Ohrendruck – Druck im Ohr

ohrendruck
Susanne Waschke

Druckgefühl im Ohr

Ohrenddruck – wer kennt dies nicht? Eine Fahrt mit dem Auto ins Gebirge und je weiter es nach oben geht, desto mehr entsteht der unangenehme Druck auf den Ohren. Auch beim Landen und Starten des Flugzeugs ist Ohrendruck völlig normal. Durch das Kauen von Kaugummis lässt sich dieser häufig positiv beeinflussen. Neben dem eher harmlosen Druckempfinden im Ohr bei Höhenveränderungen, können jedoch auch verschiedene Krankheiten dazu führen, dass ein schmerzhafter Ohrendruck entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Krankheiten die Ohrendruck auslösen
Behandlung von Ohrendruck
Ohrendruck durch Luftdruckveränderungen
Naturheilkunde bei Druck in den Ohren

Krankheiten die Ohrendruck auslösen

Ohrendruck ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Erkrankungen, vor allem im Bereich des Ohrs, begleitet. So kann ein Zuviel an Ohrenschmalz (Cerumen) zu Ohrendruck führen. Dieses gelblich braune Drüsensekret wird im äußeren Gehörgang gebildet und sezerniert. Es dient zur Reinigung und als Schutz vor Mikroorganismen. Wird davon zu viel produziert, kann dies den Gehörgang verlegen und somit zu einem lästigen Ohrendruck führen. Teilweise ist dadurch auch das Hörvermögen beeinträchtigt. Manchmal entsteht ein Cerumenpfropf nach dem Baden. Das, ins Ohr eingedrungene Wasser, bildet zusammen mit dem Ohrenschmalz einen Pfropf, der den Gehörgang so verlegt, dass sich Ohrendruck entwickelt. Auch durch falsche Ohrenhygiene kann Druck auf den Ohren entstehen, und zwar, wenn durch den Gebrauch eines Ohrenstäbchens das Cerumen weiter in Richtung Trommelfell gebracht wird und somit den Gehörgang verlegt. So sollte von einer übertriebenen Reinigung des Ohrs unbedingt Abstand genommen und vor allem niemals mit einem Wattestäbchen versucht werden, den Gehörgang zu säubern.

Ohrendruck kann für die Betroffenen äußerst unangenehm sein. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)
Ohrendruck kann für die Betroffenen äußerst unangenehm sein. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Auch kann, in Verbindung mit Entzündungen im Gehörgang und/oder des Trommelfells, Druck auf den Ohren entstehen. Zum Beispiel können unsauberes Badewasser, mechanische Irritation oder Erreger eine Infektion des Gehörgangs auslösen. Betroffene leiden unter Ohrenschmerzen, Ohrendruck und gelegentlich auch an Ohrensausen.

Bei einem sogenannten Tubenkatarrh, der akut oder chronisch auftritt, ist die Schleimhaut aufgrund einer Entzündung angeschwollen und somit die Tubenfunktion eingeschränkt. Die normale Belüftung des Ohrs ist dadurch behindert, wodurch der bekannte Druck auf den Ohren entsteht. Die akute Form tritt meist in Verbindung mit einer Erkältung auf. Der Tubenkatarrh äußert sich in Form von Ohrenschmerzen, Knacken im Ohr, Ohrendruck und eventueller Hörminderung. Die chronische Form befällt vor allem Kinder , wobei die Betroffenen unter einer deutlichen Beeinträchtigung des Hörvermögens leiden und ein massives Druckgefühl im Ohr verspüren, eventuell verbunden mit „gluckernden“ Ohrgeräuschen beim Essen, Gähnen oder Schnäuzen. Immer wieder wird bei solchen Kindern eine verzögerte Sprachentwicklung entdeckt, ausgelöst durch das verminderte Hörvermögen.

Ebenso kann eine Trommelfellperforation (ein Loch im Trommelfell) für Ohrendruck sorgen. Dies entsteht zum Beispiel durch eine Explosion oder durch zu schnelles Auftauchen nach einem Tauchvorgang, genannt Barotrauma, aber auch durch eine Verletzung mit Gegenständen, wie Stricknadeln oder Haarklammern. Die von einem perforierten Trommelfell betroffenen Patienten klagen über plötzlichen Hörverlust, Ohrendruck und starke Schmerzen. Vorsicht bei einem Loch im Trommelfell – hier dürfen keine Ohrentropfen verwendet werden.

Bei einem Hörsturz, einer plötzlich auftretenden Hörminderung, ausgelöst durch eine gestörte Durchblutung des Innenohrs, berichten die Betroffenen von einem Ohrendruck, der sich anfühlt, als wäre Watte im Ohr.

Auch kann die Halswirbelsäule „schuld“ daran sein, dass ein Druck im Ohr entsteht. Der oberste Halswirbel, der Atlas, trägt den Kopf. In diesem Bereich verlaufen viele Nervenbahnen und Blutgefäße, auch das Ohr ist nicht weit davon entfernt. Deshalb ist bei Erkrankungen in diesem Bereich auch das Entstehen von Ohrendruck möglich. Ebenso bei der CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion), deren Ausgangspunkt das Kiefergelenk bildet, welches durch Fehlbelastung und/oder Fehlstellung in Mitleidenschaft gezogen ist. Neben Zähneknirschen, Kopfschmerzen, Schwindel und anderen Symptomen kann hier auch Ohrendruck mit dabei sein.

Ist die Nasenatmung ständig behindert, zum Beispiel durch einen Nasenseptumdefekt, so entsteht ein Unterdruck im Mittelohr und daraus folgend ein unangenehmer Druck auf den Ohren. In schlimmen Fällen hilft nur noch ein chirurgischer Eingriff.

Behandlung von Ohrendruck

Entsteht der Ohrendruck aufgrund einer Entzündung, ist diese selbstverständlich zu therapieren. Der Gang zum Arzt ist hier absolut indiziert. Um Schwellungen im Bereich der Eustachischen Röhre, die eine Verbindung zwischen Mittelohr und oberem Rachenraum darstellt, zu beseitigen, werden meist Schleimhaut abschwellende Nasentropfen verabreicht. Gerade bei kleineren Kindern wird empfohlen, bei jedem Schnupfen ein geeignetes Nasenspray zu verwenden, um einem Tubenkatarrh vorzubeugen.

Ist ein Cerumenpfropf die Ursache für den Ohrendruck, so wird beim Arzt mit Hilfe einer Ohrspülung der Pfropf entfernt. Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs wird mit der Einlage eines Salbenstreifens, getränkt in Alkohol, Antibiotika oder Kortison, behandelt. Manchmal reicht auch der Einsatz entsprechender Ohrentropfen aus.

Sind Beschwerden rund um die Halswirbelsäule die Auslöser für den lästigen Ohrendruck, so kommen hier, je nach Ursache, Medikamente und/oder mit Physiotherapie zum Einsatz. Die Behandlung einer Craniomandibulären Dysfunktion ist keine einfache Angelegenheit. Auf diese Erkrankung spezialisierte Therapeuten bieten Hilfe an.

Ständige Behinderungen der Nasenatmung, die zu einem Dauerdruck im Ohr oder gar in beiden Ohren führen, werden – wenn keine andere Therapie zu einem Erfolg führt – durch eine Operation beseitigt.

Bei einem Hörsturz, der häufig bei Personen auftritt, die großen Stress in ihrem Leben haben und diesem nicht Herr werden, sind im Anfangsstadium durchblutungsfördernde Infusionen das Mittel der Wahl.

Ohrendruck durch Luftdruckveränderungen

Beim Starten oder Landen mit dem Flugzeug muss das Ohr – angesichts der Veränderungen des Luftdrucks – für Druckausgleich sorgen. Jeder kennt den, dabei entstehenden, unangenehmen Druck auf dem Ohr. Um die Schleimhäute während eines Fluges zu befeuchten, ist das Verwenden eines Nasensprays, zum Beispiel eines Meersalzsprays, vor einem Flug zu empfehlen. Wichtig ist auch, während einer Flugreise, genügend Wasser zu trinken.

Bei Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich kann das Valsalva Manöver helfen. Dabei wird mit zugehaltener Nase und verschlossenem Mund versucht, kräftig über die Nase auszuatmen. Dies wenden auch Taucher an, um einem Barotrauma vorzubeugen. Gähnen, Kauen und Schlucken kann ebenfalls helfen, gegen den Ohrendruck anzukämpfen.

Naturheilkunde bei Druck in den Ohren

Ohrendruck tritt nicht selten in Verbindung mit Infekten auf. Vor allem, wenn diese rezidivierend sind, kann die Naturheilkunde gute Dienste leisten. Jede Entzündung im Bereich des Ohrs sollte allerdings zunächst von einem Arzt abgeklärt werden.

Die Eigenbluttherapie ist eine geeignete Möglichkeit, gegen Infektneigungen anzugehen und damit auch den Druck auf den Ohren zu bekämpfen. Ausleitende Maßnahmen, wie zum Beispiel ein Cantharidenpflaster, aufgebracht auf den Mastoid (Knochen hinter dem Ohr), kann bei Entzündungen im Ohr – wie auch bei einer Mittelohrentzündung – hilfreich sein. Das homöopathische Mittel Pulsatilla hilft bei Beschwerden, die sich anfühlen, als würde etwas nach außen drücken oder das Ohr irgendwie verstopft sein. Kalium bichromicum wird bei chronischen katarrhalischen Entzündungen angewandt und beseitigt auf diese Art und Weise den Ohrendruck. Luffa operculata ist ein relativ bekanntes Mittel, das bei Tubenkatarrh und auch Stockschnupfen Erleichterung verspricht.

Einige gut wirksame Nasentropfen, die Pflanzenauszüge und/oder Meersalz beinhalten, werden zur Behandlung von Infekten der oberen Atemwege eingesetzt. Ohrentropfen können die Schleimhaut im Gehörgang beruhigen, dürfen jedoch niemals verwendet werden, wenn das Trommelfell defekt ist.

Den Betroffenen wird zudem empfohlen, Kräuterbonbons zu lutschen und Kaugummis zu kauen, um den Schluckakt anzuregen. Dies kann die Belüftungssituation verbessern und somit dem Ohrendruck entgegen wirken.

Die Traditionell Chinesische Medizin behandelt Probleme im Ohrbereich zum Beispiel mit dem Einsatz der Ohrakupunktur oder Körperakupunktur. Bei Kindern wird der sanfteren Variante, der Laserakupunktur, Vorzug gegeben.

Warme Auflagen verflüssigen das Sekret. Einige Hausmittel bei Ohrenschmerzen zeigen auch gegen Ohrendruck Wirkung. So helfen zum Beispiel warme Zwiebelwickel oftmals, die Beschwerden zu lindern. In vielen naturheilkundlichen Praxen werden bei entsprechenden Beeinträchtigungen zudem Ohrkerzen angewandt. Diese wirken antientzündlich, durchblutungsfördernd und haben eine beruhigende Komponente.

Ist die Ursache für den Ohrendruck im Bereich der Halswirbelsäule zu suchen, versprechen Injektionen mit Mitteln aus der anthroposophischen Medizin Linderung. Bei starken Verspannungen wird dem Baunscheidtieren und Schröpfen eine positive Wirkung zugeschrieben. Sind die Betroffenen häufig verspannt, so müssen sie lernen, besser mit Stress umzugehen. Hierbei helfen Entspannungsübungen, wie beispielsweise Autogenes Training, die klassische Homöopathie und die Schüssler Salze Nr. 7 Magnesium phosphoricum und Nr. 5 Kalium phosphoricum. Auch muss die Ernährung überdacht werden, da eine zu säurehaltige Kost durchaus eine Übersäuerung des Organismus beziehungsweise ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt und auf diesem Wege dauerhafte, therapieresistente Verspannungen bedingen kann. So sollte Tierisches reduziert und Gemüse und Obst häufiger verzehrt werden. Eine Trinkmenge von mindestens zwei bis zweieinhalb Litern stillem Wasser ist zu empfehlen. Zusätzlich kann Bewegung an der frischen Luft das Immunsystem stärken und so wiederkehrenden Infekten vorbeugen. (sw)

Advertising

Bild1: Benjamin Thorn / pixelio.de