Pfefferminztee in der Schwangerschaft?

Pfefferminztee in der Schwangerschaft ist ein zweischneidiges Schwert. Er vertreibt zwar die Übelkeit in den ersten Wochen, löst Krämpfe im Magen und Darm, führt aber im Übermaß auch zu Kontraktionen der Gebärmutter und kann so frühzeitige Wehen auslösen. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Bis zu zwei Tassen Minztee sind während der Schwangerschaft kein Problem.
  • Sehr viel Minztee regt den Stoffwechsel an und kann im Extremfall sogar Wehen auslösen und zu Früh- und Fehlgeburten führen.
  • Trinken Sie keinen Minztee, wenn Sie unter Sodbrennen leiden.
  • Verzichten Sie in der Schwangerschaft auf Minzöl.

Erhöhter Bedarf

Schwanger sein ist nicht leicht, aus vielen Gründen. Einer davon ist: Sie müssen weit mehr trinken als sonst, denn die Flüssigkeit transportiert die Nährstoffe, die das Baby braucht. Je mehr Flüssigkeit Sie aufnehmen, umso mehr Blut haben Sie, umso mehr Wasser setzen Sie um – und das tut dem Fötus gut. Zugleich müssen Sie stärker als sonst darauf achten, was Sie trinken: Alkohol ist natürlich tabu, Koffein nur in geringen Dosen, aber auch manche erst einmal gesunde Getränke können in größeren Mengen ungewollte Folgen haben.

In der Schwangerschaft sollte ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden, um den Nährstofftransport sicherzustellen. Pfefferminztee sollte aber nur in Maßen getrunken werden. (Bild: goir/fotolia.com)

Ein Allrounder

Pfefferminztee ist weltweit beliebt. Kein Wunder: Er hilft gegen Verdauungsstörungen, gegen Blähungen und Gastritis. Pfefferminze hilft, wenn die Gallenblase verkrampft, der Tee kurbelt die Produktion der Gallensäfte an und sorgt dafür, dass diese fließen können. Das gleiche gilt für den Magen, wo er das Ausschütten des Magensaftes fördert und hilft, den Magen zu entleeren und den Appetit anzuregen. Im Darm treibt er Blähungen an und sorgt so dafür, dass Bauchschmerzen verschwinden, die durch Flatulenz entstehen.

Er hilft auch gegen die Symptome einer Grippe und einer Erkältung. In Mund und Rachen bekämpft der Tee Keime und er wirkt gegen Husten ebenso wie gegen Halsschmerzen und befreit die Atemwege. Kurz gesagt: Pfefferminztee ist ein Hausmittel gegen vielerlei Beschwerden, das sich zudem überall erwerben lässt und auch noch gut schmeckt.

Späte Entdeckung

Pfefferminze ist keine „natürliche“ Pflanze, sondern eine Kreuzung aus Bachminze und Grüner Minze, die der Biologe John Ray 1696 in einem Garten entdeckte. Heute gibt es davon unzählige Formen, die sich in Aussehen, Wirkkraft und Geschmack unterscheiden. Black Mint bezeichnet dunkelgrüne, White Mint hellgrüne Varianten.

Pfefferminze liebt gemäßigtes Klima und verwildert hier stark, in Süddeutschland wie in England. Zuchtkulturen gibt es unter anderem auf dem Balkan, in Spanien, dem Nordosten der USA und in Südamerika. In Deutschland liegen die Anbauzentren bei München, in Franken, Nieder- un Oberbayern, in der Oberpfalz und in Thüringen.

Anwendung

Die Blätter der Pfefferminze enthalten das ätherische Pfefferminzöl und lassen sich deshalb für Tee und als Gewürz verwenden, zum Beispiel für Lammgerichte und Desserts. Je älter die Blätter sind, umso mehr Menthol enthalten sie. Geerntet wird einmal im Sommer vor der Blüte und einmal im Herbst. Die meisten Blätter kommen getrocknet in den Handel oder werden zu Pfefferminzöl verarbeitet.

Als Heilpflanze ist Pfefferminze sehr beliebt, die Blätter haben aber eine zu geringe Dosis an Wirkstoffen, um als reguläres Arzneimittel zu gelten. Diese Qualität erhalten sie erst, wenn sie 1,2 Prozent oder mehr ätherisches Öl aufweisen. Neben dem Öl enthält die Pfefferminze auch Gerbstoffe und Flavonoide.

Das in den Pfefferminzblättern enthaltene ätherische Öl beinhaltet Wirkstoffe, die zum Beispiel die Produktion der Gallensäfte anregen und somit bei Verdauungsproblemen helfen können. (Bild: yanadjan/fotolia.com)

Das Öl dient zum einen als Geschmacksträger, zum anderen wird es auch bei Erkältungen inhaliert oder bei Infektionen auf die Haut gestrichen. Das Einreiben der Schläfen hilft gegen Migräne sowie andere Kopfschmerzen. Bei Erkältung handelt es sich um eine subjektive Wirkung, da der kühlende Effekt von den Erkrankten als angenehm empfunden wird, beim Abschwellen hilft die Minze nicht. Die Wirkstoffe haben zudem eine beruhigende Wirkung, deswegen hilft Pfefferminztee auch beim Einschlafen, gegen Nervosität, Angstzustände und Stress.

Gut für Schwangere?

In kleinen Mengen, also bis zu zwei Tassen am Tag, sind keine negativen Wirkungen des Tees für Schwangere zu befürchten. Der Tee hilft vor allem gegen die Beschwerden der ersten Phase der Schwangerschaft, besonders gegen Übelkeit und Erbrechen. Auch gegen nicht notwendig durch die Schwangerschaft hervorgerufene Unannehmlichkeiten können Schwangere Pfefferminztee trinken: Blähungen, Durchfall, Erkältung oder Einschlafprobleme.

Die Dosis macht es

Das Menthol im Pfefferminzöl wärmt den Körper und regt den Stoffwechsel an. Wie Pflanzen mit ähnlichen Wirkungen – also Kardamom, Zimt, Nelken, Ingwer, Chili und Basilikum – beschleunigt es also die Wehen. Im schlimmsten Fall wird der Uterus so stimuliert, dass es zu einer Fehlgeburt kommt.

Panikmache ist aber verfehlt. Das Öl ist in den getrockneten Blättern in so kleiner Menge vorhanden, dass bei einem Genuss von zwei Tassen des Tees pro Tag keine ungewollten Wirkungen auftreten. Ganz verzichten sollten Schwangere jedoch auf Pfefferminzöl. Keinesfalls einnehmen sollten Sie Pfefferminztee, wenn Sie an Sodbrennen leiden, denn er regt die Produktion von Magensäure an.

Welche Kombinationen sind geeignet?

Sie sollten während der Schwangerschaft auf keinen Fall Minztee zusammen mit anderen Mitteln einnehmen, die den Kreislauf anregen. Anis stimuliert in großen Mengen die Gebärmutter, auf keinen Fall dürfen Sie Anisöl verwenden. Das gleiche gilt für Eisenkraut, Engelwurz und Fenchel. Alle diese Kräuter sind in kleinen Dosen und als Küchengewürz für Schwangere unschädlich.

Wenn Sie die Kräuter indessen zusammen verwenden, potenziert sich ihre Wirkung auf den Uterus: Eine kleine Dosis Pfefferminze plus eine kleine Dosis Eisenkraut und eine kleine Dosis ist schon eine recht große Dosis. Setzen Sie also alle diese Kräuter sparsam ein.

Von manchen Kräutern wird während der Schwangerschaft eher abgeraten – dazu zählt auch das Eisenkraut. Besonders in Kombination mit z. B. Pfefferminze wirkt es stark anregend auf den Uterus. (Bild: bilderhexchen/fotolia.com)

Ein Tipp: Wenn Sie gerne und viel Pfefferminztee trinken und ihnen zwei Tassen pro Tag zu wenig davon sind, dann mischen Sie den Minztee mit anderen Teesorten, die dem schwangeren Körper gut tun. Sehr gut eignet sich Rooibos-Tee. Er ist erstens mild und enthält zweitens viel Eisen, das Sie in der Schwangerschaft in erhöhtem Ausmaß benötigen. Schwarztee sollten Sie hingegen wie reinen Pfefferminztee nur in geringem Umfang zu sich nehmen, da zu viel Koffein in der Schwangerschaft nicht gut ist. Zum Mischen eignet sich auch Kamillentee, der zudem Entzündungen vorbeugt.

Für Schwangerschaftstees können Sie Pfefferminze mischen mit Frauenmantel (reguliert die Hormone, hilft gegen Übelkeit), Zitronenmelisse (gegen Anspannung und Stress), Sanddorn, Johanniskraut und Lemongrass. Beruhigend wirken Lavendelblüten.

Pfefferminztee (abgekühlt) passt ausgezeichnet zu Bananenmilch und Pfirsichsaft. Getrocknete Pfefferminzblätter können Sie in Joghurt mischen oder einen Smoothie mit Pfefferminztee, Möhren und Zitrone zubereiten.

Und in der Stillzeit?

Während Sie in der Schwangerschaft Pfefferminze in Maßen zu sich nehmen können, sollten Sie während der Stillphase darauf verzichten. Minztee bremst die Milchproduktion (Tipp: Um diese zu steigern, können Sie stattdessen Bockshornklee verwenden). Zudem kann der Dampf des Minztees beim Säugling allergische Reaktionen auslösen und sogar zu Atemnot führen. (Dr. Utz Anhalt)