Verstopfung
Bauchschmerzen durch Verstopfung
Bild: Stephanie Hofschlaeger, Pixelio.de.
Verstopfung (Obstipation) als Nebenwirkung moderner Lebensweise.
Eine Verstopfung zeigt sich in einer verzögerten und evtl. schmerzhaften Darmentleerung bei geringer Frequenz von höchstens drei- bis viermal pro Woche und geht meist mit hartem, trockenem Stuhl einher. Sowohl als Ausdruck einer organischen Grunderkrankung als auch als chronische Funktionsstörung wird die Verstopfung zusätzlich von (latenten) Verdauungsproblemen mit Beschwerden im Bauchraum (Völle-, Druckgefühl), Blähungen, Appetitlosigkeit und rascher Ermüdbarkeit begleitet. Die andauernde Einnahme von Abführmitteln (Laxanzien), die kurzfristig Erleichterung schafft, führt letztlich in einen Teufelskreis, der das Leiden noch verstärkt. Obwohl die chronische Verstopfung wahrscheinlich die Entstehung von Darmkrebs und Hämorrhoiden begünstigt, wird ihr im Allgemeinen kein hoher Krankheitswert beigemessen.
Am häufigsten kommt die Verstopfung als chronische Fehlfunktion des Darms vor, die sich auf eine Lebensweise mit Bewegungsarmut, Flüssigkeitsmangel, ballaststoffarmer Ernährung sowie einer erhöhten Stressbelastung zurückführen lässt (chronisch-habituelle Obstipation). In vornehmlich sitzender Haltung werden viele Stunden am Arbeitsplatz verbracht, „Fußwege“ werden bequem mit dem Auto erledigt, regelmäßige Sportaktivitäten bleiben häufig aus. Einseitige Ernährung mit unzureichendem Trinkverhalten, Auszugsmehl, Zucker, Genussmitteln, Fertiggerichten, Milchprodukten, viel Fleisch aber wenig Gemüse und Obst bieten dem Darm keinen Bewegungsanreiz und machen ihn träge. Ständiger Zeit- und Erfolgsdruck, privat und im Beruf, beeinflussen das vegetative Nervensystem, belasten die Psyche und können ebenfalls Verstopfung verursachen (Reizdarmsyndrom, Depression).
Die Langzeiteinnahme von Abführmitteln (Laxanzienabusus) soll die Folgen ausgleichen, indem vor allem die Darmbewegung gefördert wird. Der sich dabei einstellende Kaliummangel (Hypokaliämie) verstärkt jedoch paradoxerweise die Darmträgheit. Außerdem sind weitere Nebenwirkungen wie eine Fehlbesiedelung der Darmflora, der Rückgang der Darmschleimhaut, Leberschäden und ein erhöhtes Risiko für Osteoporose durch Kalziummangel (Hypokalzämie) zu erwarten.
Als organische Ursachen einer chronischen Verstopfung sind vor allem die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und der Diabetes mellitus erwähnenswert. Auch Schwermetallvergiftungen (Blei, Thallium) kommen in Frage, vor allem nach Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika.
Beim plötzlichen Auftreten einer Verstopfung sind zunächst schwere organische Erkrankungen auszuschließen. Wechseln sich Verstopfung und Durchfälle ab, fallen sehr dünne Stühle („Bleistiftstuhl“), Blut im Stuhl (blutige Auflagerungen), unwillkürlicher Stuhlabgang oder plötzlicher Gewichtsverlust auf, können das Hinweise auf ein Dickdarmkarzinom (Darmkrebs) sein.
Weitere organisch bedingte Ursachen für eine akute Verstopfung sind Dickdarmpolypen, Analfissuren, Hämorrhoiden, Darmverschluss (mechanischer Ileus) oder Darmlähmung (paralytischer Ileus), z.B. nach Operationen, Koliken, Entzündungen in Bauch- und Beckenraum (Appendizitis, Adnexitis, Pankreatitis) sowie fieberhafte Erkrankungen. Auch eine erbliche bzw. konstitutionelle Veranlagung werden vermutet. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein)