Hohlkreuz – Ursachen, Therapie und Übungen

Nina Reese
Bei einem sogenannten Hohlkreuz (Hyperlordose) handelt es sich um eine Fehlhaltung, die durch eine übermäßige Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne gekennzeichnet ist. In der Folge kommt es oft zu Rückenschmerzen und Schädigungen der durch die Krümmung veränderten Wirbelsäule. Eine Hyperlordose ist nur in wenigen Fällen angeboren, stattdessen entsteht sie meist durch dauerhafte Fehlhaltungen, welche auch infolge von Erkrankungen wie zum Beispiel einem Morbus Pomarino oder einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) auftreten kann.

Die häufigste Ursache liegt jedoch in einem muskulären Ungleichgewicht, welches durch Bewegungsmangel und Körperfehlhaltungen z.B. infolge von ständigem Stehen oder Sitzen entsteht. Dementsprechend lässt sich ein Hohlkreuz oft durch körperliche Aktivität, individuell abgestimmte Übungen und entsprechende Vorkehrungen (ergonomischer Arbeitsplatz etc.) bereits gut therapieren. Da der Erfolg jedoch maßgeblich davon abhängig ist, wie schnell diese Maßnahmen erfolgen, sollte bei Verdacht in jedem Fall schnellstmöglich ein Orthopäde aufgesucht werden.

Definition

Als Hohlkreuz (medizinisch: „Hyperlordose“) wird eine Fehlhaltung bezeichnet, bei der die Lendenwirbelsäule übermäßig stark nach vorne gekrümmt ist, während die Wirbelsäule im Normalfall aus seitlicher Perspektive die Form eines lang gezogenen „S“ hat. Durch die damit einhergehende Verlagerung des Beckens wölbt sich der Bauch nach vorne, zugleich wird der Brustkorb hinter die Körperachse verlagert, um eine stabile Haltung zu ermöglichen und nicht nach vorne umzukippen. Die Muskulatur des Bauches sorgt außerdem dafür, dass kein Umfallen nach hinten möglich ist. Personen, die von einem Hohlkreuz betroffen sind, wirken auf Außenstehende oft, als hätten sie einen sehr schweren Bauch zu tragen, ähnlich wie im Falle einer Schwangerschaft.

Bei einem Hohlkreuz ist die Lendenwirbelsäule übermäßig stark nach vorne gekrümmt. (Bild: crazypixels20/fotolia.com)

Schmerzen durch ein Hohlkreuz

In vielen Fällen bereitet ein Hohlkreuz zu Beginn außer gelegentlichen Verspannungen kaum Beschwerden. Im Laufe der Zeit entwickeln jedoch durch die geschwächten Muskeln in Bauch und/oder Rücken häufig immer stärker werdende Rücken- bzw. Kreuzschmerzen, hinzu kommt eine zunehmende Bewegungseinschränkung durch die verkürzten Bänder und Sehnen.

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Da bei einer Hyperlordose eine ungleichmäßige Belastung der Wirbel erfolgt, werden unter anderem die Bandscheiben stärker als sonst abgenutzt, wodurch das Risiko für einen Bandscheibenvorfall, aber auch für Wirbelschäden steigt. Darüber hinaus kann ein Hohlkreuz auch eine Verengung des Spinalkanals (Spinalstenose) zur Folge haben, wodurch die Rückenschmerzen einseitig in die Beine ausstrahlen (Lumboischialgie) können. Möglich sind in diesem Fall Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich, Gefühlsstörungen und Missempfindungen in den Beinen (Brennen, Ameisenkribbeln etc.).

In sehr seltenen Fällen kann es bei einer Beeinträchtigung der betreffenden Nerven zu Problemen mit der Blase, dem Mastdarm und/oder den Geschlechtsorganen kommen, was zu Störungen beim Wasserlassen wie einer Reizblase oder Inkontinenz sowie zu Impotenz führen kann.

Hohlkreuz Ursachen

Für ein Hohlkreuz kommen verschiedene Ursachen in Betracht, wobei dieses normalerweise nicht angeboren ist, sondern durch dauerhafte Fehlhaltungen entsteht (erworbene Hyperlordose). In vielen Fällen liegt eine muskuläre Dysbalance vor, die oft durch langes, unergonomisches Sitzen bedingt ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass durch dieses die Bauchmuskulatur schnell erschlafft, welche jedoch neben den Rücken- sowie den Gesäßmuskeln im Bereich des unteren Rückens für die Stabilisierung der Wirbelsäule notwendig sind.

Hinzu kommt häufig bei Menschen mit starker Hyperlordose ein genereller Bewegungsmangel, durch welchen die Muskulatur in diesen Bereichen insgesamt schwächer ausgeprägt ist. In der Folge kann die Krümmung der Wirbelsäule nach vorne vom Bewegungsapparat nicht mehr entsprechend ausgeglichen, wodurch eine dauerhafte Fehlhaltung droht.

Eine Verkürzung des so genannten „Hüftbeugers“ (vor allem durch langes Sitzen) bei einer gleichzeitig nur schwach ausgeprägten Streckmuskulatur kann zu einer verstärkten Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne führen. In der Folge verkürzen sich die Bänder und Sehnen und es kommt zu einer immer stärker werdenden Unbeweglichkeit des unteren Rückens, welche schließlich wiederum in einem Hohlkreuz enden kann.

Ständiges Laufen auf hohen Absätzen erhöht das Risiko für ein Hohlkreuz. (Bild: Kaspars Grinvalds/fotolia.com)

Weitere mögliche Ursachen sind z.B. häufiges Tragen schwerer Lasten oder ein unsachgemäßes Trainieren der Muskeln. Übergewicht im Bereich des Bauches ist ein Risikofaktor, da durch dieses das Becken verstärkt nach vorne gezogen wird. Ständiges Laufen bzw. langes Stehen auf hohen Absätzen kann ein Hohlkreuz begünstigen. Grund hierfür ist, dass durch diese der Körperschwerpunkt ver- sowie das Becken nach vorne geschoben und die Lendenwirbelsäule dadurch verstärkt belastet wird. Da der Druck auf die Fußballen durch die Last des Körpergewichts steigt, werden hier beispielsweise auch die Muskeln und Sehnen stärker beansprucht.

Neben den Hohlkreuz-typischen Kreuzschmerzen kann es hier zu starken Fußschmerzen und Zehenverformungen wie den sogenannten Hammer- oder Ballenzehen kommen. Hinzu kommt eine stark vergrößerte Gefahr des Umknickens, denn durch das ständige Ausbalancieren sind die Knöchelgelenke permanent in Bewegung. Die Folge können verschiedene Verletzungen wie Verstauchungen oder ein Bänderriss mit starken Knöchelschmerzen, Schwellungen und Blutergüssen sein. Möglich ist auch ein Wadenbeinbruch (Fibulafraktur), bei der es sich um eine äußerst schmerzhafte Fraktur handelt, welche zum Teil viele Wochen bis zur Heilung benötigt.

Hyperlordose durch Stress

Stress kommt als möglicher Verursacher für eine Hyperlordose in Betracht, da sich dieser auf die Körperhaltung auswirkt und dementsprechend zu muskulären Veränderungen bis hin zu einem Hohlkreuz führen kann.

Seltener liegt der Grund in einer Fehlhaltung oder Blockade des ersten Halswirbels (Atlas), welche beispielsweise in Folge eines Unfalls, aber auch durch dauerhaften Stress, Zähneknirschen (Bruxismus) oder Kieferfehlstellungen entstehen kann.

Typisch für eine Atlasfehlhaltung bzw. -blockierung sind Symptome wie Kopfschmerzen, Herzschmerzen ohne erkennbare Ursache, Schwindel oder Tinnitus, weiterhin kann es zu Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule (HWS-Syndrom), Herzrasen oder Übelkeit kommen.

Eine weitere seltene Ursache für ein Hohlkreuz ist der so genannte „idiopathische Zehenspitzengang“ (auch „persistierender Vorfußgang“ oder „Morbus Pomarino“), einer Gangstörung, bei welcher der Betroffene entweder situativ oder dauerhaft auf dem Vorfuß geht.

Liegt ein Wirbelgleiten vor, kann dies massive Rückenschmerzen bedeuten. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

Ursache Wirbelgleiten

Eine weitere mögliche Ursache ist das sogenannte Wirbelgleiten (Spondylolisthesis), bei dem es sich um eine Instabilität der Wirbelsäule handelt, durch welche die Wirbelkörper im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule gegeneinander „rutschen“. In der Folge treten häufig Rückenschmerzen bzw. Kreuzschmerzen bei Bewegung auf, zudem kann es durch die Verschiebung des Wirbels auch zu einer Nerveinklemmung und dementsprechend zu Ischiasschmerzen oder Flankenschmerzen kommen.

Sind die Nervenwurzeln beteiligt, ist es möglich, dass die Schmerzen bis in die Beine ausstrahlen, es können dadurch Fühlsstörungen oder sogar Lähmungen auftreten. In vielen Fällen bleibt das Wirbelgleiten jedoch beschwerdefrei, sodass die Diagnose meist einen reinen Zufallsbefund darstellt.

Die Instabilität der Wirbelsäule kann verschiedene Ursache haben. Beim „echten“ Wirbelgleiten handelt es sich um eine angeborene ein- oder beidseitige Unterbrechung des Wirbelkörperbogens, wodurch Wirbelkörper und Wirbelgelenk nicht mehr fest miteinander verbunden sind. In vielen Fällen verläuft diese Form zunächst ohne Beschwerden und wird erst im Jugendalter per Zufall entdeckt, gerade bei Kindern kann es auch wachstumsbedingt oder infolge starker Beanspruchung der Wirbelsäule (vor allem durch Leistungssport) zu einem ausgeprägten Wirbelgleiten mit starken Beschwerden kommen.

Häufiger als angeborene Fehlbildungen sind altersbedingte Veränderungen der Bandscheiben und die Abnutzung der Wirbelkörper der Grund für eine Spondylolisthesis. Dementsprechend sind hier vor allem ältere Menschen betroffen, wobei eine nicht ausreichend trainierte Rumpfmuskulatur bzw. allgemeiner Bewegungsmangel als weiterer Risikofaktor gilt.

Das Wirbelgleiten kann auch durch äußere Umstände bedingt sein. In Frage kommt unter anderem eine Überbeanspruchung der Wirbelsäule während des Wachstums, die in vielen Fällen durch ständige starke Überstreckungsbewegungen im Leistungssport (z.B. Ballett, Leichtathletik, Wurfsportarten) entsteht. Ebenso kommen Verletzungen, Entzündungen, Knochenerkrankungen oder Operationen an der Wirbelsäule als Ursache in Betracht.

Therapie

Die Behandlung erfolgt nach der jeweiligen Ursache und dem Stadium bzw. der damit einhergehenden Beschwerden. Dementsprechend sollte in jedem Fall bei Verdacht auf ein Hohlkreuz zunächst ein Arzt bzw. Orthopäde aufgesucht werden, statt im Alleingang Maßnahmen zu ergreifen. Nur auf diesem Wege können weitere Schädigungen bzw. eine Verschlechterung der Situation vermieden und individuell abgestimmte, wirkungsvolle Behandlungsschritte eingeleitet werden.

Wichtig ist zeitnahes Handeln, denn je früher die Hyperlordose erkannt und therapiert wird, desto größer sind die Chancen, dass typische Beschwerden wie Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen gar nicht erst auftreten bzw. deutlich gelindert werden können.

Zu Beginn der Fehlhaltung führen oft bereits eine verbesserte Körperhaltung und ausreichend Bewegung zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden, da die Ursache oft in einer muskulären Dysbalance liegt, welche durch Bewegungsmangel und eine falsche Haltung entsteht. In diesem Zusammenhang sollte vor allem auf das richtige Sitzen geachtet werden, da in dieser Position die Bauchmuskeln schnell erschlaffen und der Rücken oft nicht gerade gehalten wird.

Wird die Fehlhaltung frühzeitig entdeckt, können die Beschwerden oft durch eine verbesserte Körperhaltung und regelmäßige Bewegung deutlich gelindert werden. (Bild: endostock/fotolia.com)

Richtiges Sitzen gegen Hohlkreuz

Experten empfehlen oft das „dynamische Sitzen“, bei welchem der Patient den Oberkörper idealerweise durchweg gerade hält und immer wieder zwischen einer vorderen, mittleren (aufrechten) und einer hinteren (zurückgelehnten) Sitzhaltung wechselt. Auf diesem Wege können beispielsweise die Muskulatur und die Bandscheiben auf natürliche Weise be- und entlastet sowie Fehlbelastungen und Verspannungen vorgebeugt werden.

Eine gute Unterstützung bietet ein entsprechender Arbeitsstuhl, der unter anderem eine verstellbare bzw. „dynamische Rückenlehne“ sowie eine Synchronmechanik haben sollte, mithilfe derer die Neigung der Sitzfläche an die Neigung der Rückenlehne angepasst werden kann. Sehr gut geeignet sind auch Sitzbälle oder bewegliche Hocker, indem diese helfen können, den Rücken auch bei längerem Sitzen beweglich zu halten. Grundsätzlich sollten Betroffene so oft wie möglich versuchen, stundenlanges, starres Sitzen am Arbeitsplatz durch Stehen oder Gehen auszugleichen.

Ebenfalls riskant sind Tätigkeiten, die längeres Stehen erfordern, denn auch dabei besteht die Gefahr, schnell eine Hohlkreuzhaltung einzunehmen. Daher sollte möglichst oft die Stehposition gewechselt werden, indem beispielsweise die Belastung abwechselnd auf das rechte und das linke Bein verlagert, der Brustkorb vor und zurückgeschoben oder der Nacken durch Einziehen des Kinns gestreckt wird.

Bei stehenden Tätigkeiten ist es ratsam, auf das Tagen von Schuhen mit hohen Absätzen zu verzichten. Grund hierfür ist, dass sich auf High Heels der Körperschwerpunkt verlagert, wodurch sich das Becken nach vorne schiebt und die Lendenwirbelsäule durch das entstandene Hohlkreuz belastet wird. Hohe Absätze sind generell nicht für längere Gehstrecken geeignet, denn durch das permanente „Bergab-Laufen“ wird ebenfalls der Körperschwerpunkt ungünstig verlagert und das Hohlkreuz verstärkt. Hier kann es z.B. eine sinnvolle Alternative sein, in flachen, bequemen Schuhen zur Arbeit zu gehen und diese dort bei Bedarf kurzzeitig durch hohe Schuhe zu tauschen. Generell sollten die Füße dann aber zwischendurch immer wieder durch Fußgymnastik oder barfuß laufen entlastet werden.

Wer im Job häufig Pumps tragen muss, sollte diese so oft wie möglich durch flache Schuhe tauschen. (Bild: sebra/fotolia.com)

Hohlkreuz wegtrainieren durch Rückenschule

Die weitere Behandlung sollte stets unter professioneller Anleitung erfolgen, um keine Verschlechterung der Beschwerden bzw. gesundheitliche Schädigungen zu riskieren. Gut aufgehoben sind Betroffene bei einer sogenannten Rückenschule, wobei es sich um ein spezielles Konzept zur Prävention und Behandlung von Rückenschmerzen handelt, welches z.B. von Krankenkassen, Fitnessstudios, Krankengymnasten oder im Rahmen von Betriebssportgruppen angeboten wird.

Hier können Betroffene unter anderem Übungen zur Körperwahrnehmung sowie zur Stärkung von Bauch- und Rückenmuskulatur und Strategien zur Schmerzbewältigung erlernen. Hinzu kommt die Möglichkeit, Entspannungstechniken kennen zu lernen, die sich durch die enge Verknüpfung von Stress und Verspannungen oft als eine wohltuende und wirkungsvolle Ergänzung bei der Therapie zeigen. Je nach persönlichen Vorlieben und Eignung bieten sich unterschiedliche Übungen und Verfahren zum Stressabbau, wie zum Beispiel Yoga, autogenes Training, Atemtechniken oder Meditation, an.

Haben sich durch das Hohlkreuz bereits Folgeerkrankungen wie z.B. ein Bandscheibenvorfall entwickelt, müssen diese durch den entsprechenden Facharzt bestmöglich behandelt werden. Ist es durch eine andere Erkrankung wie Morbus Pomarino oder eine Fehlstellung des ersten Halswirbels bedingt, ist es wichtig, diese zunächst möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Behandlung bei Wirbelgleiten

Liegt ein Wirbelgleiten vor, wird der Arzt beispielsweise je nach Alter, Symptomen, persönlichem Leidensdruck und dem Schweregrad nach Meyerding (MD) entscheiden, welche Behandlung im Einzelfall am sinnvollsten ist. Liegt z.B. bei einem Kind bzw. Jugendlichen eine geringes Wirbelgleiten (Meyerding 1-2) ohne Beschwerden vor, ist normalerweise gar keine Therapie notwendig. Stattdessen kann die Wirbelsäule durch eine vorbeugende Physiotherapie entlastet werden, in welcher Übungen zur Stabilisierung von Bauch und Rücken angeleitet werden.

Die gelernten Techniken sollten anschließend auch zu Hause weiter angewendet werden, zudem gilt es Leistungssportarten wie z.B. Ballett, Turnen oder Rudern zu vermeiden, um die Wirbelsäule nicht übermäßig zu belasten. Besteht eine schwerere Form des Wirbelgleitens bzw. führen die konservativen Therapiemöglichkeiten (vor allem die Krankengymnastik) nicht zum Erfolg, kann eine Operation notwendig werden, in welcher versucht wird, die leichte „S-Form“ der Wirbelsäule zu rekonstruieren.

In einigen Fällen kann die Ruhigstellung mittels eines Korsetts die Beschwerden lindern, bei einer Beteiligung der Nervenwurzel kommen häufig entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. (nr, aktualisiert am 1.11.2017)