Fasten – Anleitung und gesundheitliche Vorteile

Susanne Waschke
Fasten hat eine uralte Tradition, begründet sowohl durch gesundheitliche als auch religiöse und ethische Motive. So wurde über Jahrhunderte hinweg in Kirchen und Klöstern gefastet, jedoch blieben dabei häufig der gesundheitliche Aspekt unbeachtet.

Fasten bedeutete ursprünglich, für einen begrenzten Zeitraum auf feste Nahrung und Genussmittel zu verzichten, für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen und den Darm regelmäßig zu entleeren. Fasten ist innere Reinigung des Körpers, aber auch des Geistes. Entspannungsübungen, Spaziergänge an der frischen Luft, das Lesen eines guten Buches – all dies unterstützen den Reinigungsprozess und führt zu einem guten Körpergefühl. In der christlichen Tradition beginnt das Fasten am Aschermittwoch und dauert vierzig Tage. So ist für Viele heute immer noch der Aschermittwoch der richtige Tag für den Beginn einer Fastenkur, wobei sich die Art des Fastens über die Jahrhunderte hinweg geändert hat.

Heute existieren die verschiedensten Fastenarten. Diese zielen nicht nur darauf ab, feste Nahrung zu meiden, sondern beschränken sich zum Beispiel ausschließlich auf bestimmte Nahrungsmittel.

Wie gefastet wird, bestimmt jeder selbst oder aber der behandelnde Arzt. Wichtig sind die sogenannten Entlastungstage, die den Körper auf das eigentliche Fasten hinführen, die Darmreinigung und die Aufbautage, in denen sich der Organismus wieder ganz langsam an die normale, feste Kost gewöhnen kann.

Fasten war früher vor allem in Verbindung mit der Religion gebräuchlich, heute stehen jedoch eher die gesundheitlichen Apsekte im Vordergrund. (Bild: Johanna Mühlbauer/fotolia.com)

Wirkung

Fasten entlastet den Stoffwechsel, entschlackt und reinigt den gesamten Organismus. Überflüssige Stoffwechselprodukte werden abgebaut, wodurch sich der Körper erholen kann. Für Viele hat Fasten noch einen angenehmen Nebeneffekt – das eine oder andere Pfund purzelt.

Physiologische Vorgänge

Fasten dient der Normalisierung der Verdauungssäfte. So verringert sich der Säuregehalt des Magensaftes, der Gallensaft wird anfangs mehr, nimmt dann im Verlauf ab, Grieß und Schleim werden abgegeben. Der Darm wird zu Beginn der Fastentage entleert und gereinigt. Das wirkt sich positiv auf die Darmzotten aus, die dann wieder besser in der Lage sind, Nährstoffe weiterzuleiten.

Des weiteren wird die Ausscheidung angekurbelt. Gewebeschlacken werden frei, eingelagerte Substanzen, oft durch sogenannte Myogelosen spürbar, werden aufgelöst. Die Gewichtsabnahme ist eigentlich nur ein Nebeneffekt. Denn im Vordergrund steht eine Umstimmung des Körpers, wodurch die Selbstheilungskräfte angekurbelt werden und sich auf diese Art und Weise nicht nur der Organismus erholt, sondern auch Seele und Geist davon profitieren.

Wer nicht fasten sollte

Nicht jeder ist für das Fasten geeignet. Liegen ausgeprägte Schwächezustände und /oder Herz-Kreislauf – oder Nierenerkrankungen vor, sollte nicht gefastet werden. Bei schweren Erkrankungen wie zum Beispiel bei Krebs, akuten Infektionskrankheiten und bei Patienten mit vorliegender psychiatrischer Anamnese oder bei Essstörungen, ist Fasten ebenso kontraindiziert. Kinder, Heranwachsende, Schwangere und Stillende sollten ebenfalls nicht fasten. Wer sich nicht ganz sicher ist, hält mit seinem behandelnden Arzt Rücksprache, bevor mit dem Fasten begonnen wird. Bei vorliegenden Erkrankungen kann eventuell ein stationäres Heilfasten in einer dafür passenden Klinik durchgeführt werden.

In der Schwangerschaft ist Fasten grundsätzlich tabu. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Durchführung

Gefastet wird am besten, wenn Zeit, Ruhe und etwas Muße vorhanden sind. Die Fastendauer ist individuell – fünf Tage, eine Woche, zwei Wochen.

Traditionelles Fasten erlaubt keine feste Nahrung. Schwarzer Tee, Kaffee, Alkohol und Nikotin sind bei jeder Fastenkur verboten. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig. Stilles Wasser oder Kräutertee und davon mindestens 2,5 Liter, werden über den Tag verteilt getrunken. Nur so können Stoffwechselprodukte auch wirklich ausgeschieden werden.

Zur Vorbereitung auf das Fasten dient eine Darmreinigung mit bestimmten Salzen wie zum Beispiel Glaubersalz, Bittersalz oder Passagesalz, wobei Letzteres das mildeste von den Dreien ist. Hildegard von Bingen empfiehlt zur Darmentleerung ein spezielles Ingwergewürz und bei anderen Fastenformen ist eher der Einlauf das Mittel der Wahl.

Einläufe sind zu Vorbereitung des Fastens durchaus empfehlenswert, allerdings haben hier viele Menschen gewisse Vorbehalte. (Bild: Drobot Dean/fotolia.com)

An zwei oder drei Tagen vor der eigentlichen Fastenkur, das sind die sogenannten Entlastungstage, wird nur Leichtes gegessen, um den Körper langsam vorzubereiten. Das Fasten wird durch das sogenannte Fastenbrechen, meist in Form eines Apfels, beendet. Dieser wird ganz langsam und bewusst gekaut. Danach sind mehrere Aufbautage wichtig, an denen sich der Körper ganz langsam und schonend an normale Kost gewöhnen darf.

Wie gefastet wird, bestimmt jeder selbst oder aber der behandelnde Arzt. In der Regel lässt das Hungergefühl nach ein paar Tagen nach. Bei Schwächegefühl kann ein Teelöffel Honig im Tee helfen.

Die verschiedensten Fasten Variationen

Früher war Fasten ganz einfach definiert – keine feste Nahrung, viel Flüssigkeit und keine Genussmittel. Diese traditionelle Art des Fastens existiert natürlich immer noch, doch haben sich die verschiedensten Fasten-Variationen hinzugesellt. Einige bekannte Arten werden in den folgenden Zeilen genauer beschrieben.

Fasten nach Buchinger

Fasten nach Buchinger – oder auch Heilfasten genannt – ist wohl die bekannteste Art und Weise. Hierbei wird konsequent auf feste Nahrung verzichtet. Der Körper wird auf Sparflamme geschaltet, den Fettdepots geht’s an den Kragen.

Begonnen wird mit zwei Entlastungstagen, an denen nur Gemüse, Obst und Reis gegessen und dazu Tee oder stilles Wasser getrunken wird. Der erste richtige Fastentag beginnt mit einer Darmentleerung, gleich nach dem Aufstehen. Das Darmreinigungssalz ist in der Apotheke erhältlich. Funktioniert die Verdauung während des Fastens nicht so richtig, wird diese im Abstand von zwei Tagen mit Hilfe von Einläufen oder Abführtees angekurbelt.

An den Fastentagen wird morgens eine große Tasse Tee nach Wahl getrunken (Kräutertee, Basentee oder ein spezieller Fastentee). Eine hefefreie Gemüsebrühe oder ein Glas Obst- oder Gemüsesaft verdünnt mit Wasser, ist die Mahlzeit für Mittags oder Abends, je nach Gusto. Den ganzen Tag über muss genügend getrunken werden. Bei Schwindel oder Schwäche darf, wie bereits oben erwähnt, der Tee mit etwas Honig angereichert werden.

In der Regel wird mindestens fünf Tage lang gefastet, jedoch sollte die Fastenkur spätestens nach 14 Tagen beendet sein.

Fasten nach Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen, die Äbtissin, die im Mittelalter gelebt hat und deren Leben die Naturheilkunde war, beschäftigte sich auch mit dem Fasten. Gesundheitliche Aspekte, aber auch die Spiritualität waren ihr wichtig. So beschreibt sie, dass beim Fasten die Konzentration ganz auf sich selbst gerichtet sei, der Geist klar werde und der Zugang zur eigenen Seele wieder gefunden werden könne. Der Mensch komme wieder in Einklang mit sich selbst.

Das Fasten nach Hildegard von Bingen ist eine sanfte Variante. Die Entlastungstage bestehen aus Obst und Gemüse. Das Abführen wird mit sogenanntem Ingwer-Mischpulver (Ingwer, Galgant, Zitwer) durchgeführt, das wesentlich sanfter als die Salzvariante ist: Morgens können Sie davon auf nüchternen Magen einen Teelöffel voll im Mund zergehen lassen. Während der gesamten Fastenzeit sollte dies täglich durchgeführt werden. Laut Hildegard von Bingen bringt dieses Pulver nur das „Schlechte“ nach draußen und das Gute bleibe im Körper. Zusätzlich empfiehlt sie noch alle zwei Tage einen Einlauf mit warmem Wasser oder Fencheltee.

Getrunken werden sollte Kräutertee und vor allem Fencheltee, da dieser sehr basisch ist und sich positiv auf die Darmflora auswirkt. Kleine Mengen von Dinkelkaffee sind ebenso erlaubt. Ein– bis zweimal täglich wird eine Gemüsebrühe mit Dinkel gegessen. Hildegard von Bingen empfiehlt, sich für das Fasten einen Herzwein (Petersilie-Honig-Wein) zu besorgen, der in Fastenkrisen (Schwäche, niedriger Blutdruck etc.) gute Dienste leisten kann.

Dinkel spielt bei Fastenkuren nach Hildegard von Bingen meist eine besondre Rolle. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)

Nach circa fünf Tagen folgt das Fastenbrechen – der Übergang zur normalen Kost. Dieses Fastenbrechen wird bei Hildegard von Bingen mit einem Bratapfel durchgeführt, der mit Honig, Zimt und süßen Mandeln zubereitet wird. Wichtig ist das Kauen. Jeder Bissen wird dreißig bis fünfzig Mal gekaut und gut eingespeichelt. Die Ernährung in den darauffolgenden Tagen ist eine leichte Kost mit Dinkel, Obst und Gemüse. In der ersten Woche wird auf Tierisches verzichtet.

Basenfasten

Basenfasten bedeutet, auf Lebensmittel zu verzichten, die im Körper sauer verstoffwechselt werden. Erlaubt sind Obst und Gemüse, roh oder gekocht, Kräuter, Pilze, Samen und Kerne, Keimlinge, Mandeln, Walnüsse, Zedernnüsse, Macadamianüsse und Pistazien. So besteht das Frühstück zum Beispiel aus gedünstetem Obst, verfeinert mit Nüssen und Samen. Mittags kommen ein bunter Salat oder verschiedenes gedünstetes Gemüse auf den Tisch, gerne auch zusammen mit Keimlingen. Sowohl rohes Gemüse und rohes Obst als auch Obst- und Gemüsesäfte sind nur bis circa 14.00 Uhr erlaubt. Das Abendessen muss leicht verdaulich sein zum Beispiel in Form einer Gemüsesuppe. Auch bei dieser Fastenform ist die Flüssigkeitszufuhr wichtig, mindestens 2,5 Liter stilles Wasser und/oder Kräutertee werden hier empfohlen.

Die Darmreinigung, die ja die Meisten fürchten, wird hier ebenso angeraten und zwar als Einlauf mit lauwarmem Wasser.

Beim Basenfasten steht, wie der Name schon sagt, das Basische im Vordergrund, da zu viel saure Kost dem Körper schadet und sich daraus die verschiedensten Symptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Verspannungen, Müdigkeit, aber auch chronische Erkrankungen entwickeln können.

Saftfasten

Auch beim Saftfasten wird der Körper von Schlacken gereinigt. Durch die verschiedenen Säfte werden dem Organismus viele Vitamine und Spurenelemente zugeführt. Saftfasten gehört zu den sanfteren Fastenformen. Die Ernährung setzt sich ausschließlich aus Flüssigem zusammen – frisch gepresste Säfte oder Biosäfte aus dem Reformhaus oder dem Bioladen. Eventuell wird der Speiseplan noch durch klare Gemüsebrühe erweitert. Auf genügend stilles Wasser oder Kräutertee ist zu achten. Auch bei dieser Fastenart sind Entlastungstage, eine Darmentleerung und Aufbautage nötig.

Saftfasten wirkt der Übersäuerung des Körpers entgegen und versorgt den Körper mit wichtigen Vitaminen. (Bild: fahrwasser/fotolia.com)

Beim Saftfasten wird einer Übersäuerung entgegengewirkt und der Blutdruck leicht gesenkt, was bedeutet, dass Herz und Kreislauf etwas entlastet werden. Ebenso werden Schlacken aus dem Körper gespült. Der Unterschied zu anderen Fastenformen ist hier das „Auffüllen“ des Körpers mit einer Menge an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Das macht so richtig fit.

Mayr-Fasten

Das Mayr-Fasten ist auch bekannt als Milch-Semmel-Kur. Die Kur beginnt klassischerweise mit einem Teefasten, sieben bis vierzehn Tage lang. In dieser Zeit wird auf feste Nahrung verzichtet, mittags eine Gemüsebrühe und ansonsten nur Tee getrunken. Danach beginnt die Milch-Semmel-Kur. Diese dauert zwischen zwei und vier Wochen lang. Für eine regelmäßige Darmentleerung sorgen die tägliche, morgendliche Einnahme von Bittersalz und eine Bauchmassage. Zum Frühstück und auch zum Mittagessen werden altbackene Weißmehl– oder Dinkelsemmeln, gut gekaut, zusammen mit Milch, die löffelweise aufgenommen wird. Abends ist nur Tee erlaubt, ebenfalls löffelweise.

Der Magen-Darm-Trakt kommt auch bei dieser Form des Fastens weitgehend zur Ruhe. Deshalb dürfen zum Beispiel keine Vollkornsemmeln verwendet werden, da diese den Darm zu sehr anregen würden. Die Mayr-Kur wird nicht zuhause, sondern in speziellen Kliniken durchgeführt.

Einzelne Fastentage

Nicht jeder möchte und kann tagelang fasten. Wer aber trotzdem den eigenen Körper ab und zu entlasten möchte, fastet einen Tage lang, zum Beispiel einmal pro Woche oder auch nur einmal pro Monat.Für Fastentage ist das Saftfasten oder das Essen von Obst und Gemüse zu empfehlen. Kaffee und Genussmittel werden an diesen speziellen Tagen gemieden. Getrunken wird, wie bei allen Fastenkuren, ausreichend stilles Wasser oder Kräutertee. Eine provozierte Darmentleerung ist hierbei nicht nötig. (sw)