Mariendistelkraut – Wirkung und Anwendung

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Diesteln: Anwendung in der Naturheilkunde

Disteln sind in erster Linie für ihre stechenden Blattnadeln bekannt. Auch als Zutat für Salate oder Gemüsebeilagen mögen die Gewächse mit den Dornenblättern so manchem noch ein Begriff sein. Dass einige Distelarten aber auch eine besondere Heilwirkung haben, ist heutzutage vielen gar nicht mehr bewusst. Tatsächlich gehören Disteln nämlich zu den alten Heilpflanzen der Volksheilkunde. Das gilt insbesondere für das Mariendistelkraut (Silybum marianum), das unseren Vorfahren als Heilmittel bei Frauenleiden und Verdauungsstörungen bekannt war. Heute wird es vor allem bei Leber- und Gallenbeschwerden verwendet. Allerdings zeigt Mariendistelkraut auch noch bei einer Fülle anderer Gesundheitsbeschwerden gute Wirkung. Gerade die Heilwirkung der Pflanze im Bereich der Verdauungsorgane beschränkt sich hier nicht allein auf die Leber.


Steckbrief zu Mariendistelkraut

Wissenschaftlicher Name: Silybum Marianum, Cauduus marianus
Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
Volkstümliche Bezeichnungen: Christi Krone, Donnerdistel, Fechdistel, Fieberdistel, Frauendistel, Heilandsdistel, Marienkorn, Milchdistel, Stechkorn, Stechkraut, Venusdistel, Weißdistel
Verwendete Pflanzenteile: blühendes Kraut, Wurzel
Herkunft: Mittelmeerraum, Nordafrika, Südeuropa, Mitteleuropa, Südrussland, Kleinasien
Wichtigste Inhaltsstoffe:

  • Amine,
  • Bitterstoffe,
  • ätherische Öle,
  • Flavonoide
  • und Gerbstoffe.

Anwendungsgebiete:

Mariendistelkraut unterscheidet sich von den anderen Distelsorten durch Marmorierung der Blätter. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Kräuterportrait: Das Heilkraut der Heiligen Mutter

Das bis zu eineinhalb Meter hohe Mariendistelkraut stammt ursprünglich aus Nordafrika und den warmen Regionen des Mittelmeerraums, wobei es dank seiner guten Winterhärte auch in gemäßigten Breitengraden leicht verwildert und deshalb in Mitteleuropa schon seit Jahrhunderten heimisch ist. Die Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler und im Speziellen zur Unterfamilie der Carduoideae, die ihren Namen der Ringdistel (Carduus) verdanken. Es handelt sich dabei um eine weitere, bei uns heimische Distelgattung, zu der man früher auch das Mariendistelkraut zählte. Heute bildet Silybum jedoch eine eigenständige Gattung. Und wenngleich diese nur zwei bekannte Arten umfasst, ist der Sonderstatus doch gerechtfertigt. Denn wer Ring- und Mariendistelkraut etwas genauer unter die Lupe nimmt, dem fallen schnell einige signifikante Unterschiede auf.

So hat das Mariendistelkraut zwar die für Disteln typischen, mit Dornen besetzten Fiederblätter, im Gegensatz zur Ringdistel sind diese jedoch bei Arten der Silybum milchweiß marmoriert. Zudem ist im Falle des Mariendistelkrauts auch die Blüte von einem kräftigen Dornenkranz umgeben, der wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei vielen anderen Distelarten. Die unverkennbaren, leuchtend violetten Korbblüten, die in ihrer Form einer Puderquaste ähneln, haben beide Distelgattungen gemeinsam. Allerdings wachsen sie bei dem Mariendistelkraut einständig, während Ringdisteln auch mehrständige Blüten hervorbringen.

Wissenswertes: Die Quastenform der Distelblüten ist bei dem Mariendistelkraut außerdem für deren fachbotanischen Namen verantwortlich. Der Begriff „Silybum” leitet sich nämlich von dem lateinischen Wort „silibon” ab, der übersetzt „Quaste” bedeutet.

Ein weiterer Unterschied des Mariendistelkrauts zur Ringdistel findet sich in deren Heilwirkung. Denn nur das Mariendistelkraut besitzt Inhaltsstoffe, die laut einer Studie, als Lebertherapeutika eingesetzt werden können. Beinamen wie Frauendistel, Venusdistel oder Milchdistel verweisen zusätzlich auf die Nutzung des Mariendistelkrauts als Frauenheilkraut. Sowohl Regelschmerzen als auch typische Frauenleiden werdender Mütter, wie zum Beispiel der Milchstau, sollen dabei positiv auf eine Behandlung mit Silybum Marianum reagieren.

Legenden, Geschichte und Symbole

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der offizielle Name „Mariendistelkraut” selbst. Er ist nicht zufällig gewählt, sondern erinnert an die besondere Verbindung der Distel zum Leben der Jungfrau Maria. Einer Legende zufolge soll die Pflanze Maria während ihrer Flucht nach Ägypten nämlich einen sicheren Unterschlupf aufgezeigt haben. Als sie dort das Jesuskind stillte, sollen Tropfen von Muttermilch auf die Blätter des Mariendistelkrauts gefallen sein, welche die arttypische, milchig-weiße Marmorierung der Distelblätter verursacht haben sollen. Kaum verwunderlich also, dass das Mariendistelkraut am Gedenktag der Gottesmutter, Mariä Himmelfahrt, ein wichtiges Standardornament auf dem Altar und in Blumengestecken darstellt. Darüber hinaus werden die Blattdornen der Pflanze gerne mit der Dornenkrone Jesu Christi assoziiert, wodurch sich Beinamen wie Christi Krone oder Heilandsdistel erklären lassen.

In Schottland ist die Distel nicht nur Nationalpflanze, sondern auch Schutzsymbol des Distelordens. Sein Name entstammt einer Legende, die besagt, dass die Distel die ersten Ritter des Ordens nachts vor dem Feind gewarnt haben soll, als dieser auf die Pflanze trat und, gestochen von deren Dornen, laut aufschrie. Die Ritter erwachten daraufhin aus ihrem nächtlichen Schlaf und waren folglich dazu in der Lage, den Feind und sein Heer noch rechtzeitig abzuwehren. Der dornige Schutz der Distelblätter und -blüten wurde so höchstwahrscheinlich zum Symbol der Wehrhaftigkeit schottischer Ritter. „Nemo Me Impune Lacessit” („Niemand greift mich ungestraft an”) – lautet das Motto des schottischen Distelordens.

Mariendistelkraut ist in der Geschichte und in den Legenden Schottlands häufig zu finden. (Bild: cornfield/fotolia.com)

In England sollten Amulette aus Mariendistelkraut vor Schlangen schützen, die im Mittelalter als Boten des Teufels galten. Der Aberglaube lässt sich in diesem Fall aber auf einen medizinischen Ursprung zurückführen. Der altgriechische Arzt Dioskurides empfahl Silybum Marianum nämlich schon in der Antike gegen Schlangenbisse und verwies damit als einer der ersten auf die entgiftende Wirkung des Mariendistelkrauts.

Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter der Naturkunde, verwendete die Distel dagegen zur „Gallenabfuhr“ und legte so den Grundstein für die Nutzung von Mariendistelkraut bei Gallenstau und Verdauungsstörungen.

Die berühmte Klosterfrau und Mutter aller Kräuterfrauen, Hildegard von Bingen, entdeckte Mariendistelkraut wiederum als Herz- und Schmerzmittel. So empfahl sie das Kraut gegen „Stechen im Herzen und anderen Organen des Körpers“. Außerdem fielen ihr die guten Behandlungsmöglichkeiten von Silybum Marianum bei Vergiftungen und Gallenleiden wie der Gelbsucht auf. Ein englischer Botaniker und Hofarzt von König James I. schrieb der Pflanze sogar eine außergewöhnliche Wirkung bei Depressionen zu, was der Nutzung von Mariendistelkraut als Antidepressivum den Weg ebnete.

Bereits Hildegard von Bingen erwähnte die wohltuenden Eigenschaften vom Mariendistelkraut. (Bild: laufer/fotolia.com)

Anwendungsgebiete

Es wird ersichtlich, dass die Liste möglicher Anwendungsgebiete bei Silybum Marianum lang ist. Insgesamt sind folgende Behandlungsbereiche bekannt:

Am häufigsten Verwendung findet Mariendistelkraut traditionell bei Lebererkrankungen. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Inhaltsstoffe und Wirkung

Der Wirkstoffkomplex des Mariendistelkrauts wird gemeinhin auch als „Silymarin” bezeichnet. Diese Bezeichnung ist oftmals irreführend, da sie den Eindruck erweckt, es handle sich hierbei um eine bestimmte Substanz. In Wahrheit setzt sich Silymarin jedoch aus verschiedenen Inhaltsstoffen der Pflanze zusammen. Darüber hinaus enthält das Kraut noch einige gesonderte Essenzen, welche für die Heilwirkung ebenfalls eine Rolle spielen. Insgesamt sind folgende Wirkstoffe des Mariendistelkrauts hervorzuheben:

  • Amine,
  • ätherische Öle,
  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide
  • und Gerbstoffe.

Amine

Amine sind Ammoniakderivate, die für gewöhnlich zur Herstellung von Farbstoffen, Schmierstoffen und von manchen Pharmaprodukten verwendet werden. Biogene Amine im Speziellen haben daneben auch eine medizinische Wirkung. Dies gilt unter anderem für das Tyramin und Histamin, die beide in dem Mariendistelkraut vorkommen. Tyramin ist ein sogenanntes Sympathomimetikum und beeinflusst als Neurotransmitter die Erregungsleitung des Körpers. Es ist dementsprechend dazu in der Lage, die Atemwege zu erweitern sowie den Blutdruck und die Herzfrequenz zu erhöhen. Hierdurch kann es zu einer kurzfristigen Leistungssteigerung kommen, was beim Sport oftmals wünschenswert ist.

Auch Patienten mit niedrigem Blutdruck oder Atemwegsbeschwerden können von Tyramin profitieren. Gleiches gilt für Personen, die Abnehmen wollen, denn das Tyramin hemmt das Hungerzentrum im Gehirn, wodurch es leichter wird, auf ungesunde Zwischenmahlzeiten zu verzichten. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass Tyramin die Ausschüttung von Noradrenalin befördert. Hierdurch kann es zu einer Welle der Euphorie kommen, was bei Stimmungsschwankungen und Depressionen durchaus wünschenswert ist.

Tyramin, eine von vielen Substanzen des Mariendistelkrauts, ist als Neurotransmitterin der Lage, Nervenzellen im menschlichen Körper zu beeinflussen. (Bild: peterschreiber.media/fotolia.com)

Besser bekannt als Tyramin ist gewiss das biogene Amin Histamin. Ein weiterer Neurotransmitter, der normalerweise vom Körper selbst hergestellt wird und insbesondere für die Immunfunktion unerlässlich ist. Denn Histamin veranlasst das Immunsystem bei Vorliegen einer Infektion oder Allergie zur Entzündungsreaktion. Davon abgesehen ist Histamin aber auch an der Produktion von Magensäure und damit an der Verdauung beteiligt. Wer über Verdauungsbeschwerden klagt, dem kann eine zusätzliche Einheit Histamin aus Mariendistelkrautpräparaten folglich guttun. Ferner beeinflusst das Amin auch den Schlaf-Wach-Rhythmus und damit die geistige und seelische Ausgeglichenheit. Wer nicht zur Ruhe kommt und darum an einem nervösen Darm oder gar Verstopfung und Magenkrämpfen leidet, dem könnte das disteleigene Histamin helfen.

Bitterstoffe

Die ungeschlagenen Experten im Bereich der Verdauungsförderung sind Bitterstoffe. Als Hauptbestandteil von Magenbitter regen sie die Produktion von Magen- und Gallensaft an und erleichtern so die Verdauung. Ferner unterstützen sie die Kontraktionsfähigkeit der Darmmuskeln, was die Darmperistaltik anregt. Alles in Allem wirken Bitterstoffe:

  • antimikrobiell,
  • appetitanregend,
  • durchblutungsfördernd,
  • entzündungshemmend,
  • fiebersenkend,
  • immunstärkend,
  • krampflindernd
  • und sekretfördernd.

Die verdauungsfördernden Eigenschaften des Mariendistelkrauts, wie auch seine gute Wirkung bei Entzündungen und Krämpfen, ist also zu großen Teilen den in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffen zu verdanken.

Auch wenn Mariendistelkraut als Mittel gegen manche Vergiftungen bekannt ist – im Notfall sollte immer ärztliche Hilfe geholt werden. (Bild: Hanna Gottschalk/fotolia.com)

Flavonoide

Der Wirkstoffkomplex Silymarin setzt sich maßgeblich aus verschiedenen Flavonoidderivaten zusammen. Hierzu zählen:

  • Silibinin,
  • Silicristin
  • und Silidianin.

Die Flavonoide sind als antibiotische Wirkstoffe bei Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz bekannt. Das Pilzgift belastet insbesondere die Leber, wogegen die leberschützende Wirkung der Flavonoide einen besonderen Reinigungseffekt erzielt.

Achtung: Wir raten entschieden davon ab, bei einer vorliegenden Vergiftung Privatexperimente mit Mariendistelkraut anzustellen! Jedwede Intoxikation erfordert eine umgehende Verständigung des Notarztes! Die Einnahme von Mariendistelkraut sollte hier ausschließlich zur Überbrückung der Wartezeit auf den Krankenwagen in Betrachtung gezogen werden!

Auch zur Behandlung von Lebererkrankungen wie etwa der Fettleber oder Hepatitis C lässt sich die leberreinigende Wirkung der Flavonoide in Silymarin nutzen. Zudem hemmt der Wirkstoffkomplex die krankhafte Vermehrung von Bindegewebe, was bei Leberzirrhose eine entscheidende Rolle spielt. Die Flavonoide in dem Mariendistelkraut haben eine

  • antioxidative,
  • blutdrucksenkende,
  • entwässernde
  • und krampflindernde Wirkung.

Abermals kommen diese Effekte der Verdauung zu Gute, weshalb Silymarin traditionell bei Blähungen und Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz kommt. Zudem stärken die Flavonoide als Antioxidantien und Blutdrucksenker die Herzfunktion sowie die Gefäßgesundheit, indem sie Schadstoffe wie Umweltgifte, die im Herz-Kreislauf-System oxidativen Stress verursachen, neutralisieren.

Bereits 2011 wurden im Rahmen einer Studie die Flavonoide im Silymarin auf ihr medizinisches Potenzial bei der Behandlung von Lungenkrebs getestet. Chinesische Forscher kamen hier zu dem Ergebnis, dass der Wirkstoffkomplex des Mariendistelkrauts möglicherweise neue Therapieoptionen eröffnet. Die Studien zu diesem Thema wurden seither intensiv weiterverfolgt und der Nutzen von Silymarin in der Krebsbehandlung wurde mehrfach bestätigt.

In Apotheken sind Mariendistelkraut-Präparate zum Beispiel in Form von Kapseln erhältlich. (Bild: H. Brauer/fotolia.com)

Gerbstoffe

Gegen Entzündungskrankheiten und Infektionen helfen vor allem die Gerbstoffe des Mariendistelkrauts. Dabei ist es einerlei, ob sich die Entzündung auf Nervenfasern oder Organgewebe bezieht, denn die pflanzlichen Gerbstoffe, besser bekannt als Tannine, wirken sowohl auf Haut- als auch auf Organ-, Muskel- und Nervengewebe adstringierend. Das bedeutet, dass sie einen zusammenziehenden Effekt haben, wodurch Entzündungskeimen und Infektionserregern das Eindringen ins Gewebe erschwert wird. Dank diesem Wirkmechanismus lassen sich besonders gut

  • Hautentzündungen,
  • Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
  • und Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum behandeln.

Darüber hinaus wirken Gerbstoffe als Gegengift bei Schwermetall- und Alkaloidvergiftungen, was den Entgiftungseffekt des Mariendistelkrauts verbessert. Durch ihre wundheilenden und blutstillenden Eigenschaften helfen die Tannine außerdem dabei, Frauen die Menstruation zu erleichtern und Regelschmerzen zu reduzieren.

Anwendung und Dosierung

Verwenden kann man bei dem Mariendistelkraut sowohl dessen Blattkräuter als auch die Blüten, Früchte und Samen der Pflanze. Wer das Kraut selbst kultiviert oder in der Nähe seines Hauses Orte mit nutzbaren Sammelbeständen kennt, der kann die Pflanzenteile von Juli bis August selbst ernten, trocknen und im Anschluss weiterverarbeiten. Die Fruchtreife der Distelfrüchte und Samen liegt dagegen im September. Der reife Fruchtstand ist an seinen seidigen Haarkronen zu erkennen, die ein wenig an den Samenstand der Pusteblume erinnern. Der seidige Pappus wird vor der Weiterverarbeitung der Früchte entfernt und nicht medizinisch genutzt.

Mariendistelkraut in der Küche

Die älteste Form der Nutzung von Silybum Marianum ist die als Nahrungsmittel. Vor allem im Mittelalter galt die Pflanze als ein wichtiges Stärkungsmittel in Notzeiten, wenn andere Lebensmittel knapp waren. Zu diesem Zweck bereitete man die frischen Blütenköpfe der Distel zu wie Artischocken, kochte sie also in Wasser und servierte sie dann als Salatzutat oder Gemüsebeilage.

Heute ist insbesondere Mariendistelkraut-Öl als gesunde Variante zu herkömmlichen Standardölen, die mit reichlich gesättigten Fettsäuren belasteten sind, sehr beliebt. Es ist leicht bekömmlich und eignet sich wunderbar, um Salate oder Antipasti abzuschmecken. Zudem fördert es dank seiner magen-darm-freundlichen Inhaltsstoffe auch die Verdauung und erleichtert der Leber die Fettverdauung. Zu kaufen gibt es das Mariendistelkraut-Öl in jedem Reformhaus, Bioladen oder auch in gut sortierten Supermärkten.

Übrigens: Die gerösteten Samen des Mariendistelkrauts wurden früher auch gerne als Kaffee-Ersatz verwendet. „Nimm Mariendistelkraut und etwas weniger Salbei und mache unter Zugabe von Wasser davon Saft. Gerade zur Stunde, wenn das Stechen einsetzt, trinke es, und es wird besser” – schrieb Hildegard von Bingen.

Ob bei Leberbeschwerden oder Regelschmerzen – Mariendistelkraut als Tee ist empfehlenswert. (Bild: Andrii/fotolia.com)

Mariendistelkraut-Tee

Auch die Zubereitung von Mariendistelkraut-Tee hat lange Tradition, etwa zur

  • Anregung der Milchsekretion während der Stillzeit,
  • Behandlung von Menstruationsbeschwerden,
  • Behandlung von Verdauungsstörungen,
  • Entgiftung, Reinigung und Stärkung der Leber,
  • Herzbeschwerden und Schmerzsymptomen,
  • Linderung von Muskel- und Nervenkrämpfen,
  • Stimulation der Gallensekretion
  • oder Stoffwechselanregung bei bestehenden Allergien.

Hier werden neben den Distelblüten auch die Früchte und Samen zur Teeherstellung genutzt. Wer bei der Dosierung auf Nummer sicher gehen möchte, der besorgt sich seinen Mariendistelkraut-Tee am besten als Fertigpräparat aus der Apotheke. Dort gibt es sowohl Einzel-Tees, die jeweils nur Blüten, Früchte oder Samen der Distel enthalten, als auch Misch-Präparate, die gegebenenfalls auch andere Heilpflanzen, wie zum Beispiel Salbei, Pfefferminze oder Fenchel enthalten.

Zubereitung von Mariendistelkraut-Tee:

  • Ein bis zwei Teelöffel Mariendistelkraut oder zerdrückte Früchte und Samen mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen,
  • circa zehn bis 20 Minuten ziehen lassen,
  • danach abfiltern und in kleinen Schlucken trinken.

Der Tee sollte jeweils vor den Mahlzeiten getrunken werden mit einer Tagesdosis von maximal drei Tassen.

Tipp: Mariendistelkrauttee eignet sich auch hervorragend als Mundspülung bei Zahnschmerzen oder Zahnfleischentzündungen. Allerdings kocht man hierfür nicht die oberirdischen Pflanzenteile, sondern die Wurzel der Distel ab. Manche empfehlen bei Beschwerden im Mundraum auch einfach, die Mariendistelkrautwurzel roh zu kauen.

Eine der Möglichkeiten, Mariendistelkraut zu verwenden, ist die Tinktur. (Bild: H. Brauer/fotolia.com)

Tinktur aus Mariendistelkraut

Zur äußeren Anwendung verwendet man primär Tinkturen aus den Mariendistelkrautsamen, die zuvor zu Pulver gemahlen und danach in Alkohol extrahiert wurden. Hierzu nimmt man

  • 20 Gramm gemahlene Früchte oder Samen,
  • 100 Milliliter Wodka
  • und ein Schraubglas.
  1. Schritt:
    Geben Sie die gemahlenen Mariendistelkrautkräuter in das Schraubglas und füllen Sie dieses randvoll mit Wodka auf.
  2. Schritt:
    Stellen Sie das Schraubglas auf eine lichtreiche Fensterbank und lassen sie den Tinkturenansatz für ca. vier Wochen reifen.
  3. Schritt:
    Im Anschluss wird die Tinktur abgesiebt und in eine dunkle Flasche gefüllt.

Die Tinktur kann äußerlich bei Hautbeschwerden, Ödemen, Krampfadern oder auch rheumatischen Erkrankungen angewendet werden. Reiben Sie hierzu das Extrakt ein- bis zweimal täglich auf die betroffene Hautstelle. Eine innerliche Anwendung der Tinktur ist ebenfalls möglich, etwa bei Lebererkrankungen oder Immunschwächen. Die Tagesdosis beträgt maximal dreimal 20 Tropfen pro Tag und es ist zu bedenken, dass diese Alkohol enthält.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Wer Alternativen zur äußeren Anwendung von Mariendistelkraut-Tinktur sucht, etwa weil seine Haut sehr empfindlich auf das starke Extrakt reagiert, der kann es auch mit einem Heilbad oder Umschlag aus Mariendistelkraut versuchen. Spezielle Cremes und Salben mit Mariendistelkraut sind keine Seltenheit mehr. Verdauungs-Kapseln aus Mariendistelkraut-Öl zur besseren Dosierung bei Verdauungsbeschwerden, Lebererkrankungen und Gallenproblemen sind ebenfalls im Reformhaus oder in der Apotheke erhältlich.

Wer eine Ringelblume-Allergie hat, kann davon ausgehen, dass auch Mariendistelkraut eine allergische Reaktion hervorrufen kann. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Nebenwirkungen

Schwere Nebenwirkungen sind für Präparate aus Mariendistelkraut nicht bekannt. Allerdings sollten Patienten mit bestehender Korbblütlerallergie vom Gebrauch der Pflanze absehen. Vor allem diejenigen, die bereits allergisch auf Artischocken und Ringelblumen reagieren, sind hier mit einem Verzicht besser beraten.

In seltenen Fällen kommt es aufgrund der abführenden Wirkung von Mariendistelkraut zu leichtem Durchfall. Stillende Mütter und Schwangere sollten die Einnahme von Mariendistelkraut zu Sicherheit vorab mit ihrem Arzt besprechen. Für Kinder ist die Einnahme des Krautes grundsätzlich nicht empfehlenswert. (ma)

Autoren:
Miriam Adam, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Li, Wenhai et al.: "Molecular mechanism of silymarin-induced apoptosis in a highly metastatic lung cancer cell line anip973.", in: Cancer Biotherapy & Radiopharmaceuticals, Volume 26 Issue 3, July 2011, liebertpub.com
  • Abenavoli, Ludovico et al.: "Milk thistle (Silybum marianum): A concise overview on its chemistry, pharmacological, and nutraceutical uses in liver diseases", in: Phytotherapy Research, Volume 32, Issue 11, November 2018, Wiley Online Library
  • Bäumler, Siegfried: Heilpflanzenpraxis heute: Rezepturen und Anwendung, Urban & Fischer Verlag, 2006
  • Saller R; Iten F.; Reichling J.: "Dyspeptische Beschwerden und Phytotherapie – eine Übersicht über traditionelle und moderne Phytotherapeutika", in: Forschende Komplementärmedizin Klass Naturheilkunde, Volume 8, 2001