Biologische Krebstherapie

Die biologische Krebstherapie ist eine Komplementärmedizin und stellt somit eine Ergänzung zur konventionellen Medizin dar. Darunter fallen verschiedene Mittel und Methoden, die die konventionellen Verfahren unterstützen und optimieren können. Hierbei zielen diese Behandlungsmethoden darauf ab, die Einheit aus Körper, Geist und Seele wieder gesund zu machen. Wichtig: Bei jeder zusätzlichen oder ergänzenden Therapie sollte Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin gehalten werden.

Die vielfältigsten Methoden aus dem Bereich der Naturheilkunde können die schulmedizinische Therapie begleiten oder auch unterstützen, um den Körper und die Psyche zu stärken, Nebenwirkungen zu minimieren, Rückschläge zu verhindern und Nachsorge zu betreiben.

Mistel - Therapie
Die Mistel-Therapie hat sich bei der Behandlung von Krebserkrankungen vielfach bewährt. (Bild: PhotoSG/fotolia.com)

Die biologische Krebstherapie hat das Bestreben, die Lebensqualität des Krebskranken zu verbessern, das Immunsystem zu aktivieren und die Patientin oder den Patienten insgesamt zu stärken.

Die biologische Krebstherapie – ein kurzer Überblick

Alle wichtigen Informationen zur biologischen Krebstherapie finden Sie in unserem Kurzüberblick.

  • Beschreibung: Die biologische Krebstherapie ist ein Überbegriff für viele verschiedene Therapiemethoden, die ergänzend zur konventionellen Medizin bei einer Krebsbehandlung eingesetzt werden.
  • Wirkung: Mit der biologischen Krebstherapie soll die Wiederherstellung des Einklanges zwischen Körper, Geist und Seele unterstützt werden.
  • Kontraindikationen: Jede Krebserkrankung ist so individuell wie die Patientin oder der Patient. Daher sollten sie bei jeder zusätzlichen und/oder ergänzenden Therapie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Rücksprache halten.
  • Hinweis: Achten Sie darauf, Ihre Leistungsgrenze nicht zu überschreiten, und sich weder körperlich noch psychisch zu überfordern.

Vier Pfeiler der biologischen Krebstherapie

Die biologische Krebstherapie besteht aus vier Pfeilern:

  • Stabilisierung der Psyche
  • Stärkung des Körpers
  • Regulierung des Stoffwechsels
  • Stärkung des Immunsystems

Gemeinsam unterstützen diese vier Pfeiler eine ganzheitliche biologische Behandlung.

Stärkung der Psyche

Die psychische Stabilisierung ist ein wesentlicher Teil der ganzheitlichen biologischen Krebstherapie. Forschungen aus der Psycho-Neuro-Immunologie, der Wissenschaft von den Zusammenhängen zwischen Psyche, Nerven und Immunsystem, stützen diesen Ansatz. In einer Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden, dass von Krebspatientinnen und Krebspatienten durchgeführte Achtsamkeitsübungen eine positive Wirkung auf die Psyche und das Schmerzempfinden bei Krebs haben. Zudem würden dadurch Angst, Stress und Depressionen verringert und dadurch die Lebensqualität erhöht.

Um die Psyche zu stabilisieren, ist es empfehlenswert, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, um sich auszusprechen, sich anderen Betroffenen mitzuteilen und sich gegenseitig Rat und auch Trost zu geben. Ebenso können zur Stärkung der Psyche Entspannungsübungen, Meditation, Atem-, Musik- und Tanztherapie sowie die Heileurythmie hilfreich sein.

Stärkung des Körpers

Bewegungstherapie ist ein vielversprechendes Mittel, um den Verlauf einer Krebserkrankung positiv zu beeinflussen. Die regelmäßige Bewegung, wie zum Beispiel ein täglicher Spaziergang, Walken, Schwimmen oder Gymnastik, kann das Immunsystem ankurbeln und somit den Körper kräftigen. Verspannungen werden dabei gelöst, der Körper wird mit ausreichend Sauerstoff versorgt, der Lymphfluss und die Verdauung werden angeregt.

Von sportlicher Betätigung profitiert der ganze Organismus. Wichtig ist dabei, Spaß an der Bewegung zu haben und sich auf keinen Fall zu viel zuzumuten. Grenzen der eigenen Belastbarkeit müssen unbedingt respektiert werden. Auch werden spezielle Übungsgruppen für Krebskranke angeboten. Für welche Bewegungsart Sie sich auch entscheiden, der Spaß und die Freude sollten an erster Stelle stehen.

Regulierung des Stoffwechsels

Für die Regulierung des Stoffwechsels bedarf es einer gesunden, individuell abgestimmten Ernährung. Mit ausreichend Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen, Ballaststoffen und Spurenelementen wird das Immunsystem gestärkt und der Krankheitsverlauf kann positiv beeinflusst werden.

Unsere Ernährung ist ein wichtiger Baustein für die Regulierung unseres Stoffwechsels. Viele Nährstoffe unterstützen unseren Stoffwechsel, wie zum Beispiel pflanzliche Nahrungsmittel, also Gemüse, Hülsenfrüchte, Salat, Vollkornerzeugnisse, Nüsse und Obst. Fleischverzehr sollte reduziert und der Eiweißbedarf eher über hochwertige pflanzliche Eiweiße gedeckt werden. Je weniger Verarbeitungsschritte ein Nahrungsmittel durchlaufen hat, desto mehr gesunde Inhaltsstoffe enthält es.

Zu den Risikofaktoren in der Ernährung gehören zum Beispiel das Rauchen, Alkohol, zu viel Fett, tierisches Eiweiß, Salz, Zucker und Zusatzstoffe wie Nitrosamine oder Benzpyren beim Räuchern oder Grillen.

Eine ausgewogene und gute Ernährung ist die Voraussetzung für einen gesunden Darm. Nach Meinung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) befindet sich der Hauptteil des menschlichen Immunsystems im Darm. Daraus schlussfolgernd geht ein gesunder Darm mit einem gesunden Immunsystem einher. Hier haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden, dass es anscheinend einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom (Keimbesiedelung des Darms) und Krebs zu geben scheint. Weitere Untersuchungen werden dazu in Zukunft nähere Informationen bringen.

Regulation des Immunsystems

Um die Regulation des Immunsystems zu unterstützen, stehen viele naturheilkundliche Möglichkeiten zur Verfügung, welche auch die Nebenwirkungen in der konventionellen Krebstherapie verringern und die Lebensqualität verbessern können. Eine sehr bekannte Methode ist die Misteltherapie, auf die wir weiter unten in diesem Artikel näher eingehen.

Als weitere Möglichkeiten, um das Immunsystem zu unterstützen, können zum Beispiel eine Tumorimpfung, Hyperthermie oder eine Sauerstofftherapie in Frage kommen. Fragen Sie in jedem Fall Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche dieser Methoden für Ihre Behandlung hilfreich sein könnte.

Die Misteltherapie

Die Misteltherapie wird in Deutschland bei Krebsbehandlungen als komplementäres (also ergänzendes) Verfahren angewendet, um die Verbesserung der Lebensqualität und die Nebenwirkungen einer konventionellen Krebsbehandlung zu mildern. Sie geht zurück auf die philosophischen Überlegungen des Anthroposophen Rudolf Steiner um 1917: Er zog Parallelen zwischen dem schmarotzerischen Leben von Misteln und Krebsgeschwüren und schlussfolgerte, man müsse Gleiches mit Gleichem behandeln. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde die Wirkung der Mistel auch naturwissenschaftlich untersucht.

Studien belegen, dass eine Misteltherapie die Lebensqualität und die Verträglichkeit konventioneller onkologischer Behandlungsverfahren (Chemotherapie, Hormon-, Antikörpertherapie, Bestrahlungen, Operation) verbessert. Vor Anwendung einer Misteltherapie ist es wichtig, dass die Patientin oder der Patient sich über die Möglichkeiten und verschiedenen Präparate bei dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin informiert. Diese unterstützende Behandlung bedarf immer einer Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.

Die Tumorimpfung

Die Tumorimpfung wird nicht vorbeugend angewendet, wie etwa eine Schutzimpfung gegen Viren, sondern erst, wenn Krebs schon ausgebrochen ist. Mit Hilfe der geimpften Antigene soll das Immunsystem die vorhandenen Krebszellen vernichten. Geimpft wird dabei entweder mit Teilen von Krebszellen oder man verändert Immunzellen außerhalb des Körpers und trainiert sie sozusagen im Reagenzglas. Diese Zellen sollen dann – zurück im Patienten oder in der Patientin – den Tumor bekämpfen und/oder weitere Immunzellen aktivieren.

Hyperthermie

Die Hyperthermie ist eine weitere Behandlungsform in der biologischen Krebstherapie. Tumorgewebe ist äußerst hitzeempfindlich und bei Temperaturen zwischen 40 Grad Celsius und 42 Grad Celsius wird die Zellmembran geschädigt. Bei der Hyperthermie wird der ganze Körper oder auch nur Teilbereiche je nach Verfahren zwischen 38 Grad Celsius und 43 Grad Celsius erwärmt. Tumorzellen sollen durch den „Hitzestress“ empfindlicher werden, vor allem für eine begleitende Strahlen- oder Chemotherapie.

Ausleitung und Entgiftung

Die konventionellen medizinischen Maßnahmen bei einer Krebserkrankung wie Operation, Chemo- und/oder Strahlentherapie belasten den Patienten und die Patientin. Hinzu kommen die psychischen Belastungen durch den Diagnoseschock und die Ungewissheit, wie es nun weitergeht. Zudem ist es möglich, dass der Tumor gewebeschädigende Substanzen produziert oder die eigene Abwehr blockiert. Daher ist es wichtig, solche schädlichen Substanzen auszuleiten und die Ausscheidungsorgane zu unterstützen. Die ausleitenden Verfahren werden in der Regel begleitend zur Chemotherapie oder Strahlentherapie angewandt.

Für diese Therapie werden die verschiedensten natürlichen Substanzen, wie zum Beispiel Teemischungen, Tinkturen oder Frischpflanzensäfte verordnet. Dies sollte aber, ebenso wie alle bereits genannten Verfahren, von einem Arzt oder einer Ärztin überwacht werden. Nicht jede Pflanze ist geeignet, sondern manche sind gerade für Menschen mit einer Krebserkrankung kontraindiziert.

Weitere Therapieformen

Im Rahmen der biologischen Krebstherapie werden noch weitere Therapieformen angewandt. Dazu gehören klassische Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Bachblüten. Nicht jedes Mittel ist dabei für jeden Patienten oder jede Patientin geeignet. Die Auswahl ist gerade in der Krebstherapie eine sehr individuelle Angelegenheit und erfordert Erfahrung und ein vertrauensvolles Verhältnis.

Zusammenfassung

Die biologische Krebstherapie sieht den Menschen als Ganzes. So werden hier nicht nur das erkrankte Organ, sondern die komplette Persönlichkeit und der gesamte Organismus mit ins Boot genommen. Persönliche Verhältnisse, soziale Umstände, psychische Belastungen und weitere Faktoren sind wichtig, um eine individuelle Therapie für den einzelnen Menschen zu erstellen.

Die biologische Krebstherapie verfolgt das Ziel, Körper und Psyche zu stärken, die Lebensqualität zu verbessern, das Immunsystem zu aktivieren und die Nebenwirkungen von Chemotherapie, Strahlentherapie und weiterer konventioneller medizinischer Behandlungen zu minimieren.

Die biologische Krebstherapie steht auch nach der Krebsbehandlung den Betroffenen zur Seite, um die Rückkehr ins normale Leben zu erleichtern. Dazu gehören Treffen mit Gleichgesinnten, naturheilkundliche Behandlung von Beschwerden, Gesprächstherapie, Sportgruppen und Vieles mehr. (sm, sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Sandra Meier, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Berufsverband Deutscher Internisten: Biologische Krebstherapie - Wirkprinzip & Durchführung (Abruf 07.10.2019), internisten-im-netz.de
  • Deutsche Gesellschaft für Onkologie: Biologische Krebsbehandlung – warum? (Abruf 07.10.2019), dgo.de
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Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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