Handschmerzen: Schmerzen in der Hand

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Handschmerzen gehören zu den häufigeren Beschwerdebildern, denn die Hand ist durch ihren feingliedrigen Aufbau sehr anfällig für Verletzungen, Überbeanspruchung und Gelenkverschleiß (Arthrose). Überdies können verschiedene Erkrankungen wie zum Beispiel entzündliches Rheuma für die Beschwerden in der Hand verantwortlich sein. Die Schmerzen können von leicht, stark, akut oder anhaltend über bohrend, klopfend, ziehend oder brennend bis hin zu lokal begrenzt oder ausstrahlend, in den verschiedensten Facetten auftreten.

Liegt den Beschwerden eine Überlastung zugrunde, sorgt in vielen Fällen schon eine Ruhigstellung der Hand für eine Linderung. In anderen Fällen (bestimmte Brüche, Engpass-Syndrom etc.) kann ein operativer Eingriff notwendig werden. Die Naturheilkunde bietet zahlreiche Optionen bei Schmerzen in der Hand wie beispielsweise warme Handbäder, Heilpflanzen wie die Teufelskralle oder die so genannte „Transkutane Elektrische Nervenstimulation“ (TENS).

Definition

Unter dem Begriff „Handschmerzen“ werden verschiedene Erkrankungen, Verschleißerscheinungen und Verletzungen im Handbereich subsumiert. Für diese kommen eine Vielzahl möglicher Ursachen in Betracht, häufig sind jedoch Unfälle bzw. Verletzungen (z.B. Sturz auf die Hand), Gelenkverschleiß und Fehl- bzw. dauerhafte Überbelastungen der Grund.

Schmerzen in der Hand treten häufig infolge von Unfällen oder Gelenkverschleiß auf. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

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Aufbau der Hand

Die Hand (med./lat. „manus“) stellt das Greiforgan der freien oberen Extremitäten bzw. Arme dar und ist ein komplexes Gebilde, welches anatomisch betrachtet grob in drei Abschnitte unterteilt werden kann: die Handwurzel (Carpus), die Mittelhand (Metacarpus) und die Finger (Digiti manus).

Insgesamt besteht die Hand aus 27 Einzelknochen (8 Handwurzelknochen, 14 Fingerknochen und 5 Mittelhandknochen), welche durch Gelenke flexibel mit Kapseln und Bändern verbunden sind. In ihrer Summe machen sie ein Viertel der gesamten Knochen des menschlichen Körpers aus.

Neben dem verfügt das Greiforgan über eine sehr komplexe Muskulatur, Blutgefäße, Nerven und eine Vielzahl von Sehnen, welche die Kraftübertragung von den Muskelbäuchen auf das Hand-Skelett ermöglichen.

Funktionen der Hände

Die wichtigste Funktion der Hand besteht im Greifen von Gegenständen. Dabei wird unterschieden zwischen dem „Kraftgriff“, durch welchen beispielsweise eine schwere Tasche gehoben oder ein schweres Paket gehalten wird und dem „Präzisionsgriff“, der für das Halten und Führen von Gegenständen (z.B. Stift oder Messer) durch die Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger oder Daumen und Mittelfinger angewendet wird.

Die Hand kann zur Faust geballt werden oder zum Schöpfen von Wasser o.ä. genutzt werden, indem die Handinnenfläche(n) zu einer Art Schale gekrümmt werden. Eine weitere wichtige Funktion ist das (Ab-)Stützen, was sowohl mit der gesamten Handfläche, dem Handballen oder der Faust als auch lediglich mit den vorderen Fingergliedern bei gleichzeitig abgespreiztem Daumen möglich ist.

In den meisten Fällen wird eine bestimmte Hand für die Ausführung feinmotorischer bzw. komplizierter Tätigkeiten bevorzugt („dominante Hand“), dementsprechend wird hier in Rechts- und Linkshändigkeit unterschieden. Neben diesen zentralen Funktionen dienen die Hände als „Werkzeug“ für die Kommunikation, indem beispielsweise auf gemeinte Dinge oder Personen gezeigt wird oder Aussagen, Stimmungen etc. durch Gesten unterstützt oder ersetzt werden.

Wie komplex die Hände im Bereich der Kommunikation genutzt werden können, zeigt die Gebärdensprache für Gehörlose, welche neben Körperhaltung und Mimik in erster Linie verschiedene Handformen, Handstellungen und Handbewegungen (Gebärden) verwendet, um Gedanken und Sachverhalte mitzuteilen.

Die Hand ist sehr feingliedrig aufgebaut und daher besonders anfällig für Verletzungen. (Bild: Anton Gvozdikov/fotolia.com)

Schmerzen in der Hand: Ursachen und Symptome

Durch die Feingliedrigkeit der Hand werden erst die vielfältigen, komplexen und präzisen Bewegungen möglich – was auf der anderen Seite eine große Verletzlichkeit bedeutet. Denn die relativ dünnen Knochen sind (ebenso wie die Sehnen, Nerven und Blutgefäße) nicht nur von wenig Schutz bietendem Muskel- und Fettgewebe umgeben, sondern befinden sich zudem direkt unter der Haut.

Außerdem werden die Hände im Alltag meist stark beansprucht und sind ständig potenziellen Gefahrenquellen (scharfe, spitze Gegenstände, Maschinen, Reinigungsmittel etc.) ausgesetzt. Dementsprechend sind Verletzungen sowie auf Verschleiß bzw. ständige Überbeanspruchung zurückzuführende Beschwerden sehr häufig. Ebenso kommen verschiedene Erkrankungen (zum Beispiel Rheuma), Nervenreizungen oder Nervenschädigungen in Betracht.

Die Schmerzen in der Hand können in ganz unterschiedlicher Intensität und auf die Hand beschränkt auftreten, in anderen Fällen strahlen sie hingegen zum Beispiel bis in die Schulter aus.

Verletzungen

Die Hände sind aufgrund ihres komplexen Aufbaus und der starken Beanspruchung sehr verletzlich. Dadurch können verschiedene Formen von Verletzungen zu mitunter massiven Schmerzen an bzw. in der Hand führen. In Frage kommen beispielsweise Prellungen, Zerrungen, Verrenkungen oder ein Bruch (Fraktur).

Häufig tritt eine Verstauchung (Distorsion) der Hand auf, bei der es sich um eine Verletzung eines Bandes oder einer Gelenkkapsel handelt, ausgelöst durch eine starke Überdehnung bzw. Verdrehung eines Gelenks. Typisch für eine Verstauchung sind starke, stechende oder pochende Schmerzen, die insbesondere bei Bewegung des Gelenks auftreten. Hinzu kommen meist eine Schwellung im verstauchten Gelenk sowie ein Bluterguss (Hämatom).

Ein Hämatom kann jedoch auch ohne Stauchung der Grund für Schmerzen in der Hand sein. Dieses kann wiederum durch verschiedene Möglichkeiten der Gewalteinwirkung von außen entstehen, wie zum Beispiel einen Stoß, Schlag oder nach einer Operation. Hämatome können durch den Druck auf das Gewebe massive Schmerzen verursachen und stark anschwellen. Typisch ist eine deutliche rot-bläuliche Verfärbung der betroffenen Stelle, weshalb der Bluterguss oft als blauer Fleck bezeichnet wird.

Im Alltag passiert es schnell, dass man sich zum Beispiel am heißen Backofen verbrennt oder beim Kochen schneidet. Solche Verletzungen können massive Handschmerzen verursachen. (Bild: leowolfert/fotolia.com)

Weitere Gründe für Handschmerzen sind Quetschungen, Verbrennungen, Verbrühungen oder Schnitt- und Platzwunden (Riss-Quetsch-Wunde). Diese Verletzungen kommen oft vor, da die Hände ständig in Kontakt mit potenziellen Gefahrenquellen wie beispielsweise Messern, Scheren, Glas, heißem Wasser oder Maschinen stehen.

Entzündungen

Eine häufige Ursache sind Entzündungen, die im Prinzip in allen Bereichen der Hände auftreten können. Zu den bekanntesten Formen zählt die Arthritis, eine entzündliche Gelenkerkrankung, die durch Infektionen, Stoffwechselerkrankungen (Gicht) oder Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Morbus Bechterew hervorgerufen werden kann.

Weitere mögliche Auslöser sind Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis), Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sowie die rheumatoide Arthritis bzw. Gelenkrheuma (umgangssprachlich meist kurz: Rheuma).

Kennzeichnend für eine Arthritis sind mitunter massive Schmerzen in den betroffenen Gelenken sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit. Hinzu kommen Schwellungen, Rötungen und Überwärmungen sowie teilweise auch Flüssigkeit (Gelenkerguss) bzw. Eiter im Gelenk (Gelenkempyem).

Je nach Ursache der Entzündung kommt es zu weiteren Symptomen: Im Falle von Rheuma treten die Schmerzen beispielsweise vor allem nachts und morgens auf. Weitere typische Symptome sind hier eine Morgensteifigkeit der Gelenke sowie eine Schwellung in den Fingergrund- und Fingermittelgelenken. Wird eine akute infektiöse Arthritis nicht rechtzeitig und korrekt behandelt, besteht die Gefahr, dass das Gelenk zerstört wird bzw. versteift. Das kann wiederum zu dauerhaften Fehlstellungen und Behinderungen führen.

Im Falle einer chronischen Entzündung wie der rheumatoiden Arthritis ist der Verlauf in der Regel nicht vorherzusehen. Dennoch schreitet Rheuma in den ersten Jahren am schnellsten voran, wodurch es meist nach einigen Jahren zu ersten Gelenkschäden mit Funktionseinschränkung kommt.

Wird eine akute infektiöse Arthritis nicht entsprechend behandelt, kann es zu Verformungen und Fehlstellungen kommen. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Häufig führt eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) zu Handschmerzen. Bei dieser ist das die Sehne umhüllende Gewebe entzündet, wobei generell jede Sehnenscheide (Hand, Fuß, Ellenbogen etc.) betroffen sein kann. In den meisten Fällen handelt es sich aber um eine entzündete Sehne am Handgelenk, durch die es zu Schwellungen und ziehenden oder stechenden Handgelenkschmerzen kommt. Diese können bis in die ganze Hand, den Unterarm oder sogar den Brustbereich ausstrahlen. Oft tritt zusätzlich ein gut hörbares Knirschen im betroffenen Gelenk auf. Im Falle einer chronischen Entzündung sind knotige Verdickungen der Beugesehnen der Finger möglich.

Verursacht wird eine Tendovaginitis durch eine Überbeanspruchung bestimmter Sehnen, die infolge ständiger monotoner Bewegungen und/oder andauernden Fehlhaltungen schnell eintreten kann. Beispiele sind eine falsche Computer-Maus oder falsch eingestellte Tastatur, dauerhafte gleichförmige Bewegungen („Mausarm“ bzw. medizinisch: „Repetitive Strain Injury“), starke Belastungen durch Sportarten wie Tennis oder Klettern oder durch das Spielen von Musikinstrumenten wie Geige oder Klavier. Auslöser für eine Sehnenscheidenentzündung kann auch eine Infektion (z.B. durch Chlamydien oder Mykoplasmen) sein.

Arthrose

Als Auslöser der Handbeschwerden kommen degenerative Prozesse in Frage. Fällt das Bewegen der Finger oder des Handgelenks schwer und treten dabei Schmerzen auf, steckt in vielen Fällen eine Arthrose dahinter. Hierbei handelt es sich um einen „Gelenkverschleiß“, der das altersübliche Maß übersteigt und welcher sowohl nur an einer Hand als auch beiden zugleich auftreten kann.

Verursacht wird eine Arthrose der Hand- und Fingergelenke durch eine Schädigung des Gelenkknorpels, wobei medizinisch zwischen einer primären und einer sekundären Arthrose unterschieden wird. Die erste Form, bei der es sich um die bekannte, im Alter auftretende Arthrose handelt, entwickelt sich ohne erkennbare Ursache. Stattdessen ist der Verschleiß vor allem genetisch bedingt, ebenso werden Veränderungen im Hormonhaushalt (z.B. Wechseljahre) als Auslöser vermutet.

Bei der sekundären Arthrose handelt es sich hingegen um eine Form des Verschleißes, der durch äußere Einflüsse entsteht. Hier kommen unter anderem Fehlstellungen (z.B. angeboren, durch einen Unfall oder eine Verletzung bedingt) der Gelenke, langjähriges Übergewicht oder eine mechanische Überlastung (zum Beispiel durch eine Hüftgelenksdysplasie) in Betracht.

Knöcherne Deformierungen können auch durch Erkrankungen wie Osteoporose und Stoffwechselstörungen wie Gicht oder Diabetes hervorgerufen werden.

Weiterhin kann eine Arthrose in Folge einer Gelenkentzündung (Arthritis) entstehen. Eine Arthrose der Fingergelenke entwickelt sich normalerweise über die Zeit, sodass häufig zu Beginn keine Symptome auftreten und die Erkrankung somit oft zunächst unentdeckt bleibt („stumme Arthrose“). Im weiteren Verlauf zeigen sich typischerweise steife Gelenke und Gelenkschmerzen, die bei feucht-kaltem Wetter sowie bei Belastung der Finger bzw. Hand meist stärker werden.

Später treten die Schmerzen sogar im Ruhezustand auf, begleitet von einem Verlust der Beweglichkeit sowie angeschwollenen, geröteten und überwärmten Gelenken. Hinzu kommen häufig kleine, mit eingedickter Gelenkflüssigkeit gefüllte Gelenkzysten am streckseitigen Fingergelenk („Mukoidzysten“). Auch bei einer Arthrose des Handgelenkes, die in den meisten Fällen in Folge von Knochenbrüchen bzw. Falschgelenkbildungen entsteht, kommt es im fortgeschrittenen Stadium zu Schwellungen, Handgelenkschmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.

Nervenkompressionssyndrome

In vielen Fällen sind so genannte „Nervenkompressionssyndrome“ die Ursache für Schmerzen in der Hand. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen es akut oder chronisch zu einer Kompression und Reizung von Nerven kommt.

Beim Karpaltunnelsyndrom ist der Medianus-Nerv im Handgelenk eingeengt. Dadurch kommt es zu Schmerzen in der Hand. die bis in den ganzen Arm ausstrahlen können. (Bild: TANABOON/fotolia.com)

Häufig ist in diesem Zusammenhang das Karpaltunnelsyndrom (KTS), bei welchem der Mittelarmnerv (Nervus medianes) durch einen erhöhten Druck innerhalb des Karpalkanals geschädigt wird. Der erhöhte Druck entsteht, wenn zwischen der Größe des Kanals und dem Platz, den die darin enthaltenen Strukturen benötigen, ein Missverhältnis entsteht. Das kann anlagebedingt sein, aber auch z.B. bei einer Arthrose des Handgelenks, einem Bruch der Speiche oder des Handwurzelknochens sowie durch Schwellungen der Sehnenscheiden (bei Rheuma, in der Schwangerschaft etc.) auftreten.

Zu Beginn äußert sich das Karpaltunnelsyndrom meist durch Gefühlsstörungen (Kribbeln) und leichte, teilweise brennende Schmerzen in den Fingern, die bis in den Arm ausstrahlen können. Im weiteren Verlauf treten die Beschwerden vor allem nachts auf. Es kommt zu immer wieder auftretendem Einschlafen der Hände, welches erst durch Reiben und Schütteln der Hände gelindert werden kann.

Die Schmerzen ziehen teilweise bis in den Arm oder die Schulter, zusätzlich nehmen die Fingermuskelkraft und Griffstärke – besonders des Daumens – immer mehr ab, wodurch die Funktion der Hände immer mehr eingeschränkt wird. Das zeigt sich beispielsweise deutlich beim „Flaschen-Test“: Da Betroffene im fortgeschrittenen Stadium den Daumen nicht mehr weit genug abspreizen können, ist das vollständige Umgreifen einer Flasche normalerweise unmöglich.

Für die Handbeschwerden kommen auch andere Nervenkompressionssyndrome in Betracht. Beim „Wartenberg-Syndrom“ (auch „Cheiralgia paraesthetica“ genannt) wird beispielsweise der Nervus digitalis dorsalis geschädigt, wodurch es zu Daumenschmerzen und Schmerzen am Handrücken kommt. Diese Schädigung kann beispielsweise durch zu enge Uhrenbänder, Armbänder, Verbände oder Handschellen entstehen. Als weitere mögliche Ursache wird Diabetes vermutet.

Ein weiterer Auslöser kann das „Loge-de-Guyon-Syndrom“ (auch „Ulnartunnelsyndrom“ genannt) sein. Bei diesem liegt eine Schädigung des Nervus ulnaris an der Kleinfingerseite des Handgelenks vor, durch welche es zu Empfindungsstörungen und der Lähmung von Hand- und Fingermuskeln kommt. Das Ulnartunnelsyndrom entsteht meist durch ein Überbein (Ganglion) im Bereich der Guyon-Loge.

Häufig ist auch eine andauernde oder wiederholte Druckschädigung des Nervus ulnaris durch berufliche Tätigkeiten (beispielsweise bei Schleifern) oder Sport die Ursache. Dies betrifft vor allem Sportarten, bei denen ein Lenker o.ä. über einen längeren Zeitraum fest umgriffen wird (Radfahren, Surfen etc.), weshalb das Syndrom teilweise auch als „Radfahrerlähmung“ bezeichnet wird.

Grund kann eine Polyneuropathie sein. Hier ist das periphere Nervensystem (PNS) in seiner Funktion gestört, wodurch es zu Schmerzen oder Missempfindungen (z.B. Brennen, „Ameisenkribbeln“) in Händen, Armen, Füßen oder Beinen kommt. In vielen Fällen tritt ein vermindertes Temperatur- und Schmerzempfinden auf, was schnell zu Verletzungen oder Verbrennungen an den betroffenen Hautstellen führt, ohne dass der Betroffene es merkt. Während einige wenige Formen dieser Nervenerkrankung angeboren sind, entwickelt sich eine Polyneuropathie meist infolge von Diabetes mellitus, Infektionskrankheiten oder zu hohem Alkoholkonsum.

Durch einen Verband wird die Hand ruhig gestellt und entlastet. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Behandlung bei Handschmerzen

Die Therapie bei Handbeschwerden erfolgt entsprechend der jeweiligen Ursache. Konnte beispielsweise eine kurzzeitige Überlastung oder Reizung als Grund für akute Schmerzen ausgemacht werden, verschwinden diese in vielen Fällen bereits durch Ruhigstellung der Hand von alleine wieder. Bei Bedarf können zusätzlich Verbände mit NSAR-Salbe (z.B. Voltarensalbe) zur Reduktion von Schmerz und Schwellung oder ein stützender Verband zur Ruhigstellung eingesetzt werden.

Gerade bei Verletzungen wie Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen ist vor allem schnelle Hilfe gefragt. Hier hat sich die sogenannte PECH-Regel bewährt, indem den Aktionen „P“ für Pause, „E“ für Eis, „C“ für Compression“ (Verband mit einer schmerzstillenden Salbe) und „H“ für Hochlagern gefolgt wird. Die Hand sollte dementsprechend direkt nach der Verletzung geschont und schnell gekühlt werden, damit sich Schwellungen und Blutergüsse gar nicht erst ausbreiten können. Zu diesem Zweck sollten Eisbeutel oder Kühlkissen (in ein Küchenhandtuch verpackt) solange auf die betroffene Hand aufgelegt werden, bis die Schmerzen und die Schwellung deutlich gelindert sind – was unter Umständen einige Stunden dauern kann.

Weiterhin kommen zur Behandlung der Beschwerden unter anderem entzündungshemmende Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac) in Form von Salben oder Tabletten, Gipsverbände, Kortisonpräparate oder örtliche Betäubungsmittel zum Einsatz.

In einigen Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich. Dies ist zum Beispiel bei bestimmten Formen von Frakturen (Fingerbruch, Mittelhandbruch) oder schmerzhaften Engpass-Syndromen wie z.B. dem Karpaltunnelsyndrom der Fall, bei welchem die gedrückten Nerven, Muskeln und Blutgefäße operativ entlastet werden müssen.

Je nach Ursache werden eine Reihe weiterer unterstützender Maßnahmen eingesetzt, so zum Beispiel Wärme- oder Kältebehandlungen oder eine Elektrotherapie.

Naturheilkunde bei Schmerzen in der Hand

Neben den schulmedizinischen Methoden bieten sich eine Reihe alternativmedizinischer Naturheilmittel und Hausmittel an, mit denen Handschmerzen sinnvoll und effektiv auf sanfte Weise behandelt werden können.

Verschiedene Heilpflanzen haben eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung, wodurch sie bei leichten Beschwerden teilweise sogar allein eingesetzt werden können. Im Falle stärkerer Schmerzen bieten sie häufig eine gute Unterstützung zur bestehenden Therapie. Bewährt hat sich vor allem die Teufelskralle, welche häufig in der Naturheilkunde-Therapie bei Arthrose bzw. degenerativen Erkrankungen zum Einsatz kommt.

Die Heilkraft der Teufelskralle ist schon seit Jahrhunderten bekannt, denn die darin enthaltenden entzündungshemmenden und abschwellend wirkenden Iridoidglykoside lindern den Schmerz und verhelfen wieder zu mehr Beweglichkeit. Die Wirksamkeit der Heilpflanze setzt allerdings erst nach zwei bis vier Wochen ein – dementsprechend ist Teufelskralle nicht geeignet für die Behandlung akuter, starker Schmerzen in der Hand, wie beispielsweise bei einem Rheumaschub.

Stattdessen empfiehlt es sich, bei chronischen Beschwerden zwei bis der Mal jährlich eine etwa vierwöchige Kur durchzuführen. Unbegrenzt sollte die Heilpflanze keineswegs eingenommen werden. Vor der Einnahme sollte auf jeden Fall ein individueller Plan mit dem Arzt erstellt werden.

Teufelskrallenwurzel wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend und kann daher bei Rheuma und Arthrose helfen. Die Wurzel ist z.B. in Form von Tee, Kapseln oder Pulver erhältlich. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Ist eine rheumatoide Arthritis die Ursache für die Schmerzen in der Hand, werden normalerweise so genannte „Basistherapeutika“ (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs, kurz: „DMARDs“) eingesetzt. Dabei handelt es sich um Medikamente, die in das Entzündungsgeschehen eingreifen und dadurch den Krankheitsverlauf sowie die Gelenkzerstörung deutlich verlangsamen.

Im besten Falle besteht die Therapie bei Rheuma jedoch in einem ganzheitlichen Zusammenspiel von Haus- und Fachärzten (Rheumatologen, Orthopäden etc.), Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen sowie Alternativmedizinern, um entzündliche Prozesse bestmöglich hemmen, die Schmerzen lindern und die Funktion sowie die Kraft der Gelenke erhalten zu können.

Zu den bewährten Ansätzen gehören beispielsweise physikalische Behandlungs-Verfahren wie die Hydrotherapie mit kaltem oder warmem Wasser. Die Präferenzen können hier von Patient zu Patient ganz unterschiedlich sein, sodass eine solche Therapie immer sorgfältig auf die individuellen Vorlieben abgestimmt sein sollte.

Da Kälte schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend wirkt, kann beispielsweise mehrmals täglich ein Eisbeutel oder Kühlkissen aus dem Gefrierfach für einige Minuten auf die betroffenen Gelenke gelegt werden. Wichtig ist, dass diese nie direkten Hautkontakt haben, sondern immer in ein Geschirrhandtuch o.ä. eingewickelt werden, um Erfrierungen zu vermeiden.

Die Wärmetherapie in der Naturheilkunde kann ebenfalls sehr wohltuend bei chronischem Rheuma sein. Denn Wärme lindert die Schmerzen, regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und entspannt die Muskeln. Zudem beeinflusst sie die Organfunktionen und wirkt vor allem bei chronischen Entzündungen entzündungshemmend.

Wärme kann der schmerzenden Region auf verschiedene Weise zugeführt werden – Beispiele sind Fangopackungen, Rotlicht, Ultraschall oder eine Elektrotherapie („Transkutane Elektrische Nervenstimulation“, kurz: TENS).

Sehr wohltuend ist es, wenn die schmerzenden Hände in ein warmes Rapsbad getaucht werden.

Gut zu wissen: Ein Raps-Bad hat einen doppelten Effekt. Zum einen ist es eine Wohltat für empfindliche Gelenke, wenn sie „eintauchen“, zum anderen vereinfacht es die Mobilisierung steif gewordener bzw. eingeschränkt beweglicher Gelenke. Denn Haut und Gewebe um das gesamte Gelenk herum werden durch die Wärme geschmeidiger, wodurch Bewegungen leichter ausgeführt werden können.

Warmes Rapsbad gegen Schmerzen in der Hand

  1. Geben Sie etwa 2,5 Kilo Rapssamen aus kontrolliert biologischem Anbau in ein größeres Gefäß mit hohem Rand (z.B eine Auflaufform)
  2. Erwärmen Sie die Samen auf maximal 45 – 50 °C im Backofen oder in der Mikrowelle
  3. Steuern Sie die genaue Temperatur dabei nach Ihrem persönlichen Wohlbefinden aus
  4. Sind die Rapssamen erwärmt, tauchen Sie ihre Hände in das Bad
  5. Bewegen Sie die Hände nach Ihrem Belieben, indem diese z.B. greifen, gestreckt werden, kreisen etc.
  6. Sind die Samen abgekühlt, können sie erneut erwärmt werden

Achtung: Bei akut-entzündlichen Vorgängen sowie bei Fieber, akuten Verletzungen oder Infektionskrankheiten sollte Wärme nicht eingesetzt werden, da in diesen Fällen der Entzündungsprozess durch die Anwendung sogar noch unterstützt werden kann.

Schmerzen bewältigen mit Entspannungsverfahren

Gerade chronische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis haben aufgrund permanenter Schmerzen und teilweise massiver Bewegungseinschränkungen immer auch Auswirkungen auf die Psyche. Dementsprechend sollte im Rahmen der Behandlung auch die Krankheits– und Schmerzbewältigung nicht außer Acht gelassen werden.

Hier haben sich neben psychotherapeutischer Unterstützung eine Reihe von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Meditation bewährt. (nr; zuletzt aktualisiert am 30.5.2017)