Psychosomatische Störungen – Symptome und Therapie

Schmerzen werden real erlebt und sind nicht ausgedacht, auch wenn keine organische Ursache gefunden werden kann. Bild: absolutimages - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Psychosomatische Störungen sind seelische Probleme, die bei den Betroffenen körperliche Symptome auslösen und ebenso organische Erkrankungen, die zu psychischen Beschwerden führen. Das unterscheidet sie von Menschen, die körperliche Symptome vortäuschen, um auf ihre seelische Not aufmerksam zu machen. Die Betroffenen verdrängen oft sogar, dass ihre körperlichen Probleme einen seelischen Ursprung haben. 

Hypochondrie oder das Münchhausen-Syndrom sind also keine psychosomatischen Störungen, da hier die Beschwerden im ersten Fall nur eingebildet, im zweiten erfunden sind.

Schmerzen werden real erlebt und sind nicht ausgedacht, auch wenn keine organische Ursache gefunden werden kann. Bild: absolutimages - fotolia
Schmerzen werden real erlebt und sind nicht ausgedacht, auch wenn keine organische Ursache gefunden werden kann. Bild: absolutimages – fotolia

Stellen Ärzte trotz umfangreicher Untersuchungen keine körperlichen Auslöser für körperliche Beschwerden fest, könnte es sich um derartige Störungen handeln. Sie belasten die sozialen Beziehungen ebenso wie die körperliche Leistungsfähigkeit.

Sie gehören zu den Erkrankungen, die am häufigsten missverstanden werden. Aufklärung ist also nötig – auch für die Betroffenen selbst.

Welche Störungen gelten als psychosomatisch?

1) Zu psychosomatischen Beschwerden zählen körperliche Erkrankungen, die schwere Belastungen für die Psyche darstellen wie Krebs oder Multiple Sklerose.

2) Psychosomatisch sind körperliche Störungen, die Emotionen, Konflikte und Krisen begleiten, in harten Fällen auch körperliche Reaktionen auf Traumatisierungen wie die Posttraumatische Belastungsstörung und gestörte Anpassung.

3) Von diesen zu unterscheiden sind Konversionsstörungen, das sind körperliche Symptome, die ihren Ursprung in unbewussten Konflikten haben.

4) Seelische Störungen, zu deren Symptomen körperliches Unwohlsein gehört wie Depressionen und Angsstörungen.

5) Seelische Störungen, die Auswirkungen auf den Körper haben: Anorexie, Bulimie und Ess-Sucht.

6) Missbrauch von Genussmitteln und Betäubungsmitteln, der körperliche Folgen hat.

Was sind die Symptome?

Psychische Störungen, die körperlichen Beschwerden zugrunde liegen, sind häufig im Spektrum der Depressionen und pathologischen Ängste angesiedelt. Aber auch chronischer Stress, mangelnde Frustrationstoleranz und Überforderung zeigen sich am Körper.

Besonders deutlich wirken sich psychische Belastungen auf den Magen-Darm-Komplex aus, als Bauchschmerzen, Übelkeit, Brechreiz oder Durchfall, außerdem treten oft auf: Atembeschwerden, Schmerzen in Penis, Hoden und Vagina, Kopfschmerzen, Schmerzen im Umfeld des Herzens.

Der Volksmund benennt die physischen Auswirkungen psychischer Probleme treffsicher: „Das schlägt mir auf den Magen,“ „ich könnte kotzen“, „das bereitet mir Kopfschmerzen“ oder „sich vor Angst in die Hose machen“, „mir wird übel, wenn ich das höre“, „mir zieht sich der Magen zusammen“, „da bleibt mir die Spucke weg“, ebenso wie „da krieg ich so einen Hals“.

Wenn Angst das Leben einschränkt

Psychische und körperliche Symptome lassen sich im Organismus kaum auseinander halten. Angst zeigt sich, wie alle starken Emotionen, im Körper.

Angst ist eine evolutionär entstandene Reaktion – und sie ist ebensnotwendig. Wer sich nicht fürchtet, stirbt in der Natur sehr schnell: Er wird von Fressfeinden verspeist, fällt in eine Schlucht, vergiftet sich an toxischen Pflanzen oder wird vom Blitz erschlagen. Angst und Selbsterhaltung gehören also zusammen.

Diese natürliche Angst kann sich jedoch zu einer Angststörung entwickeln, die das Leben massiv einschränkt und sogar gefährdet.

Angststörungen entstehen aus körperlichen Leiden, aus seelischen Störungen, aus genetischen Belastungen; manche Betroffene leiden unter einer allgemeinen Angststörung, andere unter spezifischen Phobien wie der Angst vor Katzen, Hunden oder Insekten, der Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie), oder der Angst vor intimen Beziehungen (Soziophobie). Manche Betroffene leiden unter unkontrollierten Panikattacken, andere fühlen sich permanent bedrückt. Einige kompensieren ihre Angst durch Aggression gegen andere, viele isolieren sich sozial. Die jeweilige Angststörung zu erkennen, geht der richtigen Therapie voraus.

Angst ist immer auch eine körperliche Reaktion: Die Nebennnieren schütten Adrenalin aus, das beeinflusst das vergetative Nervensystem und hemmt die Magen-Darm-Peristaltik. Chronische Angstgefühle führen deshalb zu Verdauungsstörungen – zu Verstopfung oder wechselnder Verstopfung und Durchfall.

Sie liegt uns „schwer im Magen“; „sie geht uns an die Nieren“, „wir machen uns vor Angst in die Hose“. Angst „lähmt uns“, „unser Herz rast vor Angst“ und wir „zittern vor Angst.“

Der Körper reagiert auf eine vermutete Bedrohung von außen oder eine Beschwerde von innen. Diese Alarmsirene unseres Organismus ermöglicht uns, Gefahren zu erkennen. Nur dann können wir die Gefahr auch beseitigen oder ihr aus dem Weg gehen.

Angstreaktionen gehören zu dem ältesten Teil unseres Gehirns: Alle Lebewesen mit einem Nervensystem zeigen solche Reaktionen, auch wenn sie diese nicht bewusst als Angst wahrnehmen: Pferde scheuen zum Beispiel vor einem Gartenschlauch, dessen Form an eine Schlange erinnert. Auch bei Menschen lösen bestimmte Lebewesen, die in der Evolution gefährlich sein konnten, Ängste aus: Noch die Generation unserer Großeltern erschlug die harmlose Blindschleiche weil ihr Körper an eine Giftschlange erinnert.

Ängstlichkeit kennzeichnet eine Persönlichkeit, genetisch bedingt oder erworben, und lässt sich grundlegend kaum ändern. Ängstliche Menschen sind gefährdet, Angststörungen zu entwickeln, die ihren Alltag einschränken.

Ein ängstlicher Mensch fürchtet sich vor den Dingen des Lebens: Er ängstigt sich, in eine neue Wohnung zu ziehen, sich bei einem unbekannten Arbeitgeber auf eine Stelle zu bewerben, in der U-Bahn mit fremden Menschen zu sitzen, im Dunkeln nach Haus zu gehen, davor, an einer Krankheit zu sterben, etc.

Auch normale Angst ist unangenehm und zeigt sich am Körper. Das unterscheidet Angst von einer Befürchtung, die sich in den Gedanken abspielt. Angst wird ausgelöst durch eine reale oder empfundene Bedrohung, die konkret oder diffus sein kann.

Jeder Mensch hat Angst. Wer sich oft niedergeschlagen fühlt, ist deshalb aber nicht im klinischen Sinn depressiv. Wer als „Feigling“ gilt, leidet meist nicht an einer Angststörung. Die Küchenpsychologie setzt leider alltägliche Gefühle mit pathologischen Beschwerden gleich.

Die Angststörung nervt nicht nur die Betroffenen und andere, sie behindert die „Gestörten“ auch, ein erfülltes Leben zu führen und schreitet sie fort, dann treibt sie in die Selbstzerstörung. Hinter vielen Selbstmorden steckt eine Angststörung, die Betroffene und Umwelt nicht als solche erkannten.

Was sind Angststörungen?

Die Medizin kennzeichnet Angststörungen inzwischen als:

1) Unangemessene Ängste, denen keine reale Bedrohung zugrunde liegt. Für andere erkennbare Umstände, die die Betroffenen auch selbst erörtern, erklären die Angst nicht hinreichend: Zum Beispiel sind Autos in der Großstadt kein hinreichender Grund, das Haus nicht zu verlassen, weil man einen Unfall erleiden könnte.

2) Ebenso wichtig ist die Unfähigkeit, aufkommende Ängste zu händeln. Im Fall der Autos bedeutet das: Wenn ich Angst habe, überfahren zu werden, achte ich auf Sicherheitsabstand, wenn ich über die Straße gehe. Angstgestörte mildern ihre Angst nicht durch rationale Strategien.

3) Die Angst bricht in bestimmten Situationen aus und ist dann nicht zu kontrollieren – es kommt zu Panikattacken. Die zeigt zudem ein typisches Muster.

Eine ausgereifte Angststörung hat folgende Symptome:

1) Sie wird zur Erwartungsangst – allein Angst vor der Angst, Angst zu haben, lähmt die Betroffenen.

2) Sie ziehen sich zurück und vermeiden Auslöser: Sie weichen Situationen aus und meiden Orte, die sie mit der Angst verbinden. Die Betroffenen erfinden Vorwände im Alltag, wenn sich die Situation nicht vermeiden lässt: Hundephobiker sagen „wegen einer Grippe“ ab, wenn ein Freund mit Hund sie einlädt, oder wer unter Prüfungsangst leidet, hat „einen Unfall“ auf dem Weg in die Uni.

Die Betroffenen entwickeln jetzt eine Strategie: Erstens ist ihr Angstproblem ihnen peinlich, zweitens lösen sie kurzfristig ihr Problem – damit verlieren sie aber zugleich ihre sozialen Beziehungen und ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Manche suggerieren sich selbst ihre verfehlte Bewältigung als „Lebensphilosophie“, nach dem Motto „ich will als Eremit in der Wüste leben“ oder rationalisieren ihre Störung in Form von Verschwörungstheorien.

Solche Menschen sind schwer zu heilen. Ihre empfundene Ohnmacht als „Auserwähltsein“ eines Mahners zu kompensieren, nehmen sie nicht mehr bewusst als Kompensation wahr – und die selbst angenommene Rolle gibt ihnen eine Scheinbwältigung. Besonders tragisch sind solche „messianischen“ Kompensationen, wenn die Betroffenenen auch an anderen psychischen Störungen leiden.

3) Die Betroffenen „behandeln“ sich selbst, mit Alkohol, Koffein oder Nikotin, mit Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmitteln, mit Morphinen, Kokain oder Amphetaminen.

Zu der ursprünglichen Angststörung gesellt sich jetzt eine Abhängigkeit von Substanzen und eine fatale „psychische Krücke“. Die Substanzen erscheinen den Betroffenen nämlich als Stütze, um den Alltag zu bewältigen. Dabei verschlimmern sie das Problem und entfernen die Angsthaber von dessen Lösung.

Den meisten Betroffenen wäre es leichter gefallen, sich Schritt für Schritt den Auslösern der Angst zu nähern als diese Ängste durch Alkohol sogar noch zu verstärken (Alkoholdrepression), und sich durch die Folgen des Substanzmissbrauchs weiter zu isolieren. Hinter manchem Alkoholkranken und Junkie steht am Anfang ein pathologisch verängstigter Mensch.

Der Substanzmissbrauch kann die zugrunde liegende Angststörung sogar überlagern. Ein Beispiel wäre ein Mensch, der Ängste hat, in Clubs unter Menschen zu gehen und so erst einmal mehrere Biere trinkt, bevor er sich dort hintraut. Irgendwann wird die psychische Krücke zur eingeschliffenen Gewohnheit, die dem Betroffenen so normal vorkommt wie Zähneputzen.

Viele Angststörungen entwickeln sich erst aus dem Substanzmissbrauch.

4) Angstgestörte verfallen in Überkompensation. Fachleute erkennen diese, Laien und Fremde lassen sich aber leicht täuschen. Die Betroffenen suchen sich Ventile für ihre Angst in anderen Bereichen oder gehen sogar die Situationen, die sie ängstigen, aggressiv an: Männer, die Angst vor sexueller Nähe haben, stürzen sich von einer Affäre in die nächste, Menschen, die Höhenangst haben, stürzen am Bungee-Seil in die Tiefe.

Psychosomatisch bedeutend sind Angststörungen, weil sie ihren Ursprung sowohl auf organischer wie auf seelischer Ebene haben können, aber immer in beide Bereiche hinein wirken.

Organisch bedingte Angststörungen: Dazu gehören Diabetes, Migräne, Epilepsie, Hirntumore, Herz- und Kreislaufstörungen.

Psychisch bedingte Angststörungen: Depressionen (beginnen oft mit Panikattacken), Schizophrenien (insbesondere die paranoide), Anpassungsstörungen, Substanzmissbrauch, Borderline-Syndrom, bipolare Erkrankung.

Als psychisch bedingt gelten auch die primären Angststörungen, bei denen die Angststörung die Basis und nicht die Folge der Störung ist. Dazu zählen:

1) Die generalisierten Angsttörungen

2) Das Panik-Syndrom

3) Die Agoraphobie (Platzangst)

4) Die Sozialphobie (Angst vor Menschen und Beziehungen)

5) Die spezifischen Phobien

6) Die Zwangsstörungen

7) Das posttraumatische Belastungs-Syndrom

Körperliche und seelische Beschwerden

Psychische Beschwerden gehen nahtlos in psychosomatische und psychosoziale über: Die Betroffenen fühlen sich ohnmächtig und sind einer numinosen Bedrohung hilflos ausgeliefert. Ob es diese Bedrohung gibt, spielt dabei keine Rolle. Dieses Empfinden steigert sich bis in Halluzinationen und macht die Betroffenen anfällig für düster-esoterische Fantasien und Verschwörungswahn.

Die Verängstigten wirken hektisch, innerlich getrieben, angespannt und unkonzentriert. Sie fallen auf durch „schlechte Laune“, sie sind leicht reizbar und verhalten sich aggressiv, dabei aber zugleich schreckhaft und leicht beeinflussbar.

Sie wirken zudem oft vergesslich und ohne Interessen bzw. apathisch. Sie resignieren, verlieren die Freude an allem, verzweifeln oder werden sogar unangemessen sentimental – sie klammern sich an fiktive „schöne Zeiten“ oder jenseitige „paradiesische Orte“, oft regredieren sie zu kleinkindlichen Welterklärungen.

Die Angst führt zu einem dauernden überhöhten Stress. Deshalb können die Betroffenen sich weder entspannen noch regenerieren. Sie verlieren ihre Energie.

Immer Stress und nie entspannen. Bild: vadymvdrobot - fotolia
Immer Stress und nie entspannen. Bild: vadymvdrobot – fotolia

Zum Rückzug und Vermeiden angstbesetzter Situationen kommt jetzt eine emotionale Kälte. Die Betroffenen lassen zwischenmenschliche Nähe nicht mehr zu. Wer ihnen begegnet, fühlt sich, als ob er „einen Eisklotz“ trifft. Außenstehende interpretieren das oft falsch: Sie sehen einen „Gefühlskrüppel“ vor sich, ohne die dahinter stehende Angst zu erkennen.

Manche Betroffene sehen sich jetzt als „Propheten“, die vor bevorstehendem Unheil warnen, dass die „ignoranten Normalen“ nicht erkennen. An kleinsten „Zeichen“ meinen sie Hinweise auf die „kommende Katastrophe“ zu entdecken.

Damit einher gehend fühlen sie sich selbst zunehmend von der Welt entfremdet – die Umwelt wirkt auf sie sonderbar. Sie fürchten, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren, fürchten verrückt zu werden oder zu sterben.

Oft rationalisieren sie aber dieses Gefühl, indem sie die Umwelt selbst als „krank“ einstufen und sich selbst als die Einzigen betrachten, die diese „Apokalypse“ erfassen.

Solche „Spinnereien“ sollten Außenstehende als pathologisches Symptom unbedingt ernst nehmen – denn sowohl Selbstmörder als auch Amokläufer entwickeln ähnliche Fantasien.

Die körperlichen Symptome zeigen sich als Druck auf dem Kopf, Austrocknen des Speichels (vor Angst bleibt „die Spucke weg“), blasse Haut oder Erröten; die Pupillen sind erweitert, die Augen aufgerissen; Betroffene knirschen im Schlaf mit den Zähnen, und dadruch können sie sämtliche Zähne zerstören; Ohrensausen und Flimmern vor den Augen schränkt sie ein.

Die Stimme zittert, sie fühlen ein Klopfen in Schläfe und Hals, sie leiden unter Schwindelgefühlen und einer schwammigen Benommenheit.

Herzbeschwerden wie Herzdruck, Herzjagen, Herzklopfen, Herzstolpern treten ebenso auf wie Atembeschwerden, zum Beispiel Atemnot, Atemsperre, Lufthunger, Atemkorsett, „keine Luft kriegen“, hecheln, Würgegefühle und Schluckeschwerden. Dazu kommen Schweißausbrüche und Gänsehaut, Kälteschauer, feuchte und kalte Hände.

Die Angstgestörten verlieren den Appetit, neigen aber auch zu Heißhunger auf Süßigkeiten (Zucker kurbelt kurzfristig die „Glücksstoffe“ an). Der Magen meldet sich mit Übelkeit, Sodbrennen, Völlegfühl, Blähungen, Magendruck und „Schmetterlingen im Bauch“. Magenkrämpfe gesellen sich zu Schmerzen nach den Mahlzeiten, Verstopfung und Durchfall geben sich die Hand.

Das sexuelle Verlangen erlischt, die Menstruation ist gestört. Dazu kommt ein ständiger und unkontrollierter Harndrang. Schlafstörungen gehen einher mit Angstträumen. Die Hände zittern, die Muskeln werden steif, besonders im Nacken, oder zucken, an den Augenlidern, dem Mund, den Fingern und Beinen. Gelegentlich bekommen die Betroffenen „weiche Knie“, brechen zusammen und fallen in Ohnmacht.

Im Teufelskreis der Angst

Betroffene schlittern in einen Teufelskreis, der sich, je nach Störung, unterschiedlich manifestiert.

Paranoiker suchen nach kleinsten Details, die ihre Verfolgungsangst bestätigen. Auf Außenstehende wirken sie wunderlich und zunehmend „verrückt“. Sie selbst fühlen sich umso mehr bestätigt, je mehr die Außenwelt auf Distanz geht.

Teufelskreis Angst. Angst macht wieder Angst. Bild: bluedesign - fotolia
Teufelskreis Angst. Angst macht wieder Angst. Bild: bluedesign – fotolia

Die Paranoia ist, wie die meisten psychischen Störungen, ein (gescheiterter) Versuch, problembesetzte Situationen zu bewältigen. Paranoiker strukturieren den Alltag in einem Muster von Ursache und Wirkung, das so nur in ihrer Psyche existiert. Wer in dieses Muster passt, weil er ihnen zustimmt, gilt als Verbündeter, wer sie kritisiert, als Teil der Verschwörung.

Zum Muster der Paranoia gehört es, alles auszublenden, dass die innere Logik in Frage stellt. Die Welt teilt sich auf in Gut und Böse, Freund und Feind.

Paniker suchen an ihrem Körper und in der Umwelt nach Signalen, die die Panik auslösen könnten, vor der sie sich fürchten.

Sie meiden jede Beunruhigung, weil sie sich vor der nächsten Panikattacke fürchten. Oft isolieren sie sich sozial und belasten ihr soziales Umfeld. Weil sie sich aber ständig mit den Panik auslösenden Situationen beschäftigen, denken sie an nichts anderes mehr. Das Resultat: Die Panik bricht immer öfter und unkontrollierter aus.

Zwangsgestörte wiederholen die immer gleichen Rituale, um sich so unbewusst Sicherheit zu verschaffen.

Konversionsstörungen

Eine Konversionsstörung zeichnet sich aus durch einzelne aber oft sehr theatralische Smptome, die Motorik und Sinne einschränken – Krampfanfälle, Lähmungen in den Gliedern, Blindheit. Sie betreffen ausschließlich willentlich steuerbare Funktionen.

Die Symptome ähneln oft neurologischen Beschwerden, wie zum Beispiel einer Epilepsie, die aber nicht vorliegen. Stattdessen stehen die Betroffenen häufig unter psychischem Druck; sie sind psychosozial belastet oder gerieten kurz vor dem Anfall in einen psychischen Konflikt.

Die klassische Psychoanalyse sieht Konversion als symbolische Lösung eines unbewussten psychischen Konfliktes, um die Angst zu reduzieren. Die Betroffenen neutralisieren ihren Konflikt, indem sie ihn auf die körperliche Ebene, also außerhalb des Bewusstseins lenken.

Seelischer Schmerz wandelt sich so in körperlichen Schmerz und die Betroffenen kapseln ihn derart vom bewussten Erleben ab. Die Neurobiologie entdeckte aber zunehmend, dass sich körperlicher und seelischer Schmerz gar nicht strikt trennen lassen, dass also die klassische Abspaltung eher ein Wechselspiel im organischen System ist.

Betroffene wirken emotional unbeteiligt an den Beschwerden, als ob die Krämpfe oder Lähmungen nicht zu ihnen gehörten.

Laien, aber Ärzte verwechseln die Symptome oft mit Simulation. Der Unterschied liegt aber darin, dass ein Simulant Symptome bewusst vortäuscht, also zum Beispiel die Luft anhält, um eine Atemnot zu suggerieren.

Bei Konversionsstörungen ist das aber nicht der Fall. Die Symptome sind real, und die Patienten sich sich nicht bewusst, dass ihre psychischen Probleme den Auslöser stellen, auch wenn sie diese Symptome unbewusst-willkürlich herbeiführen.

Zu den häufigsten Konversionsstörungen zählen

1) Die Amnesie: Betroffene erinnern sich nicht an eine Zeit, in der sie traumatische Geschehnisse erlebten. Meist vergessen sie dabei nur den Teil, der sie belastet. Eine genaue Diagnose ist hier auch juristisch relevant. Fachleute müssen klären, ob die Betroffenen, zum Beispiel bei einer Zeugenaussage, eine Amnesie vortäuschen, um nichts zu sagen, was sie oder andere belastet, oder ob eine Konversionsstörung vorliegt. Die Grenzen zwischen dem einen und dem anderen sind dabei dünn.

2) Flucht: Die Betroffenen fliehen urplötzlich und ohne für andere erkennbaren Anlass aus einer belastenden Situation in einem Ausmaß, das über „normale“ Unzuverlässigkeit, Unhöflichkeit oder Feigheit weit hinaus geht.

Ohne Vorankündigung verschwinden sie mitten in einem Gespräch, oder sie unterbrechen jäh eine Tätigkeit. Für eine Konversionsstörung spricht dabei zudem, dass für diese Flucht kein rational erkennbarer Vorteil spricht – oft schaden die Betroffenen sich selbst.

3) Bewegungsstörungen: Die Betroffenen sind plötzlich gelähmt, an den Armen, Beinen, Händen oder Füßen. Eine Diagnose ergibt keine körperliche Ursache. Oder sie verlieren plötzlich die Sprache.

4) Krampfanfälle: Diese ähneln einem epileptischen Anfall, ohne dass sich die Betroffenen jedoch in die Zunge beißen oder Stuhl wie Urin nicht kontrollieren können.

5) Gefühlsstörungen: Die Betroffenen fühlen plötzlich an einem Körperteil nichts mehr auf der Haut, sie sehen oder hören zeitweise nicht mehr.

Ursache und Wirkung

Noch heute stehen manche „cartesianischen“ Mediziner der Diagnose psychosomatischer Krankheiten skeptisch gegenüber. Den Gegenpol bilden einige Ärzte und Ärztinnen, viel mehr aber noch nicht Studierte, die die „Schulmedizin“ ablehnen, und Esoteriker_innen jeglicher Coleur, die sämtliche Krankheiten als psychisch bedingt ansehen.

Karmagläubige meinen, alle Krankheiten seien die Folge von Schäden, die wir anderen zugefügt hätten, und sei es in einem früheren Leben, und „spirituelle Heiler“ behaupten, Erkrankungen seien „Botschaften der Seele“.

So verkündet die Website spirituelle.info: „Wenn aber eine Krankheit auftaucht, dann ist es immer eine Botschaft der Seele. Eine andere Ursache für eine Krankheit gibt es nicht. Andere vermeintliche Gründe für Krankheiten, wie beispielsweise Viren, Bakterien, giftige Substanzen, Umweltgifte, Gene und vieles andere sind nur Erfüllungsgehilfen der Seele, um die Krankheit mit deren Botschaft, zu erzeugen.“

Das ist wissenschaftlicher Humbug, schadet Menschen mit körperlich bedingten Erkrankungen, die an solchen Irrsinn glauben, weil sie nicht die organische Ursache angehen, sondern nach nicht existenten „Botschaften“ suchen und führt Menschen mit psychischen Störungen, die sich körperlich ausdrücken, aufs Glatteis.

Tatsächlich braucht es spezialisierte Mediziner, um psychosomatische Leiden zu erkennen. Krankheiten sind meist multikausal bedingt: Bei einem Krebs kann zum Beispiel eine genetische Vorbelastung ebenso eine Rolle spielen wie ein Krebs förderndes Verhalten in Form von Alkohol- oder Zigarettenkonsum, dazu kommt vielleicht noch der Zufall und eine Angststörung fördert möglicherweise den Krankheitsverlauf.

Tumorbildende Zellen können sich nämlich ansiedeln und vermehren, ohne dass es dazu einen konkreten Auslöser braucht – und eine Botschaft vermitteln sie erst recht nicht. Auch Krebs gehört zur Biologie, und die kennt Moral ebenso wenig wie Schuld oder Gnade.

Ein am Borderline-Syndrom erkrankter leidet auch unter dissoziativen Störungen, Amnesien, Taubheitsgefühlen und motorischen Aussetzern; seine selbstzerstörerischen Aktionen führen zu körperlichen Beschwerden. Zudem schadet er sich als Begleiterscheinung seiner Krankheit oft auch mit dem exzessiven Konsum von Betäubungsmitteln. Psyche und Physis sind hier eng verknüpft.

Auch seriöse Mediziner mit der entsprechenden Ausbildung müssen Eventualitäten prüfen, bevor sie vorschnell auf eine Störung schließen, die psychisch bedingt ist. Manche körperlichen Ursachen sind schwer zu erkennen, zum Beispiel Kapselrisse an Facettengelenken. Sie führen zu chronischen Schmerzen, die wiederum eine psychische Depression zur Folge haben können. Schnell gilt dann die Depression als Ursache für die körperlichen Beschwerden, obwohl sie die Folge ist.

Konversionsstörungen lassen sich ebenfalls bisweilen schwer erkennen. Die Betroffenen kommen dann zum Beispiel wegen ihren wiederkehrenden Krämpfen in die Praxis. Der Arzt kennt ihre psychischen Probleme nicht, verschreibt ihnen Medikamente, die gegen die körperlichen Symptome helfen oder verweist sie an einen Facharzt für mit Krämpfen verbundene Krankheiten.

Mit einer entsprechenden Erfahrung würde er bei den typischen Signalen aber fragen, ob die Betroffenen in jüngster Zeit Krisen durchlitten: Jobverlust, Trennung vom Partner, Todesfälle oder Misserfolge.

Ein Missverständnis entsteht häufig, wenn die Diagnose eine psychische Ursache ergibt. Das heißt nämlich nicht, dass sich die körperlichen Symptome durch eine reine Psychotherapie heilen lassen – körperliche Symptome müssen als solche behandelt werden.

Zudem sollten Fachleute auf dem neuesten Stand der Forschung bleiben – nicht alle als psychosomatisch definierten Krankheiten sind es, und, wie immer in der Wissenschaft, hält eine Hypothese nur so lange, bis sie widerlegt ist.

Zum Beispiel galt das Magengeschwür auch Laien als die psychosomatische Erkrankung schlechthin. Wenn es uns psychisch schlecht geht, „wird uns übel“, „es schlägt uns auf den Magen“, bei einer schlechten Entscheidung haben wir „Bauchschmerzen“.

Nichts liegt also näher, als ein Magengeschwür zu erklären durch „in sich hinein gefressene Belastungen“, chronische Überarbeitung, erzwungene Passivität in der Familie oder am Arbeitsplatz. Dass jemand, der seine Wut, sein Leid und seine Ohnmacht nicht offen ausdrückt, irgendwann ein Magengeschwür bekommt, gehört noch heute zu den Binsenweisheiten des Alltagswissens.

In Wirklichkeit zeigt es, dass die intuitiven Assoziationen zwischen psychosozialen Erfahrungen und körperlichen Symptomen zwar nicht generell falsch sind, aber grundfalsch sein können. Auslöser für das Magengeschwür ist nämlich der Erreger Helicobacter pyloriin. Der lässt sich weder mit einer Psychotherapie noch mit einem aktiven Ausdruck „in sich hinein gefressener Leiden“ bekämpfen, sondern mit Antibiotika und Protonenpumpenhemmern.

Das Magengeschwür wurde zum Paradebeispiel für die Kritiker_innen der psychosomatischen Krankheitserklärungen, die diese per se irgendwo zwischen Geisterbeschwörungen und Kaffeesatz lesen einordnen oder zumindest darauf verweisen, dass psychosomatische Ursachen keine empirische Datenbasis haben.

Eine gewisse Skepsis ist durchaus angebracht, allzumal für psychosomatische Diagnosen Psychiatrie und Psychoanalyse ebenso gefordert sind wie „Schulmedizin“. Das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin, die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie sind indessen anerkannte Berufsverbände von wissenschaftlichen Mediziner_innen.

Der Konflikt zwischen „cartesianischen Schulmediziner_innen“, die Krankheiten als „mechanische Aktion und Reaktion“ einer Körpermaschine ansahen und Psychosomatiker_innen, die die psychischen Ursachen von körperlichen Erkrankungen in das Zentrum rückten, bot und bietet eine Grauzone für oft unseriöse Mitspieler_innen, die Glauben als Tatsache und Spekulationen als Methoden verstehen.

„Psychosomatik“ füllt dann tatsächlich ein Vakuum, das mit letztlich religiösen Vorstellungen oder reaktionärer Moral gefüllt wird: Eine ganze Industrie mit Anleitungen zum „positiven Denken“ lebt davon, labilen und psychisch erkrankten Menschen zu suggerieren, sie müssten sich nur „positiv“ konditionieren, und ihre Probleme würden ebenso verschwinden wie ihre Krankheiten.

Oft ist dies nichts anderes als eine postmodern verpackte Neuauflage der christlichen Vorstellung, dass Krankheiten die Strafe für ein „sündiges Leben“ darstellen. Besonders für Menschen, die psychosomatisch leiden, sind solche autoritären Heilsvorstellungen fatal.

Gedanken lassen sich erstens nicht konditionieren, zweitens ändern bewusste „positive“ Gedanken bei psychosomatischen Beschwerden, die auf der vorbewussten Ebene ablaufen wie Angst- und Konversionsstörungen, garnichts. Sie führen nur dazu, dass die Betroffenen immer verzweifelter werden, und sich selbst schuldig fühlen, nicht „positiv genug zu denken“.

Die Scharlatane auf dem Markt rücken nicht nur die psychosomatischen Störungen in ein Zwielicht, sie vernebeln mit ihren pseudowissenschaftlichen Heilsbotschaften auch die real wirksamen Kombinationen aus Psychotherapie und der Behandlung der körperlichen Beschwerden, die sinnvoll ist.

Körper und Psyche

Unsere Psyche, sprich unsere Gefühle, Einstellungen, Emfindungen, unbewusste Reaktionen und bewusste Gedanken sind mit unserem Körper eng verbunden. Hormone, Proteine und diverse andere Stoffe steuern, ob wir uns glücklich fühlen, Angst verspüren oder ein sexuelles Verlangen.

Unsere Erinnerungen speichert zum Großteil das unbewusste Langzeitgedächtnis und entwirft sie zu Mustern, mit denen wir den Alltag bewältigen. Diese vorbewussten Muster koppeln sich wiederum an unsere Gemütszustände, die ihrerseits an körpereigene Stoffe gebunden sind.

Eine vom Körper unabhängige Psyche gibt es also ebenso wenig wie einen vom Geist losgelösten Körper. Neurobiologie und die Biochemie des menschlichen Körpers versprechen deshalb wichtige Erkenntnisse für die Diagnose psychosomatischer Störungen.

Zum Beispiel sind die Uro-Genital-Organe gleichzeitig Sexualorgane und zuständig für das Ausscheiden verdauter Nahrung. Deshalb sind sie eng ebenso an psychische wie physische Bedürfnisse gekoppelt, die sich untrennbar mit unseren Vorstellungen, Einstellungen und Erfahrungen verbinden.

Hier steht also Forschung an, ob körperliche Erkrankungen dieser Organe psychische Ursachen haben können und umgekehrt, wie sich organische Erkrankungen im Genitalbereich auf die Psyche auswirken.

Psychotherapie und Psychosomatik

Eine Angststörung zu behandeln bedeutet, sich in einer Verhaltens-, Gesprächs- und Psychotherapie mit den Dingen, die Angst auslösen, auseinander zu setzten, statt sie durch „positives Denken“ zu verdrängen. Psychosomatische Störungen lassen sich nicht heilen, indem die Betroffenen die Ängste übergehen. Sie müssen sich der Ängste vielmehr bewusst werden und sich einen Modus aneignen, mit ihnen umzugehen.

Unterschiedliche Therapieformen können ein Weg aus der Angst sein. Bild: kamasigns - fotolia
Unterschiedliche Therapieformen können ein Weg aus der Angst sein. Bild: kamasigns – fotolia

Die Betroffenen lernen im ersten Schritt, ihre nicht bewussten automatischen Gedanken, die aus der Angst resultieren, zu erkennen. Damit haben sie überhaupt die Möglichkeit, ihre verzerrte Realität als Konstrukt zu begreifen. Die Ängste bleiben, aber die Betroffenen können sich jetzt rational von ihnen differenzieren. Vereinfacht gesagt: Eine Betroffene, die an einer Katzenphobie leidet, hat weiterhin Magenkrämpfe, wenn sie nur an eine Katze denkt, begreift aber, dass reale Katzen keine Gefahr darstellen.

Der zweite Schritt ist schwieriger. Therapeut und Patient erkunden jetzt gemeinsam, welche Bewertungen, Einstellungen und automatischen Gedanken die Realität verzerren, indem sie die symptomartigen Reaktionen auf die angestbesetzten Situationen unter die Lupe nehmen. Diese sind weder für Therapeut noch Patient anfangs klar und werden mit Techniken wie Traumarbeit, Erinnerungen oder Rollenspielen erforscht.

Jetzt erst können sich die Betroffenen sich kognitiv umstrukturieren. Das heißt, sie erkennen jetzt verborgene Grundüberzeugungen, die mit ihren Ängsten zusammen hängen, hinterfragen und erschüttern diese. Je weniger die Betroffenen von ihren eigenen Annahmen überzeugt sind, umso besser können sie „funktionalere“ Bewertungen erarbeiten, um die angstbesetzten Situationen besser zu bewältigen.

Im nächsten Schritt machen sie neue Erfahrungen, die den Teufelskreis der Angst durchbrechen und im besten Fall irgendwann ersetzen. Verinnerlichte Ängste, die sich in körperlichen Symptomen manifestieren, lassen sich nur durch verinnerlichte Erfahrungen verwandeln.

Günter Scheich nennt als Beispiele Fahrstuhlbenutzung, Aufenthalt in Menschenmengen, Fahrten auf der Autobahn. Solche Erfahrungen lenkt der Therapeut. Er geht zum Beispiel, so Scheich, mit einer depressiven Patientin, die meint, nichts wert zu sein, in die Fußgängerzone und diskutiert mit ihr ihr Verhalten und die Reaktionen der Mitmenschen. Sie fragt zum Beispiel eine Kollegin, die ohne sie zu grüßen, an ihr vorbei hastete, warum sie nicht grüßte und erfährt, dass die Kollegin in Eile auf dem Weg zu einem Termin war.

Psychosomatische Krankheiten therapeutisch anzugehen, ist kein „Standardverfahren“, sondern bedarf immer der persönlich vermittelten Realitätsüberprüfung mit den individuellen Erfahrungen jedes einzelnen Betroffenen.

Bei erfolgreicher Psychotherapie lindern sich auch die körperlichen Symptome. Nichtsdestotrotz bedarf das körperliche Leid aber einer gesonderten Behandlung.

Psychosomatik und Machtmissbrauch

Psychosomatische Erkrankungen bieten ein weites Feld für Machtmissbrauch, sowohl für etablierte Mediziner, Psychotherapeuten und Psychiater wie auch für die so genannte Alternativmedizin.

Betroffene können leicht zu Objekten werden für Erklärungen, die verbergen, wie Therapeut oder Ärztin Macht über sie ausüben.

Dies liegt daran, dass die psychischen Aspekte der Störung sich nicht als Tatsachen fixieren lassen, sondern es weitgehend dem Behandelnden überlassen bleibt, Fortschritte zu bewerten oder Bilderwelten, Erinnerungen und Verhalten eine Bedeutung zuzuweisen.

Seriöse Mediziner sollten sich also ständig selbst prüfen, ob sie die Unwissenheit des Patienten ausnutzen, um ihre eigene Unwissenheit zu verdecken. Machen die Betroffenen wirklich Fortschritte, um ihre Angst zu bewältigen oder wollen sie dem Arzt gefallen?

Wie definiert der Arzt / Therapeut seine eigene Gesundheit, wie die Krankheit des Patienten? Welche Norm legt er an?

Welche Konstruktionsmuster gelten überhaupt als Heilung? Geht es darum, dass die Betroffenen funktionieren oder darum, dass sie ein erfülltes Leben führen können?

Psychoanalytiker sollten im Umgang mit psychosomatisch Erkrankten nach mechanischen Ableitungen aus theoretischen Modellen vorsichtig sein.

Generell sind die psychischen und physischen Symptome ein Versuch des Organismus, kritische Situationen zu bewältigen und verweisen so auf des Problem, das es zu lösen gilt. (Dr. Utz Anhalt) 

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Literatur:

Günter Scheich: Positives Denken macht krank. Vom Schindel mit gefährlichen Erfolgsversprechen. 3. Aufl. 2013.