Hausmittel gegen Grippe

Dr. Utz Anhalt
Hausmittel der Naturheilkunde bei einer Grippe
Alle Jahre wieder plagen uns Fieber, Schmerzen und Erkältung. Wir sprechen dann von einer Grippe – allerdings ist das medizinisch falsch. Es handelt sich um einen grippalen Infekt. Bei einer handfesten Grippe sollten wir keine Hausmittel ausprobieren, sondern zu einem Arzt gehen. Sie kann nämlich gefährlich werden. Diese Frage muss zunächst beantwortet sein: Ist eines eine Grippe oder ein grippaler Infekt?

Grippale Infekte und Erkältungen können wir sehr gut bekämpfen, indem wir unser Immunsystem stärken. Das bedeutet: Viel Schlaf, viel Wärme und viel Vitamin C, wenig Stress, wenig Zigaretten und wenig reden.

Schlafen Sie nicht nur viel, sondern auch warm. Sorgen Sie dafür, dass die Temperatur in ihrem Schlafzimmer nicht unter 18 Grad fällt. Legen Sie sich am besten mit einer Wärmflasche auf dem Buch oder einer Heizdecke unter dem Rücken ins Bett.

Verzichten Sie aber auf Sauna und Sport, vermeiden Sie Tätigkeiten, bei denen Sie viel schwitzen und danach schnell auskühlen.

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Fieber und Gliederschmerzen sind Leitsymptome einer Grippe. Bild: Elnur – fotolia

Fieber und Gliederschmerzen

Grippale Infekte sind mit Gliederschmerzen verbunden. Gegen Gliederschmerzen helfen erstens heiße Vollbäder, am besten mit Substanzen, die den Blutfluss anregen wie Fichtennadeln oder Brennnesseln. Der Dampf befreit die Atemwege. Allerdings sollten sie nicht heiß baden, wenn sie unter Fieber leiden.

Gliederschmerzen lassen sich zudem durch eine Massage mit Kräuterölen lindern, die gegen Entzündungen helfen. Geeignet sind Kamille, Eukalyptus, Beinwell, Fichte, Goldrutenkraut, Kampfer, Kümmel, Lavendel, Mandelt, Menthol, Oregano, Rosmarin, Sesam, Thymian und Weidenrinde.

Senfkompressen helfen ebenfalls. Dafür verrühren Sie 4 Esslöffel Senfmehl mit warmem Wasser, streichen die Masse auf ein Küchentuch und wickeln damit die schmerzenden Glieder ein. Legen Sie einen solchen Wickel einmal täglich auf und nicht länger als vier Tage hintereinander.

Grippe und Fieber

Heiße Hühnersuppe, frisch zubereitet aus einem Suppenhuhn und frischem Gemüse wirkt antibakteriell und hemmt Infekte der Atemwege. Sie können der Suppe auch Heilkräuter zufügen wie Oregano, Thymian, Salbei, Rosmarin oder Brennnessel.






Besonders gut gegen einen grippalen Infekt ist es, wenn Sie der Hühnersuppe Zwiebeln, Zitronengras, Zitronensaft, Knoblauch und Chili hinzugeben.

Holunderblütentee hilft, die Infektion „auszuschwitzen“, sie können auch Lindenblüten-, Lavendel-, Kamillen- oder Wacholderbeerentee trinken.

Sie können auch kaltes Wasser mit Obstessig mischen, dies auf ein Küchentuch träufeln und als Wadenwickel verwenden. Plagt Sie zusätzlich Durchfall, dann trinken Sie noch mehr. Wasser ist immer gut, aber auch warme Kräutertees sind zu empfehlen.

Ungewöhnlich, aber hilfreich sind nasse Strümpfe. Sie ziehen sich nasse Socken an, bevor sie ins Bett gehen. Durch die Nässe pumpt Blut in die Füße, und das regt die Durchblutung im ganzen Körper an.

Der Vorgang läuft so: Sie baden ihre Füße in heißem Wasser, dann stecken Sie diese in dünne Baumwollsocken. Die haben Sie zuvor in kaltes Wasser getaucht und ausgewrungen. Darüber ziehen Sie ein Paar Wintersocken und lassen die Strümpfe die ganze Nacht an den Füßen.

Frucht- und Gemüsesäfte helfen

Wenn Sie frisch gepressten Orangensaft trinken, versorgen Sie ihren Körper außerdem mit Vitamin C. Haben Sie einen Entsafter, können Sie die notwendige Einnahme von Flüssigkeit zusätzlich mit damit verbinden, sich weitere Vitamine und Mineralien zuzuführen.

Vitamin- und Energiebomben, aus denen Sie „Heilsäfte“ pressen können, sind zum Beispiel Ingwer, Möhren, Äpfel, Grünkohl, Sellerie und Grünkohl, außerdem Sanddorn, schwarze Johannisbeeren, Fenchel, Spinat und Tomaten.

Als Saft oder Gemüse eignen sich hervorragend Rote Beete und Sauerkraut.

Eine Kalmus-Wurzel aus der Apotheke, in Zitronensaft getaucht, kauen Sie gut durch und spucken die festen Teile dann auch. Das desinfiziert.

Sie können Zwiebelsaft auspressen und roh trinken oder eine Zwiebel halbieren und die Hälften nachts neben das Kopfkissen legen.

Sie können auch Chili und schwarzen Pfeffer in klaren Schnaps geben, die Mischung erhitzen und trinken.

Husten und Schnupfen

Husten und Schnupfen gehören zu den typischen Begleiterscheinungen eines grippalen Infektes. Dagegen hilft Inhalieren von heißen Dämpfen, entweder mit einem Inhaliergerärt, oder indem Sie sich ein Handtuch über den Kopf legen und die Dämpfe aus einem Topf einatmen.

Die heißen Dämpfe befeuchten die Schleimhäute, öffnen die Atemwege und lösen so den Husten wie Schnupfen. Sie können heißes Wasser in eine Schüssel geben, Kamillenblüten und japanisches Minzöl hinzu geben und aus circa 30 cm Abstand die Dämpfe einatmen.

Trockene Luft fördert den Husten, während feuchte Luft ihn löst. Legen Sie deshalb nasse Handtücher auf die Heizung oder stellen Sie eine Schale mit Wasser in ihr Schlafzimmer.

Kopfschmerzen bei Grippe

Kopfdröhnen und Schwindel gehören zu einem grippalen Infekt dazu. Dagegen hilft ein kaltes Tuch im Nacken und auf der Stirn, Pfefferminzöl auf den Schläfen und Weidenrindentee.

Halsschmerzen

Halsschmerzen sind ebenfalls ein typisches Symptom. Erste Hilfe bietet Zitronensaft, aufgelöst in einem Glas mit heißem Wasser, dabei ist gurgeln effektiver als trinken, auch heißer Ingwer- und Salbeitee lindern die Schmerzen.

Gutes für die Bronchien

Ein grippaler Infekt entwickelt sich nicht selten zu einer Bronchitis. Hier helfen Kartoffel und Schmalzwickel. Kartoffeln kochen Sie mit Schale, zerdrücken Sie dann, legen sich ein Handtuch auf die Brust und die Kartoffeln darauf. Danach legen sie ein zweites Handtuch oben auf die warme Masse und binden alles mit einem Schal fest. Sie lassen die Wickel eine Stunde einwirken.

Ein Mittel der Naturheilkunde: Minzöl. Bild: goldbany – fotolia

Für die Schmalzwickel erhitzen Sie 100 g in der Pfanne, bis es schmilzt. Dazu geben Sie etwas japanisches Minzöl oder Chinaöl. Die Masse legen sie auf die Brust, decken Sie mit altem Stoff ab und legen sich ins Bett. Ist das Schmalz kalt, entfernen Sie die Wickel.

Vor einer Grippe schützen

Viel besser, als mit Hausmitteln einen grippalen Infekt oder ein Grippe auszukurieren, ist es, sich davor zu schützen, dass sie sich überhaupt entwickelt.

Hygiene und Körperkontakt

Bei einer grassierenden Grippe sind zwei Regeln wichtiger als alle anderen: Kein Körperkontakt und sorgfältige Hygiene. Hygiene bedeutet vor allem: Waschen Sie sich regelmäßig die Hände und stecken Sie die Finger nicht ungewaschen in den Mund.

Waschen Sie ihre Hände, wenn Sie Kollegen die Hand gedrückt haben, und immer vor wie nach dem Essen.

Körperkontakt lässt sich nicht vermeiden, aber reduzieren. Auch, wenn es sonst aus Umweltschutzgründen nicht ratsam ist: Fahren Sie Auto statt Straßenbahn oder Bus. In öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen hunderte von potenziell Infizierten, die sie anstecken können.

Halten Sie die Hände vom Gesicht fern: Nasenschleimhäute, Augen und Mund sind Eintrittstore für die Krankheitserreger. Vermeiden Sie also, die Augen zu reiben, in der Nase zu bohren, oder sich am Kinn zu kratzen.

Kinder und Partner vor der Grippe schützen

Sind Partner und / oder ihre Kinder erkrankt, können Sie den Körperkontakt natürlich nicht gänzlich vermeiden. Gerade für Kinder ist eine emotionale Unterstützung wichtig. Ihre Kinder jetzt nicht in den Arm zu nehmen, leistet der Erkrankung also Vorschub. Wenn Sie ihnen jedoch ein Küsschen geben, vermeiden Sie den Kontakt mit Schleimhäuten, kommen Sie also nicht in die Nähe von Mund, Nase oder Augen. Bei ihrem Partner ist für einen Zungenkuss erst einmal ein paar Tage Pause angesagt.

Wischen Sie ihren Kindern Nase, Mund und Augen regelmäßig mit einem feuchten Tuch ab, am besten in Kamille-Tee getränkt.

Trinken Sie nicht aus der gleichen Tasse und vermeiden Sie es, ihr kleines Kind durch „Ein Löffel für Papa, ein Löffel für dich“ zum Essen zu animieren.

Grippe-Vorsorge im Büro

Lüften Sie geschlossene Räume, denn hier sammeln sich Viren. Lüften Sie mindestens drei- bis viermal am Tag.

Für eine Grippezeit sind feste Arbeitsplätze wichtig. Auch wenn Mitarbeiter normalerweise den Schreibtisch wechseln, sollten Sie für die Dauer der Welle feste Arbeitsplätze mit Abstand zueinander einführen.

Wenn möglich, halten Sie Bürotreffen per Skype ab. So vermeiden Sie persönliche Kontakte mit potenziell Infizierten. Können Sie von zuhause arbeiten? Wenn ja, tun sie das.

Haben Sie sich bereits einen Husten eingefangen, dann halten Sie sich beim Husten nicht die Hand vor den Mund, besser die Jacke oder ein Taschentuch.

Putzen Sie sich die Nase mit Einmaltaschentüchern, ansonsten schleppen Sie die Viren mit sich herum.

Wischen Sie die Tastatur ihres Laptops mindestens einmal täglich mit einem feuchten Tuch ab, ebenso ihren Schreibtisch.

Bleiben Sie zu Hause

Haben Sie sich bereits einen grippalen Infekt eingefangen, bleiben Sie zuhause. Es gehört zwar zu den „deutsche Tugenden“, mit Fieber zur Arbeit zu gehen und so sein Pflichtbewusstsein zu beweisen, das ist aber ein Fehler.

Erstens leisten Sie krank bei der Arbeit weniger, als wenn Sie sich einige Tage auskurieren, zweitens stecken Sie so ihre Kollegen an.

Auch zu Hause sollten Sie immer gut lüften, da sich ihre Viren sonst im Zimmer „stauen“.

Hausmittel Ruhe

Gegen einen grippalen Infekt oder eine Grippe gibt es kein schnelles Allheilmittel. Das wichtigste Mittel gegen eine Grippe vernachlässigen wir in unserer hektischen Zeit: Die Ruhe. Unser Körper hat gegen die meisten Grippeviren gute Kräfte, sich selbst zu heilen. Mit Hausmitteln können Sie diese lediglich unterstützen.

Schlafen ist das beste Hausmittel bei einer Grippe. Bild: drubig-photo – fotolia

Wenn Sie sich mit Medikamenten voll stopfen, um möglichst schnell wieder bei der Arbeit funktionieren, spielen Sie den Viren zu. Vorrang vor allen Tees, Wickeln und Kräutern hat: Zuhause bleiben und sich schonen.

Das heißt wirklich: Sie sind out of order. Beantworten Sie keine beruflichen Emails, gehen Sie nur ans Smartphone, wenn es sich um Dinge handelt, die elementar sind: Ihr Chef muss ebenso warten, wie die Freundin, die ihre Beziehungsprobleme ablädt.

Die Geschirrspülmaschine kann ihr Partner einräumen, und die Kinder in den Kindergarten bringen ebenfalls. Versorgen Sie sich stattdessen mit guter, aber nicht zu anstrengender Lektüre.

Wenn Sie langsam wieder genesen: Unternehmen Sie kurze Spaziergänge, am besten in der Natur. Aber strengen Sie sich dabei nicht an. (Dr. Utz Anhalt)

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