Natürliche Antibiotika – Anwendung und Wirkung

Verschiedene Kräuter und Pillen liegen auf einem Tisch

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Natürliche Antibiotika

In einer Zeit, in der mehr und mehr Infektionserreger gegen herkömmliche Antibiotika resistent werden, sucht die moderne Medizin fieberhaft nach Alternativen. Die Naturheilkunde bietet hier einen ungeahnten Schatz an möglichen Optionen, der bisher allerdings nur bruchstückhaft erforscht ist. Dabei könnten natürliche Antibiotika gerade bei leichten Infektionen wie einer Erkältung oder Grippe und für Patienten, die grundsätzlich schlecht auf antibiotische Wirkstoffe aus der Pharmazie reagieren, eine echte Hilfe sein. In diesem Beitrag werden wir uns einige dieser natürlichen Antibiotika etwas genauer ansehen.


Was sind Antibiotika?

Das Wort „Antibiotikum“ leitet sich von den griechischen Wörtern „anti” für gegen und „bios” für Leben ab. Kurzum, es handelt sich bei einem Antibiotikum um einen Wirkstoff, der dazu in der Lage ist, lebende Infektionserreger aus dem Bereich der Mikroorganismen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie vollständig abtöten zu können. Als lebende Infektionserreger gelten hierbei alle mikrobiellen Keime, also

Bei der Definition von Viren als Mikroorganismen ist sich die Medizin bis heute nicht ganz sicher, da Viren für gewöhnlich nicht als Kleinstlebewesen, sondern nur als organische Strukturen verstanden werden. Auch sind viele Antibiotika gegen Virusinfektionen wirkungslos, was den Erregern ebenfalls eine Sonderstellung innerhalb der Infektionsbehandlung zukommen lässt. Zur Virusbekämpfung werden deshalb meist separate Virostatika anstatt Antibiotika verwendet.

Das Wort „Antibiotikum“ wird oft mit den synthetischen Präparaten assoziiert; dabei sind viele bekannte Antibiotika natürlichen Ursprungs. (Bild: sinhyu/fotolia.com)

Sowohl in der Antike, als auch im Mittelalter und sogar noch in der frühen Neuzeit wurden Infektionserkrankungen primär mit Heilkräutern beziehungsweise Heilkräuterextrakten behandelt, die antibiotische Wirkstoffe enthalten. Drastische Änderungen in der Behandlungsstrategie gab es erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von Penicillin. Der deutsch-österreichische Chirurg Theodor Billroth entdeckte um 1874 erstmals die antibakterielle Wirkung des Pinselschimmel-Pilzes, besser bekannt als Penicillium.

Billroth beobachtete in seinen Versuchen, dass der Pilz erfolgreich das Wachstum von bestimmten bakteriellen Infektionserregern wie dem Milzbranderreger Bacillus anthracis hemmen konnte. Der aus dem Pilz gewonnene Wirkstoff Penicillin wurde daraufhin zur Grundlage in der industriellen Herstellung der ersten Antibiotika. Im Detail wurden vor allem folgende Penicillium Arten zur Gewinnung des Penicillins genutzt:

  • Penicillium chrysogenum,
  • Penicillium glaucum
  • und Penicillium notatum.

Übrigens: Einige Pilze der Gattung Penicillium werden sogar zur Herstellung von Edelschimmel auf bestimmten Käsesorten genutzt. Der Name des beliebten Camemberts stammt nicht von ungefähr, wird seine typische, weiße Schimmeldecke in der Herstellung doch durch Veredelung mit Penicillium camemberti erzeugt.

Die Forschungen Billroths wurden im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und weiterentwickelt, unter anderen von dem schottischen Bakteriologen und Mediziner Alexander Fleming und dem französischen Militärarzt Ernest Duchesne. Zeitgleich fanden Forscher wie der deutsche Arzt Paul Ehrlich noch weitere Alternativen zu heilpflanzlichen Antibiotika, wie etwa bestimmte Farbstoffe (zum Beispiel Arsphenamin) und von Bakterien gebildete Antibiotika (zum Beispiel Chloramphenicol, Aureomycin, Streptomycin, Tetracyclin). Letztere werden bis heute maßgeblich aus Streptomyces gewonnen, einem grampositiven Bakterium aus der Abteilung der Actinobakterien, dessen Arten mehrere antibiotische Wirkstoffe erzeugen.

Inzwischen gibt es auch diverse synthetisch hergestellte Antibiotika, so zum Beispiel Sulfonamide. Sie bestehen aus künstlich erzeugten, chemischen Verbindungen, die ähnlich wie mikrobielle Antibiotika das Wachstum von Krankheitserregern hemmen können, indem sie in entscheidende Stoffwechselprozesse der Erreger eingreifen. Bei Sulfonamiden besteht die Hemmungswirkung aus einer Blockade der Folsäureproduktion von bakteriellen Erregern. Die Folsäure wird von den Keimen benötigt, um Nukleotide herzustellen, welche für die Weitergabe ihrer Erbsubstanz während der Keimvermehrung notwendig sind.

Die Entdeckung von Penicillin war der Anfang der schulmedizinischen Forschung der Antibiotika. (Bild: sinhyu/fotolia.com)

Warum natürliche Antibiotika?

Der Begriff „natürliche Antibiotika“ wird häufig irreführend verwendet. Denn tatsächlich sind auch gängige Präparate wie Penicillin oder aus Bakterien gewonnene antibiotische Wirkstoffe im Grunde natürlichen Ursprungs. Allerdings wurden diese zur Steigerung der Effizienz im vergangenen Jahrhundert intensiv modifiziert, etwa durch Züchtung pharmakologischer Spezialsorten zur Steigerung des Penicillin-Gehalts in den Pinselschimmelpilzen. Darüber hinaus werden die Wirkstoffe trotz ihrer ursprünglich natürlichen Herkunft heute vermehrt künstlich hergestellt, weshalb man unter natürlichen Antibiotika weitestgehend pflanzliche Wirkstoffe definiert, die ohne intensive chemische Aufbereitung gewonnen und angewendet werden.

Natürliche Antibiotika bei Medikamentenallergie

Die Vorteile dieser natürlichen Antibiotika sind vielseitig. Beispielsweise reagieren zahlreiche Menschen allergisch auf bestimmte Präparate. Gerade Penicillin ist immer wieder für schwere allergische Reaktionen verantwortlich. Ursache hierfür ist eine besondere Sensibilität des Immunsystems gegenüber den mykotischen (pilzbasierten) Wirkstoffen. Diese können von der Immunabwehr nicht in jedem Fall zuverlässig als unschädliche Arzneistoffe erkannt werden. Kein Wunder, denn bei Penicillin handelt es sich in erster Linie um einen Schimmelpilz, dessen Bestandteile in erhöhter Konzentration für die körpereigenen Abwehrzellen zunächst einmal Anlass zur Sorge sind. Immerhin könnten sie zumindest theoretisch selbst eine Infektion verursachen. Die Abwehrreaktionen des Körpers sind im Falle einer Penicillin-Allergie mitunter nicht ganz ungefährlich. Mögliche Reaktionen sind zum Beispiel:

Im schlimmsten Fall verursacht die Penicillin-Allergie sogar einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock oder einen Herzstillstand, weshalb Personen mit entsprechender Allergie insbesondere penicillin-basierte Antibiotika wie Amoxicillin, Ampicillin, Cephalosporin, Carbapenem oder Monobactam meiden müssen. Natürliche Antibiotika aus dem Bereich der Heilkräuter sind für diese Menschen daher eine große Hilfe.

Es gibt noch einige andere Allergien, die bei der Einnahme von Antibiotika zum Tragen kommen können. Die Eiweißunverträglichkeit ist hier ein gutes Beispiel, denn viele Tabletten mit antibiotischen Wirkstoffen setzen auf Eiweiß als Konsistenzgeber. Nach der Einnahme der Präparate kann es deshalb, wie beim Verzehr eiweißhaltiger Lebensmittel, auch zu entsprechenden allergischen Reaktionen kommen. Und auch gegen künstlich hergestellte Antibiotika mit synthetischen Verbindungen reagieren manche Patienten immer wieder allergisch.

Die Forschung, die sich dem Kampf gegen die Krankheitserreger verschrieben hat, bestätigt die Stärken traditioneller Mittel immer wieder. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Starke Nebenwirkungen synthetischer Antibiotika

Ein relativ großes Problem bei künstlichen Antibiotika ist auch, dass sie bei der Erregerbekämpfung selten zwischen bösartigen und gutartigen Bakterien unterscheiden. Gutartig sind zum Beispiel die körpereigenen Bakterienstämme der natürlichen Darmflora. Sie werden im Zuge einer Antibiotikabehandlung in der Regel ebenfalls dezimiert, was für vorübergehende Verdauungsstörungen, aber auch für ernste Entzündungen im Verdauungstrakt durch eine massiv geschwächte Darmflora, sorgen kann. Auch die weibliche Scheidenflora reagiert nicht selten mit ungesunden Schwächen auf die Anwendung der Antibiotika, sodass es gelegentlich zu Harnwegsinfekten oder vaginalen Pilzinfektionen kommt.

Synthetisch hergestellte Antibiotika setzen durch ihre aggressiven Wirkstoffe auch dem Immunsystem stark zu. Deshalb besteht eine erhöhte Gefahr, nach einer Antibiotikatherapie eine Folgeinfektion zu entwickeln, was den Behandlungserfolg gelegentlich null und nichtig macht. Häufig ist zum Beispiel eine Infektion durch Darmpilze (Candida Pilze). Sie kommen wie Darmbakterien natürlich im Körper vor, nehmen im Falle der von Antibiotika verursachten Immunschwäche aber oftmals überhand, was schließlich die Infektion auslöst. Auch Herpeserreger machen sich im Rahmen der medikamenteninduzierten Immunschwäche gerne im Körper breit oder flammen neu auf. Insgesamt muss bei der Einnahme mit folgenden Nebenwirkungen gerechnet werden:

Die Multiresistenten Keime sind oft in Krankenhäusern zu finden. (Bild: thauwald-pictures/fotolia.com)

Natürliche Antibiotika gegen Multiresistente Erreger

Heutzutage ist ein weiterer wichtiger Grund, weshalb sich inzwischen selbst die Schulmedizin intensiv mit natürlichen Antibiotika beschäftigt, der enorme Anstieg multiresistenter Keime (kurz: MRE von Multiresistente Erreger). Dahinter verbergen sich Infektionserreger – meist Bakterien, Parasiten oder Viren – die eine umfassende Resistenz gegen mehrere antibiotische Wirkstoffe ausgebildet haben. Schuld daran ist hauptsächlich ein zu intensiver Einsatz von Breitbandantibiotika bei geringsten Anzeichen einer Infektion. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass zu den MRE-Keimen insbesondere Krankheitserreger gehören, die vielfach für augenscheinliche Volkskrankheiten verantwortlich sind. Insgesamt gelten vor allem folgende Erreger heute als vermehrt multiresistent oder zumindest problematisch:

Erreger Krankheiten
Acinetobacter baumannii Lungenentzündungen und Wundinfektionen
Campylobacter jejuni Magen-Darm-Entzündungen
Enterococcus faecalis Blasen-, Prostata- und Scheidenentzündungen
Enterococcus faecium Bauchfell-, Harnwegs- und Darmentzündungen
Escherichia Coli Harnwegsinfekte, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Klebsiella pneumoniae Lungen- und Gallenblasenentzündungen
Mycobacterium tuberculosis Tuberkulose
Plasmodium falciparum Malaria
Pseudomonas aeruginosa Enteritis, Meningitis und Pneumonien
Proteus mirabilis Harnwegsinfekte, Wundinfektionen und Pneumonie
Salmonella Typhimurium Salmonellose
Staphylococcus aureus Pneumonie, Endokarditis und Muskelentzündungen

Multiresistente Keime tummeln sich vor allem in Krankenhäusern, in denen verhältnismäßig viel mit Antibiotika gearbeitet wird. Doch auch landwirtschaftliche Betriebe, die ihr Nutzvieh prophylaktisch mit antibiotischen Wirkstoffen versorgen, um Tierinfektionen vorzubeugen, trugen in der Vergangenheit viel zur Entstehung von MRE-Keimen bei. Die Folgen für die Infektionsbekämpfung sind dabei äußerst bedenklich. Denn mit einer steigenden Zahl von Infektionserregern, die eine Resistenz gegen gängige Medikamente entwickelt haben, reduzieren sich die Optionen erfolgreicher Behandlungsmöglichkeiten.

Die Naturmedizin nutzt seit Jahrzehnten Heilkräuter mit antibiotischer Wirkung.(Bild: exclusive-design/fotolia.com)

Das Resultat dieser inzwischen erschreckend vielfältigen Multiresistenzen bei Infektionserregern ist ein erhöhtes Risiko, dass Einzelinfektionen aufgrund mangelnder Therapiemöglichkeiten zu Epidemien beziehungsweise Seuchen eskalieren. Ebenso hat sich die Todesrate von Infektionspatienten durch multiresistente Keime drastisch erhöht, was zeigt, dass natürliche Antibiotika nicht nur eine Alternative zu herkömmlichen antibiotischen Wirkstoffen sind, sondern möglicherweise auch die einzige Option zur Risikosenkung bei Infektionskrankheiten, die aufgrund keimbezogener Multiresistenzen immer schwerer heilbar sind.

Antibiotische Heilkräuter im Überblick

Wie zu Beginn erwähnt, stellten antimikrobielle Heilkräuter historisch betrachtet die ersten antibiotischen Wirkstoffe überhaupt dar. Ihre Wirkung gestaltet sich dabei zumeist etwas anders als bei aggressiven Antibiotika der Moderne. Anstatt direkt in die Funktionsabläufe der mikrobiellen Erreger einzugreifen, unterstützen sie eher das Immunsystem in seiner natürlichen Abwehrfunktion. Außerdem besitzen viele natürliche Antibiotika auch entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften, die zusätzlich Infektionen entgegenwirken und den Abtransport von Entzündungs- sowie Infektionsträger verbessern.

Aloe Vera

Die Aloe vera ist vielen aus der Kosmetik bekannt, wo sie vor allem als Inhaltsstoff von Hautpflegeprodukten und kühlenden Gels zur Behandlung von Sonnenbrand verwendet wird. Allerdings hat die Sukkulente auch beeindruckende antibiotische Fähigkeiten. Das Gel der Aloe vera, welches aus dem Wasserspeichergewebe ihrer fleischigen Blätter gewonnen wird, enthält eine Reihe antibakterieller sowie antimykotischer, immunstimulierender und entzündungshemmender Inhaltsstoffe, darunter

  • antibiotische Polysaccharide,
  • Lupeol,
  • Salicylsäure
  • und Saponine.

Am häufigsten kommt Aloe vera dabei zur Behandlung von Haut- und Wundinfektionen zum Einsatz. Zu diesem Zweck wird das Aloe Gel einfach auf der betroffenen Hautstelle verteilt.

Aloe vera, die meistens im Bereich der Kosmetik Anwendung findet, hat Eigenschaften eines natürlichen Antibiotikums. (Bild: Igor Normann/fotolia.com)

Echinacea

Ein altes indianisches Antibiotikum ist der Naturheilkunde mit der auch als Sonnenhut bekannten Echinacea gegeben. Sie wird vor allem häufig bei HNO- und Atemwegserkrankungen wie Erkältung, Grippe oder Mandelentzündung angewandt. Das antibiotische Potenzial der pupurroten Blume liegt dabei in ihren antimikrobiellen ätherischen Ölen, in denen vor allem

  • Flavonoide,
  • Glykoside
  • und Zimtsäure enthalten sind.

Unter den Glykosiden bildet insbesondere das Echinacosid eine wichtige Grundlage für die antibiotische, entzündungshemmende und immunstimulierende Wirkung der Pflanze. Es wird inzwischen sogar zur Herstellung heilpflanzlicher Antibiotikapräparate genutzt, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. Ansonsten kann man aus getrockneter Echinacea auch einen wärmenden Tee zubereiten.

Eukalyptus

Dass Eukalyptus bei Erkältung, Grippe und Bronchitis gerne in den verschiedensten Formen zum Einsatz kommt, ist kein Geheimnis. Denn die australische Pflanze wirkt nicht nur schleimlösend und hustenreizmildernd, sondern kann auch die Erreger der Atemwegserkrankungen direkt unschädlich machen. Das ätherische Öl des Eukalyptus enthält nämlich große Mengen an

  • Cineol,
  • Limonen
  • und Pinen.

Mit allen drei Inhaltsstoffen sind dem Eukalyptus nicht nur intensive Aromastoffe gegeben, die den charakteristischen, scharf-frischen Geschmack seiner Blätter erzeugen. Die aromatischen Substanzen bergen daneben auch antibakterielle, antientzündliche und teilweise sogar bronchienerweiternde Eigenschaften, wie sie vor allem bei Atemwegsinfektionen wünschenswert sind. Am besten gelingt die Anwendung dabei in Form von Eukalyptus-Bonbons oder als Dampfbad.
Eukalyptus kann übrigens auch bei infektiösen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündungen helfen.

Eukalyptus ist eine Heilpflanze, deren Eigenschaften vor allem bei Erkrankungen der Atemwege Anwendung finden. (Bild: svitlini/fotolia.com)

Gewürznelke

Geht es um Magen-Darm-Infekte, so wird immer wieder die Gewürznelke (Syzygium aromaticum) empfohlen. Das liegt zum einen daran, dass das Gewürzkraut allgemein gut bei Verdauungsstörungen hilft, indem es die Produktion von Verdauungssekreten wie der Magensäure anregt. Zum anderen birgt die Gewürznelke aber auch konkrete antibiotische und entzündungshemmende Wirkstoffe wie

  • Caryophyllen,
  • Eugenol,
  • Oleanolsäure
  • und Polyphenole.

Letztere haben auch einen antioxidativen Effekt, der bei der Entgiftung und Entschlackung des Körpers hilft und so die Ausleitung von Krankheitserregern verbessert. Um Gewürznelke anzuwenden, muss nicht einmal zwingend auf Fertigpräparate zurückgegriffen werden. Die traditionelle Anwendung als Küchengewürz oder die Zubereitung als Tee reichen hier völlig aus, um die heilsamen Inhaltsstoffe der Pflanze für sich nutzbar zu machen.

Ginseng und Dong Quai

Wenn es um die antibiotische Wirkung von Terpenen geht, so haben die aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) stammenden Kräuter Ginseng (Panax ginseng) und Dong Quai einen besonderen Stellenwert. Letzterer wird aufgrund seiner ähnlichen, wenngleich etwas schwächeren Wirkungsweise auch als “Kleine Schwester des Ginseng” bezeichnet. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Namen Dong Quai aber lediglich eine besondere Art der Engelwurz, nämlich die Chinesische Engelwurz (Angelica sinensis). Sowohl Ginseng als auch Dong Quai fallen dabei durch ihre außergewöhnlichen, immunmodulierenden Eigenschaften auf. Sie können das Immunsystem im Falle einer Infektionserkrankung positiv unterstützen und präventiv gegen Infektionen wirken. Darüber hinaus bergen die Wirkstoffe beider Pflanzen natürlich auch den für natürliche Antibiotika unabdingbaren antimikrobiellen Effekt. Zum Tragen kommen hierbei vor allem Inhaltsstoffe wie:

  • Bisabolen,
  • Bisabolol,
  • Caryophyllen,
  • Ginsenosid,
  • Phellandren
  • und Pinen.

Als Heilkraut verwendet wird bei Ginseng und seiner kleinen Schwester, der Chinesischen Engelwurz, die getrocknete Pflanzenwurzel. Sie kann zum Beispiel mit in eine heilsame Suppe oder Soße geschnitten, aber auch als Tee zubereitet werden. Auch spezielle Stärkungselixiere mit Ginseng beziehungsweise Dong Quai sind in der Traditionellen Chinesischen Medizin üblich. Hier empfehlen wir jedoch vorab eine Absprache mit TCM-Spezialisten.

Grapefruit-Öl wird aus den Kernen der Frucht gewonnen, die schon wegen ihres Vitamin-C-Gehalts für das Immunsystem eine große Rolle spielt. (Bild: 5second/fotolia.com)

Grapefruit

Sogar einige unscheinbare Obstsorten können eine Quelle natürlicher Antibiotika sein. Gerade die Grapefruit (Citrus paradisi) ist schon aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts ein wahrer Segen für unser Immunsystem. Grapefruit-Öl, welches aus den Kernen der Südfrucht gewonnen wird, kann sogar noch mehr, denn es wirkt nicht nur antiviral und antiseptisch, sondern geht auch zuverlässig gegen Bakterien, Pilze (vor allem Candidapilze), Entzündungen und Schwellungen vor. Kurzum, die Grapefruit ist ein waschechtes antibiotisches Obst. Zu verdanken hat die Frucht ihre medizinische Heilwirkung hauptsächlich den Flavonoiden, die sich im ätherischen Öl der Grapefruitkerne befinden.

Wichtig: Anders als die Grapefruit selbst wird das Grapefruit-Öl nicht innerlich angewandt. Stattdessen nutzt man es für Aromatherapien, beispielsweise gemeinsam mit anderen Citrusfrucht-Ölen wie Zitrone oder Orange, oder um entzündliche Hautstellen damit einzureiben.

Ingwer

Wer die indische Küche kennt, der weiß, dass hier sehr viel mit Ingwer (Zingiber) gekocht wird. Das hat nicht nur aromatische Gründe. Denn in der indischen Heilkunst Ayurveda gehört Ingwer zu den wichtigsten Heilkräuterwurzeln und hier speziell zu den heilpflanzlichen Antibiotika. Tatsächlich ist Ingwer weltweit eines der stärksten natürlichen Antibiotika überhaupt und zwar aufgrund einer großen Bandbreite an antibiotischen Wirkstoffen, darunter:

  • Borneol,
  • Cineol,
  • Gingerol,
  • Shogaol,
  • Zingeron
  • und Zingiberol.

Die Inhaltsstoffe wirken zugleich antioxidativ, immunstärkend und entzündungshemmend, was den heilsamen Effekt von Ingwer bei Infektionen weiter unterstützt. Anwenden kann man Ingwer sehr vielseitig, etwa als Gewürz für deftige Mahlzeiten und Suppen, aber auch für Süßspeisen, wobei hier eine maßvolle Dosierung gefragt ist, um es mit dem intensiven, scharf-würzigen Geschmack des Ingwers nicht zu übertreiben. Einige schneiden auch dünne Ingwerscheiben in ihre Teemischung. Und auch getrockneten Ingwer zum Naschen gibt es in jedem Bio-Laden zu kaufen.

Ingwer ist ein Multitalent der fernöstlichen Küche und Medizin. (Bild: pilipphoto/fotolia.com)

Kamille

Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist als natürliches Antibiotikum vor allem deshalb so beliebt, weil sie besonders schonend wirkt und sogar bei Infektionen im Säuglings- und Kindesalter meist bedenkenlos genutzt werden kann. Ihre Inhaltsstoffe bieten also einen sehr sanften antibiotischen Schutz, was insbesondere dem in Kamille enthaltenen Kamillenöl zu verdanken ist. Es ist ein ätherisches Öl, das sich aus folgenden antibiotischen Bestandteilen zusammensetzt:

  • Apigenin,
  • Bisabolol,
  • Chamazulen,
  • Cumarin,
  • Lutein,
  • Matricin,
  • Quercetin,
  • Rutin
  • und Spathulenol.

Angewendet wird Kamille für gewöhnlich innerlich in Form von Tee. Bei Atemwegs- oder Hautinfektionen sind auch Dampfinhalationen, Waschungen und Umschläge mit Kamille denkbar.

Kapuzinerkresse

Viel zu unbekannt und als Antibiotikum auch vielfach unterschätzt ist die Kapuzinerkresse (Tropaeolum). Viele kennen die Pflanze mit den auffällig roten Blüten und den netzadrigen Blättern aus adretten Topfpflanzungen vor dem Haus. Dass sich hinter der Zierpflanze eine Gewürz- und Heilpflanze verbirgt, die mit Abstand eines der stärksten Antibiotika der Welt ist, wissen nur die wenigsten. Ihre Heilwirkung ist sogar so gut, dass Mediziner inzwischen an der Tauglichkeit von Kapuzinerkresse zur Herstellung alternativer Antibiotikapräparate forschen. Medizinisch empfohlen wird sie gegen unkomplizierte Harnwegsinfektionen, sowie bei Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Wundinfektionen und leichten Magen-Darm-Infekten. Es sei jedoch vor dem gewöhnungsbedürftigen Geschmack der Kapuzinerkresse gewarnt, der eine Mischung aus Knoblauch, Schnittlauch und Kresse darstellt und vor allem auf antibiotische Inhaltsstoffe wie

  • Carotinoide,
  • Flavonoide
  • und Senföl zurückgeht.

Als Küchengewürz kann man das Aroma meist noch gut in Gerichte einarbeiten. Als Tee zubereitet oder roh gegessen bereiten die Blätter der Kapuzinerkresse für manch einen dann aber doch eine gewisse Herausforderung. Nichtsdestotrotz kann der Verzehr sehr lohnenswert sein, wenn es darum geht, Infektionen durch natürliche Wirkstoffe zu bekämpfen.

Übrigens: Kapuzinerkresse soll sogar bei schweren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose wirken, was unterstreicht, wie stark die antibiotische Wirkung dieser Gewürz- und Heilpflanze ist.

Als zarte Zierpflanze bekannt, gehört Kapuzinerkresse zu den stärksten natürlichen Antibiotika. (Bild: Marina/fotolia.com)

Knoblauch

Zusammen mit Kapuzinerkresse und Ingwer bildet Knoblauch (Allium sativum) die Triade der stärksten natürlichen Antibiotika im Pflanzenreich. Der rege Einsatz des Knoblauchs in der Küche hat also nicht nur aromatische Gründe. Gerade im Mittelalter, als es noch keine künstlichen Antibiotika gab, feierte die Knoblauchzehe in der Behandlung von Infektionskrankheiten Hochkonjunktur. Ihre wichtigsten Inhaltsstoffe sind:

  • Alliin,
  • Terpene
  • und Saponine.

Alliin ist dabei in seiner antibiotischen Wirkung dem Penicillin äußerst ähnlich, weil es die Funktionsmechanismen von Mikroorganismen direkt angreift. Nicht umsonst wird deshalb aus Alliin der pharmazeutische Wirkstoff Allicin gewonnen, das zytotoxisch (zelltötend) gegen Infektionskeime und sogar gegen Krebszellen vorgeht.

Tipp: Eine zerquetschte Knoblauchzehe in 250 ml Milch gekocht soll vor allem bei Atemwegsinfekten sehr gut helfen. Zwar ist der Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig, doch Medizin soll ja bekanntlich nicht schmecken, sondern helfen.

Kurkuma

Kurkuma (Curcuma longa) ist ein ayurvedisches Heilkraut, das seinen wichtigsten antibiotischen Wirkstoff bereits im Namen trägt, das Curcumin. Der orange-gelbe Pflanzenfarbstoff sorgt nicht nur für die auffällig gelbe Färbung von Kurkuma, wegen der die Pflanze auch als Gelbwurzel bekannt ist. Daneben zeigte Curcumin in verschiedenen Studien auch eine äußerst gute Wirkung gegen infektionsbedingte Entzündungen. In der indonesischen wie auch in der javanischen Medizin ist Kurkuma deshalb schon seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Infektionsbehandlung. Auch gegen allgemeine Immunschwächen wird die Gelbwurz genutzt.

Kurkuma, auch als Gelbwurzel bekannt, gehört dank seinem Wirkstoff Curcumin zu den starken Entzündungshemmern. (Bild: monticellllo/fotolia.com)

Manuka

Honig wird bei Infektionen vielfach wegen seiner desinfizierenden Eigenschaften empfohlen. Das gilt insbesondere für Atemwegserkrankungen. Besonders gut wirkt in diesem Zusammenhang Manuka-Honig. Er wird aus der Manukapflanze bezeihungsweise Südseemyrte (Leptospermum scoparium) gewonnen, die maßgeblich in Neuseeland und Australien wächst und hier von den Ureinwohnern schon lange vor Eintreffen europäischer Siedler zur Behandlung von Wundinfektionen und Erkältungskrankheiten genutzt wurde.

Das Geheimnis von Manuka-Honig liegt zum einen in dem Enzym Glucose-Oxydase begründet, das für Honig typisch ist und diesem durch Honigbienen zugesetzt wird. Durch das Enzym entsteht im Honig Wasserstoffperoxid, das gemeinhin als desinfizierend gilt und somit erfolgreich gegen Infektionen wirkt. Zum anderen enthält auch Manuka selbst einige antibiotische Wirkstoffe, darunter Methylglyoxal. Es wirkt antibakteriell sowie entzündungshemmend und ist der Hauptgrund dafür, dass Manukaöl in verschiedenen Studien zur Infektionsbehandlung sehr gut abschnitt. Vor allem Infektionen durch das Bakterium Helicobacter pylori, das neben Hautinfektionen auch für Magen-Darm-Infekte verantwortlich ist, sprechen gut auf das Öl der Südseemyrte an.

Tipp: Manuka-Honig wird von den neuseeländischen Maori zur Behandlung von Wund- und Hautinfektionen genutzt. Zudem gibt es verschiedene Manuka-Salben, die selbst zum Infektionsschutz bei frischen Tattoo-Wunden zum Einsatz kommen.

Meerrettich

Vielen ist der Meerrettich (Armoracia rusticana) hauptsächlich aus der Küche bekannt, wo er als scharf-würziges Kraut für Gemüsebeilagen, Soßen oder Dips verwendet wird. In der Volksheilkunde ist Meerrettich allerdings auch als Antibiotikum bekannt. Hier wird er in erster Linie zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Erkältung oder Grippe eingesetzt. Dank seiner antimikrobiell wirkenden Senfölglykoside sorgt er nämlich für eine zuverlässige Reinigung der Atemwege und erweitert diese zugleich auch noch, wodurch sich Schleim besser abhusten und die Atemfähigkeit verbessern lässt.

Neben der Nutzung als Küchenkraut wird Meerrettich zur Infektionsbehandlung gerne mit anderen würzigen Kräutern wie der Kapuzinerkresse kombiniert, um den antibiotischen Effekt noch zu verstärken. Zusätzlich zur Nutzung als Gewürzkraut ist dabei auch die Anwendung von Meerrettichsaft, Meerrettichhonig oder Umschlägen aus Meerrettich denkbar.

Pfefferminze

Als natürliches Antibiotikum ist auch die Pfefferminze (Mentha piperita) bekannt. Grundsätzlich sind Minzen aufgrund antibiotischer und auch antiviraler Inhaltsstoffe wie

  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe
  • und Menthol

bei bestehenden Infektionen immer eine Empfehlung wert. Dass gerade Pfefferminze dabei zuverlässig wirkt, zeigt sich auch daran, dass Pfefferminztee neben Kamillentee einen der traditionellen Krankhenhaustees darstellt. Neben Erkältungskrankheiten sprechen auch Magen-Darm-Infekte und infektionsträchtige Wunden gut auf eine Behandlung mit Pfefferminze an.

Die medizinische Wirkung von Salbei kann dadurch begünstigt werden, wenn das Kraut oft in der Küche verwendet wird. (Bild: Madeleine Steinbach/fotolia.com)

Salbei

Neben Pfefferminze und Kamille dürfte Salbei (Salvia officinalis) hierzulande das wohl bekannteste natürliche Antibiotikum darstellen. Davon zeugen schon allein die Salbeibonbons, die bei Erkältung und Grippe fast schon standardmäßig zur Ausstattung der Hausapotheke gehören. Und das nicht ohne Grund, denn Salbei enthält große Mengen an

  • Betulin,
  • Borneol,
  • Gerbstoffen,
  • Kampfer,
  • Menthol,
  • Pinen,
  • Salviol,
  • Salven,
  • Thymol
  • und Zineol

– eine ganze Fülle an ätherischen Wirkstoffen, die dem Salbei nicht nur seine antibiotische Wirkung, sondern auch sein leicht scharfes und atemwegsbefreiendes Aroma verleihen. Zusätzlich zur Anwendung in Form von Salbei-Bonbons oder Salbeitee, kann man dabei übrigens auch wunderbar mit Salbei kochen. Insbesondere mediterrane Gerichte profitieren von dem Aroma des Salbeis, der bekanntlich zu den mediterranen Kräutern gehört.

Teebaumöl

Die Essenzen des Teebaums (Melaleuca alternifolia) werden antibiotisch vor allem als Desinfektionsmittel gegen Haut- und Schleimhautinfektionen angewendet. Insbesondere für infektionsträchtigte Stellen im Fuß- und Handbereich, beispielsweise bei Fußpilz, Hautpilz oder Nagelpilz, eignet sich die Anwendung von Teebaumöl dabei besonders gut. Doch auch Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches werden gelegentlich mit Mundspülungen aus Teebaumöl behandelt.

Hauptwirkstoff hier ist das teebaumeigene Cineol. Es wird auch in der Therapie von Atemwegserkrankungen wie Asthma, Bronchitis oder Erkältung sehr geschätzt, wobei Teebaumöl hier hauptsächlich im Rahmen einer Aromatherapie zur Anwendung kommen sollte. Denn die Inhaltsstoffe des Teebaums sind zwar sehr heilsam, mitunter aber auch stark reizend, wenn sie in zu großen Mengen mit der Atemwegsschleimhaut in Kontakt kommen. Auch bei etwaigen Mundspülungen sollte Teebaumöl aus diesem Grund nur gut verdünnt Verwendung finden.

Neben Salbei gehört auch Thymian zu den populären Heilkräutern mit antibiotischer Wirkung. (Bild: Andreas Berheide/fotolia.com)

Thymian

Schwer unterschätzt als natürliches Antibiotikum wird bisweilen der Thymian (Thymus vulgaris). Dabei ist er ein fester Bestandteil in zahlreichen Hustensäften, Erkältungs- und Grippemitteln. Seine desinfizierende Wirkung kann dabei sogar bei hartnäckigen Magen-Darm- und Harnwegsinfekten helfen. Die Wirkstoffkombination, die im Falle des Thymians für dessen guten antibiotischen Effekt verantwortlich ist, setzt sich wie so oft aus verschiedenen ätherischen Ölen beziehungsweise deren Bestandteilen zusammen, darunter:

  • Bitterstoffe,
  • Carvacol,
  • Cumarin,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Kampfer,
  • Thymol
  • und Zineol.

Gerade das Thymol, das seinen Namen unverkennbar dem Thymian verdankt, ist ganz besonders für seine antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften bekannt. Diese sind sogar derart effektiv, dass Thymian bereits im alten Ägypten zur Konservierung von Mumien genutzt wurde. Ein natürliches Antibiotikum mit äußerst langer Anwendungsgeschichte also. Zur Infektionsbehandlung wird Thymian für gewöhnlich als Tee oder Tinktur eingenommen. Wie beim Salbei ist es in konkreten Krankheitsfällen empfehlenswert, das mediterrane Kraut vermehrt zum Kochen zu gebrauchen.

Weihrauch und Styrax

Apropos Mumien – auch das Baumharz des Weihrauchbaums (Boswellia sacra), der Weihrauch, ist von der Mumienkonservierung des alten Ägyptens her als hocheffizientes Desinfektionsmittel bekannt. Ähnlich sieht es bei Styrax aus, ein besonders antibiotisches Räucherharz ähnlich wie Weihrauch, das aus der Rinde des Storaxbaums (Styrax officinalis) gewonnen wird.

Beide Räucherharze können zur Aromatherapie bei Atemwegsinfekten angewendet werden. Dafür gibt man kleine Mengen des Harzes entweder auf glühende Räucherkohle oder in ein Räucherstövchen. In Ostafrika wird speziell der Weihrauch außerdem bei Magen-Darm-Beschwerden mit und ohne Infektionsursache genutzt. Der Weihrauch wird zu diesem Zweck mit weiteren Kräuterblättern und -samen sowie Honig, Salz und Butter zubereitet. Und auch in der modernen Medizin ist Weihrauch bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa noch im Einsatz.

Zimt – das beliebte Gewürz hat medizinisches Potenzial und zählt zu den natürlichen Antibiotika. (Bild: Igor Normann/fotolia.com)

Zimt

Die Rinde des Zimtbaums (Cinnamonum) ist gemeinhin eher für ihren einzigartigen Geschmack bekannt, der Süßspeisen, Desserts und Gebäck eine unverkennbare Note verleiht. Dabei steckt im Zimt auch ein ungeahntes Heilpotenzial. Vor allem

  • Borneol,
  • Cumarin,
  • Eugenol,
  • Gerbstoffe
  • und Kampfer

sorgen dabei für einen antimikrobiellen Effekt des Zimts, der durchaus auch erfolgreich gegen leichte Infektionen genutzt werden kann. Vor allem Entzündungskrankheiten der Atemwege und des Verdauungstraktes können besonders gut auf eine Behandlung mit Zimt ansprechen.

Zitrone

Die heiße Zitrone bei Grippe wird nicht nur wegen des hohen Vitamin-C-Gehalts der Zitrusfrucht empfohlen, der das Immunsystem bei einem Infektionsgeschehen unterstützen kann. Darüber hinaus besitzen Zitronen auch einige desinfizierende Flavonoide, welche die Südfrucht zu Recht in den Rang eines natürlichen Antibiotikums erheben. Als Zusatz für antibiotische Kräutertees, ebenso wie für Honig, Salate und warme Gerichte ist Zitrone deshalb sehr zu empfehlen. Auch ein ätherisches Aromaöl aus der Zitrusfrucht kann zur Inhalation bei Atemwegsinfekten Gutes tun. Und selbst Bäder und Massagen mit Zitronenöl beziehungsweise Zitronensaft sind zur Krankheitsbehandlung denkbar.

Zwiebel gehört zu den traditionellen Mitteln mit vielfältiger Wirkung – dank den vielen medizinisch wirksamen Substanzen, die sie enthält. (Bild: Volodymyr Chaban/fotolia.com)

Zwiebel

Großmutters Nonplusultra bei Erkältungen ist gewiss die Zwiebel (Allium cepa). Zwiebelsuppe, Zwiebelwickel, Zwiebelsaft, ja bisweilen sogar Zwiebeltee. Doch warum? Zunächst einmal gehört die Zwiebel zu den Laucharten und ist somit auch mit dem Knoblauch verwandt. Das bedeutet, dass Zwiebeln im Grunde ähnliche Wirkstoffe besitzen. Allerdings kommen bei der Zwiebel noch einige andere Inhaltsstoffe hinzu, welche die antibiotische Wirkung unterstützen. Insgesamt enthält die Zwiebel vor allem folgende wichtigen Substanzen:

  • Allicin,
  • Aspargin,
  • Carotin,
  • Cholin,
  • Essigsäure,
  • Fumarsäure,
  • Gerbstoffe,
  • Jod,
  • Kaffeesäure,
  • Kalziumoxalat,
  • Linolsäure,
  • Lutein,
  • Oxalsäure,
  • Rutin,
  • Senfölglykoside,
  • Schwefel
  • und Zitronensäure.

Die Zwiebel vereint diverse desinfizierende Pflanzenstoffe, die ansonsten oft nur separat in verschiedenen natürlichen Antibiotika zu finden sind. Hieraus leitet sich auch die ganzheitliche Wirkung der Zwiebel ab, die sowohl bei Atemwegsinfekten, als auch bei sexuellen Krankheiten (Geschlechtskrankheiten), Magen-Darm-, Haut- und Wundinfekten hilft. Gerade im Bereich der Frauenheilkunde wird die gute Wirkung der Zwiebel gegen Scheiden-, Gebärmutter- und Eierstockentzündungen hochgeschätzt. Die Zwiebel ist in diesem Kontext also ein wahres Universalmittel, das in der traditionellen Volksheilkunde so beliebt ist.

Weitere natürliche Antibiotika

Nicht immer müssen natürliche Antibiotika aus dem Pflanzenreich stammen. Das zeigen bereits der Penicillin-Pilz und verschiedene auf Bakterien basierende herkömmliche Präparate. Doch auch hier gibt es schonende Alternativen zu modernen antibiotischen Wirkstoffen mit starken Nebenwirkungen und Allergierisiko.

Bienenhonig besitzt besondere antibiotische Eigenschaften durch die Enzyme, die die Bienen ihm zufügen. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Honig und Propolis

Wie schon erwähnt birgt Bienenhonig dank seines hohen Gehalts an Wasserstoffperoxid, das dem flüssigen Gold durch Bienenenzyme zugesetzt wird, ein hervorragendes Antibiotikum. Das gilt jedoch auch für Propolis alias Bienenharz. Es handelt sich dabei um die harzige Masse, die von Bienen zur Herstellung ihrer Bienenwaben produziert wird. Diese fungieren bekanntlich als Brutstätten für Jungbienen und müssen deshalb gut vor Krankheitserregern geschützt sein. Zu diesem Zweck arbeiten Bienen in ihren Propolis verschiedene antibakterielle, antimykotische und antivirale Bestandteile ein, die sie aus dem Naturharz von Bäumen sowie dem Balsam von Blütenpollen gewinnen, die sie bei ihren Streifzügen besuchen. Zu diesen natürlichen Bestandteilen zählen neben Wachs und Pollenanteilen vor allem ätherische Pflanzenzusätze wie

  • Chrysin,
  • Cumarsäure,
  • Ferulasäure,
  • Galangin,
  • Kaffeesäure,
  • Nymphaeol,
  • Pinocembrin
  • und Zimtsäure.

Der reiche Mix an antibiotischen Flavonoiden und Phenolen macht aus Propolis ein ganz besonderes Naturerzeugnis zur Infektbehandlung und kann mittlerweile nicht nur in Salbenform, sondern auch in Tropfenform oder als Tinktur gekauft werden.

Kolloidales Silber

Etwas aus der Reihe tanzt bei natürlichen Antibiotika das kolloidale Silber. Es wirkt nach dem Prinzip der elektrischen Polarisierung, was sich bei negativer Ladung schädlich auf bestimmte Bakterienstämme auswirkt. In Körperwasser gelöst können die Silberpartikel so die Tätigkeit von Bakterien stören und gelegentlich sogar völlig zum Erliegen bringen. Der Störfaktor tritt bei bakteriellen Zellen spätestens nach sechs Minuten ein, wobei jedoch keine körpereigenen Zellen angegriffen werden. Angewendet wird kolloidales Silber zumeist in Form von Tropfenlösungen. Diese sind in Apotheken oder gut sortierten Reformhäusern erhältlich.

Chaga-Pilz kommt nicht nur in der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Einsatz, seine Wirkung war der finnischen und russischen Heilkunde seit Jahrzehnten bekannt. (Bild: detry26/fotolia.com)

Chaga Pilz

Nicht allein der Penicillin Pilz ist ein Heilpilz mit antibiotischen Eigenschaften. So gilt der Schiefe Schillerporling (Inonotus obliquus), besser bekannt als Chaga Pilz, nicht umsonst als König der Heilpilze. Seine Antioxidantien, ebenso wie die in ihm enthaltenen ß-Glucane, stehen dem Penicillin in nichts nach. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird er darum standardmäßig gegen Immunschwächen, Entzündungen und bestehende Infektionserkrankungen eingesetzt. Gerade chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Gastritis oder Colitis ulcerosa sollen gut auf eine Anwendung des Chaga Pilzes reagieren.

Zu finden ist der Chaga Pilz interessanterweise nur auf Laubbäumen und hier vor allem an der Rinde von Birken. Als Vitalpilz kann er so zum Beispiel zur Herstellung von Tee verwendet werden. Es ist wichtig, Chaga-Tee aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu verwenden. Auf dem Markt sind viele nutzlose und sogar schädliche Produkte, wie zum Beispiel Chaga in Pulverform, erhältlich.

Anwendung natürlicher Antibiotika

Natürliche Antibiotika können bei leichten beziehungsweise anfänglichen Infektionen genutzt werden, um zu sehen, ob die Beschwerden so früher oder später von selbst verschwinden. Der übertriebene Einsatz von Antibiotika als Pauschallösung lässt sich so in vielen Fällen reduzieren und damit auch die Entstehung weiterer multiresistenter Keime reduzieren. Wichtig ist, schon bei den ersten Anzeichen mit der Anwendung zu beginnen und diese auch ein bis zwei Tage nach Abklingen der Symptome noch fortzuführen, um sicherzustellen, dass die Infektion auch wirklich abgeklungen ist.

Ergänzend empfiehlt sich eine vitaminreiche Kost, die dem Immunsystem bei seinen energieraubenden Abwehrprozessen als zusätzliche Stärkung dient. Auch sollten Patienten viel Flüssigkeit zu sich nehmen, damit Schadstoffe schnell ausgespült und der Körper so umfassend gereinigt wird. Im Falle von antibiotischen Kräutertees wird der Organismus über die Flüssigkeitszufuhr außerdem mit wichtigen Wirkstoffen versorgt, die zur Infektionsbekämpfung notwendig sind. Die Teeflüssigkeit dient hierbei als eine zuverlässige Basis, durch die die Wirkstoffe besonders schnell im Körper verteilt werden können.

Wenn die Therapie schnell verlaufen muss, ist der Einsatz der natürlichen Antibiotika manchmal nicht ausreichend. In dem Falle entscheiden sich Ärzte für radikalere Maßnahmen und natürliche Präparate können eine unterstützende Rolle spielen. (Bild: rvlsoft/fotolia.com)

Gegenanzeigen bei natürlichen Antibiotika

Abzuraten ist von natürlichen Antibiotika, wenn nachweislich eine Allergie gegen bestimmte Pflanzen beziehungsweise Pflanzenpollen vorliegt. Menschen mit einer bestehenden Kreuzblütlerallergie sollten zum Beispiel vom Einsatz zugehöriger Heilkräuter wie Meerrettich absehen. Des Weiteren ist eine alleinige Anwendung natürlicher Antibiotika wirklich nur dann zu empfehlen, wenn es sich um keine ernsten Infektionen mit lebensgefährlichen Komplikationen handelt.

Erkältungskrankheiten, ebenso wie leichte Harnwegs-, Haut- und Magen-Darm-Infektionen, lassen sich für gewöhnlich sehr gut mit natürlichen Antibiotika behandeln. Schwere Infektionskrankheiten wie Malaria oder Tuberkulose erfordern dagegen grundsätzlich eine Inaugenscheinnahme durch einen Arzt und meist auch den Einsatz aggressiverer Mittel, um den Infektionserregern zeitnah Herr zu werden. Natürliche Antibiotika können hier meist nur unterstützend oder zur Stärkung des Immunsystems nach überstandener Krankheit zum Einsatz kommen. Als alleinige Behandlungsmaßnahme kommen sie in solch einem Fall jedoch meist nicht in Frage, da das Risiko einer Keimverschleppung zu groß ist. Die Folge könnten dann lebensgefährliche Multiinfektionen sein, die eine aufwändigere Behandlung erfordern. (ma)

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Goldfing, Alessia: Natürliche Antibiotika – Natürliche Alternativen im Kampf gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen; mit Rezeptideen, Independently Published, 2018
  • Siewert, Aruna M.: Pflanzliche Antibiotika: Geheimwaffen aus der Natur, Gräfe und Unzer, 2015
  • Hummel, Herbert: Arzneimittellehre, Allgemeiner Teil, Vincentz Network, 1994
  • Pschyrembel, Willibald: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Thieme Verlag, 2017

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.