Tierhaarallergie

Susanne Waschke

Der Begriff Tierhaarallergie ist eigentlich nicht ganz richtig. Denn Betroffene reagieren nicht direkt auf Tierhaare, sondern auf bestimmte Proteine, die sich in Hautschuppen, Talg, Speichel, Kot oder Urin befinden und die letztendlich an den Haaren der Tiere haften bleiben. Diese kleinsten Partikel befinden sich in der Luft. Bei einem Menschen, der auf diese Stoffe sensibilisiert ist, kann dies zu einer allergischen Reaktion führen. Dabei werden die Allergene eingeatmet, treffen auf die Schleimhäute in Nase, Augen, Rachen und Bronchien und können zu leichteren Symptomen, wie Niesen, Augenrötungen, geschwollene Augen, Augen tränen, Schnupfen und Bindehautentzündung, aber auch zu gravierenderen Beschwerden bis hin zu Asthma oder Anaphylaxie führen.

Inhaltsverzeichnis

Allergie: allgemeine Definition
Allergene
Vier allergische Reaktionstypen
Auslöser
Symptome
Diagnose
Behandlung
Hyposensibilisierung
Naturheilkunde bei Tierhaarallergie

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Allergie: allgemeine Definition

Der Auslöser für eine Tierhaarallergie muss nicht zwingend das eigene Haustier sein. Der Besuch von Freunden, in deren Wohnung eine Katze lebt, ist genauso möglich, wie das Plaudern mit einem Bekannten, an dessen Kleidung noch ein paar Hunde- oder Katzenhaare kleben. So kann zum Beispiel ein Hundebesitzer durch das Tragen eines Kleidungsstückes, an dem sich noch Hundehaare befinden, bei einem Kollegen auf der Arbeit, eine allergische Reaktion auslösen. Die Menge der Allergene, die zu einer allergischen Reaktion führen, hängt ganz individuell von der betroffenen Person ab. Bei dem Einen genügen schon ein paar Haare, ein Anderer reagiert erst allergisch, wenn er sich längere Zeit bei einem Tier aufhält.

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Plötzliche Niesattacken können auf eine Tierhaarallegie hinweisen. Bild: www.fotolia.com © WavebreakmediaMicro

Eine Allergie ist eine Überreaktion auf bestimmte Stoffe, hier Allergene genannt, die normalerweise unschädlich sind. Dabei findet im Körper eine sogenannte Antigen-Antikörper-Reaktion statt. Im spezifischen Abwehrsystem sind vor allem die B-Zellen (B-Lymphozyten) damit beschäftigt, Antikörper zu produzieren. Dies sind große Moleküle, bestehend aus Proteinen, die mit ihrer Abwehr auf bestimmte Antigene ausgerichtet sind. Sie können mit diesen eine Bindung eingehen, um daraufhin eine Immunreaktion auszulösen. Im Fall der Tierhaarallergie sind die Allergene die Antigene, das heißt die an den Haaren der Tiere haftenden, Allergie auslösenden Stoffe.

Bei der Allergie schließt sich der Antigen-Antikörper-Reaktion eine überschießende Immunantwort an. Der Körper reagiert sozusagen über. Dies kann im schlimmsten Falle zu einem anaphylaktischen Schock führen. Ein solcher Schock ist die schwerste allergische Reaktion, bei der der Körper meist unmittelbar nach Allergenkontakt mit lokaler Hautreaktion, generalisierter Haut- und Schleimhautreaktion, Pulsanstieg, Blutdruckabfall, Bewusstseinsverlust bis hin zum Kreislauf- und Atemstillstand reagieren kann. Ein anaphylaktischer Schock ist lebensbedrohlich.

Allergene

Allergene sind Antigene, die die Allergie auslösen. Bei Heuschnupfen sind dies die verschiedensten Pollenarten, bei der Tierhaarallergie sind dies Tierepithelien.

Bei den Allergenen werden vier verschiedene Typen unterschieden. Dies sind Inhalationsallergene, wie zum Beispiel Pollen, Schimmelpilze und Tierhaare. Des weiteren existieren Ingestionsallergene, auch Nahrungsmittelallergene genannt. Beispiele dafür sind Erdbeeren, Ananas, Nüsse und Käse. Salben, Schmuck und Latex beherbergen Kontaktallergene. Zu den Injektionsallergenen gehören Bienen- und Schlangengift, Korbblütler (z. B. roter Sonnenhut), Lokalanästhetika (z.B. Procain) oder Röntgenkontrastmittel.

Vier allergische Reaktionstypen

Je nach Immunantwort wird zwischen vier verschiedenen Reaktionstypen unterschieden. Am häufigsten kommen Typ I (z.B. Pollen – und Tierhaarallergie) und Typ IV (z.B. Nickelallergie) vor.

Die allergische Reaktion vom Typ I (Soforttyp) löst relativ schnell, teilweise innerhalb von Sekunden, eine Reaktion aus. Bei der Tierhaarallergie sind dies zum Beispiel sofortiger Juckreiz oder tränende Augen. Heuschnupfen geplagte kennen die plötzlichen Niesanfälle, bei einer Fahrradtour im Grünen.

Bei der allergischen Reaktion Typ II (zytotoxischer Typ), treten die Symptome erst nach Stunden oder gar Tagen auf.

Die allergische Reaktion vom Typ III (Immunkomplextyp) macht sich etwa nach sechs bis acht Stunden bemerkbar. Ein Beispiel hierfür ist die Medikamentenallergie. Der Typ IV (Spättyp) reagiert circa ein bis drei Tage nach dem Antigenkontakt, was bei Kontaktallergien, wie der Nickelallergie, der Fall ist.

Auslöser für Tierhaarallergien

Die Tiere, die am häufigsten Tierhaarallergien auslösen, sind Katzen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse, Hamster, Kaninchen und Hunde. Aber auch Allergien gegen Pferde, Kühe und Vögel sind möglich.

Das Katzenallergen ist das potenteste. Dies kann sich in Wohnungen über lange Zeit hinweg halten, auch wenn die Katze schon längst nicht mehr dort wohnt. Auch wird das Allergen der Katze in Räume transportiert, ohne dass dort jemals eine Katze gewesen sein muss. Die Katzenallergie ist keine Allergie auf die Haare selbst, sondern auf Eiweiße in Speichel und Tränenflüssigkeit. Durch das Lecken der Tiere bleiben diese Allergene im Fell haften. Katzenallergene sind kleinste Artikel, die durch ihre guten Schwebeeigenschaften im Wohnungsstaub hängenbleiben und sich kaum durch Hausputz und Staubsaugen eliminieren lassen. Katzenhaare, die auf Kleidungsstücken haften, werden überall mit hin getragen und können auf diese Art und Weise bei Allergikern einen Schub auslösen. Die Tierallergie gegen Katzen, ist eine Allergie des Soforttyps. So kann der Kontakt mit Katzenhaaren innerhalb von Sekunden und Minuten eine allergische Reaktion hervorrufen. Eine rassespezifische Sensibilisierung, wie zum Beispiel eine reine Allergie auf Angorakatzen, ist möglich.

Hundehaare sind mäßig allergen. Auch hier sind nicht die Haare das Allergen, sondern die Eiweiße aus Talg, Speichel Kot und Urin, die im Fell hängenbleiben und letztendlich die Tierhaarallergie auslösen können. Nager, wie Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen und Mäuse besitzen ein hohes Potential, Allergien auszulösen. Das Allergen, auch hier ein Eiweiß, das im Fell kleben bleibt, schwebt in der Luft und wird an Kleidungsstücken haftend, übertragen. Bei Pferden sind nicht nur die Eiweißstoffe die Ursache für eine Tierhaarallergie, sondern auch Tiere, wie zum Beispiel Milben, die sich in den Haaren des Pferdes aufhalten, wie auch Schimmelpilze und Sporen im Fell.

Federn und Vogelkot, aber auch Vogelmilben können ebenso Allergien auslösen. Dies passiert entweder durch direkten Kontakt oder durch das Säubern von Vogelkäfigen. Die Tierhaarallergie tritt unmittelbar danach auf. Eine weitere Variante ist die Vogelhalterlunge. Dies ist jedoch eine Typ II Allergie, bei der die Symptome erst Stunden oder Tage nach Kontakt einsetzen. Vogelhalterlungen sind relativ verbreitete Erkrankungen bei Taubenzüchtern. Die Betroffenen leiden unter Fieber, Schüttelfrost, Husten, Übelkeit, Atemnot bis hin zu einem lebensbedrohlichen Zustand. Hier hilft nur, jegliche Exposition mit den Vögeln zu vermeiden.

Symptome

Meist sind die ersten typischen Symptome bei einer Tierhaarallergie Niesanfälle mit wässrigem Sekret aus der Nase, ähnlich einer Pollenallergie. Auch ist ein Anschwellen der Schleimhäute, zusammen mit einer verstopften Nase, möglich. Juckende, tränende Augen, als Ausdruck einer Bindehautentzündung, sind ebenfalls häufig anzutreffen. Durch den Kontakt mit den Tieren reagiert die Haut mit Nesselausschlag (Nesselfieber) oder Ekzemen. Ein kratzendes, juckendes Gefühl im Rachen, Husten und Asthmaanfälle bis hin zur Atemnot gehören zu den möglichen Symptomen einer Tierhaarallergie.

Bei der Vogelhalterlunge setzen die Symptome nicht sofort, sondern erst nach Stunden oder auch Tagen ein. Leider sind die Beschwerden meist stark ausgeprägt. Typische Anzeichen einer Tierhaarallergie paaren sich hier mit starken Atemstörungen bis hin zur Pneumonie (Lungenentzündung). Hinzu kommen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen, später noch Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Die Vogelhalterlunge, eine exogen-allergische Alveolitis (entzündlichen Reaktion der Lungenbläschen) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sofortige Trennung von den Vögeln und ärztliche Hilfe erfordert.

Diagnose

Im Rahmen einer ausführlichen Anamnese wird der Patient nach Häufigkeit und Art der Symptome befragt. Meist folgt dann ein Allergietest. Beim sogenannten Pricktest werden Allergenextrakte in Tropfenform auf den Unterarm aufgebracht und anschließend diese Stellen mit einer Nadel leicht angeritzt. Eine allergische Reaktion tritt nach circa fünfzehn bis zwanzig Minuten ein. Zusätzlich trägt eine Blutuntersuchung dazu bei, die Diagnose zu sichern. Dabei wird das Blut nach Antikörpern gegen bestimmte Allergene untersucht. Bei einem sogenannten Provokationstest wird das Allergen in die Nase eingebracht, was eventuell eine massive allergische Reaktion auslösen kann. Dieser Test wird ausschließlich unter medizinischer Beobachtung durchgeführt.

Behandlung

Meist wird bei einer Tierhaarallergie die sofortige Trennung von dem Tier als absolut nötige Maßnahme empfohlen. Für viele Tierbesitzer ist es jedoch kaum vorstellbar, sich von ihrem geliebten Haustier zu trennen. Sind die Symptome noch nicht weit fortgeschritten, kann mit anderen Maßnahmen zuerst versucht werden, die Allergie in den Griff zu bekommen. Dabei ist auf eine gründliche Hygiene im Haushalt zu achten. Die Böden sollten täglich gewischt, Teppichböden am besten entfernt werden. Alle Gegenstände, an denen Staub leicht haften bleibt, wie zum Beispiel Trockenblumen oder Plüschtiere werden aus der Wohnung verbannt. Das Haustier darf zum Schlafzimmer keinen Zugang haben. Nach jedem Kontakt mit dem Vierbeiner müssen die Hände gewaschen werden. Der haarige Mitbewohner sollte keinen Schlafplatz auf dem Sofa haben und die Möbelstücke so oft, wie möglich abgewischt werden. Das Waschen oder Kämmen des Haustieres wird am besten von Personen ausgeführt, die unter keiner Tierallergie leiden. Hilft dies alles nichts, muss leider das Tier aus der häuslichen Umgebung entfernt werden.

Die Schulmedizin verordnet bei einer Tierhaarallergie Antihistaminika in Spray -, Tropfen – oder Tablettenform. Des weiteren kommen Schleimhaut abschwellende Nasensprays, Kortison und Beta-Sympathomimetika zum Einsatz.

Hyposensibilisierung

Eine Hyposensibilisierung kann nur bei Allergien vom „Sofort Typ“ angewandt werden. Die Behandlung der Tierhaarallergie durch eine Desensibilisierung dauert circa drei bis fünf Jahre lang und kann ab dem fünften Lebensjahr durchgeführt werden. Dabei wird das Allergen, in steigender Intensität, als Injektion verabreicht. Die Betroffenen müssen nach jeder Behandlung ein halbe Stunde lang zur Nachbeobachtung in der Arztpraxis verbringen, um bei einer eventuellen allergischen Reaktion sofort ärztliche Hilfe bekommen zu können.

Bei der Hyposensibilisierung soll sich der Körper durch die langsam steigenden Gaben des Allergens, an dieses gewöhnen. Die Injektion erfolgt subkutan (unter die Haut) in regelmäßigen Abständen. Vor jeder Behandlung müssen dem Arzt alle Reaktionen auf die Therapie mitgeteilt werden, damit eventuell die Dosis verringert werden kann. Das Allergen sollte während der ganzen Desensibilisierungszeit gemieden werden. Kontraindikationen für eine Hyposensibilisierung sind Immundefekte, schweres Asthma, eine Autoimmunerkrankung, Krebs, Schwangerschaft, die Einnahme von Betablockern und Medikamenten, die die Abwehr schwächen.

Eine andere Art der Hyposensibilisierung ist die sublinguale Anwendung. Dabei werden die Allergene in verdünnten Lösungen als Tropfen unter die Zunge gegeben. Dies wird vor allem bei Kindern angewandt. Auch hier muss der Patient nach der Applikation zur Beobachtung noch eine Weile in der Arztpraxis verweilen. Sind Betroffene nur gegen ein oder zwei Stoffe allergisch, so kann diese Therapie durchaus erfolgversprechend sein. Nach der abgeschlossenen Hyposensibilisierung wird meist ein Provokationstest ausgeführt, um den Wirkungsgrad der Therapie feststellen zu können. Die Desensibilisierung behandelt nicht die allgemeine Allergiebereitschaft des Körpers, sondern versucht eine bestimmte Allergie, zum Beispiel die Tierhaarallergie, zu lindern oder gar auszuschalten.

Naturheilkunde bei Tierhaarallergie

In der Naturheilkunde steht die Ursachenbehandlung im Vordergrund. So wird versucht, mit geeigneten Mitteln, auf den oder die Auslöser der Tierhaarallergie, einzuwirken. Eine Allergiebereitschaft kann vererbt werden und im Körper ruhen, ohne dass sich irgendwelche Symptome zeigen. Nach vielen Jahren des Zusammenlebens mit einer Katze setzten plötzlich Symptome, wie Niesen, Juckreiz, Augen tränen und Husten ein. Niemand denkt hier gleich an eine Tierhaarallergie, wo doch das geliebte Hausstier schon solange zur Familie gehört. Jedoch ist dies durchaus möglich. Die Allergiebereitschaft war schon längst vorhanden und völlig spontan kommt die Allergie zum Vorschein.

Eventuell liegt hier die Ursache dieser scheinbar plötzlich auftretenden Allergie im Darm. Das mittlerweile viel zitierte Leaky-Gut-Syndrom kann durchaus Grund für eine Allergie sein. Dabei hat sich die Schleimhaut im Darm so verändert, dass die Bakterienflora nicht mehr richtig in der Lage ist, gut von böse zu unterschieden und sich deshalb Fremdstoffe in den Körper einschleichen, die normalerweise von der Abwehr zerstört werden. Eine ausführliche Stuhldiagnostik bringt hier Aufschluss. Anschließend wird oftmals versucht, mit einer individuellen Darmsanierung, welche die Darmflora aufbauen soll, wieder ein gesundes Gleichgewicht zu schaffen.

Allergiker, so auch Tierhaarallergiker, sind meist Menschen, die sich schlecht abgrenzen können. Die Haut, als Spiegel der Seele, zeigt dann Veränderungen, die den inneren Zustand der erkrankten Person nach außen spiegeln. In der Naturheilpraxis wird auch die Seele des Menschen mit in die Behandlung miteinbezogen. Eine individuelle Bachblütenmischung gehört mit zur Therapie der Betroffenen. Ein weiteres Verfahren in der Behandlung von Allergien ist die Bioresonanztherapie. Dabei werden die krankhaften elektromagnetischen Schwingungen des Körpers durch das Bioresonanzgerät in gesunde, veränderte Schwingungen umgekehrt und dem Organismus zugeführt.

Häufig beginnt eine naturheilkundliche Therapie mit einer Entgiftung. Dabei wird der Körper mit Hilfe von bestimmten Mitteln aus der Phytotherapie, Orthomolekularen Therapie oder Komplexhomöopathie angeregt, eingelagerte Schlacken und Gifte los zu werden. Diese „Reinigung“ des Organismus stellt eine gute Ausgangssituation für die anschließende individuelle Therapie, zum Beispiel in Form von klassischer Homöopathie oder dem Einsatz der Schüssler Salze. Die Eigenbluttherapie ist bei Allergien, auch den Tierhaarallergien, ebenfalls ein weit verbreitetes Verfahren. Hier wird, wie bei den meisten naturheilkundlichen Behandlungsmethoden, nicht das Symptom, sonder die allgemeine Allergiebereitschaft im Körper behandelt. Die Eigenbluttherapie führt, wie der Name schon sagt, „eigenes“ Blut des Patienten wieder dem Körper zu. So ist dieser mit einer kleinen Menge eigenen Blutes konfrontiert, als dringe ein Fremdstoff ein. Daraufhin läuft im Körper eine Kaskade von Immunreaktionen ab, die im Laufe der Therapie die überschießende Reaktion auf die Allergene minimieren oder gar zum Verschwinden bringen kann.

Bei der Behandlung einer Tierhaarallergie in der Naturheilpraxis werden in der Regel auch die psychosomatischen Hintergründe der Erkrankung mit in die Therapie einbezogen. So stellt die Allergie in naturheilkundlichem Gedankenmuster einen ständigen Lebenskampf dar, der jedoch nicht offensiv nach außen und mit der Umwelt, sondern defensiv nach innen, mit sich selbst, geführt wird. (sw)

Bild 1: S. Hofschlaeger / pixelio.de