widerlegt.

Als Ergänzung der gesunden Ernährung darf Bewegung nicht fehlen. (Bild: Mediteraneo/fotolia.com)

Wo liegt das Problem?

Der Organismus kann zu viel Säure sehr gut abfedern, ein wenig durch den Urin, besonders aber durch die Bicarbonat-Puffer. Ein nicht kranker Mensch hat circa 20 mal so viele freie Basenmoleküle im Körper wie Säuremoleküle, sodass er kaum übersäuert. Das Problem der westlichen Gesellschaften ist vielmehr, dass die Menschen zu viel essen und dass zu viel und zu ungesundes Essen den Stoffwechsel belastet. Das führt auf Dauer zu Übergewicht, Herz-Kreislaufproblemen und Stoffwechselstörungen – nicht aber zu einem „Säurestau“.

Führen basische Lebensmittel zu einem „basischeren“ Körper?

Nein, eine basische Ernährung führt nicht zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt und eine tatsächliche Übersäuerung, die zum Beispiel durch nicht richtig funktionierende Nieren entsteht und zu Nierenverkalkung führt, lässt sich mit einer Basenkur nicht behandeln.

Sind „basische Nahrungsergänzungsmittel“ immer unbedenklich?

Die Zeitschrift Öko-Test kam 2015 bei der Untersuchung von 32 basischen Nahrungsergänzungsmitteln zu einem verheerenden Ergebnis. Fünf erhielten die Note mangelhaft, alle anderen ungenügend. Die Begründung: Kein Nutzen für die Verbraucher, überdosierte Inhaltsstoffe und unzureichende Deklaration.
So gebe es kaum produktspezifische Studien und Angaben seien irreführend. Zum Beispiel erklärte einer der Produzenten „Zink trägt zum normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei“. Laut Öko-Test gibt es bei der Allgemeinbevölkerung der EU jedoch keinen verschlechterten Säure-Basen-Stoffwechsel durch die Aufnahme von zu wenig Zink. Dies bezieht sich auf die Angaben der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA.
Zulässige Höchstmengen wurden in den Produkten häufig überschritten, wie zum Beispiel bei

  • Kalium,
  • Kalzium,
  • Magnesium
  • und Zink.

Gänzlich unnötig seien zudem Zusätze wie

  • Kieselerde,
  • Zeolith
  • und Korallenpulver.

Es wurde festgestellt, dass sich in 13 Produkten viel Nickel befand. Öko-Test rät daher: Kein Geld für Basenpulver ausgeben und sich stattdessen ausgewogen ernähren. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Fenton, Tanis R. et al.: "Causal assessment of dietary acid load and bone disease: a systematic review & meta-analysis applying Hill's epidemiologic criteria for causality", in: Nutrition Journal, 2011, BMC
  • Fenton, Tanis R. et al.: "Meta-analysis of the effect of the acid-ash hypothesis of osteoporosis on calcium balance", in: Journal of Bone and Mineral Research, Volume 24 Issue 11, November 2009, Wiley Online Library
  • Straubinger, Hermann: Übersäuerung: Die besten Tipps für ein harmonisches Säure-Basen-Gleichgewicht Ihres Körpers, Mankau Verlag, 2014
  • Ensfellner, Bernadette; Neumayer, Petra: Gesundheit in Balance: Wie Sie Ihren Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht bringen, Lebensbaum, 2016
  • Tichy, Eveline; Tichy, Klaus: Das große Praxisbuch der Schüßlertherapie: Erfolgreich behandeln mit Mineralsalzen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2006
  • van Limburg Stirum, John: Moderne Säure-Basen-Medizin: Physiologie - Diagnostik - Therapie, Hippokrates, 2008