Blutdruckschwankungen / Schwankender Blutdruck

Fabian Peters
Leichte Blutdruckschwankungen im Tagesverlauf sind eine durchaus normale Erscheinung, die nicht zwangsweise im Zusammenhang mit Erkrankungen oder Gesundheitsrisiken stehen muss. Deutliche Veränderungen des Blutdrucks innerhalb kurzer Zeiträume sind jedoch oftmals Ausdruck von Beeinträchtigungen des Herzkreislaufsystems und bringen häufig weitere gesundheitliche Beschwerden mit sich. Zeigen die Patienten im Zuge der Blutdruckschwankungen akuten Bluthochdruck (Hypertonie) oder einen deutlich zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie), ist ein Arztbesuch dringen angeraten.

Definition

Der Blutdruck wird anhand des sogenannten systolischen und diastolischen Drucks beziehungsweise deren Verhältnis zueinander gemessen. Der systolische arterielle Blutdruck gesunder Menschen kann dabei im Ruhezustand zwischen 100 und 130 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg) liegen, der diastolische zwischen 60 und 85 mm Hg.

Leichte Schwankungen des Blutdrucks sind durchaus normal, stärkere Entgleisungen sollten jedoch dringend ärztlich abgeklärt werden. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Natürlicherweise unterliegt der Blutdruck gewissen kurzfristigen Schwankungen, um zum Beispiel bei unterschiedlichen Belastungen des Organismus die Blutversorgung sämtlicher Gefäße sicherzustellen. Auch kann sich der Blutdruck im Tagesverlauf im Zusammenhang mit dem individuellen Biorhythmus verändern und um bis zu circa 15 Prozent schwanken.

Dieser Beitrag befasst sich ausschließlich mit den Schwankungen des Blutdrucks, die sich nicht in dem gewöhnlichen Korridor bewegen. Demnach sind hier Blutdruckschwankungen, bei denen Werte von mehr als 130/85 mm Hg (systolisch/diastolisch) oder weniger als 100/60 mm Hg im Ruhezustand auftreten, angesprochen.

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Symptomatik bei Blutdruckschwankungen

Ein schwankender Blutdruck äußert sich meist anhand von Kreislaufbeschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

Bei zu hohem Blutdruck (Hypertonie) ist darüber hinaus nicht selten vermehrtes Nasenbluten zu beobachten. Die Betroffenen leiden mitunter an einem heftigen Engegefühl im Brustkorb und aufkommender Atemnot.

Typisch für zu niedrigen Blutdruck ist neben den bereits genannten Kreislaufbeschwerden ein deutlich spürbares Herzrasen, Gesichtsblässe sowie bei drastischem Absacken des Blutdrucks ein kurzfristiger Verlust des Bewusstseins (Kreislaufkollaps beziehungsweise Synkopen).

Schwindel und Kreislaufprobleme gehören zu den typischen Beschwerden bei schwankendem Blutdruck. (Bild: ArTo/fotolia.com)

Abhängig von den Auslösern der Blutdruckschwankungen sind verschiedene weitere Symptome zu beobachten, die anschließend im Zusammenhang mit den jeweiligen Ursachen kurz dargestellt werden.

Ursachen für steigenden Blutdruck

Die Ursachen eines plötzlichen, unverhältnismäßigen Anstiegs des Blutdrucks sind grundsätzlich von den Auslösern der Blutdruckschwankungen mit abfallendem Blutdruck zu unterscheiden.

Der Blutdruck erhöht sich zum Beispiel natürlicherweise relativ deutlich bei körperlicher Belastung. Allerdings dürfen hierbei gewisse Maximalwerte nicht überschritten werden, um gesundheitliche Risiken wie akutes Herzversagen beziehungsweise einen Herzinfarkt, Hirnschäden, Aorteneinrisse oder Lungenödeme auszuschließen. Der Körper verfügt daher über ein feinfühliges System, dass den Druck in den Arterien registriert und bei einer drastischen Erhöhung entsprechende Signale an das Herz und andere Organe übermittelt, um eine Regulation beziehungsweise Anpassung des Blutdrucks zu erreichen. Dieses System kann jedoch auf vielfache Weise beeinträchtigt sein.

Viele Menschen reagieren auf seelische Belastungen beziehungsweise akuten Stress mit einer Erhöhung des Blutdrucks, die sowohl relativ plötzlich einsetzen, als auch über einen längeren Zeitraum anhalten kann.

Weitere mögliche Ursachen für einen (deutlichen) Anstieg der Blutdruckwerte sind die Einnahme Kreislauf-stimulierender Substanzen (beispielsweise Koffein oder verschiedene Drogen) und Fehlsteuerungen des Hormonstoffwechsel, wie zum Beispiel bei einer Schilddrüsenüberfunktion.

Hypertensive Krise und hyperkinetisches Herzsyndrom

Die hypertensive Krise und das hyperkinetische Herzsyndrom können ebenfalls Blutdruckschwankungen mit sich bringen. Die hypertensive Krise beschreibt dabei eine akute Fehlregulation des Blutdrucks, welche mit einem Blutdruckanstieg auf deutlich über 220/120 mm Hg einhergehen kann.

Ursachen können zum Beispiel massive Angst beziehungsweise Panikattacken, Erkrankungen der Nieren und falsch dosierte Medikamente sein. Eine hypertensive Krise sollte dringend ärztlich überprüft werden, da diese schlimmstenfalls lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Eine sogenannte hypertensive Krise kann z.B. durch eine Panikattacke ausgelöst werden und zu einer massiven Erhöhung des Blutdrucks führen. (Bild: nmann77/fotolia.com)

Das hyperkinetische Herzsyndrom ist gekennzeichnet durch einen deutlich beschleunigten Puls, erhöhten Blutdruck, Schwindel und eine verringerte Leistungskraft, ohne das körperliche Ursachen hierfür feststellbar wären. Die Beschwerden sind zum Beispiel bei Patienten mit Angststörungen beziehungsweise im Zuge einer Panikattacke vermehrt zu beobachten. Auch anhaltender Bewegungsmangel beziehungsweise eine deutlich beeinträchtigte körperliche Fitness sind als mögliche Ursachen des hyperkinetischen Herzsyndroms in der Diskussion.

Ursachen für plötzlich abfallenden Blutdruck

Das plötzliche Absacken des Blutdrucks wird vor allem mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (zum Beispiel einer Herzschwäche), Störungen des Hormonstoffwechsels und mit der Einnahme bestimmter Arzneien in Zusammenhang gebracht.

Auch im Rahmen eines sogenannten Schocks ist eine deutliche Absenkung des Blutdrucks zu beobachten. Dabei wird zwischen einem sogenannten Volumenmangelschock (ausgelöst durch ein zu geringes Blutvolumen), einem kardiogenen, einem anaphylaktischen und einem septischen Schock unterschieden.

Generell ist das Absacken des arteriellen Blutdrucks durch ein zu geringes zirkulierendes Blutvolumen im Verhältnis zum Gefäßvolumen bedingt, wobei als Ursachen hierfür zum Beispiel eine verminderte Pumpleistung des Herzens (beispielsweise bei Herzschwäche), eine Abnahme des absoluten Blutvolumens oder eine plötzliche Erweiterung der Blutgefäße (beziehungsweise ein zu geringer Gefäßwiderstand) zu nennen sind.

Einem Volumenmangelschock kann zum Beispiel ein massiver Blutverlust oder ein drastischer Flüssigkeitsverlust beziehungsweise eine entsprechende Dehydratation (beispielsweise aufgrund von Durchfall) zu Grunde liegen.

Ein kardiogener Schock geht auf eine verminderte Pumpfunktion des Herzens zurück, welche ihrerseits meist im Zusammenhang mit Erkrankungen des Herzens wie einer Entzündung des Herzmuskels, Entzündungen der Herzinnenhaut, einem Herzinfarkt oder Funktionsbeeinträchtigungen der Herzklappen steht.

Der anaphylaktische Schock geht auf eine allergische Reaktion zurück, in deren Rahmen massiv Histamin freigesetzt wird, was eine Weitung der Gefäße und ein entsprechendes Absacken des Blutdrucks zur Folge hat.

Ein septischer Schock wird durch die Immunreaktion auf schwere bakterielle oder mykogene Infektionen und entsprechende entzündliche Prozesse hervorgerufen.

Natürlicherweise sinkt der Blutdruck in der oberen Körperhälfte beim Aufstehen aus liegender Position kurzfristig ab, wird jedoch durch die sogenannte Orthostase-Reaktion umgehend wieder normalisiert. Mitunter ist diese automatische Selbstregulation des Organismus jedoch gestört und der Blutdruck wird nicht in ausreichendem Maße oder zu stark erhöht. Entsprechend sind ein zu niedriger Blutdruck oder ein deutlich erhöhter Blutdruck unmittelbar nach dem Aufstehen die Folge.

Diagnose

Zunächst gilt es im Rahmen der Diagnosestellung das tatsächliche Ausmaß der Blutdruckschwankungen zu ermitteln. Hierfür sind neben regelmäßigen Messungen des Blutdrucks und Pulsschlags, auch Langzeit-Blutdruck-Messungen sowie Belastungs-, Ruhe- und Langzeit-Elektrokardiogramme (EKG) vorgesehen.

Mit Hilfe der sogenannte Kipptischuntersuchung lässt sich die Veränderung des Blutdrucks bei einer Lageänderung der Patienten feststellen. Bei Verdacht auf eine Herzschwäche können eine sogenannte Echokardiographie und weitere spezielle Untersuchungsverfahren zum Einsatz kommen. Mitunter wird eine umfassende Auswertung des Blutbildes durchgeführt, um die Ursachen des schwankenden Blutdrucks zu ermitteln.

Behandlung von Blutdruckschwankungen

Sowohl bei einem plötzlichen Abfallen des Blutdrucks als auch bei akuter Hypertonie bestehen verschiedene therapeutische Möglichkeiten, um den Blutdruck wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Liegt dem plötzlichen Absacken zum Beispiel ein Volumenmangelschock zu Grunde, wird als Sofortmaßnahme zunächst das Hochhalten der Beine der Betroffenen empfohlen, damit das Blut leichter Richtung Herz strömen kann. In der Notfallmedizin wird darüber hinaus gegebenenfalls die Infusion von sogenannten Volumenersatzstoffen erforderlich, um das Blutvolumen künstlich zu erhöhen und den Kreislauf zu stabilisieren.

Bei einem kardiogenen Schock ist die therapeutische Versorgung der auslösenden Herzerkrankung unerlässlich, wobei die (Notfall-)Maßnahmen sich entsprechend den verschiedenen Grunderkrankungen deutlich unterscheiden können. Ein allergischer Schock wird mit sogenannten Antihistaminika und anderen Arzneien medikamentös versorgt. Bei einem septischen Schock erfolgt eine kombinierte Behandlung mit kreislaufstabilisierenden Arzneien, Infusionen und Medikamenten, welche die ursächliche Infektion bekämpfen.

Bei einer hypertensiven Krise steht die medikamentöse Senkung des Blutdrucks im Vordergrund. Allerdings sollten die möglichen Ursachen der Beschwerden stets im Blick behalten werden, da sie unter Umständen einer weiterführenden Therapie bedürfen. Gleiches gilt für das hyperkinetische Syndrom, bei dem mit Hilfe von Arzneien zwar die akuten Symptome zunächst gelindert werden können, dessen Auslöser jedoch ebenfalls häufig eine Behandlung erfordern.

Auf Kaffee sollte bei schwankendem Blutdruck besser verzichtet werden. (Bild: chayathon2000/fotolia.com)

Allgemein wird den Betroffenen empfohlen auf herzstimulierende Substanzen wie Koffein zu verzichten und mit moderatem körperlichen Training das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Auch lässt sich über die Ernährung Einfluss auf den Kreislauf nehmen und möglichen Entgleisungen des Blutdrucks entgegenwirken.

Bei Verdacht auf einen Zusammenhang der Blutdruckschwankungen mit psychischen Belastungen wie massivem Stress oder einer Angststörung können psychotherapeutische Verfahren einem erneuten Auftreten der Beschwerden vorbeugen. Hier ist auch das Erlernen von Entspannungstechniken (beispielsweise Autogenes Training) vorgesehen, um den Betroffenen ein Mittel an die Hand zu geben, mit dem sie selbstständig gegen ihre Beschwerden angehen können.

Naturheilkunde und Naturheilverfahren bei schwankendem Blutdruck

Verschiedene naturheilkundliche Verfahren bieten sich an, um kurzfristigen Erhöhungen und Absenkungen des Blutdrucks entgegenzuwirken. Hier gilt jedoch zu beachten, dass diese insbesondere bei schwerwiegenden Anlässen wie einem Schock oder einem hypertensiven Notfall lediglich als Ergänzung zur medikamentösen Therapie in Frage kommen.

Vielfach dienen die naturheilkundlichen Ansätze vor allem der Prävention eines erneuten Auftretens der Blutdruckschwankungen. So wird beispielsweise häufig eine Kombination aus Ernährungs- und Bewegungstherapie zur Prävention der akuten Hypertonie genutzt. Weiterhin gelten in der Naturheilkunde Heilpflanzen wie Mistelkraut, Weißdornblätter oder Herzspannkraut (Echtes Herzgespann) als bewährte Hausmittel gegen Bluthochdruck. Um diesen zu regulieren, bietet sich zum Beispiel ein frisch aufgebrühter Tee mit Mistel an – eine Pflanze, die unter anderem auch bei Herzschwäche, Ohrensausen, Krämpfen, Regelschmerzen und Schwindel eingesetzt wird.

Achtung: Die Beeren der Mistel sind giftig und dürfen daher nicht eingesetzt werden. Stattdessen wird nur das Kraut für den Misteltee verwendet, welches unbedingt kalt aufgesetzt werden sollte. Denn durch ein Aufbrühen würde der Aufguss wertvolle Inhaltsstoffe verlieren, zudem könnten in dem Kraut enthaltene schwach toxische Stoffe (wie z.B. Viscotoxin) gelöst werden.

Rezept für Mistel-Tee

  1. Geben Sie zwei gehäufte Teelöffel getrocknetes Mistelkraut in eine Tasse
  2. Gießen Sie einen Viertelliter Liter kaltes Wasser darüber
  3. Lassen sie den Kaltauszug 10 bis 12 Stunden (bzw. über Nacht) stehen
  4. Nach dem Abseihen kann der Tee leicht erwärmt werden (Nicht aufkochen!)
  5. Trinken Sie (sofern nicht anders verordnet) zwei Mal am Tag eine Tasse von dem Tee in kleinen Schlucken

Verschiedene homöopathische Mittel (zum Beispiel Arnica montana, Apocynum oder Crataegus) und Schüssler Salze (insbesondere Schüssler Salz Nr. 7, Magnesium Phosphoricum) bieten weitere naturheilkundliche Behandlungsansätze bei Bluthochdruck. Wird ein Zusammenhang des erhöhten Blutdrucks mit psychischen Belastungen vermutet, kann zudem die Bachblütentherapie Anwendung finden.

Hydrotherapeutische Anwendungen, wie zum Beispiel ein Fußbad, können helfen, den Blutdruck wieder zu normalisieren. (Bild: invizbk/fotolia.com)

Kreislaufschwächen und einem entsprechenden Abfallen des Blutdrucks lässt sich auf naturheilkundlicher Ebene zum Beispiel mit Hilfe der Hydrotherapie entgegenwirken. Hier haben sich vor allem sogenannte Wechselduschen und das Fußbad bewährt.

Die Homöopathie hält einige Mittel zur Stabilisierung des Kreislaufs beziehungsweise Blutdrucks bereit. So werden aus diesem Bereich zum Beispiel Camphora, Calcium carbonicum, Sepia, und Veratrum album gegen zu niedrigen Blutdruck angewandt. Als Kreislauf anregende Heilpflanzen sind unter anderem Rosmarin, Ginseng, Enzian und Wermut bekannt. Darüber hinaus wird regelmäßiger körperlicher Bewegung und einer gesunden Ernährung auch bei der Prävention des zu niedrigen Blutdrucks ein wesentliche Bedeutung zugeschrieben. (fp, nr; zuletzt aktualisiert am 3.3.2017)