Beruhigender Tee – Arten und Rezepte

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Nach einem anstrengenden Arbeitstag, vor einer Prüfung, vor einem besonderen Ereignis oder vielleicht zum Einschlafen kann ein beruhigender Tee gute Dienste tun. Mutter Natur hat die verschiedensten Pflanzen parat, die beruhigend, entspannend und eventuell auch noch zusätzlich schlaffördernd wirken. In den folgenden Zeilen erfahren Sie Interessantes über einige sedativ wirkende Pflanzen – über deren Anwendung, deren Einsatzbereich und deren Wesensarten. Außerdem stellen wir Ihnen verschiedene Teerezepte vor.


Verschiedene Heilpflanzen

Verschiedene Heilpflanzen besitzen eine beruhigende Wirkung. In den nachfolgenden Zeilen werden dazu einige Exemplare vorgestellt. Sie können einzeln verwendet werden, finden sich aber auch in verschiedenen Teerezepten wieder.

Für jede genannte einzelne Heilpflanze gilt: ein Teelöffel wird mit circa 250 Milliliter kochendem Wasser übergossen und zieht dann anschließend ungefähr sieben bis acht Minuten. Wer lieber einen ganz leichten Tee möchte, nimmt pro Tasse die Menge, die mit drei Fingern aufgenommen werden kann (sogenannte Dreifingergabe). Die Wirkung wird dadurch nicht geschmälert.

Ein beruhigender Tee kann in vielen Situationen entspannend und hilfreich sein. Die Heilkräfte der Natur bergen eine Fülle von Wirkungsmöglichkeiten. (Bild: leszekglasner/fotolia.com)

1. Echter Baldrian (Valeriana officinalis)

Baldrian ist in Deutschland überall zu finden. Auf feuchten Wiesen, in Wäldern und an Flussufern. Bereits im Altertum war der Stellenwert von Baldrian recht hoch, und die Planze ist seitdem als allgemeines Heilmittel bekannt. Er wurde und wird verwendet zur Schmerzstillung, bei Husten, bei Beschwerden der Augen und als harntreibendes Mittel.

Heute ist er vor allem durch seine beruhigende Wirkung in aller Munde. Nervöse Erregungszustände, nervös bedingte Schlafstörungen und nervöse Herzbeschwerden sprechen recht gut auf die Behandlung mit Baldrian an. Demnach beinhaltet ein beruhigender Tee häufig auch diese Pflanze. Um seine Wirkung noch zu intensivieren, wird Baldrian häufig mit anderen Heilpflanzen, wie zum Beispiel Melisse und Hopfen,
gemischt.

2. Hopfen (Humulus lupulus)

Hopfen ist nicht nur im Bier, sondern kann auch als beruhigender Tee seine Wirkung zeigen. Hopfen gehört zu den Hanfgewächsen. Ursprünglich stammt er aus Osteuropa. Er wächst wild in feuchten Gebüschen und an Flussufern und wird in vielen Ländern der gemäßigten Zone kultiviert. Bereits im Mittelalter war diese Pflanze bekannt und ist es auch bis heute noch.

Aus Aufzeichnungen des Hieronymus Bock (1498 – 1554, deutscher Botaniker, Arzt und Prediger) geht hervor, dass der Hopfen damals zur Blutreinigung verwendet wurde, bei Milz– und Leberschwellungen helfen solle und die Hopfenblüten, in Wein gegeben, Fieber vertreibe und gegen Vergiftungen wirke. Heute wird der Hopfen vor allem bei Schlafstörungen, bei Übererregbarkeit, nervöser Unruhe und bei Angststörungen eingesetzt. In Teemischungen zur Beruhigung ist er häufig enthalten.

3. Lavendel (Lavandula)

Lavendel wurde jahrelang vor allem in Verbindung mit Mottenkugeln und Parfüm älterer Damen gebracht. Doch hat der Lavendel sein Comeback längst gefeiert und wird mittlerweile wieder als Heilmittel angewandt. Er gehört zu den Lippenblütlern und ist vor allem am westlichen Mittelmeer zu finden.

Hildegard von Bingen hat erstmals über seine medizinische Wirkung berichtet. Danach fand man Lavendel fast in jedem Heilkräuterbuch. Damals sagte man ihm nach, dass er diuretisch wirke, das Herz beruhige, Zahnschmerzen lindere und bei Schwindel und Gliederschmerzen helfe. Heute wird Lavendel bei nervöser Erschöpfung, bei Schlafstörungen, nervösen Magen– und Darmstörungen und zur Beruhigung eingesetzt. Er macht nicht müde, so ist er auch vor Prüfungen oder vor einem Arztbesuch zu empfehlen. Der Tee schmeckt besonders gut, wird er mit etwas Honig gesüßt.

Lavendeltee beruhigt und hilft insbesondere bei Einschlafproblemen, er wird aber zum Beispiel auch bei Magen-Darm-Problemen oder Migräne empfohlen. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

4. Melisse (Melissa officinalis)

Wie der Lavendel, gehört auch die Melisse, auch Zitronenmelisse, zu den Lippenblütlern. Die Pflanze, die auch von den Bienen sehr geliebt wird, war bereits in der Antike als Heilmittel bekannt. Die Benediktinermönche brachten die Melisse später aus den Mittelmeerländern über die Alpen und kultivierten sie in den Klostergärten.

Diese wunderbar duftende Pflanze wird vor allem bei nervösen Magenbeschwerden eingesetzt. Aber auch bei Einschlafstörungen und als Beigabe in einem Beruhigungstee gibt sie ihr Bestes. Bekannt ist sie auch als Bestandteil des Melissengeistes, der früher gerne zur Kräftigung nach Erkältungskrankheiten zum Einsatz kam.

5. Passionsblume (passiflora incarnata)

Diese wunderschöne Blume kommt ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern. Die Mayas und die Azteken schätzten bereits ihre entkrampfende und beruhigende Wirkung.
Ihren Namen hat diese Pflanze von der Kirche bekommen. Im Jahre 1605 schickte der spanische Missionar und Pater Simone Parlasca ein Exemplar nach Rom. Die dortigen Kirchenfürsten sahen die Blüte der Passionsblume als eine Abbildung der Marterwerkzeuge Christi. Die Passiflora wirkt bei nervösen Unruhezuständen und bei Angst. So profitiert ein beruhigender Tee von dieser Pflanze. In der Naturheilkunde wird sie gerne in Kapselform oder als Tinktur verwendet.

6. Pomeranze ( Citrus aurantium)

Die Pomeranze ist vor allem in den Mittelmeerländern bekannt und gehört zu den Rautengewächsen. Es ist anzunehmen, dass sie im 10. Jahrhundert durch die Perser und Araber aus Indien nach Nordafrika und Spanien gebracht wurde. Arabische Ärzte berichteten über sie und sprachen ihr eine giftausscheidende Wirkung zu.
Heute werden die Pomeranzenblüten zur Beruhigung und zur Schlafförderung verwendet.

7. Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut ist eine schön anzusehende, gelb blühende Pflanze und wächst an Wegrändern und Dämmen, in lichten Wäldern und Gebüschen. Ihre Blätter sehen aus, als seien sie perforiert. Der Grund dafür ist das darin enthaltene Öl. Die gelben Blüten verfärben sich blutrot, werden sie in den Händen verrieben. Bekannt ist das „Rotöl“, gewonnen aus den Blüten, das bei Nervenschmerzen sehr hilfreich ist.

Pedanios Dioskurides, ein griechischer Arzt, der im ersten Jahrhundert lebte, verwendete Hypericum bei Brandwunden und Ischialgie.
Heute wird Johanniskraut hochdosiert in Kapselform bei leichten Depressionen von Ärzten verordnet. Die Teevariante ist eine ganz sanfte Form, um etwas Ruhe ins Leben zu bringen und Ängste zu mildern. So kann ein beruhigender Tee durchaus nur Johanniskraut enthalten, aber auch mit anderen Pflanzen gemischt werden (siehe Rezept Nummer 2).

Welche Inhaltsstoffe des Johanniskrauts genau für deren Wirkung verantwortlich sind, konnte bislang noch nicht hinreichend belegt werden. Des Weiteren soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Johanniskraut in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten stehen beziehungsweise deren Wirkung schwächen kann. Schwangere sollten eine Verwendung des Krauts oder Öls mit ihrem Arzt besprechen.

Außerdem ist zu erwähnen, dass die in Supermärkten und Drogerien frei verkäuflichen Präparate (aufgrund gesetzlicher Bestimmungen) oft eine deutlich schwächere Dosierung als Produkte aus der Apotheke beinhalten.

Johanniskraut – im englischen auch St. John´s wort – hilft zum Beispiel bei leichten Depressionen. Das aus der Pflanze gewonnene, rote Öl wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

8. Zitronengras/Lemongras (Cymbopogon citratus)

Die Heimat für Zitronengras ist Ostindien und Indonesien. Es wird nicht nur als Gewürz für asiatische Gerichte angewandt, sondern findet auch Verwendung in beruhigenden Tees. Gerade der zitronige Geschmack macht diese Teesorte so beliebt. Das Zitronengras wirkt krampflösend, beruhigend und auch etwas stimmungsaufhellend. Auch bei leichten Verdauungsstörungen kommt es zum Einsatz.

9. Basilikum (Ocimum basilicum)

Basilikum ist vor allem bekannt als Gewürz. Wer kennt nicht das Sommergericht „Tomate Mozzarella mit Basilikum“ oder das grüne Pesto, das so lecker schmeckt.
Doch auch als Tee ist Basilikum einen Versuch wert. Nach den Mahlzeiten getrunken ist Basilikum verdauungsfördernd. Auch werden Darmkrämpfe oder Regelschmerzen damit gelindert. Basilikum hat aber auch eine leicht beruhigende Wirkung.

Teemischungen

Die genannten Heilkräuter können gerne einzeln, aber auch in den verschiedensten Teerezepten verwendet werden. Hier ein paar Beispiele dazu:

Rezept 1

Bei nervösen Erregungszuständen hilft folgender, beruhigender Tee.
Dafür benötigen Sie 20 Gramm Baldrianwurzel, 20 Gramm Melissenblätter, 20 Gramm Lavendelblüten, 10 Gramm Pomeranzenblüten und 10 Gramm Hopfenzapfen.
Ein Teelöffel der Mischung wird mit circa einem Viertelliter kochendem Wasser überbrüht und nach mindestens fünf Minuten (gerne auch sieben bis acht Minuten) abgeseiht und schluckweise getrunken. Dies tun Sie am besten vor dem Schlafengehen oder bei Bedarf.

Rezept 2

Eine Alternative zu dem oben genannten Tee ist folgende: 20 Gramm Johanniskraut, 20 Gramm Melissenblätter und 10 Gramm Baldrianwurzel gehören in die Mischung. Ein Teelöffel davon wird, wie bei den anderen Rezepten, ebenso mit einem Viertelliter kochendem Wasser aufgegossen und sollte dann circa sieben bis zehn Minuten ziehen.

Rezept 3

Dies ist ein reiner Beruhigungs- und Schlaftee. Dafür benötigen Sie zu gleichen Teilen Baldrianwurzel und Hopfenzapfen. Gerne können noch Weißdornblätter (diese beruhigen vor allem das Herz) hinzugefügt werden. Ein Teelöffel der Mischung wird mit 250 Milliliter kochendem Wasser überbrüht und muss mindestens zehn Minuten ziehen. Am besten wirkt der Tee, wenn er eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen getrunken wird.

Rezept 4

Dies ist ein nervenberuhigender Tee, der auch gerne mal zwischendurch beziehungsweise bei Bedarf getrunken werden kann. Melissenblätter, Lavendelblüten, und Pomeranzenblüten werden zu gleichen Teilen gemischt. Auch hier wird wieder ein Teelöffel voll mit einem Viertelliter kochendem Wasser überbrüht und zieht dann, je nach Geschmack, sieben bis zehn Minuten.

Zusammenfassung

Ein beruhigender Tee ist vor allem für den Abend gedacht, nach der Arbeit, nach einem anstrengenden Tag. Oder wenn das Kopfkino Überstunden macht und so gar kein Einschlafen möglich ist. Aber auch tagsüber, wenn die Nerven mal wieder blank liegen und sich die Nervosität so richtig breit macht.

Die verschiedenen Einzelkräuter oder auch Teemischungen sollten niemals mehr als vier bis fünf Wochen am Stück getrunken werden. Auch reichen zwei bis drei Tassen am Tag völlig aus. Wem der Tee zu bitter ist, kann diesen gerne mit etwas Honig süßen. Wichtig ist, den Tee ganz bewusst in kleinen Schlucken zu trinken. Allein dies konzentriert schon auf das Wesentliche und trägt ein wenig zur Beruhigung und Entspannung bei. In der Regel sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Ist dies aber doch der Fall, sollte das Heilkraut gemieden werden. (sw)