Gelenkrheuma

Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Rheumatoider Arthritis

Nach einem Tag Gartenarbeit tun die Handgelenke weh, die Knie schmerzen und die Hüftgelenke fordern Ruhe ein. Hier ist die Ursache klar: Die Gelenke schmerzen, weil wir sie stark beansprucht haben. Somit besteht kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn sie besonders morgens starke Finger-, Knie- oder Hüftschmerzen haben, wenn Sie längere Zeit brauchen, um sich normal bewegen zu können und die betroffenen Stellen sich zudem erwärmen und anschwellen – ohne erkennbare Ursache. Dann kann es sein, dass Sie an Gelenkrheuma leiden; die Medizin nennt das Rheumatoide Arthritis – und die erfordert schnelles Handeln.

Rheumatoide Arthritis – Die wichtigsten Fakten

  • Gelenkrheuma ist die häufigste Entzündung der Gelenke.
  • Die betroffenen Gelenke schmerzen nicht nur, sie schwellen auch an und erwärmen sich.
  • Meist sind beide Körperseiten und mehrere Gelenke betroffen, zum Beispiel die Hände, die Knie und die Hüften.
  • Ein weiteres Symptom ist allgemeines Unwohlsein.
  • Bei einer fortschreitenden Rheumatoiden Arthritis versteifen sich Gelenke und verformen sich. Die Fähigkeit, sich zu bewegen, sinkt.
  • Die Erkrankung ist nicht heilbar. Ärztliche Behandlung kann aber den Prozess verlangsamen und die Beschwerden lindern.
  • Diese Entzündung lässt sich am besten behandeln durch ein Paket aus Medikamenten, Krankengymnastik und Ergotherapie. Zudem sind oft Psychotherapien notwendig. Manchen Patienten bleibt bei Fortschreiten der Krankheit nur eine Operation.
  • Rheumatoide Arthritis ist eine Systemerkrankung, die sich besonders an den Gelenkschleimhäuten äußert. Das eigene Immunsystem greift die Gelenke an.
Mann hält schmerzende Hand
Gelenkrheuma macht sich, unter anderem, zuerst durch andauernde Schmerzen in den Händen bemerkbar. (Bild: sepra/fotolia.com)

Symptome

Rheumatoide Arthritis bedeutet, dass sich mehrere Gelenke dauerhaft entzünden. Diese Erkrankung ist häufig, einer von hundert Menschen leidet darunter und häufiger sind Frauen davon betroffen. Die Entzündung betrifft den ganzen Körper, vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, in der das körpereigene Abwehrsystem den Körper nicht schützt, sondern angreift.
Die Entzündungen zeigen sich als Schwellungen, Gelenkergüsse und die Temperatur am Ort des Geschehens ist erhöht. Typisch ist die Gelenksteife morgens beim Aufstehen, doch auch tagsüber kann die Bewegung eingeschränkt sein.

In der frühen Phase sind viele Symptome unspezifisch. Dazu gehören Erschöpfung, starkes Schwitzen, fehlendes Hungergefühl und ein unerklärlicher Gewichtsverlust.
Im weiteren Verlauf ist Rheumatoide Arthritis gekennzeichnet durch knöcherne Verformungen der Gelenke, die dazu führen können, dass die Gelenke gänzlich ihre Funktion verlieren. An den Fingern bedeutet das: Die Betroffenen können die Finger nicht mehr krümmen, keine Gegenstände greifen – die Auswirkungen entsprechen dann fast denen einer Lähmung. Selten, aber möglich, ist ein Übergriff der Entzündung auf innere Organe wie Herz und Lunge.

Je nachdem, wo sich diese Form der Arthritis äußert, sind die Auswirkungen unterschiedlich. Dazu gehören Muskelverspannungen, Rötungen, starke Schmerzen, geschwollene Gelenke, verformte Wirbelsäule, Augenentzündungen oder entzündete innere Organe.

Ursachen des Gelenkrheumas

Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist bisher unbekannt. Die Medizin weiß zwar, dass sich das Immunsystem gegen die Gelenke des Körpers richtet, den es normalerweise schützen soll. Warum sich die Immunabwehr zum „Aggressor“ entwickelt, ist jedoch unbekannt. Die Wissenschaft vermutet eine Verbindung von genetischen Aspekten und Einflüssen der Umwelt. So weisen 70 Prozent der Erkrankten das genetische Muster HLA-DR4 auf, im Unterschied zu nur 30 Prozent der Menschen insgesamt.

Verlauf der Krankheit

Gelenkrheuma nimmt ganz unterschiedliche Formen an. Bei manchen beginnt sie so „zaghaft“, dass sie das Problem erst spät erkennen – zum Beispiel mit sporadischen Beschwerden in den Fingergelenken. Bei anderen fängt es plötzlich an. Wie aus heiterem Himmel schmerzen Knie- und Handgelenke.

Bei den meisten Betroffen startet die Arthritis jedoch in den Gelenken der Finger als auch der Hände, wobei die Endgelenke der Finger für gewöhnlich nicht schmerzen. Durch die Entzündung schwillt die jeweilige Gelenkhaut an und das geschwollene Gelenk wirkt prall. Auch die Sehnen an den Fingern, die zum Beugen und Strecken dienen, entzünden sich regelmäßig. Sind Knie oder Schultern betroffen, entzünden sich besonders die dort liegenden Schleimbeutel.
Bei einigen Patienten geht es Schlag auf Schlag: In wenigen Wochen haben sich die meisten Gelenke des Körpers entzündet. Andere verspüren über Jahre hinweg nur zeitweise Schmerzen in den Handgelenken und dann folgt ein Schub, in dem andere Gelenke angegriffen werden: Halswirbelsäule, Ellenbogen, Hüften, Schultern, Zehen und Füße.

Was passiert bei einer Rheumatoiden Arthritis ?

Die Entzündung entkalkt den Knochen, der am Gelenk sitzt. Später vernichtet sie den Knochen dort, wo er an die Gelenkkapsel andockt. Dann bildet sich der Gelenkknorpel zurück. In der Folge geraten die Gelenkflächen und Gelenkknochen aus ihrer normalen Position und formen sich in einer Fehlstellung. Die Beweglichkeit an dieser Stelle ist jetzt eingeschränkt. Eine solche Zerstörung an den Verspannungen” rel=”noopener” target=”_blank”>Fingern bewirkt zum Beispiel, dass die Betroffenen keine Tasse mehr halten oder keinen Reißverschluss öffnen können.

Von Rheuma verformte Hände
In einem fortgeschrittenen Stadium kann Gelenkrheuma zur Verformungen der Gelenke führen, die den Alltag erheblich erschweren. (Bild: DOUGLAS/fotolia.com)

Ärztliche Behandlung – Grundsätzliches

Gelenkrheuma ist ein sehr ernstes Leiden, das fortschreitet bis verschiedene Gelenke zerstört sind. Dieser Prozess lässt sich nicht rückgängig machen, deshalb muss eine medizinische Behandlung so früh beginnen wie nur möglich. Medikamente, die gegen Schmerzen wirken und die Entzündung hemmen, können die Verformungen nicht verhindern. Deshalb müssen sogenannte Basismedikamente eingenommen werden. Hier entscheidet die Reaktion des Patienten auf ein Mittel sowie die Expertise des Arztes über das jeweilige Mittel. Die Betroffenen stehen unter ständiger Überwachung der Medizin, denn die Medikamente können schwere Nebenwirkungen auslösen.

Medikamente bremsen den Verlauf

Basismedikamente wirken umso besser, je früher sie eingesetzt werden. Dann können sie die Entzündung nicht nur bremsen, sondern sogar stoppen, bevor die Betroffenen verkrüppeln. Die klassische Basisarznei ist Methotrexat. Dies wirkt aber leider nicht bei allen Patienten. Eine Alternative bietet heute das Präparat Adalimunab, das sich die Betroffenen sogar selbst zweimal die Woche spritzen können, was im Vergleich zu anderen Medikamenten mehr Autonomie bedeutet und auch das berufliche Leben erleichtert.

Während die Basismedikamente den Verlauf der Entzündung bremsen oder sogar stoppen, dienen Arzneien auf der Basis von Kortison dazu, die Entzündung zu unterdrücken und die Schmerzen zu lindern. Sie eignen sich als Übergang, bis die Wirkung der Basismedizin eingesetzt hat. Reine Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen hemmen ebenfalls die Entzündung und lindern die Schmerzen, wirken aber nicht der Vernichtung der Gelenke entgegen. Glukokortikoid, das analog zum Kortikoid im Körper agiert, wird in die erkrankte Stelle injiziert.

Weitere Möglichkeiten der Behandlung

Krankengymnastik und Ergotherapie dienen von Beginn der Erkrankung dazu, die Gelenke in Bewegung zu halten und Überlastungen gering zu halten. Betroffene sehen vor sich eine Zukunft, in der sie womöglich Schritt für Schritt verkrüppeln und dies führt zu einem enormen Leidensdruck. Deshalb gehört die Unterstützung durch Psychologie und Psychotherapie zur Sorge um die Patienten.

Künstliches Hüftgelenk
Ist das Hüftgelenk durch den Rheumaprozess zerstört, besteht die Möglichkeit es durch ein künstliches Gelenk zu ersetzen. (Bild: peterschreiber.media/fotolia.com)

Operationen

Sind die Gelenke zerstört, hilft meist nur noch eine Operation. Die kaputten natürlichen Gelenke werden dann durch künstliche Gelenke ersetzt.

Symptomatische Behandlung und Basistherapie

Die symptomatische Behandlung lindert die Beschwerden. Sie steht meist am Anfang der Therapie, wenn die exakte Diagnose noch nicht getroffen ist oder die Basismedikamente noch nicht wirken.

Symptomlinderne Mittel

Cox2-Hemmer lindern Schmerzen und hemmen Entzündungen, zu den möglichen Nebenwirkungen zählen jedoch schwere Herz- und Hirnschäden sowie Thrombosen. Wer eine Neigung zu solchen Erkrankungen hat, darf diese Medikamente nicht nehmen. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) retardieren ebenfalls Entzündungen, lindern Schmerzen und enthalten kein Kortison. Die ältesten Mittel gegen Gelenkrheuma sind Salizylate. Weitere Arzneien sind Arylessigsäure-Derivate, Arylpipionsäure-Derivate, Anthranilsäure-Derivate und Oxicame.

Diese NSAR haben alle große Nachteile. Starke Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt und reichen von Magenbeschwerden bis zu Magenblutungen. Auch Veränderungen des Blutbildes, Nierenleiden und Allergien können die ungewollten Folgen sein.

Die Basismittel – Methotrexat

Die Basismittel sind Immunsuppressiva, also Arzneien, die die körpereigene Abwehr unterdrücken. Dazu gehört klassisch Methrotrexat. Dieses nehmen die Patienten in der Regel einmal in der Woche mit einer Dosis von zehn bis 15 Milligramm zu sich. Es verhindert, dass die entzündlichen Zellen sich vermehren. Circa vier bis sechs Wochen nach Beginn der Einnahme verbessert sich der Zustand bei vielen Betroffenen. Methotrexat eignet sich bei leichtem und mittelschwerem Gelenkrheuma, um die Zerstörung der Knochen zu stoppen. Der Körper nutzt Methrotrexat wie Folsäure und baut die Arznei statt dieser in die Zellen ein.

Die Wirkung von Methotrexat wird verstärkt durch:

  • Phenobarbital,
  • Benzodiazepine,
  • Tetrazykline,
  • Sulfonamide
  • und Erythromyzin.

Zudem verstärkt Alkohol die Wirkung von Methotrexat, allerdings sollten sie bei einer rheumatischen Erkrankung weitgehend auf Alkoholkonsum verzichten. Allopurinal hingegen schwächt die Wirkung.

Entzündetes Kniegelenk
Schmerzen die Gelenke häufig ohne übermäßige Belastung, sind geschwollen und erhitzt, so kann dies ein Anzeichen für Gelenkrheuma sein. (Bild: Peera/fotolia.com)

Azathioprin

Azathioprin hilft, weil es das Vermehren der Zellen stoppt. Es hemmt das Enzym, welches Dihydrofolsäure in Tetrahydrofolsäure umformt. Der folgende Mangel an Tetrahydrofolsäure führt jetzt dazu, dass sich Zellen, die sich schnell fortpflanzen nicht weiter vermehren. Das wirkt zwar dem Fortschreiten der Entzündung entgegen, schwächt aber auch generell das Immunsystem, denn auch die weißen Blutkörperchen werden an der Vermehrung gehindert. Die Betroffenen sind Infektionen in höherem Ausmaß ausgesetzt als zuvor. Ist die Anzahl der Blutplättchen durch das Mittel verringert, können Blutungen die Folge sein.

Bei bestehenden Schäden von Leber und Nieren sollte dieses Mittel nicht genommen werden und wenn, dann nur nach genauer Untersuchung durch die Fachmedizin. Auch ohne solche Vorbelastungen müssen die Auswirkungen auf Leber, Nieren, Knochenmark und Blutbild ständig geprüft werden. Immunsuppressiva können hier schlimme Schäden anrichten. Eine sehr seltene Nebenwirkung sind verschlossene Lebervenen mit Symptomen wie Ikterus (Gelbfärbung der Haut und der Augen), Bauchschmerzen und chronischer Erschöpfung. Möglich sind auch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

Eine ärztliche Kontrolle der Wirkung ist auch wegen folgender Probleme unabdingbar: Wenn Sie Medikamente gegen Krebs einnehmen, beziehungsweise Cimetidin oder Captopril, dann müssen Sie in jedem Fall die Dosis des Azathioprins senken. Während einer Behandlung mit Azathioprin dürfen Sie sich keine Lebendimpfstoffe spritzen lassen.

Vorsicht: Azathioprin verursacht genetische Schäden. Frauen, ebenso wie Männer, müssen deshalb während der Zeit der Wirkung verhüten. Erst ein halbes Jahr nach dem Absetzen des Medikaments besteht keine Gefahr mehr für das zukünftige Kind.

Adalimumab

Dieses Basismittel wird in einer Langzeittherapie eingesetzt und alle 14 Tage unter die Haut injiziert. Es ergänzt sich mit Methotrexat und deswegen werden beide Mittel oft kombiniert. Erste Wirkungen treten frühestens nach 14 Tagen ein, hat sich nach drei Monaten noch nichts getan, kann davon ausgegangen werden, das Adalimumab nicht die Wirkung hat, die erhofft wurde und andere Medikamente sollten dann zum Einsatz kommen. Wirkt Adalimumab und die Betroffenen setzen es zwischendurch ab, folgen bisweilen Rheumaschübe.

Auch dieses Basismittel bedarf einer genauen ärztlichen Voruntersuchung. Insbesondere geht es darum, ob eine Herzschwäche vorliegt oder die Betroffenen unter aktiven Infektionen leiden. Bei einer latenten Tuberkulose (TBC) werden die Patienten erst einmal neun Monate mit Vitamin B6 behandelt, bevor das Medikament verabreicht wird und dann auch nur unter strikter Kontrolle.

Während der Therapie achten Ärzte besonders darauf, ob die Betroffenen abnehmen, ihre Leistung schwindet, Lymphknoten anschwellen, Nachtschweiß ausbricht oder Fieber auftritt. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Nebenwirkungen bei Schwangeren und Stillenden stehen noch aus und deshalb ist es ratsam, während dieser Zeit zu alternativen Behandlungsmethoden, die keine Schädigungen für das Kind bedeuten können, zu wechseln.

Adalimumab darf nicht eingesetzt werden, wenn die Betroffenen an aktiver Tuberkulose (TBC) leiden, an schweren Virusinfektionen, besonders HIV oder Hepatitis B, an Herzschwächen NYHA III und IV. Leiden Betroffene an einem Tumor oder an Multipler Sklerose (MS), dann prüfen die Fachleute genau, ob eine Behandlung mit dem Präparat möglich ist. Bei Überempfindlichkeit ist eine Behandlung mit Adalimumab nicht möglich.

Brennnesselextrakt
Ein Extrakt aus der Brennnessel wirkt entzündungshemmend und kann bei Gelenkrheuma positiv wirken. (Bild: Swapan/fotolia.com)

Die Behandlung muss eingestellt werden, wenn während der Therapie eine schwere Infektion ausbricht, eine schwere Allergie entsteht, sich eine Herzschwäche entwickelt oder verschlimmert. Als typische Nebenwirkungen dieses Basismittels können auftreten:

Seltener kommt es zu

Eine sehr seltene, aber potenziell tödliche Nebenwirkung ist eine Blutvergiftung.

Kortison

Kortisonpräparate sind keine Basismittel, dienen jedoch gelegentlich dazu, die Entzündung zu hemmen und die Schmerzen zu lindern. Je nach Dauer der Anwendung und Höhe der Dosis haben diese Präparate aber starke Auswirkungen auf die Langzeittherapie. Nebenwirkungen von Kortison sind unter anderem mögliche Entzündungen der Gelenke sowie mögliche bakterielle Entzündungen, die im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung auslösen können. Kortison als kataboles Hormon schädigt zudem Sehnen und Knochen und fördert die Entstehung von Osteoporose.

Ein Risiko bei übermäßiger Gabe von Kortison ist zudem das Verhalten der Patienten. Diese Präparate mindern die Schmerzen und dies führt leicht dazu, dass die Betroffenen das beschädigte Gelenk überfordern. Wichtig sind Mittel mit Kortison besonders bei akuten Rheumaschüben, hier wirken oft bereits niedrige Dosierungen, bei denen die Gefahr schwerer Nebenwirkungen minimal ist.

Rööntgenaufnahme Hüftgelenk
Von Rheumatischer Arthritis können verschiedene Gelenke betroffen sein, dazu zählen auch die Hüftgelenke. (Bild: alice_photo/fotolia.com)

Biologika

Biologika sind Wirkstoffe aus der Molekularbiologie, die die entzündlichen Stoffe des Immunsystems blockieren. Insbesondere wenn die Basismittel nicht wirken oder die Betroffen zu stark unter den Nebenwirkungen leiden, stellen Biologika eine Alternative dar. So haben Infusionen mit Rituximab bei Betroffenen Erfolge gezeigt. Dieses Medikament wird in einem Abstand von 14 Tagen zweimal in einer mehrstündigen Infusion verabreicht und verhilft den von Gelenkrheuma Geplagten bis zu über einem Jahr Abhilfe. Rituximab ist bekannt aus der Krebstherapie und ist seit 2006 auch für die Rheumatherapie zugelassen. Als Medikament zur Therapie bei Autoimmunerkrankungen wirkt es gegen die Ursache der rheumatischen Entzündungen, kann aber auch zu einem geschwächten Immunsystem führen. Das führt wiederum dazu, das die Anfälligkeit für Erkrankungen, die durch Krankheitserreger verursacht werden, steigt.

Phytotherapie

Mittel auf pflanzlicher Basis eignen sich als Teil einer Rheumatherapie, wenn sie Entzündungen hemmen. Zu Pflanzen, die diese Wirkung haben, zählen

  • Brennnesseln,
  • Zitterpappeln,
  • Goldrute
  • und Esche.

Die darin enthaltenen Wirkstoffe sind heutzutage in Pflanzenextrakten hoch dosiert.
Extrakt aus Brennnesselblättern hemmt Substanzen, die für die Kommunikation der Zellen mitverantwortlich sind, andere pflanzliche Mittel enthalten den Wirkstoff Salizin. Dieser setzt bei Einnahme Salicylsäure frei und diese hemmt Entzündungen.

Weiterhin ist aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde CBD-Öl (gewonnen aus Cannabis) zu nennen, das gegen die Schmerzen Anwendung finden kann.

Antimalariamittel

Das Mittel Chloroquin wird gegen Malaria eingesetzt, hilft aber auch gegen die Rheumasymptome. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Sehstörungen. Eine Langzeittherapie erfordert regelmäßige augenärztliche Kontrollen.

Schematisches Lungenbläschen
Über die Erkrankung der Gelenke hinaus, kann Gelenkrheuma bei Betroffenen auch die Entzündung der Lunge, beziehungsweise der Lungenbläschen verursachen. (Bild: peterschreiber.media /fotolia.com)

Gefahr für innere Organe

Fast jeder zweite Betroffene erkrankt nicht nur an den Gelenken, sondern auch an anderen Organen. Neben der Verspannungen gehören dazu auch innere Organe wie Lunge, Leber, Nieren, Magen-Darm-Trakt und Drüsen.

Lunge

Bei jedem fünften Patienten mit Gelenkrheuma entzündet sich die Lunge, genauer gesagt die Lungenbläschen. Anzeichen sind starker Husten und Atembeschwerden.

Blut und Herz

Entzündungen in den Blutgefäßen zeigen sich dann in Durchblutungsstörungen in punktartigen Wunden, Hautgeschwüren und nekrotischem Gewebe. Auch Arteriosklerose ist eine häufige Folge. Menschen mit Gelenkrheuma haben ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden und zwar durch eine Arteriosklerose an den Herzkranzgefäßen. Die Erkrankung kann auch einen Herzklappenfehler auslösen sowie Entzündungen des Herzmuskels und des Herzbeutels. Das wiederum kann Lebensgefahr bedeuten.

Je früher, desto besser

Es wurde deutlich, dass Gelenkrheuma sich in jeder Form am besten behandeln lässt, wenn es früh erkannt wird. Worauf sollten Sie also achten? Wenn zwei und mehr Gelenke bei ihnen ohne ersichtlichen Grund länger als fünf Wochen geschwollen sind, dann suchen Sie einen Rheumatologen auf, beziehungsweise eine Spezialistin für Gelenkerkrankungen.

Wassergymnastik
Gelenkschonende Sportarten, wie zum Beispiel Wassergymnastik, eignen sich sehr gut um die Rheumatherapie zu unterstützen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Was können Sie selbst tun?

  • Da erstens die genauen Ursachen für Gelenkrheuma unbekannt sind und zweitens eine genetische Veranlagung vorliegt, können Sie zur Prävention wenig tun. Anders sieht es während der Behandlung aus, bei der es entscheidend ist, dass Sie aktiv mitarbeiten.
  • Bei akuten Schmerzen können Sie das entsprechende Gelenk kühlen: Legen Sie Kühlbeutel darauf oder halten Sie die Körperregion unter kaltes Wasser. Das geht bei Gelenkrheuma in Händen und Verspannungen besonders gut.
  • Rauchen ist ungesund, das wissen alle. Konkret bei Rheuma wirkt es sich negativ auf den Verlauf der Krankheit aus.
  • Sehr gut ist Bewegung. Diese sollte aber dringend ihre Gelenke schonen. Radfahren, Gymnastik und Schwimmen passen ausgezeichnet. Sportarten wie zum Beispiel Gewichtheben, Kugelstoßen und Barrenturnen sollten sie tunlichst vermeiden. Sprechen Sie die entsprechende Sportart mit ihrem Arzt oder einer Ergotherapeutin ab.
  • Tragen Sie gemütliche Schuhe, die Sie beim Gehen nicht belasten, sondern ihre Gelenke schonen. Sie können auch extra orthopädische Schuhe kaufen oder sich besondere Einlagen zulegen.
  • Nehmen Sie an einer Patientenschulung teil oder schnuppern Sie in eine Selbsthilfegruppe hinein.
  • Sorgen Sie durch eine Basendiät für einen ausgeglichen Säure-Basen-Haushalt im Körper. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Dr. med. Uwe Wegener
Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M79 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

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