Gesäßschmerzen

Gesäßschmerzen- häufig verwechselt mit Rückenschmerzen.

Viele Menschen, die unter Rückenschmerzen leiden, haben bei genauerem Lokalisieren der Schmerzen, Beschwerden im Gesäß. Selbst bei einer diagnostizierten Bandscheiben- oder Gleitwirbelproblematik oder Wirbelsäulengelenksarthrose in der unteren Lendenwirbelsäule geben die Betroffenen den Schmerz im Gesäß in der Nähe der sogenannten Iliosakralgelenke (Gelenke zwischen dem Kreuzbein und den Beckenknochen) an. Lesen Sie auch: Bandscheibenvorfall.

Anatomisch gibt es häufig Schmerzen im Bereich eines Muskels, der in der Tiefe des Gesäßes liegt und das Bein nach aussen dreht- der M. Piriformis. Er verläuft von der Innenseite des Kreuzbeines (dem Knochen, der aus mehreren zusammengewachsenen Wirbeln besteht und nach dem 5. Lendenwirbel beginnt) nach aussen an den Oberschenkelknochen. Unter ihm läuft der Ischisnerv lang, den er wohl auch bei einem Hartspann abdrücken kann, was dann Schmerzen im Verlauf des Nerven an der Rückseite des Oberschenkels bis zur Wade auslösen kann. So können dann Schmerzen entstehen, die bisher immer typisch für Bandscheibenvorfälle mit Wurzelkompression des Ischiasnerven waren.

In der manuellen Medizin und Osteopathie werden auch häufig die Iliosakralgelenke für Beschwerden verantwortlich gemacht. Sie sind die Schnittstelle in der Verteilung der Kräfte von zwei Säulen (Beine) auf eine Säule (Wirbelsäule) und sollen nach diesen Konzepten anfällig für Beschwerden sein.

Oberhalb des Beckenkamms treten noch 3 Nerven (Nervi cluneii superiores) in das Gesäß ein, die nach osteopathischen Ideen bei einem Hartspann der Rückenfaszie, einer bindegewebigen Platte, die den Rücken überzieht und seine Struktur und Funktion entscheidend prägt, auch abgeklemmt und Schmerzen auslösen können.

Natürlich kann es auch Reizungen der Gesäßmuskeln an ihren Ansätzen geben. Denn viele Menschen haben ihre Gesäßmuskeln ständig angespannt, was in der Folge eine Anfälligkeit für Beschwerden nach zieht- dies hat häufig biomechanische Gründe einer Haltungskompensation oder es liegt eine grundsätzliche innere Anspannung zugrunde.

Warum viele Menschen trotz einer mit bildgebenden Verfahren gesicherten Diagnose eines Problems der Lendenwirbelsäule Schmerzen im Gesäß angeben, ist bisher kaum erforscht. Wichtig ist vor allem, trotz der modernen Diagnoseverfahren, den Patienten zuzuhören und die Beschwerden genau zu lokalisieren, um die richtige Therapie im Sinne der Leidenden einzuleiten. (Heilpraktiker und Osteopath, Thorsten Fischer, 24.11.2009)


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