Polypen – Ursachen, Symptome und Behandlung

Unter Polypen werden Schleimhautwucherungen verstanden. Demnach können diese überall dort auftreten, wo sich in unserem menschlichen Körper Schleimhaut befindet, vor allem aber im Verdauungstrakt, im Urogenitaltrakt und in den Nasennebenhöhlen.

Entstehung

Der menschliche Körper ist an vielen Stellen im Inneren mit Schleimhaut bedeckt. Diese Schleimhaut hat die Aufgabe, Organe vor Verletzungen, Schmutz und vor Austrocknung zu schützen. Diese Hautschicht ist normalerweise ebenmäßig, jedoch können sich dort Auswucherungen bilden, die als Polypen bezeichnet werden. Diese Wucherungen sind abnorm und gehören nicht dorthin. Sie sind in der Regel gutartig, können jedoch, wenn sie sich in der Gebärmutter oder im Darm befinden, schlimmstenfalls entarten.

Unter Polypen werden Schleimhautwucherungen verstanden, die überall dort auftreten, wo sich in unserem menschlichen Körper Schleimhaut befindet. (Bild: tussik/fotolia.com)

Ursachen

Für die Entstehung von Polypen werden verschiedene Ursachen angenommen. Häufig bilden sie sich durch wiederkehrende Reize. Dazu zählen Allergien und entzündliche Geschehen, wie dies zum Beispiel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn der Fall ist. Aber auch ein ständiger Reiz durch Viren und Bakterien kann zur Polypenbildung beitragen. Des Weiteren nimmt die Schleimhaut Schaden durch Nahrungsunverträglichkeiten. Dadurch wird diese ständig gereizt, worauf der Körper mit einer Gewebewucherung reagiert. Rauchen, Alkohol, zu viel Zucker, fettige Mahlzeiten und Bewegungsmangel zählen zu den weiteren Ursachen. Jedoch können Polypen auch vererbt werden, hierbei ist die Erbkrankheit „adenomatöse Polyposis“ zu nennen. Im Rahmen dieser Krankheit bilden sich im Dickdarm breitflächig Polypen aus.

Symptome

Typische Symptome für Polypen existieren nicht. Die Betroffenen müssen nicht einmal merken, dass sich in ihrem Körper diese Schleimhautwucherungen befinden. Gerade im Bereich des Darms und der Gebärmutter handelt es sich oftmals um Zufallsbefunde, welche im Zuge einer Darmspiegelung beziehungsweise einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt werden. Handelt es sich um Polypen in der Nase, werden diese sehr viel früher bemerkt, da die Patienten nicht richtig durch die Nase atmen können und folglich schnarchen und eventuell der Geruchssinn darunter leidet.

Dickdarmpolypen

Nahezu 59 Prozent aller Menschen über 70 Jahre haben Polypen im Darm, welche in der Regel ohne Symptome auftreten. Da jedoch die Gefahr besteht, dass sie entarten können, sollten sie unbedingt entfernt werden. Sie treten in unterschiedlichster Form auf: flach, mit Stiel oder zottig. Manchmal bluten diese Wucherungen, was die Betroffenen dann durch Blut im Stuhl bemerken. Bluten die Polypen ständig, so können Beschwerden wie Schwindel, Blutarmut und Schwächegefühle auftreten. Auch schleimiger Stuhl kann ein Symptom sein. Eventuell gesellen sich dann Durchfall und Bauchkrämpfe hinzu. Der Grund dafür ist, dass durch die Schleimproduktion Wasser und Elektrolyte verloren gehen. Polypen im Darm können aber auch zu Verstopfungen führen.

Polypen im Darm – genetische Ursachen

Polypen im Darm zu bekommen, kann erbliche Ursachen haben. Dies ist zum Beispiel bei der zuvor genannten, familiären adenomatösen Polyposis (FAP) der Fall, bei der eine Genmutation weitervererbt wird. Jugendliche merken meistens noch nichts davon, da die Beschwerden in der Regel erst im Laufe der Jahre auftreten. Dies sind Bauchschmerzen, Durchfälle, Blähungen, Gewichtsverlust und/oder blutig-schleimiger Stuhl. An FAP leidende Menschen haben ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken.

Untersuchung und Diagnose – Darmpolypen

Bei wiederkehrenden Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut oder Schleim im Stuhl sollte ein Facharzt aufgesucht werden. Vor allem dann, wenn Darmerkrankungen in der Familie vorkommen. Der Arzt, in diesem Fall ein Gastroenterologe, wird nach einer ausführlichen Anamnese den Bauch abtasten. Mit einer Sonographie können Polypen, jedoch nur in einem kleinen Abschnitt des Darms, im Enddarm festgestellt werden. Um eine großflächigere Untersuchung vornehmen zu können, bedarf es einer sogenannte Koloskopie (Darmspiegelung) bei der Polypen entfernt werden können. Um ihre Dignität zu untersuchen, wird das entnommene Gewebe anschließend im Labor untersucht. Polypen, die sich im Dünndarm befinden, benötigen zur Diagnose ein MRT.

Vorsorge Darmpolypen

Wenn bereits Polypen im Darm gefunden werden konnten, ist es wichtig sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Um nicht sichtbares Blut im Stuhl zu erkennen, wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ein sogenannter Haemoccult-Test durchgeführt. Ab dem 50. Lebensjahr empfehlen Krankenkassen die Durchführung einer Koloskopie und tragen dafür auch die Kosten. Diese Untersuchung sollte alle zehn Jahre wiederholt werden. Zu erwähnen ist, dass sich Bewegung, fettarmes Essen und das Meiden von Alkohol und Nikotin positiv auf die Vermeidung von Polypen auswirkt.

Der Konsum von Alkohol und Nikotin begünstigt die Entstehung von Polypen. (Bild: exclusive-design/fotolia.com)

Behandlung Darmpolypen

Wie bereits erwähnt können Darmpolypen entarten und sollten deshalb entfernt werden. Kleinere Darmpolypen können dabei im Rahmen einer Koloskopie entfernt werden, bei größeren ist eine Operation durch die Bauchdecke notwendig. Ist ein Stück des Darms massiv befallen, kann dies die Entfernung eines Darmabschnitts erfordern, was glücklicherweise sehr selten der Fall ist. Bei einer genetischen Polypose müssen Betroffenen leider oftmals große Stücke des Darms entfernt werden. Nach Durchführung eines solchen Eingriffs raten Ärzte dazu, sich im Abstand von drei Jahren einer Koloskopie zu unterziehen.

Nasenpolypen

Sogenannte Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen, die ihren Entstehungsort in den Nasennebenhöhlen haben. Diese Wucherungen können eine Größe von wenigen Millimetern bis hin zu mehreren Zentimetern entwickeln. Ein Ausbreiten bis in die Nasenhöhle ist möglich.

Die Polypen in der Nase treten, in der Regel in Verbindung mit einer chronischen Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), vor allem im Erwachsenenalter auf. Nasenpolypen im Kindesalter begleiten die Krankheit Mukoviszidose oder seltene angeborene Funktionsstörungen der Nasenschleimhaut, sogenannte Ziliendyskinesien.

Symptome Nasenpolypen

Anfangs sind häufig keine Symptome vorhanden. Wachsen die Polypen jedoch, treten unterschiedliche Beschwerden, wie eine eingeschränkte Nasenatmung, Kopfschmerzen, häufige Nasennebenhöhleninfekte, eine nasale Stimme, Schnarchen und beeinträchtigter Geruchssinn auf.

So ein Nasenpolyp entsteht, wie eingangs beschreiben, durch eine Reizsymptomatik, zum Beispiel durch wiederkehrende Entzündungen oder durch eine Allergie. An Asthma bronchiale leidende Patienten oder Patienten mit einer Schmerzmittelunverträglichkeit neigen eher zu Nasenpolypen.

Behandlung Nasenpolypen

Anfangs wird versucht, die Polypen durch ein Cortison-Nasenspray zum Schrumpfen zu bringen. Bleibt der Erfolg aus, wird eventuell zu Cortison-Tabletten gegriffen. Therapien mit monoklonalen Antikörpern sind noch in der Testphase.

Ist eine Allergie der Grund für die Polypen, ist ein Antihistaminikum das Mittel der Wahl und Betroffene sollten natürlich das Allergen meiden. Eventuell wird eine Hyposensibilisierung empfohlen.

Bleibt der Erfolg nach den vorherigen Maßnahmen aus, so empfiehlt sich die chirurgische Entfernung, wenn der Patient zu sehr unter den Schleimhautwucherungen leidet. Dies kann bei kleinen Polypen ambulant unter örtlicher Betäubung erfolgen, bei einem größerem Ausmaß muss die Entfernung jedoch stationär unter Vollnarkose erfolgen. In beiden Fällen wird minimalinvasiv operiert. Befindet sich der Patient in einer Narkose, kann der Chirurg eventuell gleichzeitig eine Sanierung der Nebenhöhlen vornehmen. Dabei werden weitere Schleimhautwucherungen entfernt, eventuell die Öffnungen zwischen Nasennebenhöhlen und Nasenhöhle vergrößert und die Nasenscheidewand begradigt.

Die Nachuntersuchungen nach der erfolgten OP werden von einem HNO-Arzt vorgenommen. Häufig wir noch eine Zeit lang ein Cortison-Nasenspray verordnet. Leider haben nicht alle Betroffenen nach einer Operation Ruhe vor Polypen. Risikofaktoren wie Allergien und ständige HNO-Infekte können zu einer erneuten Polypenbildung führen.

Polypen bei Kindern – ein häufiger Irrglaube

Kinder haben ständig einen geöffneten Mund, einen Dauerschnupfen und wiederkehrende Mittelohrentzündungen. Spätestens jetzt werden die Eltern mit dem Kind beim Arzt vorstellig. Zuhause wird dann erzählt, dass das Kind sehr große Polypen hätte, welche entfernt werden müssten, was jedoch nur eine rein umgangssprachliche Beschreibung ist, da in der Regel eine vergrößerte Rachenmandel gemeint ist. Diese besteht aus lymphatischem Gewebe, welches wichtig für die Abwehr ist. Wenn diese Mandel (und es handelt sich hier wirklich nur um eine) vergrößert ist, neigen die Schleimhäute der Atemwege zu Trockenheit und werden anfällig für unterschiedliche Infekte, was durch den ständig geöffneten Mund begünstigt wird. Infolgedessen leiden die Kinder meist unter einem Dauerschnupfen und einer Schwellung der Lymphknoten im Kieferwinkel.

Diese Hyperplasie des lymphatischen Gewebes ist vor allem im Kleinkindalter stark ausgeprägt, sodass die Rachenmandel nur in äußerst massiven Fällen entfernt werden sollte.

Gebärmutterpolypen

Gebärmutterpolypen können zwar in jedem Alter auftreten, jedoch treten sie verstärkt zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr auf. Häufig werden sie gar nicht bemerkt und sind ein Zufallsbefund beim vaginalen Ultraschall im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung. Folgende Beschwerden sind möglich: Schmierblutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, krampfartige Unterbauchschmerzen, eine schmerzhafte Menstruation, Druckgefühl im Bauch, geschwollener Unterbauch und schleimiger sowie eitriger Ausfluss.

Krampfartige Unterbauchschmerzen, eine schmerzhafte Menstruation, Druckgefühl im Bauch sowie ein geschwollener Unterbauch sind nur einige mögliche Hinweise auf Gebärmutterpolypen. (Bild: Rosalie P./fotolia.com)

Die wirklichen Ursachen sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden ein schon lange bestehendes hormonelles Ungleichgewicht, wiederkehrende Entzündungen im Bereich der Gebärmutter oder der Scheide, chronischer Stress, eine Immunschwäche und bereits mehrere Geburten.

Der Gynäkologe sieht die Polypen im Rahmen der vaginalen Ultraschalluntersuchung. Sitzen die Wucherungen sehr weit oben in der Gebärmutter, wird der Arzt eventuell eine Gebärmutterspiegelung veranlassen, um die Schleimhaut besser beurteilen und auch gleich die Polypen entfernen zu können. Häufig wird zu einer sogenannten Ausschabung geraten, bei der die Gebärmutterschleimhaut ganz vorsichtig abgeschabt und die Polypen entfernt werden. Anschließend wird das Gewebe im Labor untersucht. Polypen müssen von bösartigen Wucherungen abgegrenzt werden. In sehr seltenen Fällen kann dieses Gewebe entarten.

Besteht bei betroffenen Frauen ein Kinderwunsch, werden die Polypen auf jeden Fall entfernt, da sie der Einnistung der Eizellen im Wege stehen können. Während einer bestehenden Schwangerschaft können diese Wucherungen das Risiko für Früh- oder Fehlgeburten erhöhen.

Ansonsten wird in der Regel erst einmal abgewartet. So wie die Polypen entstanden sind, genau so können sie auch wieder verschwinden. Eventuell wird ein Progesteronpräparat verschrieben, welches die Polypen zum Verschwinden bringen und die Symptome verringern soll.

Hilfe aus der Naturheilkunde

Unabhängig davon, wo die Polypen sich im Körper niedergelassen haben, hat die Naturheilkunde Mittel und Wege, gegen sie vorzugehen, zumal dies auch neben einer schulmedizinischen Therapie möglich ist. In jedem Fall sollte im Vorfeld ein Arzt zur Abklärung konsultiert werden.

Sind die Gewebewucherungen im Bauchraum, werden anthroposophische Präparate subkutan in die Bauchhaut (also über dem Ort des Geschehens) zwei bis dreimal pro Woche injiziert. Die Anthroposophische Medizin hält auch Mittel zur oralen Anwendung bei Vorliegen von Polypen parat. Des Weiteren kommt die Akupunktur zur Anwendung. Schüssler Salze, wie Nr. 2 Calcium phosphoricum, Nr. 4 Kalium chloratum, Nr. 6 Kalium sulfuricum, Nr. 22 Calcium carbonicum und bei Vorliegen von Polypen in der Gebärmutter zusätzlich noch Nr. 25 Aurum muriaticum natronatum sind in jedem Fall einen Versuch werden.

Schüssler Salze sind bei der Bekämpfung von Gewebewucherungen im Bauchraum immer einen Versuch wert. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Eine homöopathische Anamnese, bei der ein Konsitutionsmittel erarbeitet wird, ist auch eine gute Möglichkeit zur Behandlung von Polypen. Bei Nasenpolypen sind Komplexmittel hilfreich, die Luffa, Hydrastis, Eupatorium und Natrium chloratum enthalten. Befinden sich die Schleimhautwucherungen im Darm, helfen Mischungen aus Arsenicum album, Helleborus, Acidum phosphoricum, Viola tricolor und Magnesium carbonicum. Ein Komplexmittel, das Hydrastis, Lilium tigrum, Alchemilla, Arnica und Lamium album enthält, ist einen Versuch bei Gebärmutterpolypen wert. In hartnäckigen Fällen sind Graphites, Bellis perennis, Ferrum metallicum und Thuja angezeigt.

Zusammenfassung

Polypen sind in der Regel gutartig. Bilden sie sich jedoch im Darm oder in der Gebärmutter, können sie im schlimmsten Fall entarten. Insbesondere Darmpolypen sollten im Rahmen der Spiegelung gleicht mit entfernt werden. Bei Gebärmutterpolypen werden in der Regel einige Zyklen abgewartet, da sich die Wucherungen häufig durch Hormonschwankungen entwickeln und ebenso wieder von alleine verschwinden können. (sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
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  • Fried, Michael et al.: Magen-Darm-Trakt, Springer-Verlag, 2013

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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