Ohrenschmerzen: Ursachen und Behandlungen

Susanne Waschke
Ohrenschmerzen kommen nicht nur in Verbindung mit einer Ohrenerkrankung, sondern auch als Begleitsymptom im Zusammenhang mit anderen Ursachen vor. In Frage kommen beispielsweise eine Mandelentzündung, Erkrankung der Schilddrüse oder das auch als „Kusskrankheit“ bezeichnete Pfeiffersche Drüsenfieber. Die Beschwerden sind als mögliches Anzeichen daher stets ernst zu nehmen und sollten generell von einem Arzt abgeklärt werden.






Vorkommen und Ursachen von Ohrenschmerzen

Kinder sind besonders oft von Ohrenschmerzen betroffen. Das hat anatomische Gründe, denn die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Ohr (Eustachische Röhre) ist im Kindesalter noch sehr kurz und waagerecht angelegt. Dadurch können sich dort leichter Erreger sammeln und niederlassen, als es bei Jugendlichen und Erwachsenen möglich ist. Von Ohrenentzündungen, gerade im Bereich des Mittelohrs, sind erfahrungsgemäß mehr Jungen als Mädchen betroffen. Da das Ohr ein äußerst sensibles Organ ist, sind Schmerzen im äußeren und inneren Gehörgang meist kaum zu ertragen.

Kinder sind besonders anfällig für Ohrenschmerzen, da bei ihnen die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) noch nicht voll funktionsfähig ist. Dadurch entstehen schneller Entzündungen. (Bild: athomass/fotolia.com)

Entzündung des äußeren Gehörganges

Erreger, wie Bakterien, Viren und Pilze, können zur Entzündung des äußeren Gehörganges (Otitis externa) führen. Die Ursachen dafür sind zum Beispiel Infektionen über unsauberes Badewasser. Zudem trocknet häufiges Baden in chlorhaltigem Wasser die Haut im äußeren Gehörgang aus, wodurch sich Erreger leichter niederlassen können.

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Mechanische Irritationen durch Ohrreinigungen mit dem Wattestäbchen können eine Gehörgangsentzündung bedingen. Werden die Ohren zu häufig mit Ohrenstäbchen gesäubert und dabei zu viel Ohrenschmalz entfernt, kann dies ebenso Entzündungen hervorrufen, da das Ohrenschmalz eine wichtige Schutzfunktion ausübt.

Allergische Reaktionen auf Haarspray, Pflegemittel und Kosmetika gelten als mögliche Auslöser für eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Von Diabetes betroffene Personen haben ein erhöhtes Risiko für eine Otitis externa.

Kennzeichnend für die Erkrankung sind teilweise sehr starke Ohrenschmerzen, die häufig von Juckreiz, Ausfluss, Ohrensausen und einer eventuellen Hörminderung begleitet werden. Oft ist eine deutliche Rötung und Schwellung zu erkennen.

Im Rahmen der Behandlung reinigt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (kurz: HNO-Arzt) den Gehörgang und nimmt einen Abstrich vor, um den Erreger zu bestimmen. In Alkohol getränkte Tupfer oder kortisonhaltige Salbenstreifen werden in den Gehörgang gebracht, um die Entzündung zu beheben. Weiterhin kommen regelmäßig Ohrentropfen zum Einsatz.

Fremdkörper im Ohr

Meist sind Kinder von Fremdkörpern im Ohr betroffen. Kleinteile (z.B. Perlen, Murmeln, Erbsen) verlegen den Gehörgang und müssen von einem HNO-Arzt fachmännisch entfernt werden. Achtung: Beim Versuch, den Fremdkörper selbst zu entfernen, gelangen diese häufig immer weiter ins Ohr und werden in Richtung Trommelfell geschoben. Deshalb sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

Weiterhin kann Ohrenschmalz zu einer Verlegung des Trommelfells führen, wenn es zu weit ins Ohr gelangt ist. Dies passiert meist durch falsches Reinigen mit dem Wattestäbchen.

Die Verwendung von Wattestäbchen kann böse Folgen haben. Falsch angewandt, können sie z.B. zu Verletzungen des Trommelfells führen und das Ohrenschmalz tief in den Gehörgang verlagern. (Bild: fpic/fotolia.com)

Bei einem Fremdkörper im Ohr treten leichtere Ohrenschmerzen auf, meist ist Form von Druckschmerzen, eventuell begleitet von Ohrensausen und gemindertem Hörvermögen.

Tubenkatarrh

Ein so genannter „Tubenkatarrh“ ist eine Entzündung der Ohrtrompete (Tuba auditiva). Dabei handelt es sich um die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und dem Mittelohr, deren Hauptaufgabe der Druckausgleich ist. Die Ohrtrompete ist mit Schleimhaut ausgekleidet, die sich entzünden und daraufhin anschwellen kann. Diese Schwellung verursacht leichte Ohrenschmerzen, oft in Verbindung mit einer kurzzeitigen Hörminderung.

Der Tubenkatarrh tritt sowohl akut als auch chronisch auf. Im akuten Fall liegt eine vorübergehende Entzündung vor, welche hauptsächlich durch einen Infekt ausgelöst wird. Die chronische Variante führt zu einer Daueransammlung von Sekret in der Paukenhöhle und geht meist mit einer deutlichen Hörminderung einher. Dies kann gerade bei Kindern zu einer Sprachverzögerung führen. Hinzu kommen ständiger Druck auf den Ohren, „gluckernde“ Geräusche beim Gähnen oder Schnäuzen und Ohrenschmerzen.

Damit die Schwellung zurückgeht, werden abschwellende Nasentropfen, entzündungshemmend wirkende Arzneimittel (Antiphlogistika) und bei Bedarf Schmerzmedikamente eingesetzt.

Ursache Mittelohrentzündung

Die meist bakteriell bedingte Mittelohrentzündung (Otitis media) tritt besonders oft bei kleineren Kindern auf. Sie entsteht am häufigsten dadurch, dass in Verbindung mit einem Infekt im Hals– Nasen-Ohrentrakt die Erreger über die Ohrtrompete von innen aufsteigen. Die Schleimhaut in der Paukenhöhle schwillt an und es bildet sich ein Sekret.

Eine Mittelohrentzündung entsteht häufig im Rahmen einer Erkältung, wenn Erreger durch den Nasen-Rachen-Raum in das Mittelohr gelangen.(Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

In Verbindung mit einer Otitis media treten massive, teilweise unerträgliche Ohrenschmerzen auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern zeigen sich oft paralell unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen oder Durchfall. Typischerweise greifen sich Kinder häufig an das betroffene Ohr. Die Erkrankung geht meist mit hohem Fieber einher. Kleinere Kinder sind dabei äußerst unruhig und möchten meist die ganze Zeit auf dem Arm herumgetragen werden.

Meist geht der Otitis media eine Erkältung bzw. grippaler Infekt oder eine Nasennebenhöhlenentzündung voraus. Auch Kinderkrankheiten, wie zum Beispiel Masern, können gekoppelt mit einer Entzündung des Mittelohrs auftreten.

Die Behandlung erfolgt mit abschwellenden Nasentropfen und schmerzstillenden Medikamenten. Oft ist ein Antibiotikum das Mittel der Wahl. Bei massiven Ohrenschmerzen und vorgewölbtem Trommelfell kann ein kleiner Schnitt nötig werden, damit der Erguss ablaufen kann. Unterstützend können natürliche Hausmittel bei Mittelohrentzündung eingesetzt werden. Hierzu zählen unter anderem das bewährte Zwiebelsäckchen oder eine Auflage aus Rosen und Wermut.

Mastoiditis: Entzündung des Warzenforsatzes

Der Warzenfortsatz ist der knöcherne Bereich hinter dem Ohr. Dieser kann sich entzünden, was eine ziemlich ernste Erkrankung darstellt. Die als „Mastoiditis“ bezeichnete Erkrankung stellt eine der häufigsten Komplikationen einer nicht behandelten akuten Mittelohrentzündung dar. Im schlimmsten Fall muss hier der Knochen operativ geöffnet werden. Bei der Entzündung des Warzenfortsatzes leiden die Betroffenen unter massiven Ohrenschmerzen, schmerzhafter Schwellung hinter dem Ohr, Fieber und Ausfluss.

Schmerzende Ohren durch Verletzungen des Trommelfells

Spitze Gegenstände wie z.B. Stricknadeln, Bleistifte oder Wattestäbchen können das Trommelfell direkt durchstoßen. Indirekte Einwirkungen stellen ein Schlag aufs Ohr, eine Explosion oder ein Tauchunfall dar. Sowohl bei direkten als auch bei indirekten Trommelfellverletzungen entstehen plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, eventuell begleitet durch austretende Flüssigkeit und Blut und/oder Schwindel. Innerhalb von zwei Wochen heilt das Trommelfell meist selbst aus, kann jedoch auch operativ verschlossen werden.

Übertriebene Reinlichkeit

Gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen kann durch zu häufige und falsch angewandte Ohrhygiene mit dem Wattestäbchen eine Entzündung im Ohr heraufbeschworen werden. Bei der unsachgemäßen Ohrsäuberung, bei der meist ein Wattestäbchen oder ein anderer spitzer Gegenstand verwendet wird, entstehen schnell kleinste Verletzungen im Gehörgang. In der Folge können sich Bakterien oder Pilze einfacher niederlassen und zu unangenehmen Entzündungen führen, die meist mit akuten Ohrenschmerzen verbunden sind.

Viele Menschen leiden während des Fliegens unter einem unangenehmen Druck auf den Ohren und Ohrenschmerzen. Grund hierfür ist der veränderte Luftdruck im Flugzeug. (Bild: m.mphoto/fotolia.com)

Ohrenschmerzen beim Fliegen

Ein weit verbreitetes Phänomen sind Schmerzen in den Ohren beim Starten und/oder Landen eines Flugzeuges. Die schnellen Druckunterschiede bereiten den Flugreisenden Schwierigkeiten, was zu Druck im Ohr, Hörminderung und teilweise erheblichen Schmerzen führen kann.

Verschlimmert wird die Situation, wenn die Betroffenen bereits mit einer Erkältung ins Flugzeug steigen. Personen, die zu Ohrenschmerzen beim Fliegen neigen oder gar mit einer Erkältung eine Flugreise antreten, sollten sich daher unbedingt vor Reiseantritt mit Ohren- und Nasentropfen versorgen. Das Kauen eines Kaugummis während des Fluges, unterstützt beim Druckausgleich.

Ursachen außerhalb des Ohrbereiches

Ohrenschmerzen müssen ihre Ursachen nicht unmittelbar im Bereich der Ohren haben. Stattdessen können auch Störungen in der Umgebung des Sinnesorgans und andere Erkrankungen für die Beschwerden verantwortlich sein. Beispielsweise leiden Personen, die des nachts Zähne knirschen, meist unter einer verspannten Kiefermuskulatur, was zu Schmerzen im Ohrbereich führen kann.

Entzündungen in Mundhöhle, Hals oder Rachen

Das Ohr ist ein äußerst empfindliches Organ, daher können sich Zahnschmerzen oder Kiefergelenkentzündungen zum Teil in Form von Ohrenschmerzen äußern. Bei einer Seitenstrangangina, einer Entzündung der Rachenwand, klagen die Patienten häufig neben Schluckbeschwerden über schmerzende Ohren. Gleiches kommt häufig bei einer Angina Tonsillaris (Mandelentzündung) vor.

Entzündung der Ohrspeicheldrüse / Mumps

Bei Mumps (medizinisch: Parotitis epidemica), umgangssprachlich „Ziegenpeter“ genannt, handelt es sich um eine akute virale Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Die Erkrankung tritt vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen auf. Der Erreger ist das Mumps-Virus, welches durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird und nach seinem Eintritt in den Nasenrachenraum anschließend über dem Blutweg die Ohrspeicheldrüsen befällt.

Typisch ist, dass bei den Betroffenen zunächst nur eine Seite des Gesichts anschwillt, im Verlauf der Erkrankung ist jedoch in fünfundsiebzig Prozent der Fälle auch die andere Seite betroffen. Patienten zeigen die typischen „Hamsterbacken“ und empfinden mitunter starke Schmerzen, die bis zu den Ohren hin ausstrahlen. Da die meisten Kinder heutzutage gegen Mumps geimpft sind, kommt diese Erkrankung mittlerweile relativ selten vor.

Herpes zoster (Gürtelrose)

Gürtelrose ist eine virale Erkrankung durch das Windpockenviurs (Varicella-Zoster-Virus). Nach einer bereits durchgemachten Windpockenerkrankung kann bei nachlassender Immunität eine Zweitinfektion, in diesem Falle Herpes zoster, entstehen.

Die Viruserkrankung Gürtelrose kann auch das Ohr betreffen und hier zu starken Schmerzen führen. (Bild: pixfly/fotolia.com)

Die Allgemeinerscheinungen sind meist gering, doch es tritt ein äußerst schmerzhafter, juckender Hautausschlag auf. Am häufigsten sind davon der Brust- und Bauchbereich betroffen. Als Zoster ophthalmicus erstrecken sich die schmerzhaften Bläschen im Bereich der Kopfhaut, der Nasen- und/oder Augenpartie. Zoster oticus indes befällt die Ohrmuschel und den Gehörgang, was zu erheblichen Ohrenschmerzen führen kann.

Ursache Trigeminusneuralgie

Bei der so genannten „Trigeminusneuralgie“ handelt es sich um eine Schmerzerkrankung im Versorgungsgebiet des fünften Hirnnervs, dem Nervus trigeminus. Meist sind Menschen ab dem fünfzigsten Lebensjahr mit bereits bestehenden neurologischen Erkrankungen betroffen.

Typisch für die Trigeminusneuralgie sind plötzlich einsetzende, reißende Schmerzen, die durch Bewegungen beim Sprechen oder Kauen oder leichte Berührung bestimmter Gesichtsareale ausgelöst werden. Die Schmerz-Attacken dauern meist nur einige Sekunden an, können jedoch in einem Intervall von wenigen Minuten wieder auftreten.

Halswirbelsäulenprobleme

Im Bereich der Halswirbelsäule verlaufen viele Nerven, die den Kopf, die Schultern und Arme versorgen. Hier auftretende Probleme wie zum Beispiel ein zervikaler Bandscheibenprolaps (Bandscheibenvorfall im Bereich der HWS), kann neben Schmerzen im Nacken (Kopfschmerzen vom Nacken ausgehend) und Schulterbereich sowie Kopfschmerzen auch zu Ohrenschmerzen führen.

Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung)

Die Schilddrüse befindet sich vorne im Bereich des Halses. In relativ seltenen Fällen kann sich die Hormondrüse entzünden, was meist im Rahmen einer Autoimmunerkrankung wie der Hashimoto-Thyreoiditis geschieht. Andere mögliche Gründe für eine Entzündung sind zum Beispiel Bakterien, Verletzungen und bestimmte Medikamente.

Die Symptomatik kann je nach Ursache unterschiedlich sein. Neben Schmerzen und einer Schwellung, Rötung und Überwärmung im Bereich der Schilddrüse sind unter anderem eine Lymphknotenschwellung, Schluckbeschwerden, starkes Schwächegefühl und hohes Fieber möglich. Die Halsschmerzen können dabei bis in den Kiefer, die Ohren oder den ganzen Kopf ausstrahlen, teilweise ist sogar der Brustbereich betroffen.

Morbus Pfeiffer – Pfeiffersches Drüsenfieber – Mononukleosis infectiosa

Das Pfeiffersche Drüsenfieber (auch als „Kissing Desease“ bekannt) ist eine weit verbreitete, ansteckende Erkrankung, die früher vor allem im Studentenalter vorkam. Heute tritt sie meist schon im Kindes- bzw. Jugendalter auf, wodurch die Durchseuchung mit dem auslösenden Epstein-Barr Virus relativ hoch ist.

Typischerweise ähneln die ersten Symptome bei Pfeifferschem Drüsenfieber denen einer gewöhnlichen Erkältung. Die Patienten leiden unter starken Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen können, Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen und Fieber. Gleichzeitig werden Schwellungen der Lymphknoten im Halsbereich sowie teilweise unter den Armen oder in der Leistengegend erkennbar. In einigen Fällen kommt eine Mandelentzündung (Angina tonsillaris) hinzu, die sich durch einen weißlich-grauen Belag auf den Mandeln (Tonsillen) zeigt.

Beim Pfeifferschen Drüsenfieber können die Halsschmerzen bis in die Ohren ausstrahlen. Meist beginnt die Erkrankung mit typischen Erkältungssymptomen wie Fieber, geschwollenen Lymphknoten und Abgeschlagenheit. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Krebs im Mund- und Rachenbereich / Kehlkopfkrebs

Bei bösartigem Tumorgeschehen in Mund und Kehlkopf treten Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, Husten, Halsschmerzen und Ohrenschmerzen auf.

Seltene Ursachen

Selten können bösartige Wucherungen im Bereich des äußeren und inneren Gehörgangs, aber auch in der Ohrmuschel sowie Wucherungen im Nasen-Rachen-Raum zu Beschwerden im Bereich der Ohren führen.

Behandlung von Ohrenschmerzen

Da die Beschwerden ein Symptom und keine Erkrankung darstellen, wird zuerst die Grunderkrankung therapiert. Hinzu kommt die symptomatische Therapie in Form von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten. Bei Entzündungen im äußeren Gehörgang kommen eventuell kortisonhaltigen Salben zum Einsatz. Bei Verletzungen oder Wucherungen sind teilweise operative Eingriffe erforderlich.

Wichtig für eine Diagnose ist neben der körperlichen Untersuchung eine ausführliche Anamnese. Dabei wird die Art der Schmerzen (z.B. pulsierend, klopfend, ziehend oder bohrend), die Intensität, eventuell der Zeitpunkt des Schmerzeintritts und der genaue Schmerzort erfragt. Zusätzlich sind Begleitsymptome wie zum Beispiel Fieber, Hörminderungen und allgemeine Erschöpfung und Abgeschlagenheit von Bedeutung. Vorausgehende Erkrankungen wie ein grippaler Infekt, eine Kinderkrankheit oder genaue Informationen über Verletzungen und Unfälle tragen zu einer exakten Diagnose bei.

Behandlung in der Naturheilpraxis

Bei der naturheilkundlichen Behandlung der Ohrenschmerzen steht selbstverständlich ebenfalls die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei wiederkehrenden (rezidivierenden) Infekten werden vor allem Verfahren eingesetzt, die das Immunsystem stärken. Hierzu zählen beispielsweise Entspannungsverfahren zum Stressabbau wie Yoga oder autogenes Training, Kneipp´sche Güsse oder eine Eigenbluttherapie.

Gerade bei massiveren Erkrankungen wie der Mittelohrentzündung ist der Einsatz eines Antibiotikums oft unumgänglich. Naturheilkundliche Mittel können jedoch in vielen Fällen parallel zur konventionellen Therapie erfolgversprechend eingesetzt werden.

Um einen akuten Tubenkatarrh oder eine Mittelohrentzündung zu behandeln, kommen unter anderem Cantharidenpflaster zum Einsatz. Diese werden hinter dem Ohr angebracht. Die Pflaster enthalten das Gift Cantharidin, welches aus der spanischen Fliege gewonnen wird. Dieses enthält Substanzen, die durchblutungsfördernd wirken und die Abwehr stärken. Der Körper wird dabei unterstützt, die Ausscheidung anzuregen, um Erreger aus dem Körper zu schleusen.

Weitere wirksame Hausmittel bei Mittelohrentzündung sind eine Zwiebelkompresse oder ein Kartoffelsäckchen. Bei ersterem werden gehackte Zwiebeln in ein Tuch gegeben und dies dann auf dem Ohr mit einem Stirnband oder einer Mütze fixiert. Die Wirkung kann noch durch eine zusätzliche Wärmequelle unterstützt werden. Oft lehnen Kinder diesen Wickel ab, weil er nicht gerade angenehm riecht. Doch wird die Wirkung einmal am eigenen Körper verspürt, bitten auch Kinder bei entsprechenden Beschwerden immer wieder um die Anwendung dieses Hausmittels.

Kartoffelpäckchen gegen Ohrenschmerzen:

  1. Zwei Kartoffeln werden weich gekocht und zerstampft
  2. Geben Sie die Masse auf ein Leinentuch, Stofftaschentuch oder eine Stoffwindel und falten Sie das Tuch zu einem Päckchen zusammen
  3. Lassen Sie es etwas abkühlen
  4. Legen Sie das noch leicht warme Tuch für etwa eine halbe Stunde auf das betroffene Ohr
Ein Umschlag mit gehackten Zwiebeln oder gestampften Kartoffeln gilt als wirksames Hausmittel gegen Ohrenschmerzen. (Bild: Mara Zemgaliete/fotolia.com)

Schüssler Salze und Homöopathie

Gegen die schmerzenden Ohren werden in der Alternativmedizin abschwellende Mittel aus der Phytotherapie, Homöopathie oder Schüssler Salze verabreicht. Beispiele sind das Schüssler Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum), welches gegen die Rötung und Entzündung hilft. Das Salz Nr. 4 (Kalium chloratum) gilt als bekanntes Schleimhautmittel bewährt, Nr. 11 (Silicea) eignet sich gut zur Behandlung der bakteriellen Infektion. Das Salz Nr. 6 (Kalium sulfuricum) wird in der Mineralstofftherapie mit Schüßler-Salzen eingesetzt, wenn sich die Erkrankung festgesetzt hat.

Aus der klassischen Homöopathie ist Chamomilla das Mittel der Wahl, wenn Säuglinge und kleinere Kinder unter Ohrenschmerzen leiden und dabei äußerst unleidlich, quengelig und weinerlich sind. Für die Otits externa stehen Mittel wie das Schüssler Salz Nr.4 sowohl zur innerlichen Einnahme als auch für die äußerliche Anwendung in Form von Salbe zur Verfügung.

Bewährte Hausmittel bei Ohrenschmerzen

Unter Umständen kommen in der Naturheilkunde – bei intaktem Trommelfell – Ohrentropfen zum Einsatz. Diese enthalten zum Beispiel Aconitum (Eisenhut) bei akuten und heftigen Schmerzen, Lavendelöl zur Beruhigung und Reizmilderung und/oder Levisticum gegen die Entzündung.

Treten die Schmerzen in Verbindung mit einem akuten grippalen Infekt auf, so hilft das Inhalieren mit Meersalz und das Verabreichen von Nasentropfen (ebenfalls auf Meersalzbasis). Denn dadurch schwillt die Schleimhaut im Nasen-Rachen-Gang ab und das entzündliche Sekret kann ablaufen, wodurch der Druck auf das Trommelfell reduziert wird.

Sofern keine ernsthafte Grunderkrankung vorliegt, kommen eine Reihe weiterer wirksamer Hausmittel bei Ohrenschmerzen für die natürliche Behandlung der Beschwerden in Betracht. Linderung kann zum Beispiel ein kalter Wickel mit Heilerde oder ein warmer Umschlag aus fein gemahlenem Senfmehl verschaffen. (sw, nr; zuletzt aktualisiert am 22.12.2016)