Stinknase – Ursachen und Gegenmaßnahmen

Entnahme eines Abstriches aus der Nasenschleimhaut eines Mannes

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ICD-Codes für diese Krankheit: J31.0 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Stinknase – ein Problem auf vielen Ebenen

Schon allein der Name lässt etwas sehr Unangenehmes vermuten. Die davon Betroffenen verströmen einen faulig-süßlichen Geruch aus der Nase, den sie in der Regel selbst jedoch nicht wahrnehmen können. Die Ursache für eine Stinknase (auch Ozaena oder Rhinitis atrophicans cum foetore genannt) liegt an einer zerstörten Nasenschleimhaut (Atrophie der Schleimhaut). Die Schleimhaut ist normalerweise dafür da, einen Schutz vor Keimen, Fremdkörpern und Schmutz zu bilden. Ist sie jedoch stark angegriffen, können sich darin Bakterien einnisten, die sich verbreiten und dann letztendlich zu diesem unangenehmen Geruch führen.


Ursache: Angegriffene Nasenschleimhaut

Die Stinknase wird in eine primäre und in eine sekundäre Form eingeteilt. Die Primäre entsteht aufgrund genetischer Veranlagung, meist bereits im Pubertätsalter und Frauen sind in besonderem Maße davon betroffen.

Für die sekundäre Form können verschiedene Faktoren verantwortlich sein:

  • Operationen oder Verletzungen im Bereich der Nasenschleimhaut können diese zerstören.
  • Ebenso zählt zu den Ursachen ein übermäßiger Gebrauch von Nasensprays. Diese sollten auf keinen Fall länger als sieben Tage angewendet werden. Abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen, die länger eingenommen wurden, können erstens zur Abhängigkeit führen und zweitens die Schleimhaut derart schädigen, dass eine Stinknase entsteht.
  • In selteneren Fällen ist eine Fehlbildung der Nasenscheidewand schuld an dieser unangenehmen Erkrankung.
  • Des Weiteren können Tumore des Nasenrachenraums die Schleimhäute schädigen. Diese werden häufig mithilfe einer Strahlentherapie behandelt, die wiederum eine Schädigung der Nasenschleimhaut zur Folge haben kann.
Ein Abstrich aus der Nasenschleimhaut hilft, die Ursache einer Stinknase festzustellen. (Bild: Henrik Dolle/fotolia.com)

Symptome

Durch die zerstörte Nasenschleimhaut mit dem daraus resultierenden Schwund des Gewebes sind Keimen Tür und Tor geöffnet, wodurch sich diese dann auch noch leichter vermehren können. Diese Keime sondern in der Regel einen ekligen, süßlich bis fauligen Geruch ab, den dann Angehörige und mit den Betroffenen im engen Kontakt stehende Personen wahrnehmen können. Da meistens die Nerven in der Nase auch geschädigt sind, können die Betroffenen dies selbst nicht riechen. Durch die Atrophie der Schleimhaut vergrößert sich die Nasenhöhle. Deshalb haben die Patienten das Gefühl, als sei ihre Nasenatmung behindert, was sie dann oft dazu animiert, ein Nasenspray zu nutzen. Häufiges Nasenbluten und ein eitriges Nasensekret können ebenfalls auftreten. Das Ganze wird begleitet von Krusten und Borken, die sich in der Nase bilden.

Die Betroffenen leiden vor allem darunter, dass ihre nahen Mitmenschen den Gestank nicht mehr ertragen können. Ansonsten ist die Stinknase für die Patienten nichts anderes als ein Schnupfen. Aufgrund des unangenehmen Geruchs ziehen sich die Betroffenen zurück und gesellschaftliche und auch berufliche Probleme können die Folge sein.

Stinknase kann für die Betroffenen deprimierend sein vor allem in Situationen, wenn sie mit anderen Menschen eng zusammenarbeiten. (Bild: djile/fotolia.com)

Therapie

Leider kann eine Stinknase nicht geheilt werden. Wird sie jedoch gar nicht behandelt, führt dies zu bleibenden Schäden an der Nasenschleimhaut und sie bildet sich immer mehr zurück. Diese Austrocknung kann sich auch auf weitere Schleimhäute wie zum Beispiel im Rachen, in der Luftröhre oder schlimmstenfalls in der Lunge, ausweiten. Die Atrophie der Nasenschleimhaut kann sogar, in seltenen Fällen, zu einer Zerstörung von Gewebe- und Knochenstrukturen führen.

Für die Behandlung einer Stinknase steht Feuchtigkeit an erster Stelle. Dem Entstehen von Borken und Krusten, die auf Dauer Gewebe zerstören können, ist entgegenzuwirken. Um die Nasenschleimhaut zu befeuchten, hilft die Anwendung von Meerwasser-Nasenspray. Dieses Spray schädigt nicht, sondern befeuchtet nur. Um die Heilung der angegriffenen Schleimhäute zu unterstützen, sind ölige Nasensprays oder Nasentropfen empfehlenswert. Auch Nasensalben, die einen heilenden Wirkstoff enthalten, sind eine gute Möglichkeit.Regelmäßiges Anwenden der Nasendusche lässt die Verkrustungen zurückgehen. Auf keinen Fall dürfen abschwellende Nasentropfen verwendet werden.

Zusätzlich kann die Regeneration der Nasenschleimhaut mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Vitamine A und E und Zink enthalten, unterstützt werden.
Störende Borken und Krusten entfernt der Hals-Nasen-Ohrenarzt. In ganz extremen Fällen kommt eine Operation in Betracht. Dabei wird der Nasenraum verkleinert.

Weitere Ursachen

Weitere Ursachen für üble Geruchsbildungen sind eitrige Entzündungen in der Nase. Bei Nasennebenhöhlenentzündungen, die durch Zahnprobleme verursacht wurden, sind solche Gerüche möglich. Des Weiteren können Fremdkörper in der Nase sein beziehungsweise Infektionskrankheiten wie Nasendiphtherie, Nasentuberkulose und Rotz. Zur Abklärung der Ursache gehören die Betroffenen stets in medizinische Hände.

Wasser spielt bei einer Stinknase eine große Rolle, ob äußerlich zum Nasenspülen oder auch um die Feuchtigkeitszufuhr von innen zu gewährleisten. (Bild: v.poth/fotolia.com)

Prophylaktische Maßnahmen

Zu den wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen gehört es, abschwellende Nasentropfen zu meiden. Diese können über ein paar Tage hinweg, wenn ein akuter Infekt vorliegt, gute Dienste leisten, müssen aber danach wieder abgesetzt werden. Damit die Nasenschleimhaut gut funktionieren kann, ist ausreichende Befeuchtung nötig. Trockene Luft in geheizten Räumen sollte man meiden. Bei trockenem Raumklima hilft die Anwendung von Meersalzspray. Ist die Schleimhaut sehr trocken, sind ölhaltige Tropfen, wie bereits oben erwähnt, zu empfehlen. Die Feuchtigkeit muss auch von innen kommen. Deshalb muss täglich an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gedacht werden. Dafür eignen sich besonders stilles Wasser und Kräutertees. Inhalationen mit Meersalz oder die Anwendung der Nasendusche, beides regelmäßig durchgeführt, wirken sich positiv aus. Ein Urlaub mit Seeklima ist zu empfehlen.

Aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin, aber auch der westlichen Naturheilkunde, sind Wechselwirkungen verschiedener Organe bekannt. So ist die Verbindung zwischen den Atemwegen und dem Darm ein wichtiger Faktor. Demzufolge sind die Erkrankungen der Nasenschleimhäute nicht nur lokal zu betrachten, sondern es kann auch einen Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt geben. Erfahrene Therapeuten sollten die spezifische Situation der Betroffenen daher genauer analysieren. Was Sie selbst machen können, ist für eine gesunde Ernährung zu sorgen, die eine entsprechende Darmflora garantiert und die entzündungsfördernde Erzeugnisse wie

Alles, was der Darmsanierung dient, kann sich positiv auf die Nasenschleimhaut auswirken.

Behandlung in der Naturheilpraxis

Für Menschen, die von einer Stinknase betroffen sind, ist die Naturheilpraxis auch eine Anlaufstelle, denn in der Naturheilkunde finden sie oft Hilfe. Handelt es sich um Frauen, so muss abgeklärt werden, ob die Trockenheit der Nasenschleimhäute eventuell hormonell bedingt ist, damit diese Behandlung dann im Vordergrund steht. Gerade Frauen im Klimakterium leiden unter Schleimhauttrockenheit, nicht nur in der Nase, sondern auch in den Augen, im Mund und in der Vagina. Hier helfen Granatapfelöl in Kapselform, Leinöl und eventuell das fehlende Hormon in bioidentischer Form. Gerade das Estriol ist das Hormon, das wichtig für die weiblichen Schleimhäute ist.

Eine Nasenspülung hilft, die Nasenschleimhäute feucht zu halten und wirkt so den Verkrustungen entgegen. (Bild: Racle Fotodesign/fotolia.com)

Des Weiteren werden Schüßler Salze, wie

  • Nr. 1 Calcium fluoratum („macht alles weich, was hart ist und alles hart, was weich ist“),
  • Nr. 4 Kalium chloratum (das Mittel für die Schleimhäute)
  • oder Nr. 8 Natrium chloratum (das Mittel für den Flüssigkeitshaushalt) genutzt.

Die Akupunktur ist ebenso eine Therapieform, mit der eine Stinknase behandelt werden kann.
Aus der Homöopathie werden

  • Luesinum bei Verkrustungen und übel riechendem Sekret,
  • Kalium sulfuricum bei dicken, zähen Absonderungen
  • und Kalium carbonicum bei extremer Trockenheit

eine positive Wirkung zugeschrieben.

Folgende Heilkräuter wirken sich positiv auf alle Schleimhäute im Körper aus:

Ein Tee aus diesen Kräutern kann helfen. Jedoch bedenken Sie bitte, dass dieser Kräutertee nicht zu längerem Gebrauch geeignet ist. Nach circa sechs bis acht Wochen wird die Zusammensetzung geändert oder einfach eine „Teepause“ eingelegt.

Schlusswort

Bei Verdacht gehören die Betroffenen in eine Arztpraxis, um die Ursachen festzustellen. Auf jeden Fall müssen bei Missbrauch von Nasenspray oder Nasentropfen diese sofort abgesetzt werden. Ein Befeuchten der Nasenschleimhaut mit Meersalz und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind unerlässlich. Da diese Erkrankung die Betroffenen in den sozialen Rückzug bringen kann, ist eventuell psychosoziale Hilfe ratsam. (sw)

Autoren:
Susanne Waschke, Dr. med. Andreas Schilling
Quellen:
  • Achim Georg Beule: Funktionen und Funktionsstörungen der respiratorischen Schleimhaut der Nase und der Nasennebenhöhlen, Laryngo-Rhino-Otologie, (Abruf 01.07.2019), Researchgate
  • Thomas Lenarz, Hans-Georg Boenninghaus: HNO, Springer-Verlag, 14. Auflage 2012
  • A. Lan Schumacher, Georg J. Ledderose, Peter Hahn (Hrsg.), Karl-Joseph Paquet (Hrsg.): Facts HNO, KVM - Der Medizinverlag, 1. Auflage, 2010
  • Michael Reiß: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie, Springer-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Jürgen Strutz (Hrsg.), Wolf Mann (Hrsg.), Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Thieme Verlag, 3. Auflage, 2017

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.