Ejakulationsschmerzen – Schmerzen beim Samenerguss

Eine der wohl unangenehmsten Beschwerden für einen Mann sind Schmerzen im Genitalbereich. Umso tragischer sind entsprechende Schmerzsymptome, wenn sie während des Samenergusses auftreten. Die für Männer schönste Sache der Welt kann dadurch schnell zu einem Albtraum werden, der nicht nur den akuten Moment der Ejakulation zunichte macht, sondern bei anhaltendem Beschwerdebild auch die Sexualität des Mannes insgesamt entschieden beeinträchtigen kann. Gründe für Schmerzen bei der Ejakulation gibt es dabei viele. Dementsprechend sind auch die Therapieansätze mitunter sehr verschieden. Einzelheiten zum Thema erläutern wir Ihnen in unserem nachstehenden Beitrag.

Die männliche Ejakulation

Der männliche Samenerguss (Ejakulation) beschreibt den Weg des Spermas von den Hoden in die Harnröhre und aus dieser heraus. Er kann sowohl während des Geschlechtsakts als auch durch manuelle Betätigung im Rahmen der Masturbation erfolgen. Hin und wieder gibt es Fälle, in denen die Ejakulation sogar ohne jegliches Zutun erfolgt, was zumeist mit einer besonderen Erregungssensibilität des Betroffenen einhergeht.

3D-Illustration von Spermien, die nach rechts schwimmen.
Bei einem Samenerguss werden etwa 200 bis 500 Millionen Spermien ausgestoßen. (Bild: Christoph Burgstedt/stock.adobe.com)

Ungeachtet dessen funktioniert der Samenerguss jedoch stets nach ein und demselben Prinzip: Das im Zwischenhirn befindliche Sexualzentrum des Mannes sendet aufgrund einer bestehenden Erregung rhythmische Nervenimpulse an die sympathischen Nervenzellen im Lendenbereich. Maßgeblich beteiligt sind an diesem Vorgang der Unterbauchnerv (Nervus hypogastricus) sowie der Schamnerv (Nervus hypogastricus). Der entsprechende Abschnitt des lendeneigenen Rückenmarkkanals wird gemeinhin auch als Ejakulationszentrum bezeichnet.

Die beiden Nerven geben die empfangenen Impulse im Anschluss an die Lenden- und Beckenmuskulatur weiter, welche infolge rhythmische Kontraktionen veranlasst. Zu nennen wären hier insbesondere der

  • Blasenschließmuskel (Musculus sphincter vesicae),
  • Harnröhrenmuskel (Musculus urethralis),
  • Sitzbein-Schwellkörper-Muskel (Musculus ischiocavernosus)
  • und Zwiebel-Schwellkörper-Muskel (Musculus bulbospongiosus).

Gemeinsam mit dem Schwellkörper (Corpus cavernosum) des männlichen Glieds, welcher sich im Zuge der Erektion mit Blut füllt, kommt es durch die Muskelkontraktionen zu einem steten Druckanstieg in der Vorsteherdrüse (Prostata) sowie der daran gekoppelten Harnröhre (Urethra), wodurch das Sperma schubweise aus den paarigen Hoden (Testikel) über die Samenleiter nach außen befördert wird.

Normalerweise vollzieht sich dieser Vorgang für den Mann schmerzfrei. Es gibt jedoch gewisse Gesundheitsbeschwerden, die während der Ejakulation für Schmerzen sorgen können. Der Schmerz kann von einem leichten Ziehen in den Hoden oder dem Penis bis hin zu brennenden oder stechenden Schmerzen reichen.

Ursachen für Schmerzen bei der Ejakulation

Die Auslöser von Schmerzen während des Samenergusses sind mitunter sehr vielschichtig. Denkbar sind zum Beispiel wunde Stellen innerhalb der Harnröhre oder Prostata, die aufgrund von Reizungen durch einschießendes Sekret (in diesem Fall Sperma) mit Schmerzsymptomen reagieren.

Die Reibung, die während des Geschlechtsakts üblicherweise am Penis entsteht, verstärkt das Schmerzrisiko im Wundfall noch zusätzlich. Doch auch andere Schmerzursachen, wie zum Beispiel Nerven- oder Muskelbeschwerden, lassen sich häufig als Urheber von Ejakulationsschmerzen ausmachen. Nähere Einzelheiten hierzu finden Sie in den folgenden Kapiteln.

Entzündungen und Infektionskrankheiten

Schmerzen bei der Ejakulation geben nicht selten Hinweise auf eine bestehende Infektion der männlichen Geschlechtsorgane. Die genaue Lokalisation des Schmerzes gibt behandelnden Ärzten hier auch oftmals erste Hinweise zum Infektionsherd.

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) entsteht der Schmerz zum Beispiel meist direkt im Penis. Die Innenfläche der Harnröhre ist bei einem derartigen Krankheitsgeschehen stark aufgeraut und die auskleidende Schleimhautschicht durch Entzündungserreger teilweise zersetzt, was Reizungen umso schmerzvoller macht.

Abbildung des männlichen Harnsystems mit Darstellung einer Entzündung in der Harnröhre neben einer vergrößerten Darstellung von bakteriellen Krankheitserregern.
Ursache für die Schmerzen beim Samenerguss kann eine Harnröhrenentzündung sein. (Bild: joshya, leremy/stock.adobe.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Ein in Richtung des Beckens gerichteter Schmerz deutet dagegen eher auf ein Entzündungsgeschehen im hinteren Bereich der männlichen Geschlechtsorgane hin. Typischerweise handelt es sich dabei um eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder zumindest eine weit fortgeschrittene Harnröhrenentzündung. Die Schmerzen können hier bis in die Dammregion sowie die Hoden ausstrahlen.

Letztere können darüber hinaus auch selbst für entzündungsbedingte Schmerzen sorgen, nämlich im Falle einer Hodenentzündung (Orchitis). Der Ejakulationsschmerz geht hier zumeist mit einem starken Ziehen in den Hoden einher, das bis in den Leistenkanal ausstrahlen kann.

Brennende Schmerzen verursacht dagegen die Samenleiterentzündung (Deferentitis). Der Schmerz kommt bei dieser Entzündung neben dem Geschlechtsverkehr auch vermehrt beim Wasserlassen auf und umfasst in der Regel sowohl den Hodenbereich als auch die Prostata sowie die Leistengegend und wird von deutlichen Schwellungen im Bereich der Samenleiter begleitet.

Entzündungen der Harnröhre, der Prostata, der Samenleiter oder des Hodens sind in einem Großteil aller Fälle vorangegangenen Geschlechtskrankheiten geschuldet. Diese entstehen zumeist durch eine Infektion mit bakteriellen Erregern, Pilzen oder Parasiten. Gelegentlich sind auch Viren als Infektionserreger auszumachen. Die wichtigsten Infektionsursachen sind in diesem Zusammenhang:

  • Candidose – Erreger ist der Pilz Candida albicans,
  • Chlamydiose – Erreger sind Bakterien aus der Familie der Chlamydien,
  • Genitalherpes – Erreger ist der Virus Herpes simplex,
  • Gonorrhö/Tripper – Erreger ist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae
  • HIV-Infektion – Erreger sind die Humanen Immundefizienz-Viren HIV-1 und HIV-2,
  • Syphilis – Erreger ist das Bakterium Treponema pallidum
  • und Trichomoniasis – Erreger ist der Parasit Trichomonas vaginalis.

Achtung: Geschlechtserkrankungen sind in Deutschland aufgrund ihrer erhöhten Ansteckungsgefahr meldepflichtig! Auch sollte im Falle einer solchen Erkrankung bis zur vollständigen Ausheilung kein Geschlechtsverkehr mehr stattfinden oder zumindest ein Kondom benutzt werden, um eine weitere Ausbreitung der Infektion zu verhindern!

Eine Frau in Jeans und T-Shirt hält ein Kondom in roter Verpackung in den Vordergrund.
Kondome schützen vor HIV und verringern das Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhö oder Syphilis. (Bild: New Africa/stock.adobe.com)

Muskel- und Nervenschäden

Nicht immer muss an den Ejakulationsschmerzen eine entzündliche Infektion der Geschlechtsorgane beteiligt sein. Schädigungen oder Erkrankungen der im Becken- und Leistenbereich befindlichen Nerven oder Muskeln provozieren nämlich ebenfalls entsprechende Schmerzbeschwerden.

Abermals sind hier jedoch Entzündungsvorgänge als mögliche Ursache festzuhalten, wobei es selten Infektionserreger, sondern vielmehr anhaltende Reizzustände, Verletzungen oder Läsionen sind, die eine entsprechende Muskelentzündung (Myositis), beziehungsweise eine Nervenentzündung (Neuritis), auslösen.

Durch den Entzündungsreiz kommt es einerseits zu Funktionsstörungen der betroffenen Nerven- und Muskelabschnitte, welche sich während der Ejakulation als Krämpfe oder Erektionsstörungen äußern können. Zum anderen verursachen insbesondere Nervenentzündungen immer auch sehr starke Schmerzen, die selbst nach dem Geschlechtsakt noch anhalten können.

Ein weiterer Grund für Schäden an den ejakulationseinleitenden Muskeln und Nerven können Operationsfehler sein, die infolge zu neurologischen bzw. anatomischen Veränderungen führen, welche wiederum Fehlfunktionen, Missempfindungen und Hodenschmerzen bzw. Penisschmerzen auslösen.

Eine äußerst problematische Komplikation stellt diesbezüglich die retrograde Ejakulation dar. Sie beschreibt eine Ejakulationsstörung, bei der das Sperma im Zuge des Samenergusses rückwärts und damit zurück in die Harnblase ausgestoßen wird. Schmerzen sind in solch einem Fall natürlich nicht ausgeschlossen.

Neben Operationsfehlern ereignet sich eine retrograde Ejakulation gerade bei Männern im fortgeschrittenen Alter auch infolge einer altersbedingten Prostatavergrößerung sowie der im Alter stark nachlassenden Nerven- und Muskeltätigkeit, die vor allem die Tätigkeit des Blasenschließmuskels schwächt. Er ist normalerweise dafür verantwortlich, während der Ejakulation den Harn aus der Harnblase zurückzuhalten. Funktioniert der Blasenschließmuskel nicht mehr richtig, besteht neben allgemeiner Harninkontinenz auch die Gefahr, dass sich während des Samenergusses Harn mit aus dem Penis ergießt und umgekehrt Sperma in die Harnblase zurückfließt.

Mit Blick auf Nervenschäden und Operationsfehler sei ferner eine unsauber durchgeführte Beschneidung (Zirkumzision) als mögliche Ursache von Ejakulationsschmerzen erwähnt. Wird zum Beispiel zu viel Hautgewebe entfernt und das gerade in jungen Jahren, so kann es im Verlauf des Heranwachsens zu Spannungsverhältnissen im Bereich der Eichel kommen. Die Hautspannung intensiviert sich umso mehr im erigierten Zustand und kann während des Geschlechtsverkehrs zu schmerzlichem Unbehagen führen.

Auch Vernarbungen an der Eichel durch die Zirkumzision haben ähnliche Auswirkungen und können beim Betroffenen massive Empfindungsstörungen, wenn nicht sogar Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, hervorrufen.

Ein traurig blickender Mann liegt zugedeckt im Bett.
Psychische Konflikte können dazu führen, dass gestörte Muskelkontraktionen und damit verbundene Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. (Bild: Paolese/stock.adobe.com)

Ejakulationsschmerzen durch psychische Konflikte

Nicht zu unterschätzen sind schmerzende Ejakulationen auch dann, wenn sie einem psychischen Konflikt geschuldet sind. Gemeint sind hier psychische Hemmungen, wie sie etwa im Rahmen eines sexuellen Kindheitstraumas (vor allem sexueller Missbrauch) oder einer gestörten Sexualerziehung im Elternhaus entstehen.

Die konfliktbelastete Psyche des Betroffenen veranlasst das Nervensystem hier zu widersprüchlichen Signalen, sodass die Nerven nicht mehr wissen, ob sie die Muskeln im Genitalbereich denn nun zur Ejakulation anregen „dürfen“ oder nicht. Aus dieser Signalstörung resultieren infolge auch gestörte Muskelkontraktionen, die in schmerzhaften Verkrampfungen während des Geschlechtsverkehrs enden können.

Sonstige Ursachen für Schmerzen bei der Ejakulation

In seltenen Fällen beruhen Schmerzen bei der Ejakulation auf einer angeborenen Fehlbildung, die ein störungsfreies Ejakulationsverhalten behindert. Bestes Beispiel ist in diesem Zusammenhang ein Verschluss der Spritzkanäle (Stenose des Ductus ejaculatorius). Er führt nicht nur zur Zeugungsunfähigkeit des Patienten, sondern ebenso zu chronischen Beckenschmerzen, die sich vor allem während sowie nach dem Samenerguss manifestieren.

Gelegentlich kann der Verschluss auch erworben sein und beruht dann zumeist auf einer Prostataentzündung oder einem Prostatakarzinom. Letzteres kann auch unabhängig von einem Verschluss die Ejakulationsschmerzen auslösen.

Eher harmlos gestaltet sich der Schmerz beim Ejakulieren, wenn es sich um sogenannte Kavaliersschmerzen handelt. Sie entstehen bei Männern nach einer längeren Zeit der sexuellen Enthaltsamkeit durch Krämpfe in der die Samenwege umgebenden Muskulatur. Das schmerzhafte Krampfgeschehen ist einer längeren Nichtbeanspruchung besagter Muskeln geschuldet und sollte bei regelmäßiger sexueller Aktivität schnell wieder abklingen.

Begleitsymptome

Wie bereits erwähnt können die Schmerzsymptome während einer Ejakulation unterschiedlich ausgeprägt sein und entweder durch stechenden, ziehenden oder brennenden Schmerz in Erscheinung treten. Weitere mögliche Begleitbeschwerden sind zum Beispiel Krämpfe oder, bei inneren Verletzungen, auch blutiger Ausfluss (Ausfluss beim Mann). Ferner lassen sich begleitende Erektionsstörungen nicht ausschließen, führt der Schmerz doch unweigerlich zu einer abflauenden Erregung und damit zu einem Rückfluss des Blutes aus dem Schwellkörper.

In jedem Fall bedeutet das Schmerzgeschehen eine sehr unangenehme Erfahrung für den Mann, der hierdurch den sexuellen Akt kaum mehr genießen kann. Halten die Schmerzbeschwerden länger an, so kann es beim Patienten auch zu einem eingeschränkten Lustempfinden kommen, das von einer stetigen Angst vor erneuten Schmerzen bei der Ejakulation herrührt.

Eine echte psychische Belastung also, die bei chronischen Verläufen zu enormen Problemen innerhalb einer Partnerschaft führen kann. Und auch das Selbstwertgefühl betroffener Männer leidet extrem unter den Begleiterscheinungen einer anhaltend mit Schmerzen verbundenen Ejakulation.

Ein Mann sitzt niedergeschlagen mit gesenktem Kopf auf der Bettkante, während seine Frau aufrecht im Bett sitzt und ratlos ins Leere schaut.
Anhaltende Schmerzen beim Samenerguss beeinträchtigen oft das Sexualleben des Betroffenen. Dies kann zu einer ernsten Belastung für die Beziehung werden. (Bild: makistock/stock.adobe.com)

Liegt der schmerzenden Ejakulation gar ein psychisches Trauma oder ein seelischer Konflikt zugrunde, erhalten die psychischen Begleiterscheinungen noch einmal eine ganz andere Dimension. Der Ejakulationsschmerz kann hier nur beseitigt werden, wenn die ursprünglichen psychosomatischen Ursachen behoben werden. Angstzustände, Panik oder Phobien sind im Zuge derartiger Ursachen immer wieder zu beobachten. Insgesamt ist bei Schmerzen beim Ejakulieren mit folgenden Begleitsymptomen zu rechnen:

  • Abflussstörungen des Spermas,
  • eitriger oder blutiger Ausfluss (bei Infektionen und Verletzungen),
  • Erektionsstörungen,
  • Muskelkrämpfe,
  • psychische Symptome (z.B. Angst, Selbstzweifel oder Frustration),
  • Schwellungen,
  • Rötungen
  • und Veränderungen oder Verhärtungen des Gewebes.

Ejakulationsschmerzen – Diagnose

Eine ärztliche Abklärung ist bei Schmerzen während der Ejakulation in jedem Fall notwendig. Der Gang zum Urologen bleibt einem betroffenen Mann hier also nicht erspart. Dabei sollten Patienten das Schmerzgeschehen sehr detailliert schildern, auch wenn es dem ein oder anderen unangenehm sein mag.

Für den Arzt ist es wichtig zu wissen, wann und wo genau der Schmerz auftritt, wie lange er anhält und wie ausgeprägt die Schmerzen sind. Auch werden im Rahmen der Anamnese Fragen zum Sexualverhalten, der Anzahl der Geschlechtspartner sowie möglichen Vorerkrankungen gestellt, die ebenfalls ehrlich und offen beantwortet werden müssen.

Wichtig: Sofern sich der Patient über mögliche psychische Ursachen im Klaren ist (z.B. psychische Traumata oder Hemmungen), sind auch diese ausführlich anzugeben, damit im Ernstfall eine psychotherapeutische Behandlung in die Wege geleitet werden kann.

In einer körperlichen Untersuchung wird der behandelnde Arzt dann zunächst die Genitalien in Augenschein nehmen und abtasten, um mögliche Gewebeveränderungen, Schwellungen und Rötungen festzustellen.

Ebenfalls wichtig sind bildgebende Diagnoseverfahren, wie etwa ein Ultraschall, um die inneren Strukturen des Harnleitersystems, der Prostata und der Hoden genauer beurteilen zu können. Besteht Grund zu der Annahme, dass eine Entzündung oder Infektion vorliegt, werden außerdem Abstriche und Urinproben genommen, die dann zur weiteren Untersuchung ins Labor geschickt werden. Hier lassen sich eventuelle Infektionserreger ermitteln.

Behandlung von Schmerzen bei der Ejakulation

Je nachdem, welche Ursache für den Ejakulationsschmerz festgestellt wurde, bestehen für den Patienten ganz unterschiedliche Behandlungsoptionen. Vom Einsatz schlichter Hausmittel zur Akutbehandlung über medikamentöse und heilpflanzliche Maßnahmen bis hin zu psychotherapeutischen Schritten sind hier allerlei Vorgehensweisen denkbar. Diese gestalten sich im Detail wie folgt:

Schonung und Kühlung

Ungeachtet des zugrundeliegenden Auslösers sollten die Genitalien bis zur Ausheilung der Schmerzursache gezielt geschont werden. Geschlechtsverkehr ist bei harmlosen Ursachen zumindest zu reduzieren, sofern die Schmerzen unerträglich sind. Insbesondere bei bestehenden Infektionen, Nervenschäden oder Verletzungen sollten sexuelle Handlungen bis zur vollständigen Ausheilung der Schmerzursache ganz ausgesetzt werden.

Je nach bestehenden Begleitbeschwerden kann es auch sinnvoll sein, die Schonungsmaßnahmen durch bewusste Kühlung der Genitalien zu unterstützen. Schwellungen und Überwärmungen (gerade im Bereich der Hoden) sprechen hierauf sehr gut an und verhindern mitunter sogar eine Zunahme der Schmerzintensität.

Ein Mann hält seine Hände vor den schmerzenden Genitalbereich.
Liegt den Schmerzen eine Infektion oder Verletzung zugrunde, sollte bis zur vollständigen Ausheilung auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. (Bild: staras/stock.adobe.com)

Medikamente

Infektionen im Genitalbereich werden standardmäßig mit Antibiotika behandelt. Ergänzend können entzündungshemmende und schmerzstillende Präparate zum Einsatz kommen. Letztere sind auch bei vorliegenden Muskel- und Nervenschmerzen eine Option.

Bei Tumorerkrankungen wie zum Beispiel Prostatakrebs als Ursache schalten Ärzte einer Strahlentherapie oder operativen Entfernung des Karzinoms oftmals eine Chemotherapie voraus, die darauf abzielt, das Krebsgeschwür zu verkleinern. Zu den klassischen Wirkstoffen gehören hier Abirateron, Cabazitaxel, Cyclophosphamid, Doxorubicin oder Suramin.

Inzwischen gibt es für Prostatakarzinome auch spezielle Hormontherapien, in denen versucht wird, den Testosteronspiegel zu senken, da die Krebszellen bei Prostatakrebs in hohem Maße von einer ausreichenden Testosteronversorgung abhängig sind.

Heilkräuter

Bei Prostatabeschwerden, aber auch bei Entzündungen der Harn- und Samenleiter, helfen einige bewährte Kräuter, die ansonsten eigentlich von Frauen gegen die berühmt-berüchtigte Blasenentzündung genutzt werden. Hierzu gehören zum Beispiel Aronia, Bärentraube, Brennnessel und Goldrute. Die drei Kräuter wirken harntreibend und bewirken somit eine rege Durchspülung der entzündungsgeplagten Harn- und Samenleitsysteme des Mannes. Dadurch werden Infektionserreger ausgespült und die ableitenden Strukturen der männlichen Genitalien gereinigt.

Insgesamt sind bei Infektions- und Entzündungskrankheiten im Bereich der männlichen Geschlechtsorgane folgende Heilkräuter empfehlenswert:

Die Kräuter können entweder als Tee zubereitet werden oder aber auch Teil eines Heilbades sein. Durch das Sitzen in warmem Kräuterwasser können die heilpflanzlichen Inhaltsstoffe nämlich sehr gezielt auf die Genitalien einwirken. Länger als 15 Minuten sollte der Patient jedoch nicht in dem Heilbad verbringen, denn anhaltende Wärme tut gerade den Hoden bekanntlich nicht gut und kann die Spermientätigkeit beeinträchtigen.

Ernährung

Apropos harntreibend – um die Reinigung von Harnleitern und Co. mittels guter Durchspülung anzuregen, ist auch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr angebracht. Sie verhindert außerdem, dass Entwässerungsmaßnahmen dem Körper zu viel Wasser entziehen und so zu einer Dehydratation führen.

Ein Mann befüllt am Wasserhahn i der Küche ein Glas mit Leitungswasser.
Trinken Sie über den Tag verteilt regelmäßig ein großes Glas Wasser, um die Harnwege und Blase durchzuspülen. (Bild: rcfotostock/stock.adobe.com)

Wir empfehlen deshalb, bis zur Ausheilung von Harnwegs-, Samenleiter-, Prostata- oder Hodeninfektionen mindestens drei Liter pro Tag zu trinken! Ergänzend können auch harntreibende Lebensmittel wie

verzehrt werden. Die Obst- und Gemüsesorten spenden dem Körper zusätzlich eine gehörige Portion an Vitaminen und Nährstoffen, welche das Immunsystem gegen die Infektionserreger stärken und so die Heilungsdauer verkürzen.

Beerenfrüchte wie Blaubeeren, Brombeeren, Preiselbeeren oder Heidelbeeren haben darüber hinaus auch den Vorteil, dass sie durch die in ihnen enthaltenen Antioxidantien entzündungshemmend und desinfizierend wirken. Ein Bonus, der abermals in der Frauenheilkunde sehr erfolgreich zur Unterstützung von Therapiemaßnahmen bei Harnwegsinfekten genutzt wird.

Psychotherapie

Wurden im Rahmen einer psychotherapeutischen Gesprächsanamnese klare psychische Ursachen für die Ejakulationsschmerzen aufgedeckt, so ist eine Gesprächs-, gegebenenfalls auch eine Verhaltenstherapie, meist optionslos. Der innere Konflikt muss gelöst werden, um eine störungsfreie Signalleitung der Nerven und damit auch eine Schmerzfreiheit des Geschlechtsaktes wiederherzustellen. Befindet sich der Patient in einer Beziehung, wird in diese psychotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen meist auch der Partner eingebunden.

Ebenfalls notwendig ist eine Psychotherapie, wenn die Schmerzbeschwerden sowie die damit verbundenen Beeinträchtigungen des Sexuallebens dem Patienten derart zusetzen, dass ein großer seelischer Leidensdruck entsteht.

Operation

Nicht nur bei Tumorerkrankungen kann es notwendig sein, den Ejakulationsschmerzen operativ zu begegnen. Auch Fehlbildungen der Genitalien machen einen operativen Eingriff oftmals erforderlich. Neben der Entfernung oder Eröffnung von problematischem Gewebe durch chirurgische Schnitttechniken kommt hier auch immer öfter das Laserverfahren zur Anwendung. (ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.: www.urologenportal.de (Abruf: 19.11.2019)
  • ONKO-Internetportal: Prostatakrebs (Abruf: 19.11.2019), ONKO
  • Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044 (Abruf: 19.11.2019), AWMF
  • Diri, Mehmet Akif und Gul, Murat: Bipolar prostate thermotherapy for the improvement of chronic prostatitis symptoms and ejaculation problems, In: Aging Male, 2019 Aug 9:1-5, PubMed
  • Cicero, Arrigo F.G. , Allkanjari, Olta et al.: Nutraceutical treatment and prevention of benign prostatic hyperplasia and prostate cancer, In: Archivio Italiano di Urologia e Andrologia, Vol 91 No 3 (2019), PubMed
  • Ilie, Cristian P.; Mischianu, Dan L.; Pemberton, Richard J.: Painful ejaculation, in: BJU International, 99/6: 1335-1339, Juni 2007 , Wiley Online Library

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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