Eiweißunverträglichkeit – Ursachen und Gegenmaßnahmen

Junge Frau steht vor Kühlregal im Supermarkt und betrachtet Milchflasche in ihrer Hand

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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ICD-Codes für diese Krankheit: T78 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Proteinintoleranz

Lebensmittelunverträglichkeiten gibt es bekanntlich viele. Die meisten davon können mit einer gezielten Spezialernährung und dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel mehr oder minder kompensiert werden. Bei der Eiweißunverträglichkeit (Proteinintoleranz) ist dies etwas komplizierter. Denn Eiweiß ist ein essenzieller Grundbaustein, der für fast alle Gewebestrukturen und Funktionsabläufe unseres Körpers von Bedeutung ist. Insbesondere das Immunsystem sowie die DNA basieren auf einer geregelten Eiweißzufuhr, weshalb eine Eiweißintoleranz zwangsläufig mit einem erhöhten Risiko von Krankheitsanfälligkeiten und Schäden am Erbgut einhergeht. Wie genau die Unverträglichkeit zustande kommt und welche Schritte in der Behandlung unabdingbar sind, erklärt unser Beitrag zu diesem Thema.


Warum ist Eiweiß für den Körper wichtig?

Als Grundbaustein zahlreicher Körperprozesse und -strukturen ist Eiweiß (Protein) in der täglichen Ernährung eigentlich unverzichtbar. Mit einem Anteil von 50 Prozent ist es ein essenzieller Baustein in allen Körperzellen und hat somit wichtige Aufgaben im Organismus zu erfüllen. Sowohl unsere Muskeln und Knochen, als auch die Gewebezellen des Blutes, der Haare, der Haut und sogar die körpereigenen Enzyme, Hormone und Antikörper des Immunsystems sind in ihrem Kern aus Proteinen aufgebaut. Eiweiß gehört somit zu den wichtigsten Nährstoffen überhaupt und muss dem Körper demzufolge täglich über die Ernährung zugeführt werden, um die Funktionalität und strukturelle Integrität aller genannten Körperelemente aufrechtzuerhalten. Umso gefährlicher ist es, wenn es durch Eiweißmangel zu einer Unterversorgung des Körpers mit Eiweiß kommt.

Die möglichen Auswirkungen auf den Körper sind sehr umfangreich und können folgende Beschwerden umfassen:

Eiweißmangel und seine Auswirkungen:
Störungen im Aufbau der Haut- und Haarzellen zum Beispiel Haarausfall, Entfärbung der Haare, Wundheilstörung, Augenränder oder Faltenbildung
Störungen im Muskelaufbau zum Beispiel Muskelschwund, Muskelschwäche, Abbau der Herzmuskelmasse
Organ- und Verdauungsstörungen zum Beispiel Durchfall, eingeschränkte Herzfunktion, Fettleber, Gewichtsverlust und Hungerödeme
Entwicklungsstörungen (bei Kindern) zum Beispiel Wachstumsstörungen oder ein geschwächtes Immunsystem

Eine unzureichende Versorgung mit Protein liegt dabei immer dann vor, wenn eine Person dauerhaft weniger als 0,6 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht am Tag zu sich nimmt, was gerade bei einer Proteinintoleranz sehr schnell passieren kann.

Das Leben mit Eiweißunverträglichkeit bedarf besonderer Vorsicht bei der Wahl der Nahrungsmittel. (Bild: Anton/fotolia.com)

Eiweißunverträglichkeit, was ist das?

Eine Eiweißunverträglichkeit entsteht immer dann, wenn das Immunsystem körperfremde Proteine irrtümlicherweise als feindliche Stoffe erkennt. Es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung, bei der aufgrund von immunologischen Fehlinterpretationen bestimmte Proteine, die in bestimmten Nahrungsmitteln vorkommen, nicht mehr verzehrt werden können, ohne dabei allergische Reaktionen wie zum Beispiel Verdauungsstörungen oder Hautirritationen hervorzurufen. Nun gibt es im Bereich der Lebensmittel aber verschiedene Arten von Proteinen und nicht jeder Patient mit Proteinintoleranz reagiert auf die gleichen Eiweißvarianten mit einer Unverträglichkeit. Je nachdem, welche Fremdproteine die Unverträglichkeit auslösen, wird zwischen vier verschiedenen Formen der Intoleranz unterschieden.

Hühnereiweißintoleranz

Bei einer Hühnereiweißallergie ist der Patient gegen Proteine allergisch, die von Hühnern produziert werden. Dazu gehören vor allem die Proteine Ovomukoid, Avalbumin, Ovotransferrin und Lysozym, die sich neben dem Hühnerfleisch auch in den Eiern des Huhns beziehungsweise deren Eiklar befinden. Dementsprechend können weder Hühnchengerichte, noch Hühnereier oder daraus hergestellte Fertigprodukte wie Gebäck oder Pasta verzehrt werden. Darüber hinaus reagieren Personen mit einer Proteinintoleranz gegenüber Hühnereiweiß meist auch auf andere Geflügelerzeugnisse und Sorten von Geflügeleiern allergisch. Sehr häufig anzutreffen ist die Hühnereiweißallergie bei Säuglingen und Kleinkindern.

Das Protein Tropomyosin ist bei vielen Meeresfrüchten die Ursache der Eiweißunverträglichkeit. (Bild: shersor/fotolia.com)

Proteinintoleranz: Fisch und Meeresfrüchte

Da Fisch und Meeresfrüchte bekanntlich zu den eiweißreichsten Lebensmitteln überhaupt gehören, ergibt sich hier eine weitere mögliche Allergiequelle. Insbesondere das Protein Tropomyosin, das in vielen Meeresfrüchten enthalten ist, sorgt dabei sehr häufig für Unverträglichkeiten. Symptome wie Übelkeit und Erbrechen nach dem Verzehr von Fischgerichten oder Meeresfrüchten müssen also nicht zwangsläufig Anzeichen einer Fischvergiftung durch verdorbenen Fisch oder Muscheln sein, sondern sind gelegentlich auch Ausdruck einer Eiweißunverträglichkeit.

Intoleranz von Milchproteinen

Auch Milchprodukte sind bekanntlich sehr proteinreich. Das gilt vor allem für Kuhmilcherzeugnisse. Proteine in der Kuhmilch, die hier immer wieder für Unverträglichkeiten sorgen, sind insbesondere Casein, Laktoglobulin, Laktoferrin und Lactalbulmin. Ähnlich wie die Hühnereiweißallergie zeigt sich auch die sogenannte Kuhmilchallergie oft schon im Kindesalter. Beispielsweise wird mit Kuhmilch zubereitete Babynahrung von den Säuglingen nicht vertragen, die daraufhin mit

Nicht zu verwechseln ist die Milcheiweißallergie mit der Milchzuckerallergie (Laktoseintoleranz). Eine ebenfalls oft schon im Kindesalter auftretende Unverträglichkeit, die sich jedoch gegen den als Laktose bekannten Milchzucker richtet.

Intoleranz von Getreide- und Pflanzenproteinen

Wer schon einmal von der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) gehört hat, der ist auch mit der Intoleranz gegenüber Pflanzen- und Getreideproteinen vertraut. Die Allergie entsteht in erster Linie durch Proteine in verschiedenen Getreidesorten, wobei Patienten maßgeblich allergisch auf die im Getreide vorkommenden Klebereiweiße, das Gluten, reagieren. Diese Form der Eiweißunverträglichkeit ist heutzutage äußerst häufig anzutreffen, was vor allem einem übermäßigen Gebrauch von Gluten in der Lebensmittelindustrie geschuldet ist. Daneben können aber auch Proteine in anderen pflanzlichen Lebensmitteln, etwa in Bohnen, für eine Unverträglichkeit von Pflanzenproteinen verantwortlich sein.

Für Menschen mit Eiweißunverträglichkeit sind Milchprodukte meistens tabu. (Bild: istetiana/fotolia.com)

Ursachen für Proteinintoleranz

Wie bei vielen Autoimmunerkrankungen ist auch der genaue Entstehungsweg von Eiweißunverträglichkeiten bislang noch nicht gänzlich erforscht. Eine besondere Rolle scheinen aber bereits bestehende Pollen- und Nahrungsmittelallergien zu spielen, welche dann bei regelmäßigem Verzehr bestimmter Lebensmittelproteine zu Kreuzallergien führen. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Proteinintoleranz nicht auch gesondert auftreten kann. Sie muss nicht einmal zwingend mit dem Verzehr von eiweißhaltigen Lebensmitteln in Verbindung stehen, sondern kann ebenso auf bestimmten Triggerfaktoren im Alltag basieren. Anschließend eine Übersicht zu den möglichen Risikofaktoren.

Ernährungsfaktoren

Sicherlich sind in vielen Fällen von Eiweißunverträglichkeit die Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen nicht ganz unerheblich für die Entstehung einer Proteinintoleranz. Wer sich zum Beispiel sehr häufig durch glutenreiche Nahrung wie Weißmehlprodukte ernährt, die überwiegend aus glutenhaltigem Weizenmehl (Mehl Typ 405) hergestellt werden, der könnte früher oder später eine Glutenunverträglichkeit ausbilden. Dinkelmehl (Mehl Typ 630) und Roggenmehl (Mehl Typ 815) haben ebenfalls einen sehr hohen Glutengehalt. Und auch ursprünglich nicht aus Weizenmehl bestehende Lebensmittel, die jedoch auf die Kleberqualität des Glutens setzen, können hier als Trigger einer Intoleranz dienen. Insgesamt ist bei folgenden Produkten Vorsicht geboten:

  • Eis,
  • Fertigsuppen,
  • Fertigsoßen,
  • Haferflocken,
  • Frischkäse,
  • Kaffeefertigpulver,
  • Kartoffelpuffer,
  • Ketchup,
  • Kroketten,
  • Bier,
  • Müsliriegel,
  • Panierte Lebensmittel (zum Beispiel Schnitzel),
  • Pommes frites,
  • Pudding,
  • Schokolade,
  • Teigwaren (zum Beispiel Gebäck, Nudeln oder Pizza)
  • oder Wurst.

Achtung: Radikale Ernährungsumstellungen wie auch extreme Mangeldiäten lassen sich als Ursache für eine Eiweißunverträglichkeit nicht ausschließen. Gleiches gilt für den Konsum von Alkohol, der gelegentlich ebenfalls für Unverträglichkeiten verantwortlich ist.

Eiweißhaltige Substanzen

Es sei darauf hingewiesen, dass sich Eiweißallergene nicht nur in Lebensmitteln verstecken können. Auch manche Medikamente enthalten Eiweiß. Das gilt vor allem für Impfstoffe (zum Beispiel Grippeimpfstoffe). Sie sollen dem Immunsystem durch entsprechende Proteinverbindungen unterstützend unter die Arme greifen. Bei Menschen mit Eiweißunverträglichkeit hat das jedoch den gegenteiligen Effekt. Die in den Arzneimitteln verarbeiteten Proteine werden nämlich mitunter aus Hühnerembryonen gewonnen. Medikamentöse Behandlungen oder Schutzimpfungen können deshalb durchaus zum Auslöser einer Hühnereiweißintoleranz werden.

Ebenfalls als Trigger einer Eiweißunverträglichkeit in Betracht kommen eiweißhaltige Pflegeprodukte und Kosmetika. Die Proteine sollen hier zumeist die Haut- oder Haarstruktur stärken oder, wie bei glutenhaltigen Fertigprodukten, deren Klebefähigkeit verbessern. Tatsächlich ist Gluten in Kosmetika (vor allem in Lippenstiften) gar nicht so selten wie gedacht. Und selbst Zahnpasta kann Gluten enthalten.

Es ist wichtig bei Eiweißunverträglichkeit auf eiweißhaltige Bestandteile der Kosmetika zu achten. (Bild: picsfive/fotolia.com)

Genetische Prädisposition

Autoimmunkrankheiten werden in aller Regel durch eine besondere genetische Veranlagung mitbestimmt. Im Falle von Hühnereiweißallergie gehen Forscher mittlerweile davon aus, dass bei etwa 35 Prozent aller betroffenen Kinder und 14 Prozent aller erwachsenen Patienten die Ursache in einer erblich bedingten Nahrungsmittelallergie beziehungsweise in bereits bestehenden Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis oder Nesselsucht zu suchen ist. Die Kuhmilchallergie wiederum ließ sich mit einer immunologischen Störung in der Ausschüttung sogenannter IgE-Antikörper in Verbindung bringen, die ebenfalls erblich bedingt ist. Es erscheint daher nicht abwegig, dass zumindest ein gewisser Anteil der Eiweißallergien durch genetische Mutationen ausgelöst wird, die im Immunsystem allergische Reaktionen gegen bestimmte Proteine provozieren.

Bestehende Sensibilitäten im Kindesalter

Gerade Milchprotein- und Hühnereiweißintoleranzen treten, wie erwähnt, häufig schon im frühen Kindesalter auf. Von besonderer Bedeutung scheint die Zeitspanne nach dem Abstillen des Kindes zu sein. Denn in den meisten Fällen manifestiert sich die Eiweißunverträglichkeit bei Kleinkindern gerade dann, wenn diese von Muttermilch auf kuhmilchhaltige Beikost oder Pulvernahrung umgestellt werden, in der Proteine aus dem Eiklar der Hühnereier enthalten sind. Offensichtlich scheint das kindliche Immunsystem in dieser Phase besonders empfindlich auf die Umstellung zu reagieren, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass der kindliche Organismus bis dato einzig durch Muttermilch ernährt wurde.

Auch Kinder und Jugendliche, die zu Hause eine eher naturbelassene Kost genießen, später jedoch vermehrt mit ungesunden Fertigprodukten und Süßigkeiten konfrontiert sind, neigen tendenziell eher dazu, eine Eiweißunverträglichkeit auszubilden. In diesem Zusammenhang kann der Körper also auch ein Indikator für eine ungesunde Ernährung sein.

Zu schnelle Umstellung von Muttermilch auf Abstillprodukte erhöht das Risiko, dass das Baby an Eiweißunverträglichkeit leiden wird. (Bild: evso/fotolia.com)

Ungesunde Lebensweise

Neben der Ernährung spielen noch weitere Alltagsfaktoren eine Rolle für die Entstehung der Eiweißunverträglichkeit. So ist es beispielsweise kein Geheimnis, dass Stressbelastung in vielen Fällen Allergien und Autoimmunkrankheiten auszulösen kann. Bei Proteinintoleranz ist das nicht anders. Als Stress definieren lassen sich nicht nur Termindruck, berufliche Belastung oder seelische Probleme. Auch und vor allem körperlicher Stress durch Schadstoffbelastung in der Wohnumgebung beziehungsweise am Arbeitsplatz werden mit Blick auf Allergien und Unverträglichkeiten vielfach unterschätzt. Die schädlichen Stoffe können Körperprozesse empfindlich angreifen und so zum geschwächten Immunsystem führen, was letztendlich der Grund für zahlreiche Autoimmunprozesse ist.

Symptome bei Eiweißunverträglichkeit

In ihrer Symptomatik ähnelt die Proteinintoleranz stark den herkömmlichen Lebensmittelunverträglichkeiten. Verdauungsprobleme und allergische Hautreaktionen lassen sich als Kardinalsymptome festhalten. Insbesondere Durchfall und Magenschmerzen sowie Nesselsucht (Nesselfieber) und das als Neurodermitis bekannte Atopische Ekzem lassen sich im Rahmen der Eiweißunverträglichkeit häufig beobachten. Eine Proteinintoleranz gegenüber Hühnereiweiß kann darüber hinaus einen anaphylaktischen Schock verursachen.

Wichtig: Suchen Sie bei Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks bitte schnellstmöglich einen Arzt auf! Der Zustand ist lebensgefährlich und bedarf einer zeitnahen Behandlung!

Bei Intoleranz von Milchprotein sind zusätzlich zu der Nesselsucht und den Magen-Darm-Beschwerden häufig Atembeschwerden zu beobachten. Bei Glutenunverträglichkeit oder Intoleranz gegenüber Pflanzenproteinen sind sogar Symptome wie Gelenkentzündungen, Glossitis, Zahnschmelzabbau oder Blutarmut denkbar. Alles in Allem sind folgende Beschwerden bei Eiweißunverträglichkeit bekannt:

    Beschwerden bei Eiweißunverträglichkeit:
    Allergische Hautreaktionen zum Beispiel Juckreiz, Hauttrockenheit, Rötungen, Nesselsucht oder Neurodermitis
    Magen-Darm-Beschwerden zum Beispiel Durchfall, kolikartige Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
    Atembeschwerden zum Beispiel allergische Rhinitis, Asthma bronchiale, Atemnot oder Atemwegsinfekte
    Knochen- und Gelenkbeschwerden zum Beispiel Gelenkentzündungen, Knochenschmerzen oder Osteopenie
    Herz- und Kreislaufbeschwerden zum Beispiel Blutarmut, innere Unruhe oder Müdigkeit
    Veränderungen im Mundraum zum Beispiel Glossitis, Zahnschäden oder Veränderungen der Mundschleimhaut

    Symptome einer Mangelerscheinung

    Erschwerend hinzu kommen bei Eiweißunverträglichkeit auch Symptome, die aus einem potenziellen Eiweißmangel hervorgehen. Die schlimmsten Formen von Eiweiß- beziehungsweise Proteinmangel sind dabei Marasmus und Kwashiorkor. Während der Marasmus äußerlich vor allem durch einen extremen Gewichtsverlust (gegebenenfalls auch Haarausfall) auffällt, macht sich Kwashiorkor zusätzlich durch einen Hungerbauch bemerkbar, der von übermäßigen Wassereinlagerungen im Körper herrührt. Andere Symptome wie Durchfall, Muskelschwund oder ein geschwächtes Immunsystem sind bei beiden Formen von mangelnder Eiweißversorgung ebenfalls denkbar.

    Haarausfall kann zu den Symptomen der Mangelerscheinungen bei Eiweißunverträglichkeit gehören. (Bild: blackday/fotolia.com)

    Sowohl Marasmus als auch Kwaschiorkor entstehen durch eine anhaltende Unterversorgung mit Protein und sind gerade in Entwicklungsländern weit verbreitet. Ein mangelnder Zugang zu Lebensmitteln, die ausreichend Protein enthalten, ist hier in der Regel einer dauerhaften Lebensmittelknappheit oder Armut geschuldet, was Eiweißmangel in entsprechenden Regionen zu einem ernsten Gesundheitsproblem macht. Dies insbesondere, wenn zeitgleich auch eine Eiweißunverträglichkeit vorliegt. Kinder und Erwachsene in Entwicklungsländern, die an einer solchen Intoleranz leiden, haben es deshalb besonders schwer. Doch auch in Industrieländern lassen sich im Zuge einer Proteinintoleranz immer wieder Mangelerscheinungen beobachten. Eine zielgerichtete und zeitnahe Ernährungstherapie ist darum umso wichtiger.

    Wichtig: Optische Veränderungen wie Haarausfall, Augenränder oder hervortretende Wangenknochen aufgrund extremen Gewichtsverlustes können bei Eiweißmangel zwar erste Hinweise geben, allerdings handelt es sich hierbei, ähnlich wie bei Durchfall oder Muskelschwund, um sehr unspezifische Symptome. Zudem könnten sich hinter den Beschwerden, wie auch hinter dem Eiweißmangel selbst, ernste Grunderkrankungen verbergen, weshalb für eine gesicherte Diagnose eingehende körperliche Untersuchungen vonnöten sind.

    Diagnose

    Um eine Eiweißunverträglichkeit zu diagnostizieren, begeben sich Betroffene mit ihrem Verdacht am besten zu einem Allergologen. Dieser wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchführen, innerhalb derer vorrangig familiäre Prädispositionen ermittelt werden müssen, welche auf eine Tendenz zur Entwicklung von Allergien oder Autoimmunerkrankungen hinweisen. Gibt es innerhalb der Familie zum Beispiel bereits Fälle von Neurodermitis, Pollen- oder Lebensmittelallergie, erhöht sich auch das Allergierisiko. Darüber hinaus werden im Rahmen des Patientengesprächs auch die Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen genauer unter die Lupe genommen. Bei einer Gluten- oder Milchproteinintoleranz hilft zusätzlich ein Provokationstest beziehungsweise eine Provokationsdiät.

    Beim Provokationstest auf der Haut kommt häufig der sogenannte Pricktest zur Anwendung. Zu diesem Zweck bringt der Arzt geringe Mengen eines bestimmten Allergens in die Haut ein und beobachtet anschließend die Hautreaktion. Für eine Provokationsdiät müssen sich Patienten über einen bestimmten Zeitraum bewusst milchfrei ernähren, um aufzudecken, ob bestehende Symptome durch die Diät abklingen. Damit das Geschehen so detailliert wie möglich festgehalten werden kann, ist es wichtig, dass Betroffene beziehungsweise die Eltern des betroffenen Kindes während der Provokationsdiät sorgfältig Tagebuch über sämtliche Körperreaktionen führen, die sich im Rahmen der Nahrungsumstellung ergeben.

    Zusätzlich zur Anamnese und eventuellen Provokationstests sind auch Bluttests üblich. Bestimmte Blutwerte, wie etwa Entzündungsparameter oder Antikörperaktivitäten können hier Aufschluss über bestehende Unverträglichkeiten und Autoimmunreaktionen geben. Von besonderer Bedeutung sind diesbezüglich die IgE-Werte bestimmter Antikörper, die durch eine Unverträglichkeit von Hühnerei-, Milch- oder Pflanzeneiweiß entstehen.

    Ein Teil der Diagnose bei Eiweißunverträglichkeit besteht aus Allergietests. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

    Therapie

    Entsteht eine Eiweißallergie im Kindesalter aufgrund erhöhter Sensibilität des kindlichen Immunsystems, geht diese oftmals von selbst bis zum zehnten Lebensjahr zurück und erfordert dann nur bedingt eine Behandlung. Anders gestaltet sich die Angelegenheit bei Eiweißallergien im Erwachsenenalter. Sie bleiben häufig ein Leben lang bestehen und sorgen für besonders komplikative Symptome. Das gilt vor allem dann, wenn die Proteinintoleranz durch bestimmte Risikofaktoren wie Alkoholkonsum oder falsche Ernährung selbst provoziert wurde. Komplikationen entstehen in solch einem Fall nicht nur durch die eingeschränkte Lebensmittelauswahl, sondern auch durch chronische Symptome wie Nesselsucht oder Neurodermitis, die zu einer starken Belastung für Patienten werden. Die Therapie umfasst deshalb nicht nur Maßnahmen, die einem Proteinmangel vorbeugen, sondern gegebenenfalls auch eine umfangreiche Symptombehandlung zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen.

    Ernährungsmaßnahmen

    Die wichtigste Gegenmaßnahme bei Eiweißallergien ist natürlich das Weglassen allergieauslösender Lebensmittel. Welche Nahrungsmittel hier im Einzelnen zu meiden sind, müssen Allergietests vorab zutage fördern. Dabei sind im Übrigen auch Getränke genauer unter die Lupe zu nehmen. Gerade Smoothies und Proteinshakes könnten hier eine zusätzliche Gefahrenquelle sein. Stattdessen sind Mineralwasser, Tees und unbedenkliche Fruchtsäfte zu empfehlen.

    Freilich ist es bei der Behandlung einer Proteinintoleranz keine Option, gänzlich auf Proteine zu verzichten, denn trotz bestehender Unverträglichkeit ist eine geregelte Eiweißversorgung für die Funktionalität des Körpers unverzichtbar. Aus diesem Grund hilft hier nur die Suche nach möglichen Alternativen. Glücklicherweise besteht bei Eiweißunverträglichkeit meist nur eine Intoleranz gegenüber einer bestimmten Eiweißsorte, sodass andere Proteinvarianten weiterhin verzehrt werden können. Wer also an einer Hühnereiweißallergie leidet, kann dies eventuell mit pflanzlichen Proteinen oder Eiweiß aus Fisch und Meeresfrüchten kompensieren. Bei Glutenunverträglichkeit sind wiederum tierische Eiweiße aus Milchprodukten oder eben Fisch eine Alternative. Zusätzlich können bei gezielter Produktauswahl glutenfreie Produkte wie

    • Amarant,
    • Buchweizen,
    • Hirse,
    • Reis,
    • Mais,
    • Johannisbrotkernmehl
    • oder Qinoa genutzt werden.

    Im Falle einer Kuhmilchallergie sind Ersatzprodukte wie Mandel-, Ziegen- oder Stutenmilch eine Empfehlung. Von Sojamilch und Sojaprodukten ist dagegen gerade für Kinder mit Eiweißallergie abzuraten, da die Inhaltsstoffe der Sojabohne eine hormonähnliche Wirkung haben. Dies wiederum könnte eine zusätzliche Belastung für den noch im Wachstum befindlichen Körper des Kindes, insbesondere für dessen Stoffwechsel und Hormonhaushalt bedeuten.

    Menschen, die glutenhaltige Nahrungsmittel meiden müssen, können anderes Getreide wählen. Für sie ist Reis eine gute glutenfreie Basis für viele Gerichte. (Bild: Mara Zemgaliete/fotolia.com)

    Nahrungsergänzungsmittel

    Ein guter Rat ist es, anstatt auf fertiges Eiweiß auf Aminosäuren in der Nahrung zu setzen. Sie stellen die kleinsten Bausteine von Proteinen dar und können vom Körper dazu verwendet werden, eigenes Eiweiß zu synthetisieren. In besonders ernsten Fällen könnte auch die Gabe von protein- aber auch aminosäurehaltigen Nahrungsergänzungsmitteln notwendig werden. Da Proteine aus verschiedenen Aminosäuren bestehen, kann eine gezielte Zufuhr die körpereigene Eiweißproduktion ebenfalls anregen. Das gilt insbesondere für Eiweißunverträglichkeiten, die bereits einen massiven Proteinmangel verursacht haben.

    Ein weiteres, zu empfehlendes Mittel zur Proteinsicherung ist Wobenzym. Das Präparat unterstützt die Verwertung von Eiweiß im Verdauungstrakt und kann somit eine verminderte Aufnahmefähigkeit über die Nahrung verbessern. Ferner gibt es heilpflanzliche Hilfe in Form von

    • Papaya,
    • Ananas,
    • Feige,
    • Kümmel,
    • Fenchel
    • und Anis.

    Auch sie verbessern die Verdauung und machen die Proteinverwertung des Körpers effizienter.

    Wichtig: Nahrungsergänzungsmittel können nie einen Komplettersatz für eine richtige Ernährung darstellen. Die Präparate sollten daher nur im äußersten Notfall und bei besonders problematischen Verläufen der Proteinintoleranz eingenommen werden.

    Ananas gehört zu den natürlichen Unterstützern des Verdauungstrakts bei der Aufnahme von Eiweiß. (Bild: Yaruniv-Studio/fotolia.com)

    Alltagsmaßnahmen

    Neben der Ernährung ist es bei Eiweißunverträglichkeit auch wichtig, die Inhaltsstoffangaben von Medikamenten, Impfstoffen, Pflegeprodukten und Kosmetika genauer unter die Lupe zu nehmen, um unerwünschte allergische Reaktionen zu vermeiden. Des Weiteren sollten Stress sowie eine schadstoffbelastete Umgebung gemieden werden. Bei seelischen Konflikten, die das Immunsystem durch psychosomatische Vorgänge aus dem Gleichgewicht bringen könnten, ist eine zeitnahe Auflösung der inneren Konflikte ratsam, notfalls auch unter Zuhilfenahme fachtherapeutischer Betreuung.

    Zur Unterstützung einer stressfreien Alltagsplanung sind außerdem gezielte Entspannungsmaßnahmen empfehlenswert. Diese können zum Beispiel aus bestimmten Kursangeboten wie Yoga, Meditation oder Qi-Gong bestehen. Auch regelmäßige Massagen und sportliche Betätigung zur Stärkung des Immunsystems sind wichtig. Darüber hinaus unterschätzen viele den Einfluss einer angemessenen Schlafhygiene auf die Gesundheit und die Stressbelastung. Gehen Sie bei vorliegender Autoimmunerkrankung früh ins Bett und stellen Sie sicher, dass Ihr Schlaf nicht durch Lärm oder sonstige Störeinflüsse beeinträchtigt wird.

    Hyposensibilisierung

    Eine alternativmedizinische Maßnahme, die bei bestehenden Allergien gerne angewandt wird, ist die Hyposensibilisierung. Leider ist das Desensibilisierungsverfahren bei einer Allergie gegen tierische oder pflanzliche Proteine nicht immer erfolgreich. Einzig Milchproteinintoleranzen sprechen gut auf die Hyposensibilisierung an und können somit eventuell durch diese Behandlungsmethode entschärft werden.

    Durchgeführt wird die Hyposensibilierung, indem Patienten über einen längeren Zeitraum Milch in steigender Dosis bis zu einer Endmenge von 250 Millilitern verabreicht wird. Auf diese Weise soll sich die Toleranz der Betroffenen schrittweise erhöhen. Wichtig ist hierbei, dass sie auch nach einer erfolgreichen Desensibilisierung weiterhin täglich Kuhmilch zu sich nehmen, um den Gewöhnungseffekt zu erhalten.

    Prävention bei Eiweißunverträglichkeit

    Vorbeugen lässt sich einer Eiweißallergie nur bedingt. So können Erwachsene zum Beispiel Risikofaktoren meiden, die eine Allergie künstlich herbeiführen. Dies bedeutet folglich, dass allen Einflüssen vorzubeugen ist, die das Immunsystem in seiner Funktion stören könnten, wie etwa Schadstoffbelastung, Stress oder eine ungesunde Ernährung. Müttern von zu stillenden Kleinkindern ist zu empfehlen, die Nahrung ihres Kindes nur schrittweise und in langsam steigenden Dosen mit eiweißhaltigen Abstill- und Beikostprodukten zu ersetzen. Denn vor allem radikale Ernährungsumstellungen begünstigen bei Kindern und auch bei Erwachsenen einen plötzlichen Allergieausbruch. (ma)

    Autor:
    Miriam Adam
    Quellen:
    • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI): Leitlinie IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, Management, Stand: Februar 2016, Leitlinien-Detailansicht
    • Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.: Auslöser von A bis Z (Abruf: 24.06.2019), daab.de
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    • Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF): Nahrungsmittel-Intoleranz (Abruf: 24.06.2019), ecarf.org
    • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Allergie auf Eier, Fisch, Krebs & Co. (Abruf: 24.06.2019), gesundheit.gv.at
    • Mayo Clinic: Food allergy (Abruf: 24.06.2019), mayoclinic.org
    • Jäger, Lothar (Hrsg.), u.a.: Nahrungsmittelallergien und -Intoleranzen: Immunologie - Diagnostik - Therapie - Prophylaxe, Urban & Fischer Verlag / Elsevier GmbH, 3. Auflage: 3, 2005
    • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k-Leitlinie Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität Stand: Mai 2015, dgvs.de
    • Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e. V.: Ratgeber Laktoseintoleranz (Abruf: 24.06.2019), gastro-liga.de

    Wichtiger Hinweis:
    Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.