Heilklimatische Kurorte in Deutschland

Ein Heilklimatischer Kurort besitzt ein Bioklima mit therapeutischem Nutzen. Der Deutsche Heilbäderverband e.V. misst dieses Bioklima anhand der Schon-, Reiz- und Belastungsfaktoren.

Die Luftqualität muss ausgezeichnet sein. Ein Kurort benötigt einen Kurpark, Kurärztinnen und -ärzte, Hotels und Gaststätten, Fachleute, die in Klimatherapie ausgebildet sind und die Infrastruktur, um das Klima zu nutzen, wie Liegewiesen, Strandkörbe oder Bäder.

An einem Heilkurort sind Straßenverkehr und Lärm begrenzt, das Rauchen ist nur in bestimmten Bereichen erlaubt. Medizinisch-meteorologische Gutachten bestätigen die Qualität von Klima und Lufthygiene.

Strenge Auflagen für Kurorte

Ein Heilklimatischer Kurort muss strenge Auflagen erfüllen, um anerkannt zu sein und zu bleiben. Diese sind:

  • zweijährige Messungen einer automatischen Klimastation,
  • einjährige Messung der Luftgüte an drei oder mehr Standorten,
  • Klimagutachten mit erweiterter Klimaanalyse und bioklimatologischer Bewertung,
  • Gutachten über die Luftqualität,
  • bioklimatologische Bewertung des Terrainkurwegnetzes,
  • fortlaufende Messungen einer automatischen Klimastation zur Überwachung des ortsgebundenen Heilmittels,
  • periodische Überprüfung alle fünf Jahre,
  • Ortsbesichtigung mit Beurteilung der lufthygienischen Verhältnisse,
  • einjährige Kontrollmessungen der Luftgüte,
  • Bestätigung des Klimagutachtens,
  • Gutachten über die Luftqualität.

Heilkuren

„Heilkur“ ist ein geschützter Begriff. Eine solche Kur muss unter Leitung einer Ärztin oder eines Arztes nach einem Kurplan in einem im Heilkurorteverzeichnis enthaltenen Kurort durchgeführt werden. Die Unterkunft muss sich im Kurort befinden und die Kur muss ortsgebunden sein.

Lassen Sie sich nicht täuschen von Begriffen wie „Wellness-Facilities“ oder „Gesundheits-Center“. Diese sind nicht geschützt und unterliegen auch keinen Prüfungen.

Heilmittel

Diverse Methoden kommen für eine Kur in heilklimatischen Kurorten in Frage.

Bewegungsbäder sind eine Form der Bewegungstherapie und wirken gegen Alterskrankheiten der Wirbelsäule und der Gelenke, sie stärken die Muskeln und können sogar gegen bestimmte Tumore helfen.

Der Körper ist im Wasser wesentlich leichter, wodurch die Patientinnen und Patienten Bewegungen durchführen können, die ihnen außerhalb des Wassers nicht möglich sind. 32 Grad Celsius Wassertemperatur sind geraten.

Kräuterbäder nutzen Kräuter, Heilpflanzen, ätherische Öle, Mineralien, Moor, Sauerstoff oder Kohlensäure, mit denen das Wasser angereichert wird. Der Körper kann die Wirkstoffe im Badewasser über Haut und Schleimhäute aufnehmen.

Physiotherapien bieten die meisten heilklimatischen Kurorte an. Dabei führen die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mit den Patientinnen und Patienten Dehnübungen und Massagen durch, um orthopädische Beschwerden zu behandeln.

Besonders in Heilbädern sind Wassergymnastik und Aquafitness Standard. Aquafitness ist „moderner“ und bringt Musik, Aerobic oder Pilatesübungen ein. Es findet im flachen Wasser statt, die Patientinnen und Patienten haben Hilfsmittel wie Schwimmgürtel, die die Bewegungen erleichtern.

Die Übungen im Wasser sind weniger anstrengend und zugleich effektiver als an Land. Das ist gut für die Muskeln und den Kreislauf. Die Ausdauer wächst, ebenso die Beweglichkeit.

Alles für die Gesundheit?

In allen Kurorten, die zugleich Touristenziele sind, gilt: Informieren Sie sich gründlich! „Wellness“ ist in anerkannten Heilkurorten ein Goldesel und oft ebenso wenig von medizinischem Nutzen, wie die „Antiquitäten“ auf dem Bazar von Kairo aus der Zeit der Pharaonen stammen.

Vor allem: Wenn ein Ort wegen seiner Luft, Mineralquellen, der Beschaffenheit der Erde oder einem „atmenden“ Mischwald besonders günstig auf die Gesundheit wirkt und spezifische Beschwerden lindert, überlegen Sie sich bitte fünf Mal, ob Sie eine Fußreflexzonen-Massage, „keltische Baumhoroskope“ oder frei erfundene Weisheiten philippinischer Geistheiler brauchen.

Am besten heilen Sie sich an solchen Orten nämlich, wenn Sie im Wald oder am Meer wandern, im reinen Wasser baden oder die saubere Luft atmen.

Mit anderen Worten: Naturheilkunde an Heilkurorten ist genau das, was das Wort sagt. Heilen in der Natur durch die Natur und mit Therapien, die die Kräfte der Natur nutzen. Sie brauchen dazu keinen „Klimatherapeuten“, der Ihnen für 80,00 Euro die Stunde erklärt, wie Sie Ihre Wanderschuhe binden müssen oder welchen Fuß Sie vor den anderen setzen müssen, um durch den Wald spazieren zu gehen.

Sobald etwas nach Geldschneiderei aussieht, genießen Sie die Natur und lassen Sie die Finger davon.

Welches Klima ist Heilklima?

Heilklima bedeutet nicht nur frei von Schadstoffen, sondern bezeichnet einen günstigen Einfluss auf Krankheiten.

Höhenlage, Bodenbeschaffenheit, Nähe zum Meer, Wasserreichtum (Flüsse, Seen), Wälder und Wiesen beeinflussen die Dichtigkeit der Luft, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die Sonneneinstrahlung, die Niederschläge, den Windschutz, und die Luftreinheit.

Es gibt Unterschiede zwischen See- und Binnenklima, Berg- und Flachlandklima, Hoch- und Mittelgebirgen. Sind die Winter günstig oder hart, die Sommer trocken oder regenreich?

1) Klimatische Kurorte im Binnenland bis zu 400 m Höhe sind besonders geeignet, wenn Wälder und Höhenzüge die Wärme speichern. Dann eignen sie sich zum Kurieren von Erkältungen und Rheumatismus sowie bei Beschwerden mit Lunge und Schleimhäuten.

Solche Kurorte finden wir im Harz, im Nagoldtal in Baden-Württemberg, in Freiburg im Breisgau, in Gernsbach im Kreis Baden-Baden, in Hornberg im Schwarzwald, in Neckargemünd, oder in Wiesbaden und Wilhelmsbad bei Hanau.

2) Bergklima in 400 bis 800 Metern Höhe wirkt günstig auf die Nerven, die Atmung und die Ernährung. Die Temperaturen wechseln allerdings, sodass Menschen, die sehr sensibel auf Klimaschwankungen reagieren, hier wenig Erholung finden.

Beispiele für Bergkurorte sind Reichenhall in Oberbayern, St. Andreasberg im Harz, St. Blasien und Triberg im Schwarzwald, Elgersburg in Thüringen, Lauterbach in der Nähe des Harzes, oder Streitberg Franken.

3) Bergklima mit alpinem Einfluss in 500 bis 900 Metern Höhe ist wechselhafter als in niederen Lagen.

Heilklimatische Kurorte mit diesen Bedingungen sind unter anderem Badersee in Bayern, Sonnenberg und Seelisburg.

4) Alpenkurorte über 900 Metern Höhe finden sich in Deutschland in Berchtesgaden-Königssee auf einer Fläche von mehr als 125 Quadratkilometern in fünf Gemeinden rund um den Watzmann.

In dieser Höhe wirkt die Sonne intensiver. Das Klima wirkt positiv auf Asthma bronchiale, Skrofulose, Lungenentzündung und Schwindsucht.

5) Seeklima kennzeichnet viel Feuchtigkeit und hoher Luftdruck, die Temperaturen schwanken wenig, der Wind ist stark. Für Menschen mit schwacher Konstitution ist das Klima an der Nordsee allerdings zu heftig.

Kurorte an der Nordsee sind zum Beispiel Wyk auf Föhr, Langeoog, Amrum, Sylt, Helgoland und Norderney, an der Ostsee Saßnitz auf Rügen.

6) Manche Kurorte sind wegen ihres milden Frühlings und / oder gleichmäßigen Wintern als Winterkurorte ausgezeichnet, zum Beispiel Salzuflen, Baden-Baden, Wiesbaden oder Soden oder Falkenstein im Taunus.

Berchtesgaden-Königssee

Das Gebiet rund um das Biosphärenreservat in den bayrischen Alpen setzt seit langem auf eine touristische Struktur für Gesundheitsreisende. Es gibt diverse Wellnesshotels und WellVital-Hotels, von Heu- oder Molkebädern bis zu Fango-Massagen.

Das Salzbergwerk Berchtesgaden bietet sich an für Menschen mit Beschwerden der Atemwege oder Hautausschlägen.

Garmisch-Patenkirchen

Garmisch-Patenkirchen ist einer von sechzehn Heilklimatischen Kurorten der Premium Class. Die Ludwig-Maximilians-Universität in München konzipierte die „heilklimatische Bewegungstherapie“ – explizit für den Kurort.

Sie bedeutet: Ärztinnen und Ärzte untersuchen, welche Anforderungen ein Gast erfüllt. Dann entwickeln Klimatherapeutinnen und Klimatherapeuten für die Betroffenen Wanderrouten, die sich auf deren individuelle Fähigkeiten beziehen.

Diese Therapie gilt als wirksam bei koronaren Herzbeschwerden, Immunschwächen, Erkrankungen des Bewegungsapparats, Atemwegs- und Hautproblemen. 300 Kilometer markierte Wanderwege führen um die Landschaft des Heilkurortes.

Winterberg

Winterberg in Nordrhein-Westfalen bietet Natur, Natursport und Heiltherapien. Es gibt Luftbäder, Sonnenbäder und Outdoor-Walking. Besonders die allgemeine Durchblutung bessert sich.

Bad Lippspringe

Bad Lippspringe liegt im Mittelgebirge und bietet Schonklima. Winde zwischen Eggegebirge und Senne durchlüften den Ort. Die Luft ist rein, und es bildet sich wenig Nebel. Sehr empfindliche Menschen können ohne Probleme hier eine Klimatherapie starten.

Das Klima gilt als günstig für Beschwerden der Atemwege, Migräne, Allergien und Herz-Kreislauf-Probleme.

Bad Lippspringe ist zugleich ein staatlich anerkanntes Heilbad und ein Heilklimatischer Kurort.

Kurorte im Schwarzwald

Im Schwarzwald liegen diverse Heilbäder, klimatische Heilkurorte und Kneipp-Kurorte.

Die Luft des Mittelgebirges zählt zur gesündesten in ganz Deutschland, so dass etliche Kleinstädte sich als Luftkurort bezeichnen dürfen. Staatlich anerkannt sind immerhin 32.

Anerkannte Heilbäder sind Baden-Baden, Badenweiler, Bad Bellingen, Bad Krozingen, Bad Liebenzell, Bad Rippoldsau-Schapbach, Bad Teinach-Zavelstein, Bad Säckingen und Bad Wildlbad.

Heilklimatischer Kurort dürfen sich nennen: Dobel, Hinterzarten, Höhenschwand, Lenzkirch, Schluchsee, Schönwald, Titisee-Neustadt, Todtmoos und Triberg.

Bad Dürrheim und Bad Herrenalb sind gar Heilbad und Heilklimatischer Kurort in einem.

Anerkannte Kneippkurorte finden Bedürftige in Baiersbronn, Sasbachwalden und Villingen-Schwenningen.

Heilklimatischer- und Kneippkurort zugleich sind Freudenstadt, Königsfeld, Schömberg und St. Blasien.

Außergewöhnlich ist ein Heilstollen-Kurbetrieb, nämlich in Neubulach. Heilquellen finden sich in Freiburg, Gaggenau und Waldbronn.

In all diesen Orten findet sich ein breites Spektrum an Therapien, die auf die natürlichen Bedingungen eingestellt sind. In Titisee-Neustadt können Gäste wählen von Akupunktur über Aromatherapie, Atemtherapie, Autogenem Training, Ernährungsberatung, Farblicht-Therapie, den Fünf Tibetern, Moor und Fango, Qi Gong, Rückenschule, Shiatsu, Tai Chi, Trennkost, Vapozon und Yoga.

Medizinisch anerkannt sind Therapien für Arthrosen, Atemwegs-Erkrankungen, Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen, Nervenleiden, orthopädische Erkrankungen, rheumatische Beschwerden und Stoffwechsel-Krankheiten.

Baden-Baden

Baden-Baden war schon in der römischen Antike ein Heilkurort. Salzhaltiges Wasser bis zu 69 Grad Celsius kommt hier aus der Erde, und Kaiser Caracalla ließ Thermen bauen, um diesen Schatz zu nutzen.

Im Mittelalter war Baden-Baden ein beliebter Badeort. In der Neuzeit letztlich kamen internationale Gäste in die Stadt, das Tor zum Schwarzwald mutierte zur Flaniermeile der Reichen und Schönen.

Baden-Baden hat neben den Heilquellen Trink- und Kneippkuren zu bieten.

Schluchsee

Schluchsee hat keine so überreiche historische Tradition, sondern war noch vor zwei Generationen einfach ein kleines Dorf im Schwarzwald. Heute findet sich hier von Aromatherapie über Lymphdrainage bis zu Bio-Lifting und Atemtherapie diverses Sinnvolles und Sinnloses aus dem weiten Spektrum der Heilmethoden.

Medizinisch eindeutig anerkannt sind günstige Wirkungen der klimatischen Bedingungen auf Erkrankungen des Herzens, der Gefäße und des Kreislaufs, der Nerven und Atemwege.

Bad Wildbad

Bad Wildbad bietet 35 bis 41 Grad Celsius heiße Quellen, altbewährte Bäder wie das Palais Thermal und das König-Karls-Bad aus dem 19. Jahrhundert. Bad Wildbad gilt als gute Adresse bei Arthrose, Wirbelsäulen-Problemen und Morbus Bechterew.

Bad Dürrheim

Bad Dürrheim ist außergewöhnlich. Es liegt 100 Meter über einem Salzstock, aus dem solehaltige Quellen entspringen. Der Ort profitiert zudem von einem voralpinen Heilklima, und ist deshalb als Heilbad und Heilklimatische Quelle anerkannt.

Das Solemar-Bade- und Therapiezentrum umfasst elf Becken mit warmem Wasser und einem Solegehalt bis fünf Prozent. Bekannt sind die Mutter-Kind-Kuren.

Bad Dürrheim wird empfohlen für Augenleiden, Beschwerden von Herz und Kreislauf, Erkrankungen der Atemwege und Arthrosen, außerdem bei Kinderkrankheiten.

Der Harz

Der Harz ist ein einzigartiges Mittelgebirge in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, weil es als einziges in Deutschland eine Baumgrenze hat. So entspricht das Thema im Hochharz dem Hochgebirge, obwohl der höchste Berg, der Brocken, wenig mehr als tausend Meter erreicht.

Die Region quillt über vor Märchen von Hexen, Riesen und Zwergen, und die Granitformationen, Moore, Tropfsteinhöhlen oder alte Mühlen lassen solche Fantasien sprießen. Quellen bieten reines Mineralwasser, zahlreiche Seen laden im Sommer zum Baden ein.

Das gesunde Klima führte schon frühzeitig zu einem ausgebauten Netz an Kurkliniken und Wellness-Anbietern.

In Bad Gandersheim versorgen Naturquellen die Bewegungsbäder, im Vitalpark gibt es Aquagymnastik, Yoga und Fitnesskurse ebenso wie Nordic Walking, Massagen, Sauna, kosmetische Behandlungen und Sole-Bäder.

Bad Grund bietet eine Höhlentherapie im Eisensteinstollen gegen Atemwegsbeschwerden.

Bad Lauterberg verfügt über ein Kneipp-Heilbad und bietet Kneippkuren an.

Bad Harzburg bringt Natursole aus 840 Metern Tiefe an die Oberfläche, Besucherinnen und Besucher können sich in Sauna-Erlebniswelten entspannen, Aqua-Fitness betreiben oder in der Sole-Therme zwischen acht Saunen wählen.

Die Therme bietet ein 32 Grad Celsius warmes Heilquellen-Bad, ein Sprudelbecken mit 33 Grad Celsius und zwei Außenbecken mit Strömungskanal und Massagedüsen.

Die Sauna-Erlebniswelt umfasst ein Saunarium mit Lichteffekten, zwei Dampfsaunen, eine Blockhaus-, eine Naturstimmen- und eine Aromasauna, außerdem eine Sole-Grotte.

Luftkurorte

Luftkurorte müssen ein Klima aufweisen, das sich erwiesenermaßen gut auf die Gesundheit auswirkt. Der Deutsche Wetterdienst erstellt die Gutachten dazu.
Die Bedingungen sind:

  • eine erstklassige Lufthygiene,
  • saubere Luft,
  • keine zu starke Hitze,
  • keine feucht-kalten Luftmassen, die sich stauen und verschmutzen können,
  • Wälder und Parks im Ort,
  • verschiedene Tages- und Nachtzeiten, zu denen Kuren stattfinden,
  • nicht mehr als zehn Grad Unterschied zwischen Maximal- und Minimaltemperatur an einem Tag,
  • wenige Nebeltage,
  • wenig Feinstaubbelastung.

Die Klimareize in solchen Orten wirken sich günstig aus auf das Nervensystem, die Temperaturregulation, den Hormonhaushalt und das Herz-Kreislauf-System.

Verschiedene Krankheiten, verschiedene Kuren

Sonnenlichttherapien bieten vor allem Luftkurorte im Hochgebirge, da dort die Sonne intensiver strahlt. Geeignet ist eine Sonnenlichttherapie für Asthmapatientinnen und -patienten, denn der geringe Sauerstoffgehalt erleichtert die Atmung und Pollenflug stellt kein Problem dar.

Dieses Klima wirkt positiv auf Atembeschwerden, denn es wirkt sich positiv auf Nase, Bronchien und Lunge aus.

Ein typisches Mittelgebirgsklima mit Wäldern und Hügeln ist vor allem durch die ausgeglichenen Temperaturen interessant. Die Luft ist kühl und sauber, die Bäume fangen starke Winde ab.

Waldreiche Mittelgebirge eignen sich zum Ausspannen für Menschen, die keine schweren Krankheiten haben, denen aber der Großstadtstress, leichte Depressionen, innere Unruhe und durch den urbanen Lebensstil bedingte unspezifische Kopfschmerzen, Verspannungen in Nacken und Schultern oder Antriebslosigkeit zu schaffen machen.

Außerdem eignen sie sich hervorragend für die Rehabilitation. Wer nach einer schweren Operation oder einer langen Krankheit wieder auf die Beine kommt, aber längst noch nicht bei vollen Kräften ist, für den eignen sich die saubere Luft und die stressfreie Umgebung.

Auch Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten, an den Atemwegen Erkrankten und von Rheuma Betroffenen hilft ein Aufenthalt in einem Kurort im Mittelgebirge.

Gesunde Meeresluft

Eine frische Brise an der Nordsee kann verdammt heftig sein, tut aber gut. Die Luft ist voll Meersalz und rein; sie säubert die Atemwege, stärkt das körpereigene Immunsystem und hilft gegen Erkrankungen der Haut, Akne und juckenden Hautausschlag.

Das Meer potenziert außerdem die Kraft der Sonne. Am Meer lässt sich zudem heilende Luft mit einer Badekur optimal verbinden.

An der Nordsee kommen zudem Mineralstoffe im Watt dazu. Der Wind, der vom Meer weht, ist ohne Pollen, und die Wellen bringen Aerosole in die Luft, die Entzündungen hemmen.

Luft, Wasser, Wind und Sonne der Nordsee sind seit Jahrhunderten als segensreich gerühmt gegen Schuppenflechte, Neurodermitis, Akne, Bronchitis und Asthma bronchiale.

Diverse Kurkliniken und Rehabilitationszentren bieten professionelle Betreuung, auch für Erkrankungen der Knochen, Gelenke und Muskeln, Diabetes mellitus, Morbus Crohn und Mukoviszidose.

Naturheilbehandlungen bestehen aus Moor- und Schlickbädern, die dem Körper wichtige Mineralien zuführen, Ganzkörperpackungen und der speziell für die See entwickelten Thalassotherapie, die Algen, Schlick, Sand und Meerwasser nutzt.

Das größte Thalassozentrum Deutschlands befindet sich auf der Insel Norderney. Packungen mit Schlick und Algen gehören ebenso zu dessen Angebot wie Massagen, Wassergymnastik, Hydrotherapie, Peelings und Inhalationen.

Gruppe fröhlicher Seniorinnen bei der Wassergymnastik mit Poolnudeln
Wassergymnastik gehört in vielen Heilklimatischen Kurorten zum Angebot und verbessert vor allem Fitness und Beweglichkeit. (Bild: karelnoppe/stock.adobe.com)

Sie eignet sich nicht für Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck, Kreislaufschwäche oder Schilddrüsenüberfunktion.

Körperliche Betätigung schadet einer solchen Kur nur im Übermaß. Die Nordseebäder bieten aber von Radfahren und Wattwandern über Segeln und Reiten unzählige Möglichkeiten, seinem Körper zusätzlich Gutes zu tun und außerdem die Natur zu genießen.

Cuxhaven

Cuxhaven und die umliegenden Orte bis hinein ins Cuxland bieten diverse Möglichkeiten für Kurgäste; die Stadt ist ein Nordsee-Kurbad seit 185 Jahren.

Geeignet ist eine Kur hier an der Elbmündung bei Entzündungen von Rachen, Nasennebenhöhlenentzündung, entzündeten Mandeln, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien, Heuschnupfen, chronischer Bronchitis und Bronchialasthma (Asthma bronchiale).

Außerdem bei: Rheumatischen Beschwerden, Gelenkkrankheiten, Beschwerden in Muskeln, Bändern und Bandscheiben, Lähmungen, sowie nach Gelenkoperationen.

Hautkrankheiten wie endogene Ekzeme, Kontaktekzeme, Schuppenflechte, Neurodermitis und Akne lindern Naturkuren rund um Cuxhaven ebenfalls, dazu Menstruationsprobleme, Störungen des Blutdrucks und der Durchblutung.

Vor einer Kur in Cuxhaven sollten Sie sich prüfen lassen wegen: Nicht ausgestandenen Krebserkrankungen, Gehirnerkrankungen, nicht austherapierten psychischen Problemen, extrem hohem Blutdruck und Herzmuskelschwäche.

Ein Geheimtipp ist Sahlenburg bei Cuxhaven, die einzige Stelle an der Nordsee, wo ein Wald, der Wernerwald, direkt bis an den Strand reicht, und es vom wenig frequentierten Teil des Strandes bis zu einem Waldsee nur zehn Minuten bequemer Fußmarsch sind.

Gut ausgebaute Rad- und Wanderwege mit minimaler Steigung, Naturschutzgebiete mit alten Bäumen, Heide und Moor bieten einen guten Rahmen, um sich zu erholen.

Schleswig-Holstein

In der Holsteinischen Schweiz trägt Bad Malente den Titel Heilklimatischer Kurort. Er liegt mitten in einer Seen- und Waldlandschaft zwischen Eutin und Plön und verfügt über ein breites Spektrum an ärztlich betreuten Kuren und Vorsorgeprogrammen. Seit 1955 ist Bad Malente Kneippheilbad und seit 1996 heilklimatischer Kurort.

Viele Rad- und Wanderwege, Kanuverleih oder Nordic Walking ergänzen Kneippkuren und Klimatherapien.

Willingen

Willingen im Sauerland ist klimatischer Heilkurort und zudem ein Ziel für Wochenendausflüge. Zum einen reizt die Natur aus Wäldern, Wiesen und Hügeln, zum anderen hat die Stadt ein umfangreiches Freizeit- und Wellnessangebot geschaffen. Das reicht von einer Sommerrodelbahn über ein Lagunenerlebnisbad bis zu einer Kabinenbahn und einem Besucherbergwerk.

Das Gesundheitszentrum „Neuer Weg“ ist eine offizielle sportärztliche Untersuchungsstelle des Landes Hessen und bietet Notfallmedizin, Akupunktur, Palliativmedizin, Ozon- und Magnetfeldtherapie.

Kuren in der Eifel

Im äußeren Westen Deutschlands liegt Daun. Ein Kurpark und eine Heilquelle, ein breites Wellness-Angebot, Wandern auf dem Eifelstieg oder Radfahren auf dem Maare-Mosel Radweg ergänzen eine Kur.

Die Vulkaneifel trägt den Titel therapeutische Landschaft. Heilquellen und Vulkankraterseen, Landschaftsparks und Spezialkliniken sorgen für Prävention und geben den Rahmen für erfolgreiche Behandlungen.

In der Vulkaneifel befinden sich mehrere Spezialkliniken. Die Capio Mosel-Eifel-Klinik in Bad Bertrich konzentriert sich auf Venenleiden, die Elfenmaar Klinik im gleichen Orten hat den Fokus auf Orthopädie, Rehabilitation und Prävention, die Eifelklinik in Manderscheid verknüpft verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische und übende Verfahren. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Angela Schuh, Sigrid Ayasse, Dieter Frisch, Gisela Immich, Peter Kupatz: „Kuren“ und Rehabilitationsmaßnahmen Wie werden sie richtig beantragt bzw. verordnet?; in: Zeitschrift für Komplementärmedizin, Volume 07, Issue 03, Seite 46-49, 2015, thieme-connect.com
  • Angela Schuh, Gisela Immich: Hochgebirgsklima – Klimatherapie im Hochgebirge; in: Zeitschrift für Komplementärmedizin, Volume 07, Issue 03, Seite 12-17, 2015, thieme-connect.com
  • Christoph Gutenbrunner, Tamas Bender, Pedro Cantista, Zeki Karagülle: A proposal for a worldwide definition of health resort medicine, balneology, medical hydrology and climatology; International Journal of Biometeorology, Volume 54, Issue 5, Seite 495–507, September 2010, springer.com
  • Anna Kubincová, Peter Takáč, Lucia Kendrová, Pavol Joppa, Wioletta Mikuľáková: The Effect of Pulmonary Rehabilitation in Mountain Environment on Exercise Capacity and Quality of Life in Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) and Chronic Bronchitis; in: Medical Science Monitor, Volume 24, 2018, medscimonit.com
  • André-Michael Beer, Detmar Jobst: Kur und Rehabilitation — das sollten Sie wissen!; in: MMW - Fortschritte der Medizin, Volume 158, Issue 19, Seite 60–64, November 2016, springer.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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