Kartoffelwickel – Anwendung und Wirkung

Wickel sind alte Hausmittel, und Kartoffelwickel gelten als tradiertes Rezept gegen Halsschmerzen, Erkältungen und andere Beschwerden. Wie wirken solche Kartoffelwickel? Und wie wenden wir sie an? Auf diese Fragen geben wir im Folgenden Antwort.

Kartoffelwickel – Übersicht

  • Beschreibung: Kartoffelwickel sind heiße Kartoffeln, die in ein Tuch gepackt und auf die Haut gelegt werden.
  • Wirkung: Sie wirken nicht durch Inhaltsstoffe der Kartoffeln, sondern indem sie gleichmäßig Wärme abgeben. Den Körper zu erwärmen fördert die Durchblutung und damit die Zufuhr von Sauerstoff, lindert so Schmerzen und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte.
  • Anwendungsgebiete: Warme Wickel mit Kartoffeln können bei Bauchschmerzen, Koliken, Muskelschmerzen wie Muskelkater oder Verspannungen, Sehnenscheidenentzündungen und Arthrose helfen. Außerdem sind Kartoffelwickel natürliche Hausmittel gegen Husten, Erkältung und Blasenentzündung.
  • Kontraindikationen: Wärme zur Heilung einsetzen sollten Sie nicht bei Beschwerden, die durch Wärme verstärkt werden wie hohem Fieber oder bei Thrombosegefahr.

Wogegen wirken Kartoffelwickel?

Kartoffelwickel dienen als Hausmittel gegen

  • Husten,
  • Halsschmerzen,
  • rheumatische Probleme,
  • Sehnenscheidenentzündungen,
  • Bauchschmerzen,
  • Muskelkater,
  • Muskelverspannungen,
  • Hautausschlag,
  • gestörte Durchblutung,
  • Koliken (krampfartige Schmerzen)
  • und eine entzündete Blase.

Wickel mit Kartoffeln bieten sich als Hausmittel auch an, weil sich diese in der Regel in jedem Haushalt befinden oder sich ansonsten umgehend vom Laden um die Ecke besorgen lassen.

Heilung durch Wärme

Kartoffelwickel heilen nicht durch Inhaltsstoffe der Kartoffeln, sondern durch die abgegebene Wärme. Diese lässt sich auch auf vielerlei andere Arten erreichen. Kartoffeln haben indessen eine besondere Wärmeleitfähigkeit. Wenn sie erhitzt sind, geben sie Wärme langsam und kontinuierlich ab. Deswegen eignen sie sich besonders, um Körperteile über circa eine halbe Stunde gleichmäßig mit Wärme zu versorgen. Wasser in Wärmflaschen zum Beispiel kühlt erheblich schneller ab.

Wogegen hilft Wärme?

Wärme anzuwenden gilt als Mittel, um chronische Schmerzen zu lindern, wie sie bei rheumatischen Erkrankungen oder Arthrose entstehen, aber auch bei verspannten Muskeln oder einem Muskelkater. Wenn sich ein Körperteil erwärmt, kann das Blut besser fließen und Stoffwechselendprodukte werden schneller abtransportiert. Der Stoffwechsel wird angeregt, Abwehrzellen bauen sich schneller auf und das Immunsystem stabilisiert sich. Muskeln sowie Sehnen entspannen sich und die Nerven reagieren weniger sensibel – was zu einer Linderung der Schmerzen führt.

Deswegen wirken warme Kartoffelwickel gegen alle Formen von Schmerzen, die durch eine bessere Durchblutung und damit Sauerstoffzufuhr gelindert werden: Muskelschmerzen, rheumatische Schmerzen und Erkältungsschmerzen.

Bei Husten und Verschleimung hilft Wärme, den Schleim zu lösen bzw. zu verflüssigen. Dafür eignen sich warme Brustwickel mit Kartoffeln.

Eine Frau bekommt eine Bandage um den Brustbereich gewickelt.
Bei einer Wickelanwendung werden mit Feuchtigkeit getränkte oder mit einer Substanz bestrichene Tücher um den ganzen Körper oder um einzelne Körperteile angelegt. (Bild: Yakobchuk Olena/fotolia.com)

Was sind Wickel?

Wickel sind Tücher, die entweder ganz um den Körper gewickelt werden (Ganzkörperwickel) oder um einzelne Körperteile. Die Tücher werden erwärmt oder gekühlt, manchmal mit bestimmten Flüssigkeiten versehen oder mit Substanzen bestrichen. Eine ähnliche Wirkung erzeugen auch Auflagen, Kompressen oder Umschläge, die im Unterschied nicht ganz um den Körperteil gewickelt, sondern nur aufgelegt werden. Wickel werden, das unterscheidet sie von Verbänden, nur kurzfristig aufgelegt.

Wie wirken Wickel?

Wickel wirken auf verschiedene Art. Zum einen wirken sie direkt auf den Körper, indem sie Temperaturreize abgeben (heiße Wickel, kalte Wickel). Das fördert zum Beispiel die Durchblutung, lindert Schmerzen (kalte Wickel), beruhigt die Haut und fördert Wundheilungen. Warme Kartoffelwickel und Umschläge lindern Halsschmerzen, weil die Wärme die Durchblutung fördert.

Zum anderen wirken Wickel pharmazeutisch, wenn darauf medizinisch wirksame Substanzen gestrichen und anschließend von der Haut aufgenommen werden. Dazu zählen Heilpflanzen wie Schafgarbe, Kamille oder Salbei.

Der psychologische Effekt

Kartoffelwickel sind ein altes Hausmittel. Das liegt zum einen daran, dass Kartoffeln und Tücher im Unterschied zu rezeptpflichtigen Arzneien in jedem Haushalt vorhanden waren, zum anderen aber an dem menschlichen Miteinander: Wickel wirken auch auf die Psyche. Einen Kranken einzuwickeln bedeutet, ihm körperlich nahe zu sein, sich um ihn zu kümmern und wird oft mit Gefühlen wie Vertrauen und Sicherheit verbunden.

Es entsteht eine Win-win-Situation: Die Betroffenen haben das Gefühl, umsorgt zu werden; Eltern, Großeltern und Partner genießen es, mit den eigenen Händen ihren Liebsten Gutes zu tun. Zuwendung ist ein evolutionär entstandener Teil einer Heilung.

Woraus besteht ein Wickel?

Ein Wickel besteht aus drei Lagen. Innen befindet sich ein Tuch aus Baumwolle oder in früheren Zeiten aus Leinen. Dazwischen befindet sich ein Tuch aus Baumwolle oder Wolle. Außen liegt ein drittes großes Tuch (zum Beispiel ein Handtuch oder ein Decke) aus robustem Stoff wie Frottee.

Gekochte Pellkartoffeln in einem Topf, in einer steckt eine Pellkartoffelgabel.
Die Kartoffeln werden mit der Schale weich gekocht und für den Wickel anschließend geschält und zerstampft. (Bild: Carmen Steiner/fotolia.com)

Anleitung für Brustwickel mit Kartoffeln

Zuerst kochen wir vier bis sechs große mehlige Kartoffeln. Dann breiten wir das Außentuch auf dem Bett aus. Darüber legen wir das Zwischentuch und darüber das Innentuch. Das Innentuch schlagen wir ein, damit die Kartoffeln nicht hinaus fallen können.

Die Kartoffeln kochen wir weich und zerstampfen sie. Den Kartoffelstampf breiten wir auf dem Innentuch aus. Vorsicht: Die heißen Kartoffeln müssen ein wenig abkühlen. Sie sollen warm bleiben, dürfen aber nicht so heiß sein, dass die Betroffenen sich verbrennen.

Wir legen die warmen und in das Innentuch eingeschlagenen Kartoffeln jetzt auf die Brust oder den Rücken. Den Oberkörper umwickeln wir jetzt mit dem Zwischentuch und dem Außentuch. Danach decken wir die Person mit einer Decke zu. Der Wickel bleibt so lange auf der Haut, bis die Kartoffelmasse kalt ist.

Kartoffel-Halswickel

Den Wickel stellen wir erst einmal so her wie den Brustwickel. Das Außentuch kann jedoch kleiner ausfallen, da der Umfang des Halses geringer ist als der des Brustkorbs. Wir legen den in das Innentuch eingeschlagenen Kartoffelstampf um den Hals und bedecken ihn locker mit einem Tuch aus festem Stoff – klassisch mit einem Handtuch aus Frottierstoff.

Ist die Masse jetzt auf eine Temperatur gesunken, die die Betroffenen als angenehm empfinden, befestigen wir das Außentuch vom Nacken her am Hals. Das Tuch bleibt eine halbe Stunde gewickelt. Dann nehmen wir es ab, lassen die Person aber noch eine weitere halbe Stunde ausruhen. Diesen Wickel können wir bei Hals- und Nackenschmerzen mehrmals am Tag auflegen, sofern er nicht als unangenehm empfunden wird.

Kartoffelwickel gegen Husten

Kartoffelwickel werden auch als natürliche Hausmittel gegen Husten eingesetzt. Dazu kochen wir fünf Kartoffeln, ohne sie zu schälen, legen sie heiß auf ein Geschirrtuch, das wir zuvor mit Haushaltspapier (oder Zeitung) bedecken. Daraus falten wir ein Päckchen und schließen dieses mit Pflaster.

Kartoffelwickel – mit oder ohne Schale?

Kartoffelwickel wirken durch ihre Wärme, die sich in der Kartoffelmasse gleichmäßig verteilt. Dafür ist es sinnvoller, die Kartoffeln ungeschält zu kochen, da beim Kochen die Schale die Wärme innerhalb der Kartoffeln speichert, während geschälte Kartoffeln die Wärme schnell abgeben, wenn sie aus dem heißen Wasser genommen werden.

Für ein Päckchen mit Kartoffelstampf gegen Husten können die Kartoffeln ungeschält bleiben, bei Brust- oder Halswickeln sollten die Kartoffeln ein wenig abkühlen, damit sich die Betroffenen nicht an ihnen verbrennen. Zum Abkühlen empfiehlt es sich, die in Schale gekochten Kartoffeln nach dem Kochen zu schälen, das gibt auch eine gleichmäßigere Masse beim Kartoffelstampf, den Sie in die Tücher einschlagen.

Vater hält seiner im Bett liegenden Tochter die Hand an die Stirn, um zu prüfen, ob diese Fieber hat.
Bei hohem Fieber sollten Kartoffelwickel nicht angewendet werden, da diese zu einem weiteren Anstieg der Körpertemperatur führen können. (Bild: Pixel-Shot/fotolia.com)

Wann sollten Sie warme Wickel nicht einsetzen?

Sie dürfen heiß-warme Wickel auf keinen Fall bei allen Beschwerden einsetzen, die durch Wärme verschlimmert werden. Also niemals bei

  • hohem Fieber,
  • einem stark geschwollenen Hals,
  • Brandverletzungen
  • und einem erhöhtem Risiko für Thrombosen und Krampfadern.

Achtung: Wenn Sie unter chronischen Krankheiten leiden, müssen Sie mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin abklären, ob heiße Wickel für sie mit Risiken verbunden sind.

Worauf sollten Sie beim Kartoffelwickel achten?

  • Die Innentücher der Wickel sollten aus Leinen oder Baumwolle bestehen, das Außentuch aus Frottee oder Wolle. Kunstfasern können hingegen verhindern, dass die Haut atmet, und so kann sich die Wärme zurückstauen.
  • Ein Wickel sollte immer unmittelbar auf der Haut liegen. Luftblasen verhindern, dass sich der Körper gleichmäßig erwärmt.
  • Sie dürfen die Betroffenen nicht allein lassen, bisweilen lösen die Wickel Angstgefühle aus. Zudem ist das „Sich kümmern“ Teil dieser Behandlung.
  • Spannt die Haut nach dem Wickeln, dann bieten sich Körperöle an, um sie einzureiben.
  • Wichtig ist es, die Betroffenen in einer entspannten Atmosphäre zu wickeln, ihnen Ruhe zu gönnen und Zeit zu lassen.
  • Kartoffelwickel ersetzen keinen Arzt, und diesen sollten Sie aufsuchen, wenn die Beschwerden bei Husten, Erkältung, Verspannungen etc. anhalten. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Annegret Sonn, Ute Baumgärtner, Brigitte Merk: Wickel und Auflagen, Georg Thieme Verlag, 2014
  • Ursula Uhlemayr und Dietmar Wolf: Wickel und Auflagen. Beratung, Auswahl und Anwendung, Deutscher Apotheker Verlag, 2015.
  • Jennifer A. Woolfe: Die Kartoffel in der menschlichen Ernährung, Behr's, 1996
  • JoAnne D. Whitney, E. Patchen Dellinger, James Weber, Ron Edward Swenson et al.: The Effects of Local Warming on Surgical Site Infection, in: Surgical Infections, Vol. 16, No. 5, Okt. 2015, 595–603 , PubMed Central
  • G.W. Cherry and J. Wilson: The treatment of ambulatory venous ulcer patients with warming therapy, in: Ostomy Wound Management, 45(9): 65-70, September 1999, PubMed

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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