Eigenurintherapie

Ärztin nimmt Urinbecher entgegen und beschriftet diesen

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Die Eigenharntherapie (auch genannt Eigenurintherapie) gehört zu den Reiz- und Umstimmungstherapien. Ähnlich der Eigenbluttherapie, soll der Eigenurin dazu dienen, im Körper einen Reiz zu entfachen, worauf dann eine Reaktion des Immunsystems zu erwarten ist. Angewandt wird bei der Therapie der Urin entweder innerlich, äußerlich oder als Injektion.


Verständlicherweise reagieren viele Menschen mit Ekel auf die Vorstellung, den eigenen Urin zu trinken oder sich diesen in einer Spritze, wenn auch nur in geringsten Mengen, injizieren zu lassen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die Eigenurintherapie bis heute immer noch sehr umstritten ist. Ihre Gegner glauben nicht an die Wirkung eines Stoffes, der vom Körper ausgeschieden wird. Hinzu kommt, dass es für eine heilende Wirkung der Eigenharntherapie bislang keine wissenschaftlichen Belege gibt. Diese fehlen jedoch bei vielen Therapien aus dem Bereich der Naturheilkunde und Alternativmedizin, was nicht heißen muss, dass diese nicht wirken. Viele Therapeutinnen und Therapeuten, die diese Methode einsetzen, tun dies mit Erfolg und berufen sich auf die langjährigen positiven Erfahrungen aus der Eigenurintherapie.

Die Eigenurintherapie sollte unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt werden. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Die Eigenharntherapie gilt als komplementär- oder alternativmedizinische Methode. Nur einige wenige Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten dafür.

Geschichte der Eigenurintherapie

Schon vor tausenden von Jahren wurde der Eigenurin von vielen Naturvölkern zur Diagnostik und auch zur Behandlung eingesetzt. Die Inder wandten die Eigenharntherapie beispielsweise an, um den Körper von belasteten Stoffen zu befreien. Auch der bekannte griechische Arzt Hippokrates (460 – 375 v. Chr.) arbeitete mit dieser Therapieform und nutzte die Heilkräfte des Urins. Im zwanzigsten Jahrhundert machte der Engländer John Armstrong die Eigenharntherapie bekannt. Er kurierte damit im Eigenversuch seine eigene Lungenerkrankung (Tuberkulose), die damals eigentlich als unheilbar galt.

Wirkungsweisen der Eigenurintherapie

Nach Meinung der Befürworterinnen und Befürworter der Eigenharntherapie wirkt diese schmerzlindernd, krampflösend, immunstimulierend und greift regulativ in das Hormonsystem ein.

Urin enthält Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium und Natrium, außerdem Vitamine, Aminosäuren, Hormone und Enzyme. Diese werden bei einer oralen Einnahme oder einer Injektion dem Körper wieder zugeführt. Dadurch wird ein Reiz ausgelöst, was den Körper veranlassen soll, mit einer sogenannten Reizantwort zu reagieren. So soll das Immunsystem stimuliert, also angeregt, werden und verschiedenste Krankheiten besser bekämpfen können. Äußerlich angewandt, soll vor allem die Wundheilung der Haut angeregt werden.

Bevor er nach außen gelangt, ist Urin eigentlich eine nahezu sterile Substanz. Er hat antiseptische und antivirale Eigenschaften, die bei der Behandlung genutzt werden können. Nimmt ein Patient oder eine Patientin jedoch Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika oder Glucocorticoide, so wird die Wirkung nahezu aufgehoben. Der Eigenurin enthält natürlich auch sogenannte toxische (giftige) Substanzen, die vor allem bei Krankheiten entstehen. Jedoch gehen die Befürworterinnen und Befürworter dieser Therapie davon aus, dass gerade diese das Immunsystem stärken und die Produktion von IgE und IgA stimulieren. Dies sind Immunglobuline, die im Körper als sogenannte Antikörper für die Immunität verantwortlich sind. Während einer Blasenentzündung oder eines sonstigen Harnwegsinfekts ist dennoch von einer Eigenurintherapie abzuraten.

Durchführung der Eigenurintherapie

Hier eine kurz Erläuterung, wie die verschiedenen Formen der Eigenurintherapie durchgeführt werden.

Innerliche Anwendung

Die innerliche Anwendung der Eigenharntherapie sieht gurgeln, inhalieren, Einlauf, Verwendung als Ohren- oder Nasentropfen sowie das Trinken vor. Zu diesem Zweck wird der tägliche, morgendliche Mittelstrahlurin in einem Gefäß aufgefangen und beispielsweise auf nüchternen Magen getrunken. Die innerliche Einnahme des Eigenurins wird als Kur über mindestens vier Wochen empfohlen. Dabei werden die Dosen kontinuierlich gesteigert, zum Beispiel von 0,5 Deziliter bis zwei Deziliter täglich.

Die Eigenurintherapie umfasst sowohl innerliche als auch äußerliche Anwendungen. (Bild: tunedin/fotolia.com)

Auch zur Herstellung eines homöopathischen Mittels kann der Eigenurin verwendet werden. Dafür muss er zunächst potenziert werden. Potenzierung bedeutet, dass eine Substanz, in diesem Falle der Urin, mit Wasser verdünnt und anschließend verschüttelt wird. Laut der homöopathischen Grundsätze soll dies der Substanz eine höhere Wirksamkeit verleihen. Die Potenzierung geschieht nach festgelegten Regeln. Auch der potenzierte Eigenurin wird zur oralen Einnahme verwendet, und zwar tropfenweise. Wie häufig ein Tropfen eingenommen wird und wie lange die Therapie dauert, sollte vorab mit einem in der Homöopathie und der Eigenurintherapie erfahrenen Behandler oder einer erfahrenen Behandlerin geklärt werden.

Eigenurin als Injektion

Bevor der Urin dem Körper durch eine Injektion wieder zugeführt wird, muss dieser steril gefiltert oder mit Alkohol versetzt werden. Meist werden noch Substanzen wie zum Beispiel Procain oder Lidocain hinzugefügt. Anschließend erfolgt eine Injektion äußerst geringer Mengen (0,1 bis 1,0 Milliliter) in den Muskel oder aber unter die Haut. Die Behandlung erfolgt im Abstand von zwei bis drei Tagen über einen Zeitraum von ungefähr vier bis sechs Wochen.

Äußerliche Anwendung

Für die äußerliche Anwendung wird der Eigenurin unverdünnt auf die Haut aufgetupft oder aber für Umschläge und Bäder verwendet.

Wann hilft die Eigenurintherapie?

Die innerliche Anwendung kostet die meisten Menschen eine ziemliche Überwindung. Der Ekel vor dem eigenen Urin hält deshalb auch viele von der Anwendung ab. Dazu kann man aber sagen, dass der Urin eines gesunden Menschen normalerweise keimfrei und hygienisch einwandfrei ist.

Die Eigenurintherapie soll gegen Rheuma, Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Hauterkrankungen und Atemwegserkrankungen helfen. Dabei hat sich die innerliche Einnahme als erfolgreichster Behandlungsweg bei diesen Krankheiten herausgestellt.

Reinjiziert wird Eigenurin häufig bei Asthma bronchiale sowie bei Pollenallergie und Heuschnupfen angewendet.

Die Eigenurintherapie soll auch bei der Behandlung von Heuschnupfen hilfreich sein. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Äußerlich eingesetzt wird Eigenurin bei verschiedensten Hauterkrankungen und Gelenkbeschwerden. So soll die Therapie etwa gegen Fußpilz, Sonnenbrand und Warzen helfen. Auch allgemeiner Juckreiz und Cellulite sollen damit gemildert werden können. Der Urin wird aufgetupft, Haut oder Gelenke werden mit Umschlägen versorgt und bei Fußpilz reichert der Eigenurin Fußbäder an.

Kontraindikationen

Personen, die an Bluthochdruck, Diabetes, Krebserkrankungen oder einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, sollten keine Eigenurintherapie durchführen. Auch von dem Einsatz bei akuten fiebrigen Erkrankungen, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkankungen der Niere und der Leber ist davon abzuraten.

Nebenwirkungen der Eigenharntherapie

Aufgrund mangelnder Reinheit des Urins oder gar Belastungen mit Bakterien und Viren kann es bei der Eigenurintherapie zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Müdigkeit kommen. Mangelnde Hygiene oder vorliegende Infektionen spielen hierbei oftmals als Ursache der Nebenwirkungen eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund sollten Patientinnen und Patienten vor Beginn der Therapie zunächst einen Heilpraktiker, eine Heilpraktikerin, einen Arzt oder eine Ärztin zu Rate ziehen. Die Behandlung sollte im Rahmen einer naturheilkundlichen Therapie bei einem niedergelassenen Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin erfolgen, um unerwünschte Komplikationen zu vermeiden. (sw, kh)

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009
  • Höting, H.: Lebenssaft Urin. Die heilende Kraft. Goldmann, München 2007
  • Klug, H.: Quelle der Selbstheilung. Urin-Therapie. Orlando, Berlin 2008
  • Karin Willeck: Eigenurintherapie, Alternative Medizin im Test, Springer Link, 1999, link.springer.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.